Mit gerade einmal 1.9 Kilometern Streckenlänge zählt die Bergbahn Rheineck–Walzenhausen zu den kürzesten Bahnverbindungen der Schweiz und blickt auf eine über 125-jährige Geschichte zurück. Die Verbindung zwischen dem Bahnhof Rheineck im St. Galler Rheintal und dem Kurort Walzenhausen entstand Ende des 19. Jahrhunderts im Zuge des aufkommenden Fremdenverkehrs. 1896 nahm die ursprünglich als Standseilbahn konzipierte Strecke den Betrieb auf, angetrieben durch ein Wasserballastsystem, bei dem die talwärts fahrende Kabine den bergwärts fahrenden Wagen über ein Seil hinaufzog. Dieses System erwies sich bald als störanfällig. Besonders in trockenen Sommern fehlte es an Wasser aus dem Griffelbach, was den Betrieb regelmässig beeinträchtigte. Anfangs endete die Bahn im Ortsteil Ruderbach, die Verbindung zum Bahnhof Rheineck übernahm ein kurzes Tram. Erst 1958 wurde die Strecke direkt bis zum Bahnhof verlängert und vollständig umgebaut. Aus der Standseilbahn wurde eine Zahnradbahn, betrieben mit einem elektrischen Triebwagen, der bis heute im Einsatz ist. Bemerkenswert ist, dass die ursprüngliche Spurweite der Standseilbahn von 1200 Millimetern beibehalten wurde, was im Schweizer Bahnbetrieb eine Seltenheit darstellt.
Der heutige Betrieb erfolgt durch die Appenzeller Bahnen, seit die RhW im Jahr 2006 in deren Netz integriert wurde. Die Bahn überwindet in rund sechs Minuten 267 Höhenmeter. Die ersten 643 Meter der Strecke verlaufen im Adhäsionsbetrieb ohne Zahnstange, danach folgt ein Abschnitt mit bis zu 25 Prozent Steigung, bei dem ein Riggenbach-Zahnradsystem zum Einsatz kommt. Die Energieversorgung erfolgt über eine 600-Volt-Gleichstrom-Oberleitung. Da auf der eingleisigen Strecke keine Ausweiche mehr existiert, ist ausschliesslich Einzelfahrbetrieb möglich. Der eingesetzte Triebwagen aus dem Jahr 1958 bietet Platz für rund 50 Personen. Seit der Integration in den S-Bahn-Verbund St. Gallen verkehrt die Linie unter der Bezeichnung S26. Unter der Woche fährt die Bahn tagsüber im Halbstundentakt, an Wochenenden stündlich. Neben ihrer Funktion im Pendlerverkehr spielt die RhW auch im regionalen Tourismus eine Rolle. Sie ist Teil einer beliebten Rundfahrt über Rorschach, Heiden, Walzenhausen und Rheineck.
Trotz ihrer technischen und historischen Bedeutung ist der Betrieb seit Jahren defizitär. Eine in Auftrag gegebene Studie untersuchte daher mögliche Alternativen zum Bahnbetrieb, einschliesslich eines Umstiegs auf Busse. Schliesslich wurde ein umfassendes Modernisierungskonzept beschlossen. Ab 2026 soll die Strecke erneuert und auf vollautomatischen Betrieb umgestellt werden. Das Projekt gilt als weltweit einzigartig für eine Zahnradbahn im öffentlichen Verkehr. Der neue Triebwagen wird von Stadler Rail geliefert und soll unter anderem barrierefrei, klimatisiert und mit grossen Panoramafenstern ausgestattet sein. Während der geplanten Totalsperre wird die Strecke für rund ein Jahr stillgelegt, bevor der fahrerlose Regelbetrieb 2027 aufgenommen werden soll. Zu Beginn wird noch Begleitpersonal mitfahren, später soll der Betrieb vollständig automatisiert erfolgen.
Karte Rheineck-Walzenhausen
Und falls sich jemand gefragt hat, warum dieser Bericht in diesem Forum erscheint, immerhin handelt es sich hier um die Überreste einer ehemaligen Standseilbahn, die sich bis heute Bergbahn nennt. Das genügt als technisches Bindeglied wohl allemal.
