Das wiederum ist den Gasteiner Bergbahnen auch bewusst. Statt zu investieren entschloss man sich für eine "Pause" des Winterbetriebes für die nächsten drei Wintersaisonen, nachdem der Graukogel jetzt schon nur Wochenteilbetrieb bietet. Ob der Berg aus der Pause des Winterbetriebes wieder zum Leben in der Wintersaison erweckt wird? Fraglich. Der Sommerbetrieb steht einstweilen nicht zur Debatte - allerdings sind Anlagen, die im Sommer laufen und im Winter nicht, auch kostenintensiv und Bergbahnen sind nunmal keine non profit organisations.
Und so hieß es warten auf den Schnee, der auch in der Saison 2025/2026 ums Verrecken nicht kommen wollte. Dezember - mau, Jänner - mau, Februar - mau, aber dann kam doch die ersehnte Ladung von oben und die Gasteiner Bergbahnen sperrten den Graukogel nun doch auf. Letztlich für so viele Tage, wie man auch an einer Hand abzählen kann.
Im Wissen, dass nun offen ist, die Sache aber genau so schnell beendet sein kann wie sie gerade begonnen hatte, beschlossen wir nach der Devise JETZT oder vermutlich nie einen Ausflug zum Graukogel.
Alleine die Anfahrt durch Bad Gastein ist ein Horror und hat nichts mit einer gut ausgebauten Zufahrt zu einem Skigebiet zu tun. Man muss sich den Weg mit der spärlichen Beschilderung, die teilweise auch noch durch ihre Zweideutigkeit zu Irritationen führen kann, erarbeiten. Und so kamen wir nach einer kurzweiligen Engstraßenbefahrung und Ortsbesichtigung an der Talstation an.

Diese liegt an den Hang gequetscht minimalistisch in ihrer Ausstattung am Ortsrand von Bad Gastein, über welchem auf der Gegenseite der Stubnerkogel mit seiner modernen EUB thront.

Der Blick in eine andere Welt - Gipfelhänge am Stubner

Nichts von alle dem, was weir vom Stubner kennen, gibt es am Graukogel. Statt einer pompösen Talstation ein Stationsgebäude in der Größe einer Garage, daneben die Spannstation der Girak-Garaventa DSB - heute mit nicht funktionierenden Einstiegsförderband.

Trotz ihres Alters und des Berges ist die DSB vergleichsweise modern. Aber eben minimalistisch.

Leider haben die Schneefälle nicht gereicht, um auch die Talabfahrt aufzubekommen. Daher ein Foto von dieser ansprechend wirkenden Piste aus der DSB Graukogel 1 bei der Bergfahrt. Die Tourengeher feiern einstweilen hier fröhliche Urständ'.

Nach kurzweiliger Fahrt haben wir auch schon die Bergstation der Sektion 1 erreicht. Hier muss man nun umsteigen.

Und zwar in die zweite DSB Graukogel 2. Eine klassischen Doppelmayr DSB aus den 1980er Jahren, die aber schon eine Frey Steuerung spendiert bekommen hat.

Und so starten wir nach keinen Wartezeiten in die zweite Etappe. Rechts der schwarze Hang der WM Piste, wo ein gewisser Anton Sailer aus Kitzbühel einen seiner WM Titel errungen hat.

Durch den sich langsam lichtenden Wald geht es weiter hinauf.

Bei der Bergstation ist der Zirbenwald bereits sehr licht.

Wie zu erwarten war, ist die Bergstation der Graukogelbahn 2 genau so minimalistisch wie der Rest des Skigebietes.

Gar nicht minimalistisch, sondern verdammt breit ist aber der Hang am Reichebenschlepper. Und die Schneeverhältnisse sind, abgesehen von etwas Gemüse, welches homöopathisch im Gebiet verteilt ist, top!

Die Talstation eben dieses Schleppers. Vom Tal erahnt man nie und nimmer, welches Juwel hier heroben mit diesem Hang und dieser Anlage zu finden sind! Hier befindet man sich in einer anderen Welt, ist fernab von lautem Apresski, hat beste Schneeverhältnisse und fast keine Leute.

Der Schlepper ist auch schon ein älteres Semester und hat die klassischen DM Portalstützen.

Was will man in Anbetracht dieses Prachthanges eigentlich mehr?

Nach einigen Fahrten am Schlepper ging es hinunter zur Mittelstation. Auf der Piste von der Talstation des Schleppers zur DSB Sektion 2 fiel schon auf - dünn hier das Ganze, vor allem was die Schneeauflage auf der Piste angeht. Ob das hier lange gehen wird? Nein, nach vier Tagen war auch schon wieder Schluss, wie wir Tage später erfahren werden.

Die DSB kurz vor der Bergstation.


Nach einer Runde mit der Sektion 2 ging es wieder rüber zum Schlepper.


Der auch eine ästhetische Besonderheit hat - einen Portalniederhalter.

Von der Bergstation des Sls ein Blick auf die Schlossalm über Bad Hofgastein.

Nicht minder ein hidden gem ist die Abfahrt auf der rechten Seite, wenn man bergwärts blickt.

Bei dieser schmalen Waldschneise fährt man auf den Stubnerkogel zu. Und man sieht - während man hier jungfräuliche Pisten hat, wachsen die Buckel am gegenüberliegenden Berg recht rasch.

Letzter Steilhang vor der Mittelstation mit Blick ins Gasteinertal.

Dieser Blick geht auch vom hidden gem Reicheben.

Nochmal von der DSB die rechte Piste runter. Durchaus eng, drehend, kuppiert. Nichts zum Heizen. Aber zum genüsslich Skifahren! Und wenn man denkt, dass ein gewisser Sailer hier Abfahrt gefahren ist....

Leider hat der Schnee auch für diese ganz rechte Skiroute nicht gereicht... Wir sind aber froh, dass wir haben, was uns hier präsentiert wird.

Leider konnte man dem Schnee am Nachmittag beim Davonrinnen zuschauen. Und das am zweiten Betriebstag... Von vier.

Damit geht der kurzweilige Tag auch schon wieder zu Ende und wir verabschieden und von der Sektion 2.

Um die alte Bergstation der ersten Sektion schieben wir zur Bergstation der Sektion 1. Diese hat sogar wie ersichtlich einen Unterflurantrieb. Modern, modern!

Und fahren gemütlich talwärts.
Fazit: ist der Graukogel eine lebende Leiche oder ein lebendiger Skiberg? Weder noch, wenngleich der jetzige Betriebszustand ersteres vermuten lässt. Er steht völlig im Schatten von Stubnerkogel und Schlossalm. Mit Sportgastein kann er auch nicht mit. Aber er rundet das Gasteiner Angebot eigentlich perfekt ab. Ich hoffe, dass sich die Gasteiner Bergbahnen des Berges und seiner Qualitäten besinnen - einerseits für die Ortsansässigen, die den Berg extrem gerne haben. Andererseits als Nischenangebot für Leute wie uns. Es reicht völlig, im Winter nur dann aufzusperren, wenn Schnee da ist - der Parkplatz war an diesem Tag gut voll. Der Graukogel würde ein Weiterleben im Winter verdienen, auch wenn das Sommergeschäft zum Hauptgeschäft werden wird. Eine moderne Anlage am Gray Peak Mountain, wie ein gewisser Investor mal vorgeschlagen hat, braucht der Berg nicht. Entschleunigung beim Schifahren ist hier das Kernargument, auch wenn es in jeder Saison nur wenige Tage bis Wochen gehen dürfte. Man muss auch den Hut vor den Gasteiner Bergbahnen ziehen - dass sie überhaupt für die paar Tage aufgesperrt haben. Eine gewisse Motivation scheint hier zumindest noch vorhanden zu sein. Auch, wenn ein taugliches Winterkonzept, welches Skifahren wenn es geht, inkludiert, zu fehlen scheint. Hoffentlich sind die Bergbahnen nach der selbst verordneten Winternachdenkpause schlauer. Überzeugender als wie so konnte sich der Berg eigentlich nicht präsentieren. Der Berg braucht eine gewisse Frequenz, die man vermutlich nur mit Angeboten abseits des Skifahrens generieren kann. Der Skibetrieb, einst Hauptgeschäft, würde dann wohl zum Zusatzangbot werden. Vielleicht findet sich eine Möglichkeit, hier etwas tragfähiges auf die Beine zu stellen - der Graukogel mit seiner Geschichte hätte es verdient.
Glück Auf!
Dachstein
