In Anbetracht der doch eher langen Strecke entscheide ich mich für einen frühen Start. Der Wecker klingelt um 5:20, um Punkt 6:00 fahre ich los und erwische so locker aber ohne grosse Reserven den Zug um 6:21 ab Thalwil. Um 7:38 komme ich in Landquart an und steige in die RhB um. Hier fühle ich mich für einen Moment in den Winter zurückversetzt. Die letzten Fahrten mit der RhB waren alle nach bzw. von Davos/Klosters zum Skifahren. Nur ist der Zug im Sommer deutlich leerer
In Küblis angekommen können die Muskeln auf der kurzen Fahrt zum Dorfplatz aufgewärmt werden. Danach geht es hoch in Richtung Conters. Die Parsenn-Abfahrt verläuft hier sofern ich mich richtig erinnere teilweise direkt neben der Strasse. Kaum fahre ich los, beginnt sich die Sonne zu zeigen. Ich starte mit langem Trikot und Beinlingen. Bald beginne ich jedoch zu schwitzen sodass ich mich in Conters gezwungen sehe auf Kurzarm und kurze Beine umzustellen. Hier fällt mir zum ersten mal auf, dass es heute ausgesprochen diesig ist. Später lese ich im Blog von MeteoSchweiz, dass es sich dabei um Rauchpartikel aus Waldbränden in Kanada handelt, welche über den Atlantik bis nach Europa verfrachtet wurden. Schon krass, ich hätte mir nicht vorstellen können, dass sich das hier bei uns so massiv bemerkbar macht. Hier auf dem Bild sieht das noch relativ harmlos aus, die massiv eingeschränkte Fernsicht ist dann aber auf den weiteren Bildern teilweise eindrücklich zu sehen.
Bis zur Alp Untersäss mache ich nur einen Zwischenhalt irgendwo im Wald um den Rücken kurz durchstrecken zu können. Dementsprechend gibt es von diesem Abschnitt keine Fotos. Die Kunst des Fotografierens während der (langsamen) fahrt auf Skiern beherrsche ich zwar mittlerweile, auf dem Bike klappt das aber leider noch nicht.
In Langwies angekommen muss ich auf die andere Talseite wechseln. Während die RhB hier mühelos über den imposanten Langwieser-Viadukt fahren kann, muss ich runter bis an den Fluss und auf der anderen Seite wieder steil hinauf. Weiter geht es über den Rad- und Fussweg hoch nach Arosa. Der Aufstieg ist dabei äusserst ungleichmässig. Teilweise geht es praktisch eben dahin, dann gibt es wieder Rampen mit bis zu 15% Steigung. Entsprechend anstrengend ist dieser Abschnitt zu fahren. Von Arosa möchte ich hoch zum Prätschli. Nach knapp 100 Höhenmeter steht jedoch ein Schlild, dass die Strasse aufgrund von Bauarbeiten gesperrt sei. Das hätte man auch weiter unten anschreiben können, zumal es sich hier um eine ausgeschilderte Mountainbike-Route handelt. Da ich keine Lust habe wieder zurück zum Obersee zu fahren und heute sowieso nicht gearbeitet wird, wage ich das Schild zu ignorieren und etwas weiter zu fahren. Am Beginn der Baustelle zweigt dann ein Weg rechts ab, welcher zum Hotel Maran führt. Auf diesem kann ich dann die weitere Baustelle elegant umfahren ohne an Höhe zu verlieren. Beim Hotel Maran angekommen geht es weiter in Richtung Prätschalp. Auf der Prätschalp angekommen lege ich eine kurze Pause ein und esse eine Kleinigkeit. Dann folge ich weiter der Kiesstrasse, welche schön angelegt dem Hang folgend via Ochsenalp in Richtung Tschiertschen führt. Irgendwann geht der Weg wieder in eine breitere Kiesstrasse über, bevor ich dann oberhalb von Tschiertschen auf eine Asphaltstrasse treffe. Hier stellt sich die Frage wie weiter. Der Aufstieg zum Churer Joch würde mich schon reizen. Es ist mittlerweise kurz nach 15:30 Uhr, in Chur möchte ich spätestens den Zug um 18:11 erwischen. Zeitlich sollte sich das also ausgehen. Die Beine sind zwar schon etwas müde, die Kraft sollte aber für die verbleibenden 500 Höhenmeter noch reichen. So entscheide ich mich den Aufstieg in Angriff zu nehmen. Dabei entscheide ich mich für den direkten Aufstieg zur Talstation der Sesselbahn "Hüenerchöpf". Der Aufstieg über die Asphaltstrasse via Restaurant Furggli wäre zwar flacher, um diese Strasse zu erreichen müsste ich aber zusätzliche 60 Höhenmeter abfahren und wieder aufsteigen. Bald geht die Asphalt-Strasse jedoch in eine Schotterstrasse über und wird deutlich steiler. Steigungen von 20% und mehr sind hier keine Seltenheit. Mit frischen Beinen wäre das relativ problemlos zu fahren, mittlerweile schwinden die Kräfte nach weit über 2000 Höhenmeter aber merklich und der steile Aufstieg fällt mir doch schwer. Irgendwann komme ich ins straucheln und muss anhalten. Da ein Anfahren aufgrund der Steilheit nicht möglich ist, muss das Bike einige Meter geschoben werden, bis es wieder etwas flacher wird. Zum Glück ist kurz darauf ist die Talstation der Sesselbahn Hüenerchöpf erreicht, von wo die Asphaltstrasse nicht mehr weit entfernt ist. Danach folgt nochmals eine kurze, äusserst steile Rampe bis ich wieder die Alsphaltstrasse erreiche. Auf dieser geht es dann nach oben zur Talstation des Skilifts Gürgaletsch. Zwar ist die Steigung deutlich moderater als zuvor, die Höhenmeter werden nun aber zunehmend zäh zu fahren. Von hier sind es nur noch wenige Höhenmeter bis zu den Hüenerchöpf, wo der Anstieg vorerst endet. Bei den Hüenerchöpf geht die Strasse in einen Trail über. Zuerst geht es bergab und dann auf der anderen Seite wieder hoch zum Churer Joch. Der Trail ist mit einigen Steinen und wurzeln bergauf durchaus anspruchsvoll zu fahren und erfordert einiges an Kraft und Konzentration. Da bei mir mittlerweile beides nicht mehr wirklich gegeben ist, kapituliere ich bald und schiebe das Bike über einen grossen Teil der fehlenden 80 Höhenmeter. Den Aufstieg ganz hoch zum Aussichtspunkt spare ich mir, man sieht ja ohnehin fast nichts. Stattdessen begebe ich mich auf die Abfahrt. Dabei lasse ich den direkten Trail in Richtung Passugg rechts liegen. Gemäss Internet-Recherche soll dieser ziemlich anspruchsvoll und steil sein. Dazu bin ich jedoch zu erschöpft (und somit unkonzentriert) und es fehlt mir die Zeit (es ist bereits 16:50, womit der anvisierte Zug in 1h20 ab Chur fährt). Stattessen fahre ich auf der Strasse runter. Beim Oberberg zweige ich rechts ab. Nach einigen Kehren auf einer Kiesstrasse erreiche ich schliesslich einen Trail nach Passugg. Dieser ist dann doch auch relativ anspruchsvoll mit vielen Wurzeln und einigen losen Steinen, welche mir zwei Mal beinahe zum Verhängnis werden. In Passugg angekommen folge ich weiter der Mountainbike Route, welche mich über Trails runter an die Plessur führt. Dort geht es dann noch der Strasse entlang zum Bahnhof Chur, wo ich gegen 17:50 erschöpft aber äusserst zufrieden eintreffe.
Fazit:
Eine absolute Traumtour, in der man diverse bekannte Regionen des Bündnerlandes durchquert. Die Strecke ist sehr abwechslungsreich, Abschnitte über und unter der Waldgrenze sowie diverse Untergründe (Asphalt, Kiesstrassen, Trails) wechseln sich ab. Einzig die stark eingeschränkte Fernsicht trübt den Gesamteindruck des Tages leicht. Dennoch war es einfach ein Spitzentag. So wie ich sie gefahren bin, ist die Tour aber äusserst lang und anstrengend und stellt auch für mich einen neuen persönlichen Rekord bezüglich Höhenmetern an einem Tag dar. Es gibt aber diverse Möglichkeiten die Runde zu kürzen oder nur einzelne Abschnitte zu fahren. Schliesslich ist es als Mountainbiker einfach ein Traum in Graubünden unterwegs zu sein. Die Infrastruktur (Beschilderung, Wiedezaun-Durchgänge etc.) kommt andernorts in der Schweiz bei weitem nich an jene in Graubünden ran.
Zum Schluss noch die Eckdaten:
- Strecke: 68.7 km
- Aufstieg: 2680 m (+300 m zum Bahnhof und zurück)
Die 3000 Höhenmetermarke habe ich so gemäss GPS-Tracking um 20 m knapp verfehlt
- Fahrzeit: 6h 20min
