da es keine Live-Berichte gab, bin ich Euch noch die Eindrücke zu Heiligenblut schuldig. Voila!
Warum waren wir überhaupt da? Wir hatten uns bereits vor einem Jahr mit einer befreundeten Familie zum Osterurlaub verabredet. Dafür war eine Unterkunft mit 4 Schlafzimmern und mindestens 2 Bädern notwendig, in der auch noch Haustiere (es waren 2 Hunde dabei) erlaubt sind notwendig. Wenn man da auf den üblichen Plattformen die Filter bedient, dünnt sich das Angebot ganz schön aus. Da diese Konstellation auch nicht zum spontanen Buchen einlädt, braucht man halt etwas mit Schneegarantie und die sollte es ja am „top of austria“ geben. Zugegeben: diese Werbung hat mich tatsächlich dazu verleitet, mich nicht mehr näher zu informieren. Sonst hätte ich gewusst, dass sich der Großglockner zu Heiligenblut ungefähr so verhält, wie der zu erahnende Meerblick vom Seitenbalkon einer kilometerweit vom nächsten Strand entfernten Hotelanlage
Aufgrund der Entfernung und des zu erwartenden Reiseverkehrs am Ostersamstag holten wir pafflo18 freitags gegen Mittag von der Schule ab und fuhren zunächst bis München, wo wir eine Zwischenübernachtung einlegten. Am Samstagmorgen gegen 7 machten wir uns dann wieder auf den Weg. Bei herrlichem Wetter konnten wir das Panorama entlang der Felbertauernstraße genießen und machten dann noch in Lienz, einer netten kleinen Stadt, Station. Dort gab es einen netten Bauernmarkt und wir erledigten (zum Glück) erste Einkäufe. Unser Ziel erreichten wir dann gegen Mittag. Insgesamt ist die Rechnung voll aufgegangen: wir standen nicht eine Minute im Stau.
Die Unterkunft (Info gern per PN) hielt dann auch wirklich, was sie versprach. Ein nahezu neues Holzhaus mit schönem Blick am Hang gelegen, toller Ausstattung, Sonnenterrasse, Kaminofen und Infrarotkabine. Nebendran noch ein Wildgehege und ansonsten wenige Höfe und Wiesen - absolute Ruhe.
Leider sollten wir schnell feststellen, dass dies auch für den Ort als solches galt. Von den wenigen Restaurants waren bis auf eines schon alle in den Betriebsferien oder augenscheinlich auch schon länger geschlossen. Selbiges galt für die Gastronomie im Skigebiet selbst, wo noch zwei Hütten und eine Schirmbar in Betrieb waren. Ansonsten gibt es ein Sportgeschäft, ein kleines Kaufhäusl mit allerlei Souvenirs und einer heißen Theke, eine Skischule und einen kleinen Supermarkt mit sehr begrenztem Angebot. Insgesamt war vor Ort sehr wenig los. Alles schien etwas aus der Zeit gefallen.
Das Skigebiet selbst vermochte leider auch nicht zu überzeugen. Aufgrund des schlechten Skibussystems waren wir aufs Auto angewiesen. Es gibt allerdings nur wenige (immerhin kostenfreie) Parkplätze an der Mittelstation, die man über den Anfang der gesperrten Hochalpenstraße erreicht. An der Talstation gibt es nur kostenpflichtige Plätze für 90 Minuten in einer Kurzparkzone. Von der Mittelstation aus führt eine 4er-EUB hoch zum Schareck auf 2.600 Meter. Von dort war eine Abfahrt zurück zur Mittelstation geöffnet, die andere Seite mangels Schneelage leider nicht. Oben gibt es dann noch zwei Pisten, die durch eine EUB und einen SL erschlossen werden. Diese waren eigentlich ganz schön zu fahren und es hätte sicher auch ein tolles Panorama gegeben, wenn wir nicht etwas Pech mit dem Wetter gehabt hätten. So lief die EUB zum Schareck nur an 2 von 5 Tagen und dann so langsam, dass pro Fahrt rund 15 Minuten verstrichen. An den anderen war sie wegen des starken Windes eingaragiert und damit der ohnehin schon kleine Bereich gar nicht erreichbar.
Bleibt also noch ein von der Mittelstation erreichbarere SL „Tauernberg“, mit dem man eine gefühlte Ewigkeit fährt, um dann nach 2 Minuten die einzige Piste abgefahren zu sein. Und: die 1987 in Betrieb genommene Tunnelbahn zum Bereich Fleissalm - die Rettung an windigen Tagen. Diese führt dann zu einem SL mit Kurve, der den unteren Teil einer Piste (Anfängerhang) erschließt und zur einzigen 4er-KSB (Fleissbahn), die dann auf rund 2.400m zu zwei Abfahrtsvarianten führt. Der eigentlich von der Bergstation noch auf 2.900m führende SL Hochfleiss war leider die ganze Zeit geschlossen, obwohl die Schneelage da oben eine Öffnung sicher zugelassen hätte. Immerhin blieb die Fleissbahn trotz des Windes durchgängig (wenn auch sehr langsam) geöffnet und die Pisten dort waren ganztägig super zu fahren. Am Schareck hingegen wechselten sich durch die Schneeverwehungen tiefe Haufen mit Blankeis ab.
Neben dem schwachen Pistenangebot und dem Wetter kam dann noch der dritte Spaß-limitierende Faktor hinzu: die Skischulzeiten. Pafflo18 und die Tochter unserer Freunde besuchten diese von Sonntag bis Donnerstag. Die Zeiten waren von 10-12 und von 13:30-15:30 Uhr. Durch wetterbedingte Planänderungen (für die die Skischule natürlich nichts konnte - die waren echt super), entstanden dann noch zusätzliche Wartezeiten und um den Kindern eine Pause im Warmen und ein Mittagessen zu ermöglichen war es erforderlich, bereits ab spätestens 11:30 einen Tisch in der einzig verfügbaren Hütte (Fleissalm) zu besetzen, da dort keine Reservierungen möglich waren. Einen Skiurlaub, in dem ich so wenig gefahren bin, dafür aber gewartet und rumgesessen habe, hatte ich noch nie… An einem Tag entschieden wir uns daher auch nur eine Wanderung mit dem Hund zu machen.
Kommen wir zu den positiven Aspekten:
Das Essen auf der Fleissalm ist wirklich gut und das Personal dort freundlich und aufmerksam.
Die Skischule ist wirklich zu empfehlen und die Woche war für unseren Junior wieder ein toller Erfolg. Zunächst wurde er nach dem ersten Tag eine Gruppe höher gestuft und dann durfte er nach dem Abschlussrennen auch noch den Platz ganz oben auf dem Stockerl einnehmen. Der Umgang mit den Kindern war sehr herzlich, es wurde auch viel wert auf Sicherheit gelegt und pafflo18 hat sich sichtbar weiterentwickelt: was will das Elternherz mehr?
Das Gebiet war so gut wie leer. Trotz des geringen Angebots gab es nie Wartezeiten. Das Personal an den Liften war sehr freundlich und die Präparierung war in Ordnung.
Insgesamt wird man aber leider den Eindruck nicht los, dass es sich hier um ein Gebiet handelt, wo dringend mal etwas investiert werden müsste. Irgendwie wirkt alles ziemlich aus der Zeit gefallen, was auch das geringe Besucheraufkommen erklären dürfte… Das führte dann letztlich auch dazu, dass wir für den Freitag keine Liftkarte mehr kauften (intuitiv hatten wir nur bis Donnerstag gelöst), sondern am späten Vormittag die Heimreise antraten. Mit zwei längeren Pausen kamen wir dann staufrei wieder nach Hause - das hätte heute garantiert nicht funktioniert. Unterwegs blutete uns allerdings etwas das Herz, als wir die Schneelage und das Pistenangebot im Bereich Kitzbühl und SkiWelt gesehen haben… Nächstes Jahr werden wir Ostern also wohl nicht wieder in Heiligenblut verbringen.
Hier noch ein paar Eindrücke:
