Es gibt Skigebiete, die man nicht einfach „mal so“ besucht. Saas-Fee gehört für mich eindeutig dazu. Seit Jahren steht die „Perle der Alpen“ auf meiner Liste. Umso schöner war es, dass es dieses Jahr endlich geklappt hat. Wir hatten bewusst ein Wochenende in Saas-Fee, Mitte Dezember, gewählt, um dem grossen Andrang zu entgehen. Und der Plan ging voll auf.
Sowohl am Samstag als auch am Sonntag war das Wetter sehr gut: Sonne, klare Sicht und das typische Dezemberlicht, das das ganze Saastal noch eindrücklicher wirken lässt. Trotz der sehr guten Verhältnisse hielt sich der Andrang in Grenzen. Morgens am Alpin Express gab es kurz rund fünf Minuten Wartezeit, danach ging es praktisch immer direkt in den Lift, auch an der Alpin Metro.
Am meisten Betrieb war, wie zu erwarten, im Bereich Morenia. Dort sammelten sich viele Gäste, und entsprechend waren die Pisten dort auch am schnellsten in Mitleidenschaft gezogen.. Trotzdem blieb das Ganze angenehm, kein Vergleich zu den typischen Hochsaison-Tagen am Ende des Monats.
Schneequalität: Oben sensationell, unten zunehmend hart
Das Highlight war ganz klar der Schnee im oberen Teil am Gletscher. Kalt, griffig, winterlich, genau so, wie ich es mir in Saas-Fee vorgestellt habe. In den oberen Höhenlagen war es am Morgen zwar noch etwas schattig und die Sonne liess sich dort länger Zeit, aber gerade das sorgte für top Schneekonsistenz.
Je weiter man allerdings nach unten kam, desto deutlicher merkte man den Unterschied. Der Schnee wurde härter, teilweise auch ruppig, und am Nachmittag waren viele Stellen bereits deutlich ausgefahren. Besonders in den unteren Abschnitten rund um Morenia war das gut spürbar. Als einzige KSB im Gebiet ist der Sektor für Wiederholungsabfahrten natürlich besonders beliebt.
Am Nachmittag, wie im Dezember nicht anders zu erwarten, wurde es spürbar schattiger. Positiv war auch, dass es im Verlauf des Tages sogar eher leerer wurde. Gerade ab Mittag war im Gebiet teilweise erstaunlich wenig los.
Der kleine Wermutstropfen: Plattjen blieb zu
Ein Punkt hat mich allerdings etwas geärgert, auch wenn es natürlich verständlich ist. Wir mussten auf den Sektor Plattjen verzichten. Der Bereich schien zwar bereits fertig beschneit zu sein, aber er war noch nicht geöffnet. Schade, denn genau dort hätte ich gerne noch ein paar zusätzliche Abfahrten erlebt. Mitte Dezember nimmt man in Saas-Fee die Ruhe mit, muss dafür manchmal akzeptieren, dass noch nicht alles offen ist.
Erschliessung
Ich möchte auch noch kurz etwas zu den Bergbahnen und zur Erschliessung sagen, denn Saas-Fee ist in dieser Hinsicht speziell und teilweise nicht ganz unkompliziert.
Im ganzen Gebiet gibt es eigentlich nur eine moderne KSB, nämlich die Morenia. Genau dort ist deshalb auch am meisten los, weil sich viele Skifahrer automatisch in diesem Bereich sammeln. Der Alpin Express als Hauptzubringer ist grundsätzlich gut gelöst und bringt einen effizient nach oben, allerdings muss man dort immer stehen. Das ist nicht unbedingt schlimm, aber gerade am Morgen merkt man es schon, wenn die Kabinen sehr voll sind.
Oben beim Felskinn kommt man mittlerweile nur noch mit der Alpin Metro weiter, welche einen nochmals höher zur Piste bringt (Mittelallalin). Wann konnte man das letzte Mal regulär direkt vom Felskinn in den Sektor Morenia wechseln? Vielleicht weiss das jemand bei uns im Forum.
Auch wenn die Felskinn Grosskabinenbahn schnell ist, bleibt es dabei, dass man oft längere Fusswege hat. Dazu kommt, dass man dann trotzdem wieder über den Alpin Express weiter Richtung Mittelallalin fahren muss, wenn man ganz hoch möchte.
Sehr beliebt ist auch der Sektor Längfluh. Die 4er Sesselbahn dort ist landschaftlich wunderschön, aber natürlich eher langsam. Die Abfahrt nach Spielboden ist zwar richtig cool, wird aber nur durch eine Grosskabine erschlossen. Am Nachmittag fährt diese dann ziemlich streng nach Takt, was manchmal etwas mühsam sein kann. Der untere EUB Bereich rund um Spielboden ist zwar schön, aber dafür waren wir eigentlich nicht primär da.
Am Ende ist es für mich trotzdem klar. Für das Panorama und diese hochalpine Atmosphäre nehme ich die teilweise umständlichen Beförderungsvarianten in Kauf. Was jedoch nicht unbedingt zur besten Stimmung gegenüber den Bergbahnen beigetragen hat, war die Situation oben am Gletscher. Die Schlepplifte liefen leider nicht im vollen Tempo und über den Tag hinweg merkt man das dann doch, dass man einfach nicht so viel fahren kann wie an anderen Orten.
Fazit: Saas-Fee bleibt etwas Besonderes
Dieses Wochenende hat mir bestätigt, weshalb Saas-Fee seit Jahren eine besondere Anziehung auf mich ausübt. Das Gebiet fühlt sich anders an: hochalpin, imposant und gleichzeitig angenehm entspannt, zumindest zu dieser Jahreszeit.
Oben am Gletscher traumhaft, unten am Nachmittag teils hart und am schnellsten in Mitleidenschaft gezogen. Insgesamt zwei richtig starke Skitage, mit Topwetter, ruhiger Stimmung und winterlichem Charakter. Wer Saas-Fee mal ohne Massen erleben will, trifft mit Mitte Dezember eine sehr gute Wahl. Aufgrund der Erschliessung würde ich hier aber nicht länger als zwei Tage am Stück fahren wollen.
Ich hoffe, der Bericht gefällt euch und bringt euch ein bisschen mein Saas-Fee-Feeling rüber.
Pistenplan Saas-Fee
GPS-Track Samstag:
GPS-Track Sonntag:
Bilder:
Es sind doch einige Bilder geworden, ich möchte sie euch jedoch nicht vorenthalten
