So starte ich morgens gegen halb 9 von Zuhause und fahre zuerst mit dem Zug nach Ebnat-Kappel. Dort angekommen beginnt nach wenigen Minuten Fahrzeit der Anstieg ins Steintal. Nach einigen Kilometern zweige ich rechts auf eine Schotterstrasse ab. Dort geht es zuerst mit moderater Steigung nach oben, doch bald wird die Strasse immer steiler. Für mich mit dem Mountainbike zwar anstrengend, aber problemlos fahrbar. Ich überhole aber einige andere Radfahrer mit Gravel-Bike, welche schieben. Später erfahre ich, dass sie am "Züri Escape", einem dreitägigen Gravel-Bike Event über 400 km und 10'000 Höhenmeter teilnehmen und ihre Kräfte nicht schon morgens auf dem ersten Anstieg des Tagens aufbrauchen wollen.
Gut eine Stunde nach dem Start in Ebnat-Kappel erreiche ich den Tanzboden. Auf dem Tanzboden geht jedoch ein strammer Wind und die Temperatur liegt wohl deutlich unter 10°C. So halte ich es nicht allzu lange aus und mache mich auf den Weg in Richtung Regelstein. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob dieser Trail mit dem Bike befahren werden dürfte. Es gibt hier einige alte Tafeln, die auf ein allfälliges Verbot hinweisen, so wirklich klar ist das ganze aber nicht. Im Toggenburg gibt es allgemein sehr viele Beschilderungen für Mountainbikes. Die darauf aufgeführten Routen lassen sich aber nirgends im Internet finden und so ist es im Allgemeinen schwierig Herauszufinden, wo die ausgeschilderten Routen überhaupt hinführt. Teilweise fehlen an einzelnen Abzweigungen auch Schilder. Es scheint so, als ob da mal vor etlichen Jahren ein Routen-Netz aufgebaut wurde, welches aber nun während etlichen Jahren vernachlässigt wurde. So ignoriere ich die in die Jahre gekommene Tafel und biege trotzdem in den Trail in Richtung Regelstein ein. Es hat sich dann auch niemand unterwegs beschwert, dass das Biken hier verboten wäre. Der Trail vom Tanzboden zum Regelstein hat es in sich. Es geht abwechselnd abwärts und wieder aufwärts. Während bergab bis auf 1-2 Stellen alles gut fahrbar ist, muss das Bike bergauf immer wieder geschoben werden. Teilweise ist die der weg schlicht zu steil und teilweise erschweren Wurzeln und Absätze den Aufstieg. Nach einiger Zeit habe ich dann aber doch den Regelstein erreicht. Auch hier ist der Ausblick traumhaft: Mittlerweile ist es bereits kurz nach halb 1, sodass ich eine Mittagspause einlege. Auch hier auf dem Regelstein windet es, jedoch etwas weniger stark als zuvor auf dem Tanzboden. So lässt es sich von den Temperaturen her gerade so aushalten.
Nach der Mittagspause geht es auf die Abfahrt. Dabei entscheide ich mich für den Trail zum Ricken runter. Dieser ist durch die vielen Wurzeln und kleinen Stufen zwar durchaus anspruchsvoll, aber ganz spassig zu fahren. Auf dem Ricken angekommen, fahre ich über eine Nebenstrasse runter nach Wattwil. Dort wartet der zweite Aufstieg des Tages hoch zur Chrüzegg. Immerhin sind hier nochmals 700 Höhenmeter zu überwinden. Nach einem etwas steileren ersten Abschnitt führt die Strasse mit moderater Steigung ins Tal hinein. Am Talende angekommen ändert sich der Charakter der Strasse schlagartig. Der Belag geht von Schotter auf Beton über und es geht mit konstanten 15 - 18 % extrem steil nach oben. Nach einigen anstrengenden Höhenmeter erreiche ich den Berggrat bei der Obere Tweralp, wo sich wiederum der Blick in Richtung Säntis öffnet: Viel wichtiger ist aber, dass die Strasse endlich wieder weniger steil wird und es von hier nun fast eben zum Berggasthaus unterhalb der Chrüzegg geht. Die letzten Höhenmeter hoch zur Chrüzegg sind dann nochmals äusserst steil und ich muss das Bike zwischenzeitlich schieben. Der Ausblick von der Chrüzegg, lässt mich jedoch die Anstrengungen des Anstiegs rasch wieder vergessen. Ich entschliess mich hier eine etwas längere Pause einzulegen um den Ausblick zu geniessen und den Körper etwas regenerieren zu lassen.
Nach einer guten halben Stunde geht es weiter dem Berggrat entlang zum Tierhag unterhalb des Schnebelhorns. Die Gegend hier ist wie gemacht fürs Mountainbike. Die Trails sind abwechslungsreich, stellenweise durchaus auch anspruchsvoll aber fast durchgängig fahrbar. Zudem geniesst man immer wieder traumhafte Ausblicke in die umliegende Landschaft. Beim Tierhag angekommen fahre ich über einen Trail runter zur Töss . Ich entscheide mich für den leichten Trail via Sennhütte, welcher kaum technische Schwierigkeiten aufweist. Es gibt hier auch durchaus schwierigere Alternativen, die überlasse ich an diesem Tag aber gerne den Downhill-Cracks. An der Töss ankommen fahre ich gemütlich der Fahrstrasse entlang talauswärts in Richtung Steg im Tösstal. Dabei führt der Weg immer wieder an spannenden Felsformationen vorbei:
Skilift Steg im Tösstal: Und der danebenliegende Anfängerlift: Angekommen in Steg geht es für mich weiter talaufwärts nach Fischenthal. Dabei meide ich aber die Hauptstrasse und fahre stattdessen dem abwechslungsreichen Wanderweg entlang. In Fischenthal angekommen trennt mich nach wie vor der Hügelzug des Bachtels von von meinem Zuhause in Wetzikon. So heisst es noch einmal kräftig in Pedalen zu treten und den Aufstieg ins Ghöch in Angriff zu nehmen. Auch hier weist die Strasse wieder ein ordentliches Gefälle auf, flache Aufstiege scheint es heute nicht zu geben
Fazit:
Es war eine absolut geniale Runde, ideal für die eher kühlen Temperaturen an diesem Tag. Die Runde bietet alles, was das Bikerherz begehrt: Lange und teilweise steile Aufstiege, traumhafte Ausblicke in die Alpen sowie zum Zürichsee, abwechslungsreiche und teilweise anspruchsvolle Trails den Berggraten entlang und einen sehr hohen Trailanteil in der Abfahrt (es werden gerade einmal rund 300-400 der über 2000 Tiefenmetern auf Asphalt/ Kiesstrasse zurückgelegt)
Zum Schluss noch die Eckdaten:
Strecke: 62.6 km
Anstieg: 2242 m
Fahrzeit: ca. 6 h
