Februar 2026
Der Mottarone ist keiner dieser Orte, die man unbeschwert ansteuert. Zu prägend ist das, was hier passiert ist. Das schwere Unglück der Luftseilbahn von Stresa hat dem Berg einen Namen gegeben, der weit über die Region hinaus bekannt wurde. Und auch heute ist das allgegenwärtig. Die beiden Sektionen der Luftseilbahn stehen noch immer im Gelände, ausser Betrieb, unverändert. An der Bergstation kann man einfach hineingehen. Keine Absperrung, keine Kabinen, nur leere Räume und eine gespenstische Stille. Gleich daneben die fix geklemmte Doppelsesselbahn, ebenfalls ausser Betrieb. Es ist ein seltsamer Auftakt für einen Skitag, irgendwo zwischen Neugier und Beklemmung. Und dann schwenkt das Ganze doch langsam in etwas überraschend Alltägliches.
Die Anfahrt von Stresa hinauf hat etwas leicht Absurdes. Zunächst noch durch bewohnte Strassen, dann wird es enger, ruhiger, der Wald schluckt einen förmlich. Und plötzlich steht man vor einer Mautstelle. Mitten im Wald, ohne Vorwarnung. Zehn Euro später geht es weiter, und man fragt sich kurz, ob man hier wirklich richtig ist. Oben angekommen wartet ein kleiner Parkplatz direkt beim Skigebiet, der an Wochenenden wohl regelmässig kapituliert. Entlang der Strasse wird alles zugestellt, und wer zu spät kommt, darf noch ein paar Höhenmeter zu Fuss sammeln.
Das Skigebiet selbst liegt etwas verloren auf seiner Kuppe, umgeben von Seen und Hügellandschaft. Kein klassisches Hochgebirge, eher eine Art Insel im Voralpenraum. Wenn genug Schnee liegt, zieht es die Leute dennoch hierher. Wintersportler, Schlittler, Spaziergänger, ein bunter Mix aus allem. An diesem sonnigen Februartag war einiges los, aber im Skigebiet selber nie wirklich überfüllt und an den Liften kommt es nur zu kurzen Wartezeiten. Die eigentliche Geduldsprobe spielt sich wie so oft woanders ab. Zwei Kassen, davon nur eine geöffnet, und eine Schlange, die sich mit italienischer Gelassenheit vorwärts bewegt, während jede Transaktion ihre eigene kleine Geschichte schreibt.
Vier Anlagen sind noch in Betrieb, darunter ein Doppelschlepplift, der so etwas wie das Rückgrat des Gebiets bildet. Viel ist es nicht, und doch mehr, als man auf den ersten Blick erwarten würde. Gleichzeitig wird schnell klar, dass hier einmal deutlich mehr existiert hat. Zwei weitere Lifte, die früher längere Abfahrten erschlossen haben, sind ausser Betrieb. Was bleibt, ist ein kompaktes Skigebiet auf der Hochfläche, das sich erstaunlich abwechslungsreich fahren lässt. Bei Vollbetrieb kommt man auf rund acht Pistenvarianten, und diese Vielfalt fühlt man auch. Kurze Wege, kleine Lifte, aber immer wieder neue Kombinationen. Man lässt sich einfach zwischen den Anlagen hin und her treiben.
Skifahrerisch ist das Ganze solide aber ohne grosse Highlights. Die geografische Lage und geringe Höhe setzt klare Grenzen, und Schneesicherheit ist hier alles andere als garantiert. Wenn die Bedingungen passen, reicht das Angebot aber locker für einen halben Tag. Dazu kommt eine Rodelbahn und zwei Einkehrmöglichkeiten im Skigebiet. Das grössere Gebäude bei der ehemaligen Luftseilbahn wirkt hingegen verlassen und fügt sich nahtlos in dieses Bild eines teilweise stehen gebliebenen Ortes ein. Und dann ist da noch das Panorama welches überzeugen mag. Der Blick auf den Lago Maggiore und die umliegende Region ist allgegenwärtig. Man fährt hier nicht einfach nur Ski, man schaut immer wieder weit hinaus. Dieses Skifahren über den Seen hat seinen ganz eigenen Reiz und ist wohl das eigentliche Highlight dieses Gebiets.
Bleibt die Frage, ob man den Mottarone gesehen haben muss. Wahrscheinlich nicht, dafür ist das Gebiet zu klein, zu eigenartig und skifahrerisch zu unspektakulär. Aber genau diese Mischung macht den Ort vielleicht für den einen oder anderen Alpinfan dennoch interessant. Wenn man in der Gegend ist, genug Schnee liegt und man sich auf diese besondere Stimmung einlässt, dann lohnt sich der Abstecher. Der Mottarone ist kein klassisches Skigebiet, das man wegen seiner Pisten besucht. Es ist ein Ort voller Gegensätze. Zwischen Panorama und Stillstand, zwischen Alltagsbetrieb und sichtbarer Vergangenheit. Und genau das macht ihn am Ende irgendwie doch bemerkenswert und ein Stück weit unvergesslich.
Pistenplan Mottarone
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Mottarone | Zwischen Stillstand und Skibetrieb
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Mottarone | Zwischen Stillstand und Skibetrieb
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Neuster Bericht: Mottarone | Zwischen Stillstand und Skibetrieb
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Neuster Bericht: Mottarone | Zwischen Stillstand und Skibetrieb
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Re: Mottarone | Zwischen Stillstand und Skibetrieb
Ein Mix aus Neugier und Beklemmung - sehr gut zusammengefasst. Sehr erstaunlich, dass die Seilbahnstationen nicht abgesperrt sind. Danke für den interessanten Bericht. Tolle Fotos wie immer.
Ich war ein Jahr vor dem schrecklichen Ereignis dort oben - mit einem nicht ganz guten Gefühl in der Seilbahn. Ich bin etwas irritiert, dass ich das damals nicht im Bericht erwähnt habe. Den Einstieg in die beiden Gondeln (zwei Sektionen) haben wir mit einem mulmigen Gefühl gemacht, da alles ziemlich marode aussah. Vor allem die Stationen, nicht die beiden Bahnen (die waren ja erst generalüberholt). Mein Bericht von damals siehe hier:
http://www.sommerschi.com/forum/viewtop ... =mottarone
Ich war ein Jahr vor dem schrecklichen Ereignis dort oben - mit einem nicht ganz guten Gefühl in der Seilbahn. Ich bin etwas irritiert, dass ich das damals nicht im Bericht erwähnt habe. Den Einstieg in die beiden Gondeln (zwei Sektionen) haben wir mit einem mulmigen Gefühl gemacht, da alles ziemlich marode aussah. Vor allem die Stationen, nicht die beiden Bahnen (die waren ja erst generalüberholt). Mein Bericht von damals siehe hier:
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Re: Mottarone | Zwischen Stillstand und Skibetrieb
Ein sehr gelungener Bericht über ein aussergewöhnliches Skigebiet. Sprachlich wie auch bildlich ist das wirklich ganz grosses Kino.
Das Panorama scheint dort tatsächlich das zentrale Highlight zu sein, für mich wohl auch der Hauptgrund, überhaupt einmal hinzufahren. Skifahrerisch wirkt das Gebiet hingegen eher limitiert, insbesondere durch die stillgelegten Anlagen, die für zusätzliche Abwechslung fehlen.
Was mich beim Lesen noch beschäftigt hat: Hat die Doppelsesselbahn überhaupt eine eigene Piste? Auf Openskimap ist zumindest keine eingezeichnet, und auch von den Höhendifferenzen her scheint sie nicht besonders relevant zu sein. Vielleicht dient sie primär der Sommernutzung, etwa für die Rodelbahn?
Insgesamt entsteht der Eindruck, dass man den Mottarone weniger wegen des Skifahrens besucht, sondern vielmehr aus Neugier und wegen der besonderen Lage. Die Kombination aus eindrücklichem Panorama und der noch immer präsenten Vergangenheit, insbesondere die stillgelegte Seilbahnstation, vermittelt dabei eine spürbare Beklemmung, die dem Ort eine ganz eigene Atmosphäre verleiht
Das Panorama scheint dort tatsächlich das zentrale Highlight zu sein, für mich wohl auch der Hauptgrund, überhaupt einmal hinzufahren. Skifahrerisch wirkt das Gebiet hingegen eher limitiert, insbesondere durch die stillgelegten Anlagen, die für zusätzliche Abwechslung fehlen.
Was mich beim Lesen noch beschäftigt hat: Hat die Doppelsesselbahn überhaupt eine eigene Piste? Auf Openskimap ist zumindest keine eingezeichnet, und auch von den Höhendifferenzen her scheint sie nicht besonders relevant zu sein. Vielleicht dient sie primär der Sommernutzung, etwa für die Rodelbahn?
Insgesamt entsteht der Eindruck, dass man den Mottarone weniger wegen des Skifahrens besucht, sondern vielmehr aus Neugier und wegen der besonderen Lage. Die Kombination aus eindrücklichem Panorama und der noch immer präsenten Vergangenheit, insbesondere die stillgelegte Seilbahnstation, vermittelt dabei eine spürbare Beklemmung, die dem Ort eine ganz eigene Atmosphäre verleiht
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Re: Mottarone | Zwischen Stillstand und Skibetrieb
Interessanter Bericht. Mich erstaunt es durchweg das da Skigefahren wird, nun ja, das Leben muss ja dann irgendwann weitergehen. Das mit den Stationen find ich auch interessant. Von der Ortaseeseite kommt man übrigens ohne Maut hoch. Ich gehe vielleicht in dem fall auch mal hoch, denn von hier ist es überhaupt nicht weit. Beim Baden am See, ist der Blick auf den Monttarone jedoch immer allgegenwärtig und macht einem schon beklemmend.
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Re: Mottarone | Zwischen Stillstand und Skibetrieb
Vielen Dank für diesen einzigartigen Bericht! Das Panorama ist wirklich ein Highlight. Und auch die irgendwie beklemmende Realität, dass auf der eine Seite das Leben dort weitergeht und gleichzeitig seit dem Unfall stehen geblieben ist. Das die offene verlassene Stationen (noch) nicht den Vandalismus zum Opfer gefallen sind, gleicht für mich fasst wie ein Wunder. Das man dies so öffentlich zugänglich gelassen hat, ebenso merkwürdig als auch spannend.
Auch ein wenig kurrios ist das Autostrasse/Kraftfahrstrasse-Schild an der Mautstelle, bzw. in Italien nennt sich das ja eine «Strada riservata ai veicoli a motore». Darf man dann mit 90 km/h und ohne Langsamverkehr da hoch rasen?
Auch ein wenig kurrios ist das Autostrasse/Kraftfahrstrasse-Schild an der Mautstelle, bzw. in Italien nennt sich das ja eine «Strada riservata ai veicoli a motore». Darf man dann mit 90 km/h und ohne Langsamverkehr da hoch rasen?
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Re: Mottarone | Zwischen Stillstand und Skibetrieb
Vielen Dank für die lobenden Worte zu diesem Bericht!

Ich habe mir deinen ebenfalls sehr spannenden Bericht noch einmal genauer angeschaut und bin erstaunt, dass die Bergstation heute im stillgelegten Zustand einen deutlich besseren Eindruck macht als zu deinem Besuch damals. Offenbar wurde zwischen deinem Aufenthalt und dem Unglück zumindest optisch noch investiert, von aussen wirkt es jedenfalls nicht mehr so heruntergekommen. Aber schlussendlich nützt das jetzt natürlich alles nichts mehr...intermezzo hat geschrieben: 30.03.2026, 19:23 Ich war ein Jahr vor dem schrecklichen Ereignis dort oben
DiggaTwigga hat geschrieben: 31.03.2026, 09:45 Hat die Doppelsesselbahn überhaupt eine eigene Piste? Auf Openskimap ist zumindest keine eingezeichnet, und auch von den Höhendifferenzen her scheint sie nicht besonders relevant zu sein. Vielleicht dient sie primär der Sommernutzung, etwa für die Rodelbahn?
Es wirkt so, als würden die Skilifte mittlerweile von einer anderen, unabhängigen Betreibergesellschaft geführt. Die Doppelsesselbahn hatte ja ursprünglich vor allem die Funktion, die Bergstation der Luftseilbahn mit dem Gipfel zu verbinden. Seit dem Unglück scheint sie jedoch ebenfalls ausser Betrieb zu sein. Die Rodelbahn hingegen kann unabhängig davon betrieben werden und war am Nachmittag sogar offen.seilreiter hat geschrieben: 31.03.2026, 11:25 Interessanter Bericht. Mich erstaunt es durchweg das da Skigefahren wird, nun ja, das Leben muss ja dann irgendwann weitergehen.
Das hat mich auch sehr erstaunt, vor allem weil die Türe tatsächlich einfach offen stand. Man musste nichts ausprobieren oder irgendwo hineinspähen, man konnte einfach hineinlaufen. Keine Absperrung, keine Beschilderung, nichts. Es wirkte fast so, als hätte man am Abend des Unglücks den Ort verlassen ohne abzuschliessen und wäre danach nie wieder zurückgekehrt.Frans hat geschrieben: 31.03.2026, 17:28 Das die offene verlassene Stationen (noch) nicht den Vandalismus zum Opfer gefallen sind, gleicht für mich fasst wie ein Wunder. Das man dies so öffentlich zugänglich gelassen hat, ebenso merkwürdig als auch spannend.
Genau den gleichen Gedanken hatte ich auch und musste kurz schmunzeln. Mit der durchgehenden Beschilderung von gerade einmal 30 km/h ist hier aber wohl eher das komplette Gegenteil der FallFrans hat geschrieben: 31.03.2026, 17:28 Auch ein wenig kurrios ist das Autostrasse/Kraftfahrstrasse-Schild an der Mautstelle, bzw. in Italien nennt sich das ja eine «Strada riservata ai veicoli a motore». Darf man dann mit 90 km/h und ohne Langsamverkehr da hoch rasen?![]()
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Re: Mottarone | Zwischen Stillstand und Skibetrieb
Bei dem Schild geht es wohl mehr um den Ausschluss von nichtmotorisierten Nutzern wie Fahrradfahrern, was auch nochmal separat signalisiert ist.
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Re: Mottarone | Zwischen Stillstand und Skibetrieb
Ja, insbesondere die zweite Sektion wurde kurz nach meinem Besuch optisch aufgefrischt. Als wir im Mai 2019 dort oben waren, sah das Ganze schon sehr abgewrackt aus. Gut, mir gefällt ja Patina ansonsten ganz gut. Aber eben: mit dieser üblen Nachgeschichte bekam dann dieser Italo-Trash eine ganze andere Bedeutung, auch wenn der technische Zustand und das äusserliche Erscheinungbild direkt nichts miteinander zu tun hat(te). Ich muss meine Bilder nochmals durchgehen, ich habe sicherlich noch mehr Detailaufnahmen vom Inneren der Bergstation der Unglücksbahn auf dem Mottarone. Aus der Erinnerung mag ich mich noch entsinnen, dass es recht gammlig aussah. Beim Absturz der Gondel waren die beiden Stationen der zweiten Sektion jedenfalls schon renoviert.Graubündenfan hat geschrieben: 01.04.2026, 11:13 Ich habe mir deinen ebenfalls sehr spannenden Bericht noch einmal genauer angeschaut und bin erstaunt, dass die Bergstation heute im stillgelegten Zustand einen deutlich besseren Eindruck macht als zu deinem Besuch damals. Offenbar wurde zwischen deinem Aufenthalt und dem Unglück zumindest optisch noch investiert, von aussen wirkt es jedenfalls nicht mehr so heruntergekommen. Aber schlussendlich nützt das jetzt natürlich alles nichts mehr...
Habe gerade nochmals die Kommentare in meinem Sommerschi-Bericht zum Mottarone nachgeschaut: da hat User "Kris" folgende Notiz zum optischen Zustand der Gebäudehüllen hinzugefügt:
Der aktuelle Pächter (Nerini) und dessen Vater zuvor, sahen sich nicht bemüßigt in die Bauhülle zu investieren, da hierzu die Gemeinde zuständig ist. Diese hat sich erst kürzlich zu einer Renovierung aufraffen können.
