Für den letzten Tag der Weihnachtsferien hatte ich lange überlegt, wie das Programm aussehen sollte. Egal wo - Skifahren sollte es sein. Nachdem jedoch der weite Weg von Regensburg in die Alpen angesichts des Föhnsturms ausschied und ich angesichts mehrerer Schreckensmeldungen hinsichtlich des Ansturms auf den großen Arber und das Skizentrum Mitterdorf auch von diesen Ideen Abstand nehmen musste, entstand am Sonntag der Plan zum Besuch des nahegelegenen St. Englmar. Der Skilift Grün-Maibrunn war seit dem 04.01. in Betrieb und ist als Seba-Doppelschlepper mit 830 Metern Länge durchaus interessant. Auch der Predigtstuhl verkündete die Öffnung der Hauptanlage am 06.01. Zuletzt war auch der aktuell in Betrieb befindliche Kapellenberglift, bei dem es ein Stundenticket für gerade einmal 5 Euro zu erstehen gibt, ein mögliches Ziel für eine kleine Schleppliftsafari.
Dass ich diese Planung von Sonntag 22 Uhr acht Stunden später nicht nochmals über die Homepages verifizierte, erwies sich als kapitaler Fehler. Gut gelaunt komme ich aus dem nebligen Flachland in den Bayerischen Wald gefahren. Das Wetter ist viel besser als vorausgesagt und über weite Strecken strahlt sogar die Sonne. Was bereits vorher klar war: Warm sollte es werden. Während die Temperatur in Regensburg um den Gefrierpunkt lag, war es um St. Englmar zwischen 5 und 10 Grad wärmer je nach Sonneneinstrahlung.
Angekommen am Skilift Grün-Maibrunn jedoch das böse Erwachen. Ich blickte auf den Hang und dieser erwies seinem Namen alle Ehre: Grün. Unvorstellbar wie hier am Tag vorher angeblich noch Skibetrieb angeboten werden konnte. Ich prüfe den Schneebericht der Gemeinde und dieser bestätigt: Auch der Kapellenlift ist heute geschlossen. Ich mache dennoch einen kurzen Abstecher, um mir das Gelände einmal anzusehen. An sich gefällt mir, was ich sehe. Ein kultiger Portalstützen-Lift mit angeschlossenem Kinderland und erstaunlich großer Beschneiungs-Infrastruktur. Sicher keine Herausforderung, aber für Kids und Familien bestimmt eine tolle Sache.
"Nicht die gute Laune verlieren", denke ich mir, auch wenn die Hauptgründe für meinen Besuch nun weggefallen sind. Den Predigtstuhl habe ich bereits zwei Mal besucht. Ein Mal im Flutlichtbetrieb und ein Mal bei Komplettöffnung inkl. Herzerllift und Markbuchen-Anlagen. Die Bedingungen dort waren beide Male hervorragend für Mittelgebirgs-Verhältnisse. Um kurz vor 9 ist der Parkplatz fast leer. Ich laufe kurz zur Piste, die von unten nicht so schlecht aussieht und frage einen Skifahrer, wie es denn gehe. Dieser Antwortet "Geht scho gut." So ganz ohne Skisport wollte ich die Rückreise dann doch nicht antreten, mache mich fertig und kaufe ein Ticket.
Bereits bei der Auffahrt merke ich, dass die Ansprüche des befragten Skifahrers offenbar deutlich von den meinigen abweichen und spätestens nach der kleinen Geländekante am Schlusshang sehe ich dann das Elend in seiner ganzen Pracht. Ich begebe mich auf die ersten Abfahrten:
Dem geübten (Carving-) Skifahrer macht das heute nur wenig Spaß. Außer mir sind handgezählt noch drei weitere gute Skifahrer vor Ort. Die restlichen sind Eltern mit Ihren Kindern und Anfänger aller Altersklassen. Viele haben große Schwierigkeiten mit den Zuständen, verlieren aber offensichtlich nicht die gute Laune. Zudem füllt sich das Gebiet rasch und es entsteht eine kleine Schlange am Lift.
Nach ca. einer Stunde verändert sich die Piste wetter- und andrangsbedingt. Aufgefirnter Schnee lässt zumindest die gröbsten Löcher kleiner werden, wodurch die Schwünge im oberen Teilabschnitt leichter werden. Der untere Teil jedoch wird sehr schnell bremsig und ich möchte nicht wissen, welche Tragödien sich hier gegen Ende des Skitags abspielen werden. Ich mache lediglich zehn Fahrten, eine kleine Pause auf dem Panorama-Bänkchen am Predigtstuhl-Gipfel und quittiere dann meinen Dienst, ohne das 2-Stunden-Ticket vollständig genutzt zu haben. Die Verletzungsgefahr ist zu hoch, der Spaßfaktor zu gering und den Skiurlaub in Innsbruck in einer Woche möchte ich auch nicht aufs Spiel setzen. Und so trete ich den Heimweg an. Es kann eben nicht immer nur die Traumtage geben. So ist das mit dem Outdoor-Sport. Ich habe nun gelernt, auch bei dem Schmieden von Plänen am späten Vorabend nochmals am Skitag selbst die Verhältnisse zu prüfen und hoffe, dass ich irgendwann doch noch zu meiner Schlepplift-Safari in St. Englmar komme... vielleicht ja sogar mit dem Programmpunkt Pröller.
