Natürlich gilt es auch an einem Sonntag die Menschenmassen zu vermeiden. Es graust mich um nach Engelberg, Andermatt oder Grindelwald zu fahren... Da ist im Januar und Februar an einem sonnigen Wochenende einfach zu voll. Und auch mit Melchsee-Frutt, Hasliberg und Mythenregion habe ich an Wochenenden nicht unbedingt nur gute Erfahrungen gemacht. Sörenberg geht bis auf beide KSBs klar, aber da wir am Vortag schon in Lauchernalp waren, bietete sich mit Hotelübernachtung spontan Adelboden-Lenk an. Nicht zuletzt, weil meine Freundin dort in ihre Jugend ein Skilager besucht hatte.
Die Preise haben es aber in sich. Am Vorabend kostete ein Ticket für Sonntag bereits 81 CHF, am frühen Morgen schon 83 CHF. Das ist eine harte Ansage für dieses Gebiet. Aber vielleicht sucht die Masse dadurch wenigstens andere Skigebieten auf. Wir hatten Glück und zahlten über Snow & Rail nur 71 CHF für den Skitag inkl. Busticket. Natürlich haben wir den Bus auch genutzt.
Um 8:37 ging für uns die erste Bergfahrt mit der EUB ab Oey zum Sillerenbühl los. Sogar mit Privatgondel. Keinerlei Wartezeiten, trotz gut gefülltem Parkplatz.
Erste Abfahrt runter nach Aebi. Schön präpariert und griffig!
Der Tag fängt gut an, nichts los! Leider ist die Piste am unteren Ende ein wenig eisig. Die KSB von Leitner muss übrigens eines der ersten Sessellifte mit 180-Grad Einstieg sein. Eine Erfindung von Adelboden-Lenk soweit ich weiss, was man mittlerweile vereinzelt u.a. auch in der Jungfrau Region und Zermatt sieht. Ich finds gäbig.
Nach diverse Abfahrten machen wir uns auf dem Weg zum Lavey. Mit 2200 m der höchste Punkt vom Hauptskigebiet. Überall sind die Pisten gut präpariert, aber jeweils im unteren Bereichen leicht eisig.
Abfahrt 49 runter richtung Hahnenmoos. Hier waren die Pisten den ganzen Tag hindurch recht leer.
Voller wurde es natürlich auf die blaue 36 am Bühlberg, aber immer noch genügend Platz um schöne Carvingkurven zu ziehen und auch den Funslope zu fahren. Die Piste ist natürlich einfach, aber grade steil genug um schön auf der Kante zu fahren. Macht laune.
Später unten am Metschmaad. Dieses Bild spiegelt ziemlich genau die "Wartezeiten" am heutigen Sonntag wieder. Immer so 2-4 Sessel warten. Für ein Sonntag voll okay. Dank der 180-Grad Einstieg kann man die Sessel jeweils voll auslasten, sodass es wirklich flott voran geht. Voraussetzung ist natürlich, dass das Publikum diese Einstiegsmethode schnallt. In Adelboden-Lenk klappt das wie immer wunderbar. Wer das noch nie gesehen hat, wird sich bestimmt erstmal wundern...
Oben am Metschstand (2100 m) starten immer wieder Gleitschirmflieger, manche mit Ski, die meisten aber zu Fuss. Zum Teil nur knapp über die Köpfe der Skifahrer. Es geht aber alles gut und gibt ein wenig Augenkino dazu.
Die rote 20 "Güetfläck" samt stillgelegten Schlepplift. So eine Schande! Die Piste ist sooo genial, aber leider folgt ein flacher Ziehweg zurück zur blaue 25 nach Metsch. Man muss also mit der EUB wieder hoch. Zurück zur KSB Metschstand kann man es nicht schaffen... blöd. An der EUB dann die einzigste echte Warteschlange vom Tag. Das ging zwar auch zügig vorwärts, aber dauerte dann doch 5 min. So fuhren wir die geniale Güetfläck-Piste nur einmal.
Leider hat Lenk keine echte Talabfahrt auf diese Seite. Der andere Teil gegenüber am "Leiterli" ist leider nicht verbunden. Man muss also ab Matsch mit der EUB ins Tal fahren und dann mit dem Bus zur Betelberg, von wo man weiter fahren kann. Wenn ich alleine wäre, hätte ich es ggf. gemacht aber mit Freundin wählt man dann doch die komfortabele Variante und man bleibt im Hauptgebiet.
Wir fahren alle Varianten an der KSB Metschstand einmal und blicken dabei immer wieder ins Tal zum Flugplatz St. Stephan, wo ich Ende Oktober noch mit eine Robin gelandet bin: Die schwarze 30 (Holzegg) war bereits kurz vor 12 komplett abgefahren und eine Eispiste. Hier kam hinter uns auch eine Familie mit kleine Kinder runter. Klar geht das alles, aber muss das sein? Immerhin hatte die Mutter viel mehr Angst als die Kinder.
Zur Mittagszeit zieht es leider zu und die Sichten werden bescheiden. Zeit um eine Hütte für Mittagsessen aufzusuchen. Einfacher gesagt als getan. Alle gut bewertete Hütten waren voll, mussten dann ins Geilsbrüggli ausweichen...
"Halbes CH-Poulet mit Pommes Frites" für 18,50 CHF... Salat natürlich zusätzlich 7,50 CHF... Qualität bescheiden. Unter ein halbes Poulet verstehe ich normalerweise etwas mehr, aber vielleicht war das ein Baby-Poulet. Viel problematischer: Das Fleisch war lauwarm. Pommes nicht echt der Hit. Klar war aber, dass ich als Niederländer ordentlich Mayonaise zum "Patatjes" brauche. Meine Freundin findet das nur komisch, sie nimmt Ketschup.
Nach der Pause fahren wir weiter auf der Adelboden-Seite. Zunächst über die blaue 46 "Bergläger" und dann via der Höchsthorn KSB über die Weltcup-Piste runter nach Adelboden. Leider war sie um 13 Uhr schon recht abgefahren und hier und da eisig. Dennoch landschaftlich eine tolle Abfahrt, sofern man kupierte Pisten mag.
Der kleine Seillift Lurnigegge auf der Abfahrt 46 braucht man kaum, man kann mit Schwung anfahren und das letzte Stück auch schnell hochstochern. Hauptsache oben muss man zwingend durch ein Drehkreuz, damit der kurze Seillift auch noch sein Anteil vom Skipass abbekommt...
Unten an der Chuenisbärgli KSB. An die Liftnamen muss man sich in dem Gebiet gewöhnen. Hier ist der Einstieg klassisch vorwärts, dennoch ohne Portionierer.
Die rote Abfahrt 86 zum Bergläger runter war wiederum lässig, aber doch auch hier und da knollig. Dafür gab es wieder strahlende Sonnenschein.
Diese strahlende Sonnenschein haben wir auch auf dem Sillerenbühl wiederum genossen und machen eine weitere Pause zum Sonne tanken. Das hat uns unten im Schweizer Mittelland seit Anfang vom Monat sehr gefehlt.
Am Nachmittag um 3 waren die Pisten dann zerfahren, aber keine Buckel. Und auch wiederum so gut wie leer.
Irgendwann machen wir uns auch auf die Talabfahrt über Aebi runter nach Oey. Sie ist richtig lang, teilweise flach, aber nirgendwo muss man stochern. Die letzte Brücke überqueren zurück zum Parkplatz, Bushalte und EUB war ein wenig kriminell, aber jeder Fahrer bekam das gut hin. Um kurz vor 16 Uhr waren wir unten.
Fazit
Das Skigebiet Adelboden-Lenk ist nett und hat den Sonntagsstresscheck mehr als bestanden. Bis auf die EUB am Matsch, keine nennswerte Wartezeiten, und auch da vergleichsweise kurz. Pisten im Bereich Adelboden oft leer, in Bereich Lenk voller aber zum gemütlichen fahren 'leer' genug. Das hat mich sehr positiv überrascht, nachdem es gestern doch hier und da im kleinen Lauchernalp-Gebiet sehr eng auf der Piste wurde. Das System vom 180-Grad Einstieg hilft, dass es an den Liften weniger staut, und jeden Sessel voll ausgelastet sein kann. Pistenpräparierung war auch absolut in Ordnung, leider wurden die Pisten aber sehr schnell dann doch entweder stellenweise eisig oder knollig. Das hat der Spass doch ein wenig gebremst, leider.
Zuletzt ist auch das Hauptskigebiet einfach zu klein um wirklich 83 CHF Wert zu sein. Keine Frage, unter der Woche kann man auch schon ab 59 CHF in Adelboden-Lenk fahren. Aber die flexible Preise treiben den Tagespreis an schönen Wochenenden schon ordentlich nach oben. Vielleicht war es dafür nicht so voll, dafür hab ich dann doch gern ein paar Franken extra übrig. Aber 83 ist trotzdem eine harte Ansage für dieses Skigebiet. Besonders wenn die benachbarte Jungfrau Region nur 75 CHF für ein Tagespass aufruft. Natürlich soll jeder selbst entscheiden ob Adelboden-Lenk den Aufpreis Wert ist, man kann schliesslich ja auch mit Skibus in weitere Teilgebieten wechseln. Dennoch finde ich es zu teuer... aber vielleicht komme ich deshalb hier nochmal wieder, wenn es sonst überall an der Alpennordseite voll ist und eine weite Anfahrt ins Wallis für einen Tag nicht drin ist.
