Im Herbst 2024 war aber etwas anders. Es juckte mich zum ersten Mal in meinem Leben nicht im geringsten in den Skifahrer-Knien. Ich hatte zwar weiterhin große Lust auf Schnee und Winter, aber anders. Erste Überlegungen führten uns nach Skandinavien, aber mich interessierte eine andere Region und eine andere Aktivität viel mehr (u. a. aufgrund schöner Berichte im Netz): das Riesengebirge mit Schneeschuhen (bzw. Spikes) zu durchqueren. Im Sommer machten wir oft solche Weitwanderungen (z.B. im Piemont), im Winter hatte ich da auch große Lust drauf und das Riesengebirge ist dafür wie gemacht, weil es einfach nicht so steil und anstrengend ist.
Normalerweise reisen wir meistens mit der Bahn, aber aufgrund der zuletzt vielen Baustellen und der immer unzuverlässiger werdenden DB entschieden wir uns für einen Leihwagen. Den holte ich am 25.01. am Hamburger Flughafen ab, dann ging es erstmal nach Bautzen, wo wir eine Nacht verbrachten (weil wir dort noch nie waren und es uns interessierte - nicht nur um zu wissen, wo unser Senf herkommt
Erste Nacht in Bautzen, Ankunft im Dunkeln. Wunderschöne Stadt, sehr zu empfehlen, vor allem das Restaurant "Senfstube", in dem wir zu Abend aßen.
Ein Bummel durch die Altstadt weckte die Vorfreude auf den Winter und Schnee im Riesengebirge am nächsten Tag, z.B. aufgrund dieser 4 schlittelnden Schneemänner.
Am nächsten Tag fuhren wir dann Richtung Tschechien mit Zwischenstopps in Herrnhut (leider war der Sternshop sonntags geschlossen) und Zittau. Dort frühstückten wir im Café am Rathaus namens Schedel. Sehr zu empfehlen, echte sächsische Gastlichkeit. Die Chefin fragte uns, ob wir auf dem Rückweg nicht wieder vorbei kommen wollten?
Sprung ins Riesengebirge. Wir entschieden uns, nach Spindlermühle zu fahren. Wir checkten vor Abfahrt in Hamburg die Unterkunftsauslastung. Weil niemand Ferien hatte, außer die Polen, wie sich später im Urlaub herausstellen sollte, warn alle Unterkünfte noch frei. Im Tourist Office in Spindlermühle erfuhren wir, dass Schneebeschaffenheit und Wettervorhersage keine Schneeschuhe erfordern würden, Spikes für die Wanderschuhe und Stöcke würden völlig ausreichen. Im Internet buchten wir dann vor dem Tourist Office die ruhige Pension Slunečnice/Sonnenblume (hier im Bild mit dem Skihang "Stoh" im Hintergrund) im hinteren Svaty Petr.
Die Pension hatte nicht nur einen wunderschönen Privatwellnessbereich, den man pro Zimmer für 1 Stunde reservieren konnte,
...sondern auch ein tolles Restaurant mit großartiger, böhmischer Küche. Hier Hirschbraten mit Karlsbader Knödeln. Nach Erkunden der Speisekarte entschieden wir uns für 3 Nächte mit Halbpension und statt der Weitwanderung von Hütte zu Hütte Tagesausflüge von Spindlermühle aus. Das liegt quasi mitten im Riesengebirge und von hier aus hat man viele Möglichkeiten zu wandern.
Am ersten Tag (Montag) fuhren wir mit dem Auto zum Parkplatz der Medvědín 4ersesselbahn. Mit selbiger erklommen wir die meisten Höhenmeter, die Auffahrt war frisch und windig. Ganz andere Luft hier, stellten wir fest. Viel kälter (zumindest gefühlt) als in den Alpen. Von der Bergstation der Sesselbahn ging ein Weg zunächst leicht bergauf, die doch zahlreichen Skifahrer ließen wir bald hinter uns und waren fast alleine.
Das Wetter wechselte durch den Wind ständig. Immer wieder tauchte aus dem Nichts plötzlich etwas auf, wie die Vrbatova Bouda hier im Bild.
Die Baude ließen wir links liegen und begaben uns weiter bergan, der Weg wurde jedoch immer flacher. Das ist das tolle hier. Am oberen Skigebietsrand von Spindlermühle wird das Riesengebirge erst richtig interessant, ist nur noch locker bewaldet und nicht mehr allzu steil. Die Stöcke als Markierungen am Wegesrand sind übrigens Gold wert, wenn man auf einmal mitten in der Wolke steht und quasi White Out herrscht wie hier.
In der nächsten Sekunde alles wieder frei, vor uns die Elbwiesen, wir kommen dem Tagesziel heute immer näher und wir verstehe immer mehr, warum hier die Sagen um den Herrscher des Riesengebirges, Rübezahl, entstanden. Die Stimmung ist mystisch, Wolken, Wind, Nebel und Schnee zaubern zwischendurch Gestalten in die Landschaft, die sich im nächsten Moment bei besserer Sicht doch nur als Baum entpuppen.
Trotz Smartphone mit Navi und der Bergfex Touren App laufen wir am Objekt der Begierde vorbei, und müssen dann ca. 500m gegen den Wind zurückgehen... bisher hatte der Wind uns quasi von hinten angeschoben...
...aber nun haben wir das Objekt der Begierde des heutigen Tages erreicht. Der Quell des Flusses, an dem wir leben: Die Elbquelle, tief verschneit... ein besonderes Gefühl umarmt uns, irgendwas heimeliges, obwohl wir so weit weg von zu Hause sind, etwas bekanntes, obwohl dieses Baby unter dem Schnee nichts mit dem großmütterlichen Elbstrom in Hamburg zu tun hat. Ich verrate dem Kind, dass es eines Tages große Containerschiffe und Kreuzfahrtschiffe in die Welt hinaus tragen wird, dass es bis dahin aber noch ein langer und steiniger Weg sei. Mein Mann lacht, aber etwas Wahres hat es, dieses Gefühl, man steht am Geburtsort des Flusses, an dem wir schon viele Jahre leben.
Es scheint, als sei Rübezahl ob unserer Gerührtheit der Elbquelle wegen besänftigt und gibt uns kurz den Blick auf ein paar Gipfel seines Reiches frei, wunderschön schweift der Blick in ein uns völlig fremdes Gebirge. Es hat aufgrund der Kälte und des Windes machmal fast etwas arktisches...
...deshalb verharren wir nicht länger, Rübezahl umhüllt seine Berge wieder in Wolken und wir wandern gemütlich zur leider nicht so schönen Elbfallbaude, wo wir uns mit einer Gulaschsuppe und einem leckeren Pilsner Urquell stärken.
Danach ziehen wir die Spikes wieder über die Schuhe und wandern durchs Elbtal hinab Richtung Ausgangspunkt. Der Weg ist ein Trampelpfad auf gefrorenem Altschnee, ohne Spikes anden Schuhen geht hier nix.
An den Elbfällen vorbei geht es...
...hier und da auch über die Baby-Elbe drüber....
...weiter auf diesem wunderschönen Tal entlang der Elbe.
Wir kommen an der Talstation der Medvědín-Bahn raus, die letzten 2km ziehen sich und sind anstrengend,...
...deshalb gönnen wir uns beim Après-Ski einen heißen Kako mit Rum und Sahne (Aussage der Barkeeperin: "you deserved it, guys!").
Zurück an der Pension öffnet Rübezahl nochmal den Vrhang für uns, wunderschönes Abendlicht fällt auf unsere heimelige Pension. Nichts wie rein ins Wellness und danach gibts Kartoffelknödel, gefüllt mit gezupfter Ente, auf Rotkohl. Wir sind im Himmel!
Ich hoffe der erste Teil des Berichts hat Euch gefallen. In den nächsten Tagen poste ich weitere Teile (u.a. von der Schneekoppe).
