Natürlich geht es für mich auch an diesem Wochenende aufs Bike. Als erstes stellt sich wieder die Frage wohin. Aufgrund der vorhergesagten Hitze muss ein hoch gelegenes Ziel her. Als erstes kommt mir die Idee auf den Vorab bei Laax zu fahren mit der Option bis zur Bergstation des La Siala zu fahren und von dort das Laaxerstöckli zu Fuss zu erklimmen. Ein Blick auf die Webcams zeigt aber, dass oberhalb 2500 m doch noch etliche Schneefelder liegen. So fällt diese Option weg und ist wohl eher etwas für Juli oder August. Nächste Idee: Das Weissfluhjoch bei Davos. Die Region um Davos hat ja den gesamten Winter über sehr wenig Schnee abbekommen, wodurch das Weissfluhjoch tatsächlich bereits jetzt Ende Juni beinahe komplett schneefrei ist. Vom Weissfluhjoch soll es dann weiter via Felsenweg und Strelapass zum Chörbschhorn gehen und dort den Trail runter zur Stafelalp. Von dort gibt es dann diverse Optionen: Zurück in Richtung Davos & Klosters, rüber ans Rinerhorn oder weiter in Richtung Filisur. Das werde ich aber dann spontan entscheiden.
Aufgrund der langen Anreise und der hohen Temperaturen entscheide ich mich mal wieder für einen frühen Start, sprich um 6 sitze ich bereits auf dem Bike um in Thalwil den Zug um 6:21 zu erwischen (heute starte ich wieder bei meinen Eltern mit dem neueren Bike).

- Start um 6 Uhr kurz nach dem Sonnenaufgang.
Mein ursprünglicher Plan ist es in Klosters zu starten und dann via Alp Casanna und Kreuzweg hoch zum Weissfluhjoch zu fahren. Spontan entscheide ich mich jedoch dazu mit dem Zug bis nach Cavadürli zu fahren und mir somit noch gut 150 Höhenmeter zu sparen. Der Aufstieg zum Weissfluhjoch ist auch so long lang genug

.
So starte ich also gegen 8:40 in Cavadürli. Zuerst geht es über einen Kiesweg zur Sereneuser Schwendi. Noch ist es mit rund 15° sehr angenehm. Auf der zweiten Hälfte der Strecke fährt man dabei über die Talabfahrt hoch. Während der Ziehweg im Winter doch teilweise sehr flach erscheint, ist es nun im Sommer mit dem Bike teilweise doch ordentlich steil.

- Blick runter nach Klosters und rüber zur Madrisa.

- Skigebiet Madrisa im Zoom

- Auch der Silvretta-Gletscher ist zu sehen

- Angekommen bei der Schwendi. Sehr nette Landschaft hier.
Weiter geht es der Kiesstrasse folgend zur Alp Casanna.

- Blick ins Prättigau. Die Fernsicht ist um Welten besser als vor zwei Wochen, als ich auf dem Durannapass war.

- Nette Felsformationen des Rätikons. Müsste wohl die Schesaplana sein.

- Silvretta Gletscher, einfach schön anzusehen

- Alp Casanna und Casanna
Von der Alp Casanna geht es weiter über die Schotterstrasse nach oben. Etwas oberhalb der Mittelstation der Schiferbahn endent diese jedoch. Der weitere Weg ist dann leider deutlich schlechter als die Karte vermuten liess. Es gab hier wohl mal eine (eher rudimentäre) Schotterstrasse, die ist mittlerweile aber stellenweise völlig zerfallen. Zudem führt der Weg einfach schnurstraks die Skipiste hoch, 30% Steigung und mehr sind keine Seltenheit. So muss ich das Fahren bald aufgeben und das Bike hoch schieben. Tja, wo das Gefälle ideal zum Skifahren ist, eignet es sich leider nicht um mit dem Bike hochzufahren

.

- Mittelstation Schiferbahn

- Die Kiesstrasse endet hier ziemlich unvermittelt.

- Etwas weiter oben. Von der Alpstrasse/Schotterstrasse auf der Karte sind nur noch überreste zu erkennen. Dafür geht es brutal steil gerde den Hang hinauf.
Bis zur Talstation des Schlepplipts Kreuweg muss ich so einen grossen Teil schieben. Da war ich bei der Routenplanung wohl nicht gründlich genug. Die Angaben auf der Karte und Komoot sind hier aber teilweise auch etwas irreführend. Komoot gibt hier maximal 25% an, anstatt den tatsächlichen 30%, fürs Mountainbike ein sehr entscheidender Unterschied (25% sind je nach Wegbeschaffenheit gerade noch fahrbar).

- Angekommen am Ende des Steilstücks kurz unterhalb des Schlepplifts Kreuzweg.

- Blick zum Weissfluh-Gipfel. Kommt wohl auch nicht so häufig vor, dass es hier Ende Juni bis zum Gipfel praktisch schneefrei ist.
Bei der Talstation des Skilifts Kreuzweg wird der Weg dann interessanterweise wieder deutlich besser. So kann ich wieder ein Stück fahren. Leider wird die Kiesstrasse aber aber zwei Mal nochmals extrem steil (auch hier nahe an den 30%), sodass ich nochmals schieben muss.

- Am Ende der nächsten Schiebestrecke. Wie man im Hintergrund sehen kann ist aber immerhin die Strasse hier deutlich besser.

- Geländemulde etwas unterhalb des Weissfluhjochs.
Ab dieser Geländemulde ist die Strasse plötzlich deutlich intelligenter angelegt und führt dem Hang entlang mit konstanten 15-20% nach oben. Zwar immernoch steil, aber fahrbar. So erklimme ich noch die letzten Meter zum Weissfluhjoch, wo ich ziemlich genau um 11 Uhr eintreffe. Ein nächstes Mal würde ich wohl von Davos Wolfgang via Parsennhütte hochfahren. Die Ausblicke ins Prättigau sind auf der heute von mir gewählten Route zwar durchaus nett, dafür lohnen sich die 300-400 Höhemeter Schiebestrecke aber dann doch nicht.

- Standard-Foto vom Weissfluhjoch ins Dorftälli

- Zoom rüber zum Jakobshorn

- Schwarzhorn. Auch ein sehr lohnenswertes Ziel (jedoch zu Fuss und nicht mit dem Bike)

- Silvretta-Gletscher

- Piz Kesch und rechts hinten der Piz Bernina

- Namenloses Seelein mit Rätikon im Hintergrund.
Auf dem Weissfluhjoch mache ich eine Mittagspause. Bei frischen 11° muss ich mir hierfür sogar ein windgeschütztes und sonniges Plätzchen suchen. Hier oben ist von der angesagten Hitze bisher absolut nichts zu spüren.
Danach geht es runter ins Hauptertälli und weiter via Felsenweg zum Strelapass.

- Bei der Talstation des Hauptertälli-Lifts

- Etwas weiter unten, Blick nach Arosa

- Weisshorn im Zoom

- Blick zurück zum Weissfluhjoch

- Felsenweg, sehr schön angelegt.
Am Strelapass angekommen fahre ich weiter über den Trail zum Chörbschhorn. Dieser ist grösstenteils gut fahrbar, ohne E-Bike muss ich aber dennoch ab und zu zwischendurch mal kurz ein paar Meter schieben. Es ist frappant wie stark man die revisionsbedingte Schliessung der Parsennbahn und den Ersatzbetrieb der Sesselbahn am Strela bemerkt. Während ich rund um das Weissfluhjoch kaum andere Leute antreffe, sind ab dem Strelapass etliche Biker und Wanderer unterwegs.

- Kurz nach dem Strelapass, Blick zurück zum Weissfluh und dem Schiahorn

- Weiter gehts vorbei am Strelasee

- Immer mit bester Aussicht in die umliegenden Berge.

- Bei der Lätschüelfurgga, Blick ins Schanfigg

- Ringelspitz

- Tödi

- Auch das Skigebiet von Laax ist von hier zu sehen.
Ab der Lätschüelfurgga geht es nochmals ordentlich bergauf zum Chörbschhorn. Der Trail ist auch hier angenehm, zwei mal muss ich aber aufgrund der grossen Steilheit kurz einige Meter schieben.

- Angekommen bei der Chörbschhornhütte. Einfach ein traumhaftes Panorama hier.

- Dito

- Wiessfluhjoch im Zoom. Doch eine ordentliche Strecke, die man hier zurücklegt.

- Skigebiet am Jakobshorn

- Und Rinerhorn
Der Trail von Chörbschhorn runter zur Stafelalp ist nicht allzu steil und gut fahrbar (S2). Nur eine einzige Stelle ist deutlich schwerer (S3+), da muss man das Bike dann halt kurz ein paar Meter schieben. Der Trail macht so insgesamt viel Spass. Einzig der Fakt, dass teilweise etwas viel loses Material im Trail liegt bereitet mir teilweise etwas mühe. Ist wohl aber mehr ein Problem des Kopfs als der Fahrtechnik

.
Angekommen bei der Stafelalp stellt sich die Frage wie weiter. Da es erst 13:45 ist, entscheide ich mich dazu noch in Richtung Rinerhorn hochzufahren. Also geht es runter ins Tal und auf der anderen Seite wieder hoch. Hier ist es dann aber plötzlich brutal heiss. Es ist deutlich über 20 Grad und die Sonne brennt an diesem nach Westen ausgerichteten Hang am Nachmittag doch arg runter. Aufgrund der hoch stehenden Sonne vermag auch der (lichte) Wald kaum Schatten zu spenden. Da merkt man schon, dass die Sommersonnenwende nur gerade ein Tag vorher war. Mit einigen Pausen (so gut es geht im Schatten) kämpfe ich mich dennoch den Berg hoch.

- Speichersee am Rinerhorn

- Die Talstation der Nülli-Lifte kommt in Sicht

- Im Schlusshang der Nülli-Abfahrt. Wirkt im Sommer deutlich steiler als im Winter. Jetzt im Sommer ist es kaum vorstellbar, dass man hier im Winter problemlos mit hohem Tempo carven kann.

- Der Blick das Tal hinunter ist im Sommer genauso schön wie im Winter.
Den ursprünglichen Plan von hier nach Filisur zu fahren verwerfe ich. Einerseits wird die Zeit dafür zu knapp und andererseits gibt es dort nach Monstein nochmals einen Anstieg an diesem sonnenexponierten West-Hang. So entscheide ich mich stattdessen nach Sertig zu fahren.

- Kurz nach der Kreuzung des Hubel-Lifts. Auch hier kann sich das Panorama durchaus sehen lassen.

- Zoom auf die andere Talseite zum Chörbschhorn mit dem Trail.

- Am Wegrand blühen die ersten Alpenrosen
Der Trail nach Sertig hat es dann doch noch in sich. Technisch ist er nicht allzu schwer (S1 bis S2). Mit vielen Kurven, kleinen Hindernissen und etlichen kurzen und teils technischen Gegenanstiegen ist das Tempo sehr niedrig und die knapp 6 Kilometer ziehen sich so ordentlich in die Länge. Schön ist es aber allemal zu fahren.

- Trail nach Sertig.

- Das Ziel kommt in Sicht. Landschaftlich ist das Talende hier einfach traumhaft.

- Angekommen in Sertig.
Von Sertig fahre ich über die Strasse via Clavadel nach Davos Platz und weiter nach Davos Dorf. Von dort möchte ich eigentlich noch nach Klosters abfahren. Jedoch wird die Zeit langsam knapp. Es ist mittlerweise bereits 16:50, der heisse Aufstieg zum Rinerhorn und der lange Trail nach Sertig haben doch einiges an Zeit gekostet. Eigentlich möchte ich spätestens den 17:30 Zug ab Klosters erwischen, um nicht zu spät zu Hause zu sein. Die Bike Strecke von Davos Dorf via Wolfgang nach Laret weist aber doch noch einige kurze Anstiege auf (total sollen es rund 200 Höhenmeter sein) und die anschliessende Abfahrt nach Klosters sind dann auch noch einige Kilometer. Das wird sich wohl kaum ausgehen. So entscheide ich mich zum Bahnhof Davos Dorf zu fahren und den Zug schon dort zu nehmen
Fazit:
Eine traumhafte Runde welche insbesondere auch für heisse Tage geeignet ist. Im Kanton Graubünden macht es mit dem Bike einfach immer viel Spass. Die Trails sind immer sehr gur ausgeschildert und durchgehend mit gescheiten Weidezaun-Durchgänge ausgerüstet. Einzig der Aufstieg über den Kreuzweg war nicht so ideal, ein anderes Mal würde ich wohl von Wolfgang via Parsennhütte hoch. Dann geht sich vielleicht auch die Abfahrt nach Klosters zeitlich noch aus.
Zum Schluss noch die Eckdaten:
Strecke: 56.8 km
Aufstieg: 2220 m
Fahrzeit: 5h 30min