Im Bereich Attersee, Wolfgangsee, Traunsee und Mondsee gab es schon immer eine Vielzahl von Einzelliften und kleinen Skigebieten. Einige dieser Lifte und Gebiete mussten in den letzten Jahrzehnten klimawandelbedingt aufgeben (z.B Wachtberg in Weyregg), andere investierten frühzeitig in Schneeanlagen und schufen so ihre Grundlage für ihre weitere Existenz. Die Höhenlagen hier sind teils weit unter 1000 m Seehöhe, sodass ohne Schneeanlage kaum ein Auslangen zu finden ist. So auch der Schilift am Kronberg bei Attersee am Attersee. Der Lift selber gehört mehreren Gemeinden und wird als Skinahversorger betrieben. Darüber hinaus bietet er die ideale Infrastruktur für Nachwuchsskirennen.
Wer die A1 in der Nacht bei St. Georgen im Attergau westwärts fährt, sieht an bestimmten Tagen einen hell erleuchteten weißen Streifen in der Landschaft - eben jenen Skihang, der auch Nachtski anbietet. Und weil wir nie wissen, was nächstes Jahr sein wird, darf man manche Dinge nicht zu lange aufschieben - sonst sind sie gone for good. Also lieber auf der sicheren Seite sein, und der Sache dort mal einen Besuch abstatten. Und zwar an einem Freitag dem 13., wo bekanntlich nie was schief gehen kann.
Und so machten wir uns am späten Nachmittag von Salzburg aus gen Osten, in den Attergau zum Abendskifahren. Je nach Verkehrsalge ist der Kronberg in 35 bis 45 Minuten erreichbar. Zuerst über die A1, dann über die Bundesstraße Richtung Attersee ab Anschlussstelle St. Georgen und ab Palmsdorf letztlich über Landesstraße und Güterwege.
Am Lift angekommen überraschte zu aller erst ein sehr gut gefüllter Parkplatz - ein Nachwuchsrennen war im vollen Gange und auf der restlichen Piste tummelten sich viele Jugendliche und Eltern mit ihren Kindern. Ein wirklicher Skinahversorger sozusagen!
Die Saisonkarte gilt hier nicht, also 20 Euro pro Person fürs Abendvergnügen hingelegt. Das klingt teuer, zumal die Hochalterbahn im Kühtai beim Abendskilauf auch 20 Euro kostet. Allerdings ist die Relation hier eine andere - man braucht das Geld zum Überleben und der Nachtskilauf ist ein wichtiges Standbein, während im Kühtai der Nachtskilauf eine Sache ist, die mitgenommen werden kann.

Betrachten wir den ganzen Hang von unten. Natürlich schon etwas zerfahren, aber eines fällt auf: für einen Einzellift ein ordentlicher Lanzenwald. Und die Piste ist durchaus ordentlich eingeschneit.

Der Hersteller der Anlage ist auch schnell klar - der kommt as Oberweis von Swoboda, auch wenn de Pretis hier mal Modernisierungen vorgenommen hat. Ein gedepretister Swoboda sozusagen.

Und schon geht es rauf. Und zwar wirklich zügig! Kein Vergleich zu manchem Schlepper, der in großen Skigebieten vor sich hin kriecht.

Der obere Teil des Schleppers. Wie man sieht ist der rechte Pistenteil noch von dem Jugendrennen blockiert, das änderte sich aber im Laufe des Abends und bescherte eine gesalzene Rennpiste.

Das Panorama von der Bergstation - links der Buchberg, rechts der Hohenzug des Hongar mit dem Gahberg. Der See ist der Attersee, Österreichs größtem Binnengewässer, das zu 100% auf österreichischem Staatsgebiet liegt. Der Ort am See ist Attersee selber, am gegenüberliegenden Ufer Weyregg am Attersee mit der Seeleiten. Die Orte im "Tal" sind Palmsdorf, Abstdorf (im Vordergrund), Thern und Stöttham, wobei der Zersiedelungsgrad schon atemberaubend ist...

Besonders markant am Kronberglift - die wuchtige Doppelstütze vor dem Ausstieg.

Langsam geht es in Richtung blaue Stunde - der zweite Durchgang des Slaloms ist gerade am Laufen und der Reihe nach werden die Kippstangen umgelegt und klatschen auf die harte Rennpiste. Von der anderen Seite nagt der bereits im Februar in diesen Höhenlagen einsetzende Frühling schon an der Schleppertrasse. Noch hilft dagegen die Schaufel.

Interessant ist die Distanz des Lifte zwischen Ausstieg und Spannstation am Berg. Und wo ist eigentlich die zweite Sektion?

Langsam wird es dunkler - und wir beschließen dem Wirt neben dem Lift eine Visite abzustatten. Das Menü heute Grillwürstel mit Pommes - rot weiß passt irgendwie zum Gesamtkonzept des Tages. Und die Preise sind angenehm human, der Kuchen danach hausgemacht und gut. Und der Wirt hat auch Zimmer und ist eigentlich ein Hotel.

Nun bricht die tatsächliche Blaue Stunde an - und sie macht das Skifahren zu was besonderem.

Die Piste leert sich nun zusehends, viele gehen nun einen Happen essen, während die letzten Jugendlichen den zweiten Durchgang abschließen. Dann wird vom Skiklub der Stangenwald abgebaut und die Rennpiste für die wenigen verbliebenen Skifahrer freigegeben.

Hier noch der untere Teil des Hanges mit Abstdorf im Vordergrund und Attersee (Ort wie auch See) im Hintergrund.

Gefühlt fährt jetzt noch eine Hand voll Skifahrer in den Abend hinein, Wartezeiten gibt es keine.


Und jetzt ist es zappenduster, der Skiclub packt zusammen und nun zeigt sich auch, wie gut das Flutlicht ist. Und zwar richtig gut.

Skiclub weg, Stangen weg, wir noch da, Piste richtig gut! Aber auf die ausgefahrenen Bereiche, den "Wandeln" aufpassen.

Letztes Bild kurz vor Betriebsschluss - als letzte Skifahrer packen schließlich auch wir zusammen. 35 Minuten nach Abfahrt sind wir wieder zuhause.
Bleibt die Frage: zahlt sich so eine Aktion aus? Ja natürlich! Hier lernt man, wie anders Skifahren im Vergleich zu großen Skigebieten sein kann. Gleichzeitig brauchen diese Lifte eh jeden Gast, um über die Runden zu kommen. Von dem Standpunkt er sollte sich jeder überlegen, dass man hie und da auch mal einen Skitag / Skiabend bei so einem Einzellift verbringen sollte. Ansonsten gehen die Lichter schneller aus aus das uns allen lieb ist.
Glück Auf!
Dachstein
