Es soll tatsächlich Alpinfans geben, die gefühlt jede Ecke in den Alpen erkunden, so heisst es. Und so kommt es, dass man irgendwann an einem Ort in Frankreich landet, der so gar nichts mit den bekannten Namen und mondänen Skistationen zu tun hat. Schon mal von Bonneval-sur-Arc gehört? Vermutlich nicht, denn dieses versteckte Skigebiet liegt ziemlich ungünstig und ganz sicher nicht am Weg – zumindest im Winter. In der kalten Jahreszeit endet die Strasse am Fusse des Col de l’Iseran, der hier eine Sackgasse bildet. Während der klassische Skitourist längst in den grösseren Skigebieten weit davor Halt gemacht hat, trifft man auf dem matschigen Parkplatz ganz hinten im Tal fast ausschliesslich Fahrzeuge mit lokalen Kennzeichen.
Das Skigebiet Bonneval-sur-Arc verkörpert den französischen Skisport mit all seinen Eigenheiten und Klischees. Schon an der Talstation beginnt das Abenteuer, wo sich eine chaotische Kasse befindet, die garantiert keine Sekunde vor Betriebsbeginn öffnet und mit defekten Terminals glänzt, die zwar zuverlässig abbuchen, aber keine gültigen Tickets ausstellen – das ist jedoch eine eigene Geschichte. Der Zubringer ins Skigebiet ist eine fixgeklemmte Poma-Krücke, die einen direkt dorthin bringt, wo noch ältere Schlepplifte und klapprigere Sessellifte warten. Bei jeder Stützenüberfahrt ein lautes Scheppern – Komfort sucht man hier vergeblich. Kindersicherung, Wetterschutzhauben oder Sitzheizung? Fehlanzeige. Stattdessen purer Zweck.
Dieser zweckmässige Trash hat aber seinen ganz eigenen Charme – zumindest, wenn man bereit ist, sich auf das französische Original einzulassen. Die Servicewüste Frankreich mag sprachliche und kulturelle Hürden mit sich bringen, doch genau das gehört zu diesem Erlebnis dazu. Und wenn man es bis hierher geschafft hat, hat man das auch ein Stück weit akzeptiert. Wer nach Bonneval-sur-Arc fährt, sucht keine pseudo-modernen Skigebiete, die mehr schlecht als recht versuchen, mit ihren Nachbarländern zu konkurrieren. Hier trifft man auf Ursprünglichkeit, wie sie im vergangenen Jahrhundert gedacht war. Lifte wurden zweckmässig platziert, um Hänge effizient zu erschliessen. Und obwohl vieles wie aus der Zeit gefallen wirkt, erfüllt die Infrastruktur bis heute ihren Zweck. Sie bringt zuverlässig – wenn auch wenig bequem – nach oben. Gut präparierte Pisten und ein fantastisches Panorama runden das Erlebnis ab. Zudem liegen die Ticketpreise weit unter dem, was man aus den selbsternannten Premiumdestinationen der Alpen gewohnt ist. Vielleicht sinken deshalb auch die Ansprüche, oder sie sind erst gar nicht so hoch – und der unbequeme Sessellift mit kalten Metallstreben als Rückenlehne ist doch irgendwie okay.
Vielleicht muss man hier gar nicht so anspruchslos sein, wie es oft den Eindruck erweckt. Denn das, was den eigentlichen Skisport ausmacht, wird hier erfüllt – mit dem Lift hoch und mit den Ski runter. Und wenn das Hoch noch mit einem Katapultstart eines zackigen Poma-Tellerlifts beginnt und das Runter auf solch perfekt präparierten Pistenteppichen wie hier endet, wird man positiv daran erinnert, warum man zufällig hier gelandet ist. Willkommen in Bonneval-sur-Arc!
Pistenplan Bonneval-sur-Arc
Wenn der Bericht gefällt, lasst gerne eine Danksagung da. Ein Hoch auf das französische Original mit all seinen Besonderheiten und Eigenheiten.
