Riesengebirge | CZ/PL | 25.1.-1.2.2025 | In Rübezahls Reich

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alpinal
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Riesengebirge | CZ/PL | 25.1.-1.2.2025 | In Rübezahls Reich

Beitrag von alpinal »

Mein Mann und ich machen ja nicht nur reine Naturreisen, sondern immer verbunden mit Kultur, Architektur, Geschichte oder gleich alles zusammen. Ich, der Südbadener, Skilehrer und Bergfan, treibe meinen Hamburger Jung immer wieder in die Berge, egal zu welcher Jahreszeit. Dem trüben Hamburger Winter muss ich mindestens einmal pro Winter entfliehen. Spätestens im Herbst gehen deshalb jeweils meine Planungen für die anstehende Wintersaison los. Eins der Highlights bisher war Bergün (ich berichtete in einem anderen Forum unter gleichem Namen davon).

Im Herbst 2024 war aber etwas anders. Es juckte mich zum ersten Mal in meinem Leben nicht im geringsten in den Skifahrer-Knien. Ich hatte zwar weiterhin große Lust auf Schnee und Winter, aber anders. Erste Überlegungen führten uns nach Skandinavien, aber mich interessierte eine andere Region und eine andere Aktivität viel mehr (u. a. aufgrund schöner Berichte im Netz): das Riesengebirge mit Schneeschuhen (bzw. Spikes) zu durchqueren. Im Sommer machten wir oft solche Weitwanderungen (z.B. im Piemont), im Winter hatte ich da auch große Lust drauf und das Riesengebirge ist dafür wie gemacht, weil es einfach nicht so steil und anstrengend ist.

Normalerweise reisen wir meistens mit der Bahn, aber aufgrund der zuletzt vielen Baustellen und der immer unzuverlässiger werdenden DB entschieden wir uns für einen Leihwagen. Den holte ich am 25.01. am Hamburger Flughafen ab, dann ging es erstmal nach Bautzen, wo wir eine Nacht verbrachten (weil wir dort noch nie waren und es uns interessierte - nicht nur um zu wissen, wo unser Senf herkommt :D).

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Erste Nacht in Bautzen, Ankunft im Dunkeln. Wunderschöne Stadt, sehr zu empfehlen, vor allem das Restaurant "Senfstube", in dem wir zu Abend aßen.

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Ein Bummel durch die Altstadt weckte die Vorfreude auf den Winter und Schnee im Riesengebirge am nächsten Tag, z.B. aufgrund dieser 4 schlittelnden Schneemänner.

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Am nächsten Tag fuhren wir dann Richtung Tschechien mit Zwischenstopps in Herrnhut (leider war der Sternshop sonntags geschlossen) und Zittau. Dort frühstückten wir im Café am Rathaus namens Schedel. Sehr zu empfehlen, echte sächsische Gastlichkeit. Die Chefin fragte uns, ob wir auf dem Rückweg nicht wieder vorbei kommen wollten?

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Sprung ins Riesengebirge. Wir entschieden uns, nach Spindlermühle zu fahren. Wir checkten vor Abfahrt in Hamburg die Unterkunftsauslastung. Weil niemand Ferien hatte, außer die Polen, wie sich später im Urlaub herausstellen sollte, warn alle Unterkünfte noch frei. Im Tourist Office in Spindlermühle erfuhren wir, dass Schneebeschaffenheit und Wettervorhersage keine Schneeschuhe erfordern würden, Spikes für die Wanderschuhe und Stöcke würden völlig ausreichen. Im Internet buchten wir dann vor dem Tourist Office die ruhige Pension Slunečnice/Sonnenblume (hier im Bild mit dem Skihang "Stoh" im Hintergrund) im hinteren Svaty Petr.

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Die Pension hatte nicht nur einen wunderschönen Privatwellnessbereich, den man pro Zimmer für 1 Stunde reservieren konnte,

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...sondern auch ein tolles Restaurant mit großartiger, böhmischer Küche. Hier Hirschbraten mit Karlsbader Knödeln. Nach Erkunden der Speisekarte entschieden wir uns für 3 Nächte mit Halbpension und statt der Weitwanderung von Hütte zu Hütte Tagesausflüge von Spindlermühle aus. Das liegt quasi mitten im Riesengebirge und von hier aus hat man viele Möglichkeiten zu wandern.

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Am ersten Tag (Montag) fuhren wir mit dem Auto zum Parkplatz der Medvědín 4ersesselbahn. Mit selbiger erklommen wir die meisten Höhenmeter, die Auffahrt war frisch und windig. Ganz andere Luft hier, stellten wir fest. Viel kälter (zumindest gefühlt) als in den Alpen. Von der Bergstation der Sesselbahn ging ein Weg zunächst leicht bergauf, die doch zahlreichen Skifahrer ließen wir bald hinter uns und waren fast alleine.

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Das Wetter wechselte durch den Wind ständig. Immer wieder tauchte aus dem Nichts plötzlich etwas auf, wie die Vrbatova Bouda hier im Bild.

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Die Baude ließen wir links liegen und begaben uns weiter bergan, der Weg wurde jedoch immer flacher. Das ist das tolle hier. Am oberen Skigebietsrand von Spindlermühle wird das Riesengebirge erst richtig interessant, ist nur noch locker bewaldet und nicht mehr allzu steil. Die Stöcke als Markierungen am Wegesrand sind übrigens Gold wert, wenn man auf einmal mitten in der Wolke steht und quasi White Out herrscht wie hier.

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In der nächsten Sekunde alles wieder frei, vor uns die Elbwiesen, wir kommen dem Tagesziel heute immer näher und wir verstehe immer mehr, warum hier die Sagen um den Herrscher des Riesengebirges, Rübezahl, entstanden. Die Stimmung ist mystisch, Wolken, Wind, Nebel und Schnee zaubern zwischendurch Gestalten in die Landschaft, die sich im nächsten Moment bei besserer Sicht doch nur als Baum entpuppen.

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Trotz Smartphone mit Navi und der Bergfex Touren App laufen wir am Objekt der Begierde vorbei, und müssen dann ca. 500m gegen den Wind zurückgehen... bisher hatte der Wind uns quasi von hinten angeschoben...

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...aber nun haben wir das Objekt der Begierde des heutigen Tages erreicht. Der Quell des Flusses, an dem wir leben: Die Elbquelle, tief verschneit... ein besonderes Gefühl umarmt uns, irgendwas heimeliges, obwohl wir so weit weg von zu Hause sind, etwas bekanntes, obwohl dieses Baby unter dem Schnee nichts mit dem großmütterlichen Elbstrom in Hamburg zu tun hat. Ich verrate dem Kind, dass es eines Tages große Containerschiffe und Kreuzfahrtschiffe in die Welt hinaus tragen wird, dass es bis dahin aber noch ein langer und steiniger Weg sei. Mein Mann lacht, aber etwas Wahres hat es, dieses Gefühl, man steht am Geburtsort des Flusses, an dem wir schon viele Jahre leben.

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Es scheint, als sei Rübezahl ob unserer Gerührtheit der Elbquelle wegen besänftigt und gibt uns kurz den Blick auf ein paar Gipfel seines Reiches frei, wunderschön schweift der Blick in ein uns völlig fremdes Gebirge. Es hat aufgrund der Kälte und des Windes machmal fast etwas arktisches...

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...deshalb verharren wir nicht länger, Rübezahl umhüllt seine Berge wieder in Wolken und wir wandern gemütlich zur leider nicht so schönen Elbfallbaude, wo wir uns mit einer Gulaschsuppe und einem leckeren Pilsner Urquell stärken.

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Danach ziehen wir die Spikes wieder über die Schuhe und wandern durchs Elbtal hinab Richtung Ausgangspunkt. Der Weg ist ein Trampelpfad auf gefrorenem Altschnee, ohne Spikes anden Schuhen geht hier nix.

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An den Elbfällen vorbei geht es...

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...hier und da auch über die Baby-Elbe drüber....

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...weiter auf diesem wunderschönen Tal entlang der Elbe.

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Wir kommen an der Talstation der Medvědín-Bahn raus, die letzten 2km ziehen sich und sind anstrengend,...

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...deshalb gönnen wir uns beim Après-Ski einen heißen Kako mit Rum und Sahne (Aussage der Barkeeperin: "you deserved it, guys!").

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Zurück an der Pension öffnet Rübezahl nochmal den Vrhang für uns, wunderschönes Abendlicht fällt auf unsere heimelige Pension. Nichts wie rein ins Wellness und danach gibts Kartoffelknödel, gefüllt mit gezupfter Ente, auf Rotkohl. Wir sind im Himmel!

Ich hoffe der erste Teil des Berichts hat Euch gefallen. In den nächsten Tagen poste ich weitere Teile (u.a. von der Schneekoppe).
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Re: Riesengebirge | CZ/PL | 25.1.-1.2.2025 | In Rübezahls Reich

Beitrag von alpinal »

Das ist die Übersicht der Tour am 1. Tag:

Medvědín 4ersesselbahn Bergstation
Vrbatova Bouda
Pramen Labe (=Elbquelle)
Labská Bouda (=Elbfallbaude)
Elbtal
Medvědín 4ersesselbahn Talstation

Man sieht schön, dass die Höhenmeter nach oben dank der Auffahrt mit der Sesselbahn sehr überschaubar sind, talwärts geht's vor allem nach der Elbfallbaude steil bergab, danach wieder einigermaßen flach.
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Re: Riesengebirge | CZ/PL | 25.1.-1.2.2025 | In Rübezahls Reich

Beitrag von alpinal »

Tag 2 im Riesengebirge bei Hamburger Wetter

Aufgewacht in unserem wunderschönen Zimmer, bestückt mit alten Holzmöbeln und schönem Blick zum Skihang "Stoh", an dem schon fleißig der Nachwuchs des tschechischen Ski-Nationalteams trainierte.

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Nach dem Frühstück spazierten wir hinunter zur Talstation der 6er Sesselbahn "Plan" bzw. dem offiziellen Namen "Innogy Line Svatý Petr" (über Sinn oder Unsinn des Namens lässt sich streiten)... Statt mit billigem Schoki Rum lässt man es hier in der "Veuve Cliquot Bar" mit Schampus krachen.

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Wieder nehmen wir die Sesselbahn nach oben, um die heftigsten Höhenmeter unserer Tour zu umgehen.

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Kurz können wir den Blick "ins Böhmische" genießen, bevor es zuzieht und heute neblig und leider auch nass (Nieselregen) bleibt, weshalb von diesem Tag gar nicht so viel Bilder entstehen.

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Vorteil des Wetters ist: wir sind wieder ganz alleine unterwegs und genießen den knirschenden Altschnee unter unseren Spikes.

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Aus dem Nichts tauchen auch heute immer wieder Dinge auf, die in der Landschaft herumstehen, wie dieser Skilift, der seine besten Zeiten wohl schon hinter sich hat. Wir lernen, dass es solche Minilifte oft an Weilern oder größeren Unterkünften zu finden gibt, dieser hier sieht aber so aus, als wäre er lange nicht mehr in Betrieb gewesen.

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Der Regen wird stärker, unter der Regenjacke wird es klamm. Deshalb kommt die Klínovka Bouda wie gerufen, die zum Glück geöffnet hat, obwohl kein Mensch da ist.

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Gemütlich ists und leckeres Essen wird serviert. Rehgulasch mit Knödeln... Lecker und bei dem Schietwetter genau das Richtige!

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Und als Nachtisch ein Germknödel, der kommt hier aber mit Heidelbeerquark und Schlagsahne! Könnt ich mich reinlegen!

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Nach der Stärkung lässt der Nieselregen nach und wir begeben uns weiter leicht bergan, passieren dabei erst die "Chalupa Na Rozcestí", an der sich plötzlich wie aus dem Nichts viele Langläufer tummeln...

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...und schließlich am höchsten Punkt des Tages, der Výrovka Bouda. Da wir immer noch total gesättigt sind, schauen wir diese Baude nur von außen an und biegen danach links ab, um wieder ins Tal von Svatý Petr hinabzusteigen.

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Steil geht es hier herunter, ein Schild warnt vor Lawinengefahr. Auf der tschechischen Landkarten-App "Mapy.cz" (sehr zu empfehlen) sind mögliche Gefahrenstellen in einer Winterkarte eingezeichnet, also z.B. mögliche Lawinenhänge. Heute kaum Gefahr, der Altschnee hat sich gut gesetzt.

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Die Steilheit kommt nicht ganz rüber, aber wir sind wieder mal froh um Stöcke und Spikes.

Der Tag endet wieder in unserer Privatsauna, gefolgt von einem erneut leckeren Abendessen.
Zuletzt geändert von alpinal am 30.04.2025, 21:17, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Riesengebirge | CZ/PL | 25.1.-1.2.2025 | In Rübezahls Reich

Beitrag von alpinal »

Und auch von Tag 2 noch die Tourübersicht:

Pension Slunečnice
Talstation 6er Sesselbahn "Innogy Line" (bzw. "Plan")
Bergstation selbiger mit Lift
Klínovka Bouda
Chalupa Na Rozcestí
Výrovka Bouda
Pension Slunečnice
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Re: Riesengebirge | CZ/PL | 25.1.-1.2.2025 | In Rübezahls Reich

Beitrag von alpinal »

Tag 3 im Riesengebirge - der Schneetag.

Die Schneefallgrenze ist über Nacht wie vorhergesagt ins Tal gesunken und es schneit den ganzen Tag immer wieder. Für uns der perfekte Tag, weiterzuziehen. Unsere Pension ist ab heute ausgebucht und wir müssen so oder so das Zimmer räumen. Wir diskutieren, wo wir als nächstes hin könnten, schauen parallel auf unseren Handys. Ich würde gerne einen Wellnesstag einlegen, dafür eignet sich das nicht all zu weit entfernte Johannisbad ganz gut. Grob ist das also erstmal das Ziel des Tages.

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Ein letzter Blick vom Parkplatz der Pension in Svatý Petr hinüber zum steilen Stoh-Skilift in Wolken und dicken Schneeflocken umhüllt. Erinnerungen an Feldberg-Fahl werden geweckt.

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Unterwegs unterquert man diese Zubringerbahn zum Skigebiet Bubákov. Eine fixgeklemmte 4ergondelbahn sieht man auch nicht alle Tage. Sie ist sehr kurz und bringt Skifahrer vom Parkplatz über Straße, Bach und Mini-Steilstufe hinauf zum Skilift.

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Links ist auch gleich schon die Talstation. Entsprechend der Tatsache, dass die Kabinen an den Stationen nicht vom Seil abgekuppelt werden, fährt diese Bahn im Schneckentempo. Die Fahrzeit muss aber wegen der Ministrecke der Bahn dennoch sehr kurz sein. Hier unten ist der Schnee in Regen übergegangen, auch in Johannisbad leider Regen und auch ganz schön was los. Da wir ja in der Großstadt wohnen, mag ich es aber eher ruhiger im Urlaub. Außerdem möchte ich in die Berge und zum Schnee zurück. Deshalb entscheiden wir uns für Pec pod Sněžkou (Petzer an der Schneekoppe), dort angekommen filtern wir im Internet wieder mögliche Unterkünfte und entdecken eine wunderschöne, abgelegene, kleine Baude im hintersten Tal am Fuße der Schneekoppe.

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Das Auto müssen wir an der Talstation der Schneekoppe Seilbahn stehen lassen, deren 2. Sektion heute aufgrund des Wetters geschlossen bleibt und die 1. nur bei Bedarf öffnet. Vor der Talstation das alte "Von-Roll"-Sesseli, das hier über 60 Jahre lang die Runden drehte. Im Winter aufgrund der Länge der Bahn und der Witterung sicher kein Vergnügen. Hier holt uns der Hüttenvater mit seinem SUV ab. Nur Anlieger dürfen das kleine Sträßchen ab der Talstation passieren.

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An der "Großmannsbaude" (Bouda pod Snežkou) wieder Schneefall und winterlich. Wir sind erneut die einzigen Übernachtungsgäste, die Wirtin ist wahnsinnig freundlich, spricht deutsch und sagt, sie heizt gerne die Sauna für uns ein. Auch hier wieder großartigste, böhmische Küche, man kann sich kaum für ein Gericht entscheiden.

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Draußen schneit es, auch hier Erinnerungen an den Schwarzwald...

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...leise rieselt der Schnee...

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...nur die Architektur der Häuser verrät, dass man eben doch nicht im Schwarzwald ist. Wir machen einen Spaziergang talauswärts, lesen Bücher über Rübezahl, die Sudetendeutschen, den Krieg und die Nachkriegszeit... es ist schon immer wieder faszinierend, wenn man in die Geschichten einer Region eintauchen kann... in dieser Region wahnsinnig viel Schlimmes passiert, das wusste man zwar schon vorher, aber man kann dem ganzen nochmal viel mehr nachspüren, wenn man vor Ort ist.

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Rübezahl ist allgegenwärtig und wird meist so oder so ähnlich dargestellt. Auch er schaut hier beseelt den Schneeflocken zu.

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Nach dem Abendessen in der kuscheligen Stube, die wir alleine für uns haben...

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...schnell in die Sauna, die wir ebenfalls für uns alleine haben.

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Das Tauchbecken ist hier der aufgestaute Bach hinterm Haus, mehr geht nicht. Ich genieße es offensichtlich! :lol:

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Letzter Blick aus unserem Zimmer. Es klart auf, der Folgetag verspricht toll zu werden!
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Re: Riesengebirge | CZ/PL | 25.1.-1.2.2025 | In Rübezahls Reich

Beitrag von alpinal »

Tag 4 im Riesengebirge - (Fast-)Aufstieg zur Schneekoppe

Ein Tag voller Überraschungen beginnt.

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1. Überraschung: der Blick auf die Webcam noch im Bett von unserer zweiten Wanderung in Spindlermühle zeigt ein ganz anderes Bild als vorgestern: es verspricht ein toller Tag zu werden.

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Schnell springe ich aus der Tür und schaue nach oben: was für ein toller Anblick: die Schneekoppe macht ihrem Namen alle Ehre: 2 Tage lang wurde sie dick eingeschneit. Rübezahl ist heute gnädig mit uns, wir zeigten uns aber auch sehr geduldig bisher.

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Beim Ranzoomen erkennt man die letzte Stütze und Bergstation der Seilbahn. Mir war bisher nicht klar, dass das Riesengebirge an vielen Stellen eher hochgebirgig als mittelgebirgig wirkt. Die Schneekoppe hätte ich nicht so wuchtig erwartet. Ein Blick aufs Handy zeigt: die 2. Sektion ist immer noch als geschlossen angezeigt, kein Wunder. Die Bahn müsste auch erstmal enteist werden da oben, vermute ich. Deshalb frühstücken wir und fragen nach dem Wanderweg hinauf, ob der wohl mit Spikes und Stöcken machbar ist? Kein Problem, meint der Hüttenwirt. Nach 1:40h sollte man zumindest am Pass/an der Grenze bei der Schlesischen Baude an der Grenze zu Polen stehen, von dort ist der Gipfel nicht mehr weit.

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Also marschieren wir los und lassen die Seilbahn Seilbahn sein. Ich wäre sie gerne mal gefahren, aber wir müssen uns die Schneekoppe heute aus eigener Kraft erkämpfen. Die Hüttenwirtin verspricht uns, bei unserer Rückkehr den Hot Tub einzuheizen. Tiefwinterliche Blicke zur Schneekoppe begleiten unseren Aufstieg...

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...aber auch der gegenüberliegende Berg macht einen auf Hochgebirge im tiefsten Winter.

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Meinem Hamburger Jung gefällts, er ist ähnlich fasziniert wie ich. Übrigens sind wir wieder alleine. Nur 1 Person ist den Spuren nach zu urteilen vor uns aufgestiegen, die Ruhe ist ein Traum.

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Selfie von mir: "Der Mann und der Berg" habe ich dieses Bild getauft :lol:

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Noch herrscht absolute Ruhe und wir vernehmen keine Geräusche außer dem knirschenden Schnee unter uns.

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Bis wir auf dem Grenzpass an der Schlesischen Baude ankommen. Dort herrscht eine Völkerwanderung von polnischen Familien (Einziges Land mit Schulferien weit und breit) auf die Schneekoppe. Die Sesselbahn von der ponischen Seite - von Karpacz (=Krummhübel) auf die Kopa, ein Vorgipfel der Schneekoppe ist geöffnet. Bei dem tollen Wetter strömen die Menschen nur so herauf, teilweise nur in Turnschuhen.

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Wir sind etwas baff und blicken erstmal nach Schlesien hinab.

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Danach gönnen wir uns ein Heißgetränk in der völlig überlaufenen und in die Jahre gekommenen Schlesischen Baude. Cash only, Selbstbedienung und die Getränkekarte ist nur auf polnisch. Wir sind zumindest heute wohl die einzigen Deutschen, die Barkeeperin ist verwirrt, kann weder englisch noch deutsch. Mit Hand und Fuß bestellen wir einen Glühwein und beobachten das wilde Treiben in und um die Hütte. Auf dem Pass weht ein eiskalter Wind, man kann sein Getränk also wirklich nur drinnen zu sich nehmen.

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Aufgrund des Trubels zum Gipfel entscheiden wir uns gegen den Aufstieg in der Völkerwanderung. Wir gehen lieber weiter auf unserer geplanten Route über eine weite Hochebene auf der tschechischen Seite.

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Der Rückblick zur Schneekoppe tut nicht weh. Es war die richtige Entscheidung, nicht hinaufzusteigen, denn hier ist wieder diese wunderbare Stille und Weite und es ist einfach nur schön!

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Wir spazieren gemütlich über die Hochebene, ab und zu kommen uns andere Wanderer oder Langläufer entgegen.

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Nach einer Weile erreichen wir den nächsten Zwischenstopp auf unserer Tour: die Luční Bouda, die wunderschön in der weiten Senke dieser Hochebene liegt.

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Innendrin wird leckeres, hauseigenes Bier gebraut, das Label ist wohl nicht jedermanns Sache ;)

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Die Ausstattung dieser riesigen Baude wirkt etwas spacig bzw. erinnert an James Bond Filme, wie diese automatische Tür am Eingang zum Restaurant.

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Nach einem Bier und einer Suppe geht es weiter, leicht bergauf zu einer Kuppe.

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Die Landschaft ist gefroren und wunderschön, ich bin im 7. Himmel.

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Und dann dieser Blick auf dem höchsten Punkt der Kuppe.

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An dieser Baude (=Výrovka Bouda) sind wir vorgestern von hier aus gesehen rechts abgebogen...

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....rechts hinab geht es nämlich wieder nach Svatý Petr hinab, und links Richtung Ped poc Sněžkou.

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An dieser Kreuzung standen wir vorgestern im dichten Nebel. Hinten ist wieder das Lawinenwarnschild Richtung Svatý Petr hinab sichtbar.

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Wir gehen aber Richtung Ped pod Sněžkou hinab, um wieder zu unserer Unterkunft zu gelangen.

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An wunderschön gelegenen Häuschen geht es vorbei...

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...oft einen idyllischen Trampelpfad entlang.

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Auch hier wieder Weiler mit eigenem, diesmal geöffnetem Skilift, an dem sich vor allem ein paar Kinder tummeln.

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Ein letzter Blick zur Schneekoppe inkl. Seilbahn.

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Nach dem Abendessen geht's direkt in die Hot Tub...

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...ein weiterer fantastischer Tag in Rübezahls Reich geht zu Ende. Prost!
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Re: Riesengebirge | CZ/PL | 25.1.-1.2.2025 | In Rübezahls Reich

Beitrag von alpinal »

Tourübersicht Tag 4

Bouda pod Snežkou
Schlesische Baude
Luční Bouda
Výrovka Bouda
Richtrovy Boudy
Blaugrund
Bouda pod Snežkou

Die Höhenmeter stimmen nicht ganz, weil wir den Schneekoppen-Gipfel ausgelassen haben.
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Re: Riesengebirge | CZ/PL | 25.1.-1.2.2025 | In Rübezahls Reich

Beitrag von icedtea »

Schaut schon sehr interessant aus 👍
Vielleicht fange ich doch irgendwann mit Ahnenforschung an, die mich dann in dieses Gebiet verschlagen dürfte 😉
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Re: Riesengebirge | CZ/PL | 25.1.-1.2.2025 | In Rübezahls Reich

Beitrag von alpinal »

Klare Empfehlung dafür... Ahnenforschung ist sowieso interessant, und dann auch noch in dieser spannenden Region
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Re: Riesengebirge | CZ/PL | 25.1.-1.2.2025 | In Rübezahls Reich

Beitrag von Schneegott »

Was für wunderschöne Berichte und toll geschrieben. Danke dir! Bin fasziniert und würde auch gerne mal dahin, für mich wohl aber auch inkl. Ski ;) Du hast mir allerdings das Schneewandern sehr schmackhaft gemacht.
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Re: Riesengebirge | CZ/PL | 25.1.-1.2.2025 | In Rübezahls Reich

Beitrag von alpinal »

Das Riesengebirge, vor allem Spindlermühle, ist auch für einen Skiurlaub interessant, für ein Mittelgebirge auch ordentlich groß und man kann theoretisch Tagesausflüge von dort zu anderen Skigebieten in der Umgebung machen (Petzer, Johannisbad usw.). Aber beim Skifahren bleibt man zumindest auf der tschechischen Seite immer im Wald. Aber "the magic" passiert oberhalb, auf dem Hauptkamm, auf dem es waldfrei ist, wo Wolkenfetzen um einen herumwehen, von wo aus man weit hinab blickt nach Böhmen und Schlesien.

Deshalb: Ski auf jeden Fall mitnehmen, aber ein Tag Schneeschuhtour oder zumindest ein Ausflug mit der Seilbahn auf die Schneekoppe (von tschechischer Seite) bzw. auf die Kopa (von polnischer Seite) ist ein Muss! Auf letzteren "Vorgipfel" der Schneekoppe führt übrigens eine neue Kombibahn (4erSessel/8erGondel) von Bartholet.
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