Oh, mein Lieblingsthema
Maxli hat geschrieben: 02.05.2025, 14:28
Es ist einfach so dass das Interesse am Frühlingsskifahren immer mehr sinkt.
Es lohnt sich einfach nicht mehr wegen ein paar AHV
Rentnern mit Saisonskipass und ein paar verrückten Alpinfans der Betrieb bis Ende Mai offen zu halten.
Selbst die letzten Wochen sind ein Defizitgeschäft und wird quersubventioniert von den internationalen Gästen.
Gibt es dazu irgendwelche belastbaren Daten oder Studien, die das tatsächlich mal untersucht haben? Oder beruht das rein auf anekdotischen Erfahrungen?
Ich halte es für stark vereinfacht zu sagen, dass im Frühling nur noch Rentner und Saisonpassinhaber unterwegs sind und dass man daraus schliessen kann, dass Frühlingsski an Popularität verloren hat. Logisch ist das nicht mehr der Zeitraum, in dem der klassische Wochengast seine Skiferien verbringt. Aber das war vor 20 Jahren auch nicht anders.
Meine Theorie ist eine andere. Anders als vor 20-30 Jahren verlangt der Gast heute eine Infrastruktur zum Skifahren, die nur bei hoher Auslastung rentabel ist. Früher hat man die Schlepplifte in Betrieb genommen, wenn Schnee lag. Personal waren meist eh Bauern aus dem Ort, eine Lehre hat es nicht gebraucht. Pistenpräparation war auch viel weniger aufwendig. Heute steht dagegen an jedem Hang eine kuppelbare Sesselbahn, Schneeerzeuger und die Pisten müssen auch jede Nacht wieder glattgebügelt werden. Dafür braucht es entsprechend ausgebildetes Personal, das a) teuer und b) schwer zu finden ist. Darum rentiert es anders als in früheren Jahren nicht, bei wenig Nachfrage zu öffnen. Sieht man ja auch daran, dass die grossen Skigebiete immer mehr versuchen, durch dynamische Preise die Skigebiete in nachfrageschwachen Zeiten möglichst auszulasten. Der möglichen Verkürzung der Saisonzeiten liegt prinzipiell der gleiche Gedanke zugrunde.
Die Ausgangsfrage in diesem Topic war ja aber, ist das im Allgemeinen überhaupt so. Dass die klassischen Frühlingsskigebiete teilweise früher schliessen als noch vor 10-20 Jahren ist ein Phänomen, das m. E. hauptsächlich den deutschsprachigen Alpenraum betrifft. In Frankreich und Italien geht die Saison bei den üblichen Verdächtigen wie schon seit eh und je bis in den Mai hinein (3V, Espace Killy, Tonale etc.) und aktuelle Berichte hier im Forum zeigen ja, dass das Angebot auch sehr gut angenommen wird. Auch an den Frühsommer-Öffnungszeiten hat sich in Frankreich meiner Erinnerung nach nichts massgeblich verändert. Einzig Tignes hat das Schliessdatum vom August in den Juli verlegt. Das hat aber nichts mit ausbleibenden Gästen zu tun, sondern schlicht damit, dass der Gletscher inzwischen nach Ende Juli einfach kein Skifahren mehr hergibt. Cervinia hat aufgrund der guten Schneelage gerade erst angekündigt, ein verbessertes Angebot so lange wie möglich aufrecht zu erhalten.
Auf der anderen Seite gibt es dann Kandidaten wie den angesprochenen Titlis. Dort ist es sicher ein Sonderfall, weil das Hauptgeschäft eh mit Nicht-Ski-Touristen gemacht wird. Aber Corvatsch war früher auch bis im Mai offen, Disentis hat häufig über Auffahrt geöffnet. Die Tiroler Gletscher wurden ja auch schon erwähnt. Da ist die kürzere Saison längst Realität. Womit wir auch wieder beim Thema teure Infrastruktur wären – die ist in den Ostalpen tendenziell weiter verbreitet als im Westen.
Die Thematik ist sicher sehr komplex. Wäre daher eine spannende Aufgabe für einen Tourismusforscher, ein Strukturgleichungsmodell aufzubauen, das alle relevanten Faktoren berücksichtigt (Skigebietsgrösse, Lage, Einzugsgebiet, Umsatz- und Kostenstruktur, historische Saisondaten, Ostertermin, Schneelage, Wetter, Gästestruktur, Herkunft, Skiticket-Typ, Alternativangebote, …) und feststellt, welche Wirkungszusammenhänge tatsächlich signifikant sind. Nur dann könnte man wirklich fundiert eine Aussage darüber treffen, ob Frühlingsski an Popularität verloren hat und welche Faktoren dabei eine Rolle gespielt haben. Die erforderlichen Daten sind ja prinzipiell vorhanden. Man müsste sich nur die Mühe machen, sie aufzutreiben und zusammenzuführen.
Schneegott hat geschrieben: 28.04.2025, 13:58
Was mich mal wunder nimmt, ob jemand einen Überblick oder sogar Tabelle hat die die immer frühere Schliessung der Skigebiete dokumentiert?
Ich hab mal die Saisonschlussdaten meines Heimatskigebiets Lenzerheide der letzten ca. 20 Jahre zusammengetragen (davor gab es noch keine gemeinsame Bergbahngesellschaft, somit nicht vergleichbar). Natürlich ist die Lenzerheide kein klassisches Frühlingsskigebiet, aber gewisse Tendenzen lassen sich dennoch ablesen. Rein deskriptiv, keine Analyse:
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Winter Ostersonntag Ende West Ende Ost Anmerkungen
2005 27.03.2005 10.04.2005 17.04.2005
2006 16.04.2006 17.04.2006 23.04.2006
2007 08.04.2007 09.04.2007 22.04.2007
2008 23.03.2008 06.04.2008 13.04.2008
2009 12.04.2009 13.04.2009 19.04.2009
2010 04.04.2010 05.04.2010 11.04.2010
2011 24.04.2011 03.04.2011 25.04.2011
2012 08.04.2012 09.04.2012 15.04.2012
2013 31.03.2013 01.04.2013 07.04.2013
2014 20.04.2014 06.04.2014 21.04.2014
2015 05.04.2015 12.04.2015 12.04.2015
2016 27.03.2016 03.04.2016 10.04.2016
2017 16.04.2017 17.04.2017 17.04.2017 Frühzeitige Schliessung Westseite wegen Schneemangel am 04.04.2017
2018 01.04.2018 08.04.2018 15.04.2018
2019 21.04.2019 07.04.2019 22.04.2019
2020 12.04.2020 29.03.2020 13.04.2020 Frühzeitige Schliessung wegen Corona am 13.03.2020
2021 04.04.2021 05.04.2021 11.04.2021
2022 17.04.2022 03.04.2022 18.04.2022
2023 09.04.2023 02.04.2023 16.04.2023
2024 31.03.2024 01.04.2024 14.04.2024
2025 20.04.2025 30.03.2025 21.04.2025
2026 05.04.2025 29.03.2026 12.04.2026
In den ersten Jahren des Betrachtungszeitraums bis 2010 war es jeweils so, dass die Westseite bis in die erste Aprilhälfte und bis mindestens Ostermontag offen war. Die Ostseite war jeweils mindestens bis zur Woche nach Ostern offen und hat im Schnitt kurz nach Mitte April geschlossen. Allenfalls ein sehr früher Ostertermin hat die Schliessung um maximal eine Woche nach vorne verschoben.
Mit Ausnahme der sehr späten Ostertermine 2011 und 2019 (da hat die Westseite dann im Gegensatz zu z. B. 2006 an der Schliessung Anfang April festgehalten, unabhängig von Ostern) hat sich daran auch im folgenden Jahrzehnt nichts verändert. Auch die Verbindung mit Arosa ab 2014 hatte darauf keinen Einfluss.
Ab 2020 wurde die Schliessung der Westseite dann drastisch nach vorne verlegt. Im ersten Jahr hatte das wegen der coronabedingten noch früheren Schliessung keine Auswirkungen, aber seitdem hat der Ostertermin keinen Einfluss mehr auf das Saisonende. Die Schliessung erfolgt spätestens am ersten Aprilwochenende, wenn nicht gar bereits im März. So beispielsweise auch im kommenden Winter, und damit nur wenige Tage vor Ostern. Die Schliessung der Ostseite erfolgt im Gegensatz dazu nach wie vor Mitte April respektive bei einem späten Ostertermin noch später. Daran hat sich in den letzten 20 Jahren also nichts verändert.