Das Isenthal – ein Tal, das man eher vom Hören kennt als vom eigenen Erleben – liegt irgendwo zwischen Vierwaldstättersee und dem Gefühl, am Ende der Welt angekommen zu sein. Die Strasse hinauf schlängelt sich eng und kurvig durch die Landschaft, gewinnt an Höhe und verliert an Breite, bis man schliesslich in St. Jakob ankommt. Eine lose verstreute Siedlung, still und unscheinbar, aber mit einer kleinen Überraschung: Hier beginnt das Skigebiet Gitschenen. Dort, wo die befestigte Strasse endet und das Postauto eine Kehrtwende macht, steht eine kleine Luftseilbahn. Acht Personen finden in den auffällig violetten Kabinen Platz, die einen auf rund 1500 Meter Höhe bringen. Die Talstation ist nicht bedient, gesteuert wird von der Bergstation aus per Kamera. Bezahlt wird oben, so wie man es auch heute noch bei manchen urigen Bähnchen in der Zentralschweiz kennt.
Oben öffnet sich ein imposanter Bergkessel mit Ausblicken, die überraschen und innehalten lassen. Zwischen Ställen, Kapelle und einzelnen Häusern steht der eine Skilift. Im Jahr 1969 von vier Brüdern selbst erbaut, die Stützen stammen angeblich als Occasion vom Stoos. Zwar nur knapp 670 Meter lang, aber mit knackigen 220 Höhenmetern. Was zunächst nach Kurzstrecke klingt, entpuppt sich als sportlicher Klassiker. Je nach Schneelage bedient der Lift zwei steile Haupthänge und eine reizvolle Aussenrumpiste. Über eine Länge von fast zwei Kilometer zieht sich letztere weit aus dem Skigebiet hinaus, bietet reichlich Panorama und einen fast schon meditativen Skigenuss, bevor es am Gegenhang entlang wieder zurück zum Lift geht. Trotz der überschaubaren Grösse kommt keine Langeweile auf. Die Abfahrten lassen durch zahlreiche Kreuzungen und Verzweigungen unterschiedlichste Varianten zu, es gibt genug zu entdecken.
Schon bei der Bergfahrt fiel auf, wie weit der Schnee bis ins Tal reichte. Bald entstand die Idee, am Ende vielleicht die ehemalige Talabfahrt zu versuchen, auch wenn sie offiziell nicht mehr existiert. Kein Wegweiser, keine Präparation, und die Schneedecke teilweise mehr schlecht als recht, aber der Verlauf war immerhin noch erkennbar und verschiedene Spuren wiesen den Weg. Die Aktion ist bei genügend Schnee weitgehend harmlos, verlangt aber etwas Improvisation, wenn die Schneelage dann doch knapper wird als gedacht.
Aktuelle Infos zum Betrieb gibt es nicht wirklich. Wer wissen will, ob der Lift läuft, schaut am besten auf die Webcam. Dort steht ein einfaches Schild mit der Antwort. Betrieb oder kein Betrieb, das genügt hier offenbar noch. Nebst den beiden Gasthäusern am Skihang gibt es auch ein kleines Beizli direkt an der Bergstation des Skilifts, sodass man es sich auch hier an der Sonne gemütlich machen und die Aussicht geniessen kann. Gitschenen ist klein, aber doch mehr als nur ein Dorflift und vielleicht gerade deshalb ziemlich einzigartig. Wer kein grosses Angebot braucht und sich mit wenigen, dafür markanten Abfahrten zufriedengibt, findet hier einen lohnenden Abstecher. Vieles ist schlicht, manches vielleicht improvisiert aber genau das macht den Reiz aus. Ein Skigebiet, das man nicht gross einplant, sondern einfach mal spontan erlebt.
Pistenplan Isenthal-Gitschenen
Ich hoffe, dieser kleine Bericht entspricht ein wenig dem Anspruch leidender Alpinfans in der schneelosen Sommerzeit.
