Bereits im letzten Sommer war mir relativ klar, dass ich mir nach vielen Jahren Pause wieder eine Saisonkarte kaufen möchte, in Frage kam eigentlich nur die Snowcard Tirol aufgrund meiner Lage Regensburg und der von mir besuchten Skigebiete. In der Saison zuvor war ich 14 Tage in Ischgl und 3 im Ötztal. Ich ärgerte mich natürlich keine Saisonkarte erworben zu haben und nahm mir für die neue Saison vor es möglichst krachen zu lassen. Im anderen Forum war ich an der Spekulation über den zukünftigen Preis der Snowcard natürlich beteiligt. Etwas geschluckt hab ich schon als der Preis dann mit der magischen Marke von 1000 Euro überschritten wurde. Kurz habe ich tatsächlich nochmal überlegt....
Es wurde dann Oktober und die Gültigkeit der Snowcard begann. Der Winter jedoch irgendwie nicht. Ich verfolgte stets die Berichte im anderen Forum (auch die des Gründers hier), ein Blankeisbericht nach dem anderen, ein Highlight waren glaub ich mal 10cm Neuschnee im Oktober. Ich hatte schon überlegt einfach trotzdem runter zu fahren und die Karte zu kaufen, die Freundin zum Wandern zu schicken und ein paar Stunden am Eis rumzukratzen. Ich habe den Plan dann verworfen. Es schneite einfach nicht und der Oktober war stets spätsommerlich.
Endlich war es November und es schneite und zwar gleich richtig, so gar bis ins Tal. Ich saß auf heißen Kohlen, in den nächsten Tagen muss es los gehen, nicht dass ich es dann nicht mehr schaffe die Karte rein zu fahren.
Die Angst war unbegründet, es wurden schließlich 34 Skitage in Tirol. Gehofft hatte ich die Karte gut rein zu fahren, knapp über der Marke
Bald sollte wieder ein Besuch hier oder am Stubaier stattfinden, die Bedingungen waren ab dem großen Schneefall Anfang November ja ziemlich gut. Leider durchkreuzte eine Corona Infektion meine Pläne. War das bitter, die eigentlichen Symptome waren kein Thema und innerhalb weniger Tage weg. Insgesamt ging es mir mehrere Wochen bescheiden, ich wurde nicht mehr richtig fit, hatte aber auch keine richtigen Symptome. Ich hatte irgendwie keine Kraft mehr bei sportlichen Aktivitäten und emotional war ich sehr gereizt. Es war dann Ende November und es schneite selbst hier in Regensburg richtig viel. Das zog mich in den bayrischen Wald für eine Tour. Toller Schnee in einer Quantität wie seit Jahren nicht mehr. Ich bestieg meinen Hausberg Pröller mit seinem kleinen Skigebiet. Ich schaffte es nicht ganz, mir wurde regelrecht schwarz vor Augen und ich hatte das Gefühl umzukippen und brach ab. Bzgl. der Schneeverhältnisse dachte ich mir: Endlich ein vernünftiger Winter auch in den Mittelgebirgen, endlich können Sie Ihre leeren Kassen mal wieder füllen. So sollte es nicht kommen und die Saison war hier ein Totalausfall.
Zurück zu meinen Beschwerden: Ich fuhr heim und hatte richtig Angst, was wenn doch eine Herzmuskelentzündung ? Blöderweise war Ischgl für 5 Tage mit einem Freund ab 02.12.23 bereits gebucht. Soll ich absagen ? Dr. Google ist hier echt gefährlich und ich ging vom Schlimmsten aus. Meine Freundin ist Ärztin und nahm die Sache sehr ernst, jedoch nicht so panisch wie ich. Blut abnehmen lassen, alles durchchecken und dann sehen wir weiter. Am 01.12.23 war ich beim Hausarzt, Ergebnisse bzgl. einer möglichen Entzündung ausstehend. Am 02.12.24 haben wir bei völligem Schneechaos trotzdem die Reise nach Ischgl angetreten. 7 Stunden Fahrt und selbst zwei kleinere Bäume von der Straße geräumt. Im Hotel angekommen stellten wir fest, dass noch kein Lift lief wegen Sicherungsarbeiten. Irgendwie war ich nicht unglücklich. Ohnehin war mir ohne Rückmeldung des Arztes nicht wohl. Wir zogen uns dann um und die Pardatschgratbahn nahm den Betrieb auf. Die erste Abfahrt kroch ich ganz gemütlich zur Mittelstation ohne Anstrengung. Dann kam endlich der Anruf der Praxis: Will ich das Ergebnis wirklich wissen in der Gondel sitzend ? Ja: Alles in Ordnung- Alle Werte super. Snowboardfahren ok, nicht völlig überanstrengen. Passt. Vieles öffnete an diesem Tag nicht mehr. Der nächste Tag sollte einer der besten Tiefschneetage der Saison werden. Bluebird und fett Neuschnee. Andrang in Ordnung. An Ischgl geht bei mir einfach nichts vorbei. Groß und Gleichzeitig kompakt. Modern. Keine Wartezeiten. Modellierte Hänge. Viele Möglichkeiten verschiedene Lifte miteinander zu verknüpfen. Unterschiedliche Möglichkeiten an einen bestimmten Punkt zu kommen. Man ist auf keine Bahn direkt angewiesen um an einen Punkt zu kommen - keine Nadelöhre. Vor allem vor Weihnachten und ab Ostern eigentlich Konkurrenzlos. Nervig während der Saison ist das gröhlende, kotzende und schreiende Apres-Ski Klientel. Dann ging es weiter mit einem Tag Winklmoosalm / Steinplatte am 09.12.23. Tolles kompaktes Skigebiet und sehr modern. Hier ist wirklich für jeden was dabei. Schön dass man von deutscher Seite aus mit der Snowcard einsteigen kann. Am 10.12.24 sind ich und ein Freund voller Euphorie nach Kitzbühel. Am Pistenplan stand dass zumindest im Hauptgebiet vieles offen hätte, lediglich die Verbindung mittels 3S und der mittlere Sektor zu. Man war das eine Enttäuschung. Die schönsten Ziehwege der Alpen, furchtbares Publikum, insgesamt überall eine gereizte Stimmung. Alle Vorurteile voll erfüllt. In der 8er Gondel von zwei "gehobenen" nach Parfum stinkenden älteren Damen angepflaumt worden, warum wir hier noch zusteigen. Das Skigebiet eine regelrechte Enttäuschung. Gefühlt fährt man einen Ziehweg um auf den nächsten zu kommen. Gefühlt kaum richtig gefahren. Die Anlagen auch eher mäßig, überall nur Leitner. Die Beschneiungstechnik erinnerte mich eher an den bayrischen Wald: Vom uralten Sufag-Betonmischer , über uralte Lanzen bis hin zu ein paar modernen Maschinen. Positiv waren die langen Talabfahrten und wir amüsierten uns köstlich über das Klientel. Mehr war hier nicht zu holen. Ich beschloss dem Gebiet noch eine zweite Chance bei Vollbetrieb zu geben. Weiter ging es mit Serfaus für drei Tage ab 17.12.24. Ich fand ein etwas abgewohntes 4*Hotel zu vernünftigen Konditionen in Serfaus. Für mich die Neuentdeckung der Saison, auch wenn ich vor Jahren zum Parkfahren schon mal da war. Sehr abwechslungsreich und tolle steile Pisten. Die Abfahrten vom Lazid und Pezid sowie die gesamte Nordseite, vor allem die Almbahn, richtig nach meinem Geschmack. Es dauerte einen guten Tag bis ich mit dem Gebiet richtig warm wurde, dann aber so richtig. Ein ähnliches Feeling wie in Ischgl stellte sich ein, ein förmlicher Rausch, hier runter, da hoch, da verbinde ich das mit dem usw... Doch fiel mir infrastrukturell etliches Negatives auf. Die Situation mit der Schönjochbahn in Fiss ist ungenügend. Da fehlt mir einfach Kapazität und zwar massiv. Die Wartezeit hindert mich die tolle Frommesabfahrt öfter zu befahren, gerade Vormittags. Auch die direkten steilen Hänge von der Nordseite Richtung Wonnelift einfach für Wiederholungen unbrauchbar wegen fehlender Anbindung. Lazidbahn mit Laustalbahn für die wunderbaren Hänge vom Lazid suboptimal. Eine klappernde Leitnerbahn Scheidbahn (Obere Scheid nicht in Betrieb) als einziger Zubringer zum Pezid-/Masnersektor, ernsthaft? Wartezeiten an Pezidbahn ab Vormittag nervig. Gelernt habe ich möglichst früh zum Massnerkopf zu fahren und sich dann wenn die Masse gegen 10 ankommt sich bereits Richtung Nordseite vorzuarbeiten und hier den Mittag zu verbringen. Gegen Feierabend nochmal den Lazid abfahren.
Tolles Gebiet und ganz klar nach Ischgl meine Nummer 2 in Tirol oder auch überhaupt. Im Laufe der Saison wollte ich erneut vorbei schauen, aber die Preise für Hotels fielen mir hier als extrem teuer auf. Deutlich teurer als in Ischgl. Warum ist das so ? Ähnlich Unverschämt fiel mir Sölden auf. Trotzdem kam ich Ende Februar nochmal vorbei.
Während der Weihnachtsferien arbeitete ich durchgehend und eine kleine Tour am großen Arber ging sich aus an Silvester. Danach ging es am 10.01.24 für zwei Tage ins Zillertal. Ein Tag Zillertalarena, den anderen Mayrhofen.
Zillertalarena finde ich objektiv gut, aber irgendwie werde ich trotzdem nicht warm damit. Nach einem Skitag, obwohl objektiv alles passt, stellte sich irgendwie das Gefühl ein, keine richtig gute Abfahrt gefahren zu sein. Kann das nicht genau beschreiben. Der Sektor Königsleiten hat irgendwie ein totales Chaos an Liften, ich kann hier kein Konzept erkennen. Am Besten gefielen mir die Pisten in Zell. Vielleicht sollte man eine andere Strategie fahren und eben nicht das gesamte Gebiet abfahren. Mayrhofen liegt mir da viel besser. Abgestimmtes Gebiet und tolle Abfahrten, auch zum Wiederholen. Sehr modern. Der Sektor Eggalm war sehr wenig frequentiert und insgesamt sehr tolle Abfahrten und ein tolles Panorama mit den Tuxer Alpen. Auch die Anzahl an Hütten und die dort aufgerufenen Preise völlig in Ordnung. Den 20.01.24 verbrachte ich wieder in Mayrhofen bei sehr kalten Temperaturen. Einstieg erfolgte über die Horbergbahn. Im gesamten Zillertal hat man schon das Gefühl auch als böser Tagesgast der auch noch mit dem Auto kommt noch willkommen zu sein. Keine Parkplatzgebühren, keine "Lenkung" wie anderswo. Als würde nach Sölden ein Auto weniger kommen, nur weil Parkplatzgebühren verlangt werden und die Leute steigen in Ötztal-Bahnhof dann auf Öffentliche um, nachdem sie bereits 3 Stunden im Auto saßen, so wie ich. Ganz bestimmt
Diesmal musste ich die Parkgebühr bezahlen, da wir kein Hotel gebucht hatten hier. Wir fuhren nach Betriebsschluss weiter nach Nauders. Hier buchten wir einige Tage zuvor ein tolles Hotel mit Halbpension. Das Hotel gehört zu einer Kette, es war alles in Ordnung, leichte Defizite im Service hier und da. Da sind mir inhabergeführte Häuser einfach lieber. Wenn der Inhaber im Haus ist läuft das oft besser. In Nauders selbst geht es eher sehr ruhig zu. Leider war das Wetter an beiden Tagen nicht so toll. Das Skigebiet ist modern und stimmig, wirklich tolle Abfahrten. Am ersten Tag hatte die Tscheyeckbahn leider frühzeitig einen Defekt und stellte den Betrieb ein, jedoch war dies kein Verlust, da die Sicht hier oben gleich null war. Am zweiten Tag besserte sich das Wetter und alles war mit Sicht fahrbar. Insgesamt kann das Gebiet überzeugen vor allem bzgl. der Infrastruktur. Ich konnte nichts Negatives benennen, mir sind Gebiete in der Größe insgesamt jedoch zu klein. Für einen Tag oder zum Offpiste fahren sehr gut aber die Abwechslung fehlt mir. Was mir auch aufgefallen ist die völlige Abgelegenheit der Talstation. Sie steht einfach völlig abseits des Ortes im Niemalsland. Warum das wohl so ist ? Am 02.03.24 stand die einzige Tagesfahrt an, eigentlich wollte ich in die mir bisher unbekannte Skiwelt. Da leider bereits wie bekannt der Winter seit längerer Zeit Pause machte, hatte ich den Plan verworfen, als ich die weißen Bänder bis relativ weit oben sah bei der Anfahrt. Also dann doch weiter nach Kitzbühel. Hier war Vollbetrieb. Ich bin tatsächlich das ganze Gebiet abgefahren und mein Fazit hat sich leicht verbessert. Das Publikum war angenehmer an diesem Tag. Durchaus einige nette Ecken, trotzdem ist mir das Ganze zu Ziehweglastig bei zu wenig richtigen Abfahrten. Auch die Pistenpflege war an diesem Tag mehr als grausam, schlimmer als in Hintertux in seinen dunkelsten Stunden. Und das obwohl die Pistenraupengarage auf Höhe Fleckalmbahn "Kompetenzcenter" heißt. Insgesamt werde ich mit dem Gebiet nicht warm. Die Auszeichnung "Weltbestes Skigebiet" kann ich nicht nachvollziehen. Höchstens im Mittelfeld. Am 22.03.24 ging es für zwei Tage wieder ins Tuxertal. Der 22.03.24 war ein Traumtag mit viel Neuschnee, weiter unten jedoch viel zu warm. Bei der Anfahrt machte ich mir viele Gedanken welches Gebiet ich ansteuere. Bzgl. des Neuschnees wurde es dann Hintertux, was ein großer Fehler war. Bereits bei der Anfahrt um 07.30 Uhr standen viele Wintersportler an der Bushalte in Mayrhofen. Die fahren bestimmt alle zur Eggalm
Fazit: Für mich war es die beste Saison bisher mit den meisten Skitagen. 30 Tage von 34 Tagen waren eigentlich Schönwettertage. Der Winter war meines Erachtens sehr gut, wenn man sich unter 1800 Metern den Schnee einfach vorstellt
Vielleicht noch interessant:
Für meine 34 Skitage habe ich insgesamt mit allen Kosten (Saisonkarte, Hotels, Essen am Berg, Abendessen, Snacks, Sprit, Vignetten und Maut) knappe 4000 € gebraucht. Für über einen Monat Urlaub mit dem liebsten Hobby geht das finde ich.
16 von 34 Tagen war ich alleine unterwegs.
Folgendes habe ich leider nicht geschafft: Ein Besuch in Obergurgl-Hochgurgl (gefällt mir sehr gut) und vielleicht auch Sölden, wobei mich Sölden nicht überzeugen kann. Halte ich für völlig überbewertet in Anbetracht der vielen Nadelöhre. Hier gibt es auch einfach keine ruhigen Ecken in der Hochsaison.
Den Pitztaler Gletscher hätte ich ebenfalls noch gerne besucht in der Kombination mit Riffelsee. Ging sich einfach nicht aus, ebenso wenig wie ein Besuch der Skiwelt. Die wäre für mich in guten zwei Stunden erreichbar. Mich schreckten dann aber doch die weißen Bänder im Grünen einfach ab.
Ich hoffe das Format des Berichts gefällt euch. Vielleicht fahre ich kommendes Wochenende nochmal nach Hintertux, ansonsten hoffe ich auf einen schneereichen Oktober ohne Horrorbilder des grauen Hintertuxergletschers.
