Dass sich jemals ein Skitag in Les Giettes ergeben würde, gleicht einem kleinen Wunder. Wer ahnt schon, dass sich hoch über dem Rhônetal tatsächlich zwei Skilifte verstecken? Noch dazu handelt es sich um private Anlagen, die weder fixe Öffnungszeiten noch klare Preisinformationen haben – ein Kuriosum, das leicht den Eindruck erweckt, alles sei längst stillgelegt. Und doch gibt es mit den spärlich gepflegten Social-Media-Kanäle des Betreibers einen Hoffnungsschimmer. Dort wird, manchmal überraschend spontan, über kostenlosen Skibetrieb an ausgewählten Wochenenden informiert – vorausgesetzt, es liegt genug Schnee. Kostenloser Skibetrieb, richtig gelesen!
So wollte es der Zufall, dass ich es mir an einem Samstagabend in Martigny bereits im Hotelzimmer gemütlich gemacht hatte und etwas planlos durch die Instagram-Storys wischte. Und siehe da, telegiettes meldet: "ce soir Ski gratuit 16h-20h". Ein kurzer Blick auf die Uhr, ein schneller Check auf Google Maps, und ich stellte fest, dass ich es noch rechtzeitig schaffen könnte. Also verliess ich das Hotel fluchtartig und stand kurze Zeit später tatsächlich an der Talstation des Skilifts.
Eine einzige Lampe beleuchtet den Talstationsbereich, ansonsten herrscht Dunkelheit über dem Hang, und der Tellerlift verschwindet schon nach kurzer Zeit in der tiefen Nacht. Was man zu diesem Zeitpunkt bereits ahnen kann: Hier nimmt man Nachtski wortwörtlich. Im ganzen Skigebiet gibt es genau zwei Lampen – jeweils eine an jeder Talstation! Im Stockdunkeln geht es also den Berg hinauf, und für Auswärtige ist das eine ziemlich orientierungslose Erfahrung. Die Lifttrasse ist mit Absätzen und Löchern gespickt, was das Ganze nicht weniger herausfordernd macht. Irgendwann kommt der zweite Skilift ins Blickfeld, der ebenfalls im Dunkeln seine Runden dreht. Eigentlich gibt es mehr zu hören als zu sehen. Es wird schnell klar, dass die anderen Skifahrer alle mit Stirnlampen ausgerüstet sind – spätestens da outet man sich als ahnungsloser Tourist.
Auf welche Herausforderung man sich hier einlässt, wird einem erst endgültig klar, wenn man den höchsten Punkt des Gebiets erreicht hat. Ab da ist man ziemlich auf sich allein gestellt und sucht im Mondschein die Piste, die keine seitliche Markierung aufweist. In der Nähe des Lifttrassees herunterzufahren ist keine Option, denn dieses zieht sich steil den Wald hinauf – also muss die Piste irgendwo aussen herum verlaufen. Wer das Gebiet wie seine Hosentasche kennt, findet sich schnell zurecht, aber für Auswärtige gibt es hier einen zusätzlichen Adrenalinkick zum kostenlosen Skispass dazu.
Die meisten der untenstehenden Bilder wurden mit längerer Belichtungszeit aufgenommen, um die Stimmung besser einzufangen. Sie entsprechen jedoch nicht der tatsächlichen Helligkeit und Sichtweite. Während ich die Piste erkundete, klärte mich das Personal auf, dass eine Stirnlampe notwendig sei, liess aber ausnahmsweise die Taschenlampe meines Smartphones durchgehen.
Wer ein wirklich aussergewöhnliches Erlebnis sucht, sollte sich Les Giettes unbedingt auf die persönliche Liste setzen. Mit etwas Glück und Flexibilität ergibt sich vielleicht ein solcher spontaner Nachtskiplausch – ein Abenteuer, das man sicher nicht so schnell vergisst.
Pistenplan Les Giettes
Ich hoffe, dieser Bericht hat einen kleinen Einblick in das aussergewöhnliche und unvergessliche Skierlebnis in Les Giettes gegeben. Lasst gerne einen Kommentar oder eine Danksagung da!
