Nur wohin so kurzfristig? Auf Pradaschier hatte ich nicht schon wieder Lust, naheliegende andere Optionen wären Tschiertschen oder Brambrüesch. Dann kam mir aber in den Sinn, dass ich schon seit über zehn Jahren nicht mehr in Grüsch war. Also kurzerhand um 10 Uhr aufgebrochen, um eine halbe Stunde später an der Talstation der Kabinenbahn nach Cavadura einzutreffen. Unterwegs kam ich bereits in den zähen Hochnebel, der sich über das Rheintal erstreckte, allerdings mit einer Obergrenze um 700 Meter. Da sollte also noch genug Luft sein – und in der Tat war der Himmel in Grüsch schon wieder blau.
Das Skigebiet ist im Winter ein echtes Schattenloch. Die beiden Sektionen der Kabinenbahn erschliessen den Furner Berg aus nördlicher Richtung, sodass sich die Sonne nur am Nachmittag auf den Pisten blicken lässt. Die Rückseite mit der Sesselbahn Danusa und dem Schlepplift Schwendi ist da schon etwas sonniger, auch im Januar. Bei den kalten Temperaturen eine willkommene Abwechslung.

Schattige Angelegenheit auf der Kabinenbahn, dem einzigen Zubringer ins Skigebiet. 1992 gebaut von Leitner war es die erste Achter-Kabinenbahn der Schweiz.

Die Anlage ersetzte zwei fix geklemmte Sesselbahnen von Städeli mit insgesamt rund 3,5 Kilometer Länge. Bei der Nordhanglage dürfte man da im Hochwinter an der Bergstation als Eiszapfen angekommen sein.

Erste Abfahrt in idyllischer Lage im Wald ...

... und dann plötzlich in weitläufiger Landschaft.


Im unteren Teil waren die Schneeerzeuger pausenlos im Einsatz.
Der Betrieb beschränkte sich auf einige Skischulen und Kindergärten, die überwiegend an der Sesselbahn unterwegs waren. Ansonsten herrschte mehr oder weniger freie Bahn auf den Abfahrten, die erstaunlich abwechslungsreich sind. Hatte ich so gar nicht mehr in Erinnerung. Aber speziell an der oberen Sektion der Kabinenbahn ist die Auswahl an schön coupierten Waldabfahrten wirklich nett. Die Abfahrten an der Sesselbahn sind für meinen Geschmack etwas zu flach, aber für die Kinder ist der Kessel ein Paradies.

Bergstation der Sesselbahn Danusa, ein für Graubünden eher ungewöhnliches Baco-Produkt mit Poma-Technik. Inzwischen steht die Anlage hier schon mehr als doppelt so lange wie an ihrem ersten Standort in Flims.

Abfahrt an der Sesselbahn Danusa.

Abfahrt am Schwendi-Lift, links geht es zum kurzen Bünda-Lift.

Ein Städeli-Klassiker aus den 70er Jahren. Sogar noch mit den inzwischen extrem seltenen SL-9H-Gehängen!

Der Schwendi-Lift selbst liegt auch überwiegend im Schatten, die zugehörige Piste hat dagegen etwas mehr Sonne.
Höhepunkt ist aber zweifelsohne die lange Herbstgaden-Abfahrt, die von der Bergstation des kurzen Bünda-Schlepplifts zum Vacca-Schlepplift führt. In Sachen Panorama ist diese Piste auf weiter Flur unübertroffen. Auch die direkte Vacca-Abfahrt war sehr schön zu fahren, leider war der untere Teil allerdings noch gesperrt und der Lift erst ab dem Zwischeneinstieg geöffnet. Schnee sollte es weiter unterhalb mittlerweile eigentlich auch genug haben, aber sicher ist es etwas Aufwand, den Zwischeneinstieg auszubauen und den Lift entsprechend herzurichten. Macht aber nichts, war auch so alles gut.


Herbstgaden - Ein Traum!

Vacca-Schlepplift mit schmalen Städeli-Portalstützen im oberen Streckenteil. Der Lift kam gleichzeitig mit dem Schwendi-Lift 1977 als Erweiterung hinzu.


Am Nachmittag liegen auch die Abfahrten an der Kabinenbahn teilweise in der Sonne.



Zweite Sektion der Kabinenbahn.

Nächste Runde mit dem Bünda-Lift Richtung Herbstgaden.
Im Laufe des Tages stieg der Nebel erwartungsgemäss kontinuierlich an. Bei den letzten Abfahrten vor Betriebsschluss um 16 Uhr erreichte die Obergrenze die Höhe der Zwischenstation der Kabinenbahn in 1100 Metern. Dadurch bot sich ein fantastischer Ausblick mit strahlend blauem Himmel, Nebel und frisch verschneiten Bäumen. Dazu die tiefstehende Sonne, da geht dem Landschaftsfotografen das Herz auf! Ein durch und durch gelungener Tag. Bis zum nächsten Mal wird es hoffentlich nicht wieder zehn Jahre dauern.

Der Nebel drückt Richtung Prättigau.

So gewöhnungsbedürftig die Kabinen auch aussehen, als Fotosujet taugen sie mit ihrer bunten Farbgebung einfach hervorragend!

Letzte Runde am Vacca gegen 15.50 Uhr.

Der Schwendi-Lift liegt noch bis Betriebsschluss in der Sonne.








Letzte Abfahrt zurück zur Zwischenstation der Kabinenbahn. Tage wie diese sind ein unglaubliches Privileg, das muss man sich immer wieder in Erinnerung rufen.

Zurück ins Tal geht es mangels Schnee mit der Kabinenbahn.
