Tragischerweise brannte das Forsthaus in 1968 komplett nieder, wonach in 1970 ein Wanderhotel errichtet wurde. Die Graseckbahn blieb jedoch erhalten. Schlussendlich kaufte ein Ärztepaar in 2013 das Wanderhotel, und baute es zum luxeriösen Wellnesshotel samt Gesundheitsvorsorge-Zentrum um. Im Rahmen der Hotelrenovierung wurde auch die historische Kleinseilbahn in 2014 komplett saniert. Leider hinderte die Renovierung nicht, dass die Bahn ausgemustert werden musste, denn man hatte keine Bewilligung mehr über 2024 hinweg bekommen können. Da die Seilbahn jedoch auf der bayerische Denkmalschutzliste steht, dürfte die Tal- samt Bergstation und Querstütze nicht verändert werden. Eine neue Seilbahn musste also her, und zwar auf eine neue Trasse.
Zum Glück dürfte ich in 2022 mit Graubündenfan die historische Bahn noch einmal besuchen und fahren. Und nur so entdeckten wir zufälligerweise, wie schön das Hotel dazu eigentlich ist. Mit ausgezeichneten Spa-Bereich, Infinity-Pool, Abendessen und Frühstück: Kurzum, alles was das Wellness-Herz begehrt.
Der Zuschlag für den Seilbahn-Neubau bekam das Schweizer Unternehmen Inauen-Schätti aus dem Glarnerland. Die neue Graseckbahn wurde Ende 2023 analog zu den dutzend Kompaktseilbahnen in der Schweiz, wie die Äugstenbahn, Alp Sigelbahn, Gummenalp oder auch Tschinglenalpbahn erbaut und mit CWA-Gondeln ausgestattet. Allerdings bekam die Graseckbahn wie die Kompaktseilbahn Tierfed - Kalktrittli ein vollautomatisches System, womit der Fahrgast selbst - ohne Personal vor Ort - die Fahrt starten kann. Die erste seiner Art in Deutschland! Dafür wird die neue Bahn nun von der Hotelrezeption aus über ein Monitor überwacht, um im Notfall eingreifen zu können. Die Steuerung zu der neue Graseckbahn lieferte Frey aus Stans. Pro Gondel haben bis zu 8 Personen Platz. Auch Rollstuhlfahrer können die Bahn nun benutzen. Die technische Daten sind zwar nicht spektakulair, aber die Seile steigen sofort steil zur einzigste Stütze empor, wo man hoch über dem Partnach-Fluss schwebt.
Zusammen mit meiner Freundin wollten wir uns im Herbst ein paar schöne Tage im Wellnesshotel verbringen. Dank meine gute Erinnerungen aus 2022, habe ich auch das Graseck vorgeschlagen. Und so wurde gemeinsam entschieden, zum Graseck zu fahren.
Als Hotelgast bekommt man zwei Tage vor Anreise per E-Mail bereits ein QR-code zugeschickt, womit man auf dem Parkplatz fahren kann und die erste Bergfahrt mit der Graseckbahn antreten kann. Die Anreise ist ein wenig speziell, denn man darf als Hotelgast den vielbewanderten Weg zum Partnachklamm, trotz Fahrverbot bis zur Talstation befahren. Die viele Wanderer zum Klamm sind wohl auch nicht auf Autos eingestellt, denn man muss immer wieder in Schritttempo sehr vorsichtig an die Menschenmassen vorbei fahren, die kreuz und quer über die Strasse laufen. Auch Pferdekutschen sind in Schritttempo unterwegs, die man nur mühsam überholen kann.
Am Parkplatz gibt es neu eine Barriere, die mittels besagten QR-code geöffnet werden kann. Nur ein paar Höhenmeter müssen vom Parkplatz bis zur Talstation überwunden werden. Dank vollautomatischen Betrieb, kann auch ein durchgehender Fahrbetrieb von 07:15 bis 21:45 angeboten werden, solange eben die Hotelrezeption geöffnet ist. Tagesgäste können per Touchscreen von Axess Einzel- oder Retourfahrten lösen und per Karte bezahlen. Bargeld wird nicht akzeptiert. Der Zugang zum Perron wird mit Axess Zugangstore abgesperrt. Für Hotelgäste gibt es ein eigenen Zugang. Anschliessend steigen wir in der grad eingetroffene Gondel ein und drücken den Start-Knopf. Nach kurze Wartezeit klingt das Abfahrtssignal, die Türe schliessen und die Bahn fährt los.

Der Fussweg zur Talstation ist aspaltiert und auch im Dunkeln beleuchtet.

Blick hoch zur einzigste Stütze der Bahn. Rechts daneben die Talstation von der historische Graseckbahn aus 1953.

Vom Perron aus hat man ein schönen Blick auf die Strecke der historischen Bahn, samt Bergstation und am Fels montierte waagerechte Stütze.

Kurz vor der Stütze passiert schon die Gegengondel. Bei eine Gesamtlänge von grade mal 486 Meter keine lange Anlage. Die Fahrgeschwindigkeit liegt bei 5 m/s.
Das Graseck macht mit dem "mountain hideway" Slogan ordentlich Werbung. Und zuerecht, denn an der Talstation ahnt man noch nicht, wie man in nur 5 minuten und 150 m Höhendifferenz, in eine komplett andere Welt reinbefördert werden kann. Hieroben auf grade knapp 900 m hat man seine Ruhe und ist man sehr Privat unterwegs. An der Hotelrezeption bekamen wir - neben unsere Zimmerkarte - auch zwei 'Skipässe', womit man uneingeschränkt die Seilbahn nutzen kann und auch Zutritt zum Parkplatz erhält.
Über das Hotel muss ich sonst nicht zuviel schreiben. Wer gute Spa bzw. Wellness-Hotels kennt und schätzt, wird auch am Graseck sehr viel Freude haben. Da das Hotel durch ein Ärztepaar betrieben wird, wird natürlich auch viel auf Gesundheit geachtet. Das essen war jeweils absolut Spitzenklasse, dazu gute Weinempfehlungen und freundliches, jedoch nicht aufdringliches Personal. Das Frühstücksbuffet ist nicht so riesig wie in manch andere Hotels, dafür ist das Angebot an bestellbare Speisen am Platz (Eigerichte, Weisswürste, Pfannkuchen uzw.) beim Frühstück absolut grosszügig. Ebenfalls ein netter Bonus ist die Tatsache, dass Getränke aus der Minibar inklusive sind und jeden Tag nachgefüllt werden. Man kann sich auch Gesundheitlich (gegen Aufpreis) komplett durchchecken lassen. Dieses Angebot haben wir jedoch nicht genutzt. Sehr empfehlenswert ist jedoch ein Besuch an der Partnachklamm. Dafür erhält man an der Rezeption tagesweise die hoteleigene Jahreskarten, womit man den Klamm kostenlos besuchen kann.

Unseres Hotelzimmer bzw. Junior Suite.

... und vorderen Bereich der Suite. Sehr geräumig.

Das Hotel von der Frontseite im Dunkeln. Unser Zimmer hinter dem Himmelbett.

Die Seilbahnstation Abends direkt vor dem Hoteleingang. Nach 21:45 löschen die Lichter und ist der Betrieb eingestellt, da auch die Hotelrezeption geschlossen hat.

Am nächsten Tag erwachen wir mit diesen Ausblick auf das Wettersteinmassiv.

Das Hotel bei Tage. Hier stehe ich oberhalb vom Sauna-Bereich.

Bergstation der historischen Graseckbahn. Rechts bzw. links vom Hotelgebäude der Infinity-Pool.

Für ein Besuch in der Partnachklamm fahren wir ganz gemütlich mit der hauseigenen Seilbahn herunter. Beachte, dass die Bahn im oberen Teil zwischen Stütze und Bergstation kaum Höhenmeter mehr bewältigt.

Benutzeranleitung.

Bedienpult in der Gondel. Für Wartung kann die Abdeckung abgemacht werden, um auf die restlichen Knöpfe zugreifen zu können. Für gewöhnlichen Fahrgastgebrauch reicht der blaue "Start"-Knopf allein komplett aus. Die rechte Knöpfe sind für Licht und Alarmton.

Bei solches Wetter ist man besonders gern in den Bergen. Die Stütze ist Geschmackssache. Sie prägt schon das Landschaftsbild sehr. Die alte waagerechte Stütze im Fels verankert war viel dezenter und schöner. Aber man dürfte eben nicht die alte Bahn auf alter Trasse ersetzen.

Blick ins Tal. Die neue Bahn schwebt über die alte Bahn hinweg.

Links das Klammhaus. Rechts eine Bauruine, was früher wohl mal ein Gasthaus war. Für die iydille ein wenig Schade, dass man so ein Gebäude zu verkommen lässt.

Blick vom Klammhaus zur Graseckbahn. Alt und Neu.

Partnachklamm. Man wird hier ordentlich nass, besonders am Kopf troft es immer wieder. Viele Touristen waren Kleindungstechnisch nicht darauf eingestellt.

Teils wird es sehr Dunkel, und das Wasser sehr Wild!

Blick nach oben, von der Klamm aus gesehen.

Kurz vor dem hinteren Ende des Klamms.

Vom südlichen Ein/Ausgang hinweg, kann man diverse Wanderungen starten. Zur Partnachalm, Eckbauerbahn, Schloss Elmau und natürlich zum Graseck. Wir wählen den Wanderweg zum Hotel. Dabei überquert man unterwegs diese hängende Treppenbrücke. Spannende Konstruktion und nichts für Menschen mit Alkohol intus!

Die Kaiserschmarnn-Alm. Montags leider geschlossen.

Weg zurück zum Hotel.

Blick zurück zum Wettersteinmassiv.

Direkt vom Hotel führt ein Weg hoch zum Eckbauerbahn.

Eine Kapelle und Bauernhof runden das heimelige Gefühl vom Graseck ab.

Nochmals die Bergstation der neuen Graseckbahn. Autos dürfen nur vom Hoteleigentümer hier über eine sehr steile Zugangsstrasse hoch fahren.

Wir lassen den zweiten Tag am Infinity-Pool gemütlich zuende gehen. Früher konnte man von diese Pool-Seite aus die historische Graseckbahn bei seine Fahrten beobachten. Jetzt kann man auf der andere Seite die neue Bahn vom Pool aus fahren sehen.

Abends vor dem Nachtessen fahre ich nochmal ins Tal um unsere Wanderschuhe für normale Schuhe im Auto zu tauschen.

Hersteller und Beladeangaben.

Einfahrt in die Talstation. Oben hinter dem Glas befindet sich den Kommandoraum, welche jedoch bei regulären Betrieb nicht besetzt ist. Auch der Antrieb befindet sich in der Talstation.

Ticketmonitor für Tagesgäste.

Eingangsbereich mit Zutritt zum Perron.

Beleuchtung an der Talstation. Schade, dass die drei linken Buchstaben nicht geleuchtet haben, würde sonst sehr Schick aussehen.

Bevor es zurück ins Hotel geht, erlaube ich mir noch ein Bild von der alten Bahn zu machen. Hoffentlich wird sie wieder fahren dürfen. Auch wenn nur als Museumstück zum vorführen, ohne Personenbetrieb.

Nun also wieder mit der moderne Gondel hoch zum Hotel fürs Abendessen. Ein wenig speziell finde ich die zusätzlichen Glastüre, die der Gondel vom Perron trennt. In der Schweiz baut Inauen-Schätti viel einfachere Sicherheitsmechanismen, wenn überhaupt notwendig. Da ein ebenerdiger Einstieg für Rollstuhlfahrer und Gütertransporte gewährleistet sein soll, verstehe ich eine Absperrung um nicht runterfallen zu können schon. Aber gleich sowas...
Beim Checkout muss man neben der Zimmerkarte, auch die 'Skipässe', also die Seilbahntickets zurück geben. Man bekommt für den letzten Talfahrt dann wiederum ein QR-code. Funktioniert alles einwandfrei. Besonders lobenswert ist die Tatsache, dass man mit dieses System kein Fahrplan beachten muss. Durch das Selbstbedienungsprinzip, fährt die Bahn jeweils sofort nach Bedarf. Auch wenn man nur alleine unterwegs noch schnell was aus dem Auto holen muss. Toll!
Fazit
Die neue Graseckbahn ist sehr gelungen, besonders die Talstation ist dank dem Holzbau auch optisch ein Blickfänger. Das ganze System ist gut durchdacht und funktioniert einwandfrei. Eventuelle Warteschlangen - die wir während unseren Aufenthalt jedoch nie hatten - können Hotelgäste nun auch mit eigene Zugangstore überspringen. Allerdings trauere ich die historische alte Bahn schon auch etwas nach. Das man es nicht mehr geschafft hat, irgendwie die Bewilligung nachhaltig zu verlängern, ist sehr Schade. Immerhin wird sie wohl als Denkmal vorerst erhalten bleiben. Ein Museum darf der Hoteleigentümer jedoch auch nicht aus der alten Stationen machen, aufgrund des strengen Denkmalschutzgesetzes. Was man genau mit der alten Bahn vorhat, bleibt vorerst noch ungewiss. Das Hotel bekommt meine volle Empfehlung für Wellness-Liebhaber. Die Preise sind natürlich entsprechend, das Preis/Leistungsniveau ist aber bei der Gesamtleistung, absolut gerechtfertigt. Seilbahnfans sollten zuschlagen!
