Februar 2025
Die letzten Winter haben eines gelehrt: Orte, die man noch erleben will, sollte man nicht aufschieben, denn gerade jene Skigebiete, die auf der Landkarte nur schwer erkennbar sind, verschwinden schneller, als man denkt. So war auch der Skilift Bazora in Vorarlberg schon seit längerer Zeit im Hinterkopf. In einschlägigen Foren ist der Skilift vor allem wegen etwas bekannt, das man heute fast nur noch aus alten Prospekten kennt. Es sind die auffälligen Holzstützen, die den Lift tragen wie ein Relikt aus einer anderen Zeit.
Schon die Anfahrt macht klar, dass hier kein Massenandrang herrscht. Von der kleinen Ortschaft Gurtis aus windet sich eine schmale Strasse nach Bazora, die eher wie eine verstreute Siedlung wirkt als wie der Ausgangspunkt eines Skigebiets, denn die Talstation ist auf den ersten Blick kaum zu finden. Ohne Allrad wäre der Weg an jenem Februarmorgen kaum zu meistern gewesen, der vereiste Schneematsch hatte die Passage in eine kleine Rutschpartie verwandelt. Parkplätze sind praktisch nicht vorhanden und wer clever ist, startet ohnehin unten in Gurtis. Nur war das an diesem Wochenende eben keine Option, denn Schneemangel hatte den Latzerlift und den Pultlift dort weiterhin ausser Gefecht gesetzt. Das eigentliche Highlight mit dem Skilift Bazora war der einzige, welcher seine Runden drehte.
Die Webseite versprach bereits wenig. Skibetrieb ja, aber Pisten in sehr schlechtem Zustand. Und selten wurde man ehrlicher auf das vorbereitet, was folgte. Der Skilift Bazora zieht sich auf einem offenen Nordhang über 900 Meter Länge und 335 Höhenmeter in steiler Linie nach oben. Die Trasse war noch einigermassen fahrbar. Zwei geniale Abfahrtsvarianten existieren im Idealfall, eine etwas längere rote Piste und eine schwarze Direktabfahrt, doch an diesem Tag lag das Ideal irgendwo zwischen Wunschdenken und Nostalgie.
Die Fahrt am Lift ist ein Erlebnis für sich. Die hölzernen Stützen wirken wie aus einer anderen Epoche, dabei sehen sie erstaunlich frisch aus. Offenbar pflegt man das Unikum mit Sorgfalt. Die Talstation, die irgendwo zwischen Fischteich und Wohnhaus im Vorgarten steht, ist ebenfalls jüngeren Datums, vermutlich irgendwann ersetzt und modernisiert, ohne den rustikalen Gesamteindruck zu stören. Im unteren Bereich säumen Schneekanonen und Schneilanzen die rote Abfahrtsvariante. Sie stehen da wie Mahnmale vergangener Investitionen, denn an meinem Besuchstag war von Beschneiung nichts zu sehen und vermutlich spart man sich mittlerweile den Betrieb aus Kostengründen.
Die Piste selbst war eine echte Herausforderung, wie man sie selten findet. Steine, Grasbüschel und festgefrorene Erdballen machten jeden Schwung zu einem Balanceakt. Selbst mit dem vorsorglich mitgebrachten Zweitmaterial fühlte es sich schmerzhaft an und die Ski bekamen ihre Narben. Noch vor dem Mittag war es dann genug und ich machte mich wieder auf den Rückweg, froh darüber, den kultigen Lift überhaupt noch erlebt zu haben. Denn auch wenn die Abfahrten kaum fahrbar waren, war es genau diese Mischung aus Eigenart und Improvisation, die den Besuch besonders machte.
Fest steht, dass ich bei besseren Verhältnissen definitiv wiederkommen werde, wenn auch die anderen beiden Schlepplifte in Betrieb sind. Der Skilift Bazora ist wahrlich kein Ort für Komfortskifahrer. Er ist ein letzter Überrest einer Skiliftwelt, die in den Alpen sonst kaum mehr existiert. Wer es noch erleben will, sollte es bald tun, bevor der Skilift mit seinen Holzstützen irgendwann nicht mehr nur historisch wirkt, sondern endgültig Geschichte ist.
Pistenplan Skilift Bazora
Ich hoffe, dieser Bericht über den Skilift Bazora und seine kultigen Holzstützen gefällt und vermittelt einen kleinen Eindruck davon, welch Unikat sich hier in Vorarlberg noch verbirgt.
Skilift Bazora | Ein Relikt auf Holzstützen
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Skilift Bazora | Ein Relikt auf Holzstützen
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Re: Skilift Bazora | Ein Relikt auf Holzstützen
Ich hatte bedingt durch die einleitenden Worte eher mit anderen Bildern als wie jener einer doch schönen Winterlandschaft gerechnet. Da bin ich ja fast schon etwas "enttäuscht".
Für den letzten (Nicht)Winter scheinen die Verhältnisse doch annehmbar gewesen zu sein.
Danke fürs Dokumentieren dieses Unikums.
Glück Auf!
Dachstein
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Re: Skilift Bazora | Ein Relikt auf Holzstützen
Sehr gerne!
Annehmbar sah es an dem Tag tatsächlich aus und optisch war es wirklich ein kleines Winterwunderland. Allerdings gab es keinerlei Grundlage, zwei Tage davor war der Hang noch grün und der Schnee, den man auf den Bildern sieht, war alles, was frisch gefallen war. Viel länger hat er sich auch nicht gehalten, aber für dieses eine Wochenende hat es immerhin gerade so gereicht.
Annehmbar sah es an dem Tag tatsächlich aus und optisch war es wirklich ein kleines Winterwunderland. Allerdings gab es keinerlei Grundlage, zwei Tage davor war der Hang noch grün und der Schnee, den man auf den Bildern sieht, war alles, was frisch gefallen war. Viel länger hat er sich auch nicht gehalten, aber für dieses eine Wochenende hat es immerhin gerade so gereicht.
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Re: Skilift Bazora | Ein Relikt auf Holzstützen
Du verwöhnst uns ja momentan ausgezeichnet mit speziellen Unikaten. Danke!
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