Mottarone | Zwischen Stillstand und Skibetrieb
Verfasst: 30.03.2026, 18:57
Februar 2026
Der Mottarone ist keiner dieser Orte, die man unbeschwert ansteuert. Zu prägend ist das, was hier passiert ist. Das schwere Unglück der Luftseilbahn von Stresa hat dem Berg einen Namen gegeben, der weit über die Region hinaus bekannt wurde. Und auch heute ist das allgegenwärtig. Die beiden Sektionen der Luftseilbahn stehen noch immer im Gelände, ausser Betrieb, unverändert. An der Bergstation kann man einfach hineingehen. Keine Absperrung, keine Kabinen, nur leere Räume und eine gespenstische Stille. Gleich daneben die fix geklemmte Doppelsesselbahn, ebenfalls ausser Betrieb. Es ist ein seltsamer Auftakt für einen Skitag, irgendwo zwischen Neugier und Beklemmung. Und dann schwenkt das Ganze doch langsam in etwas überraschend Alltägliches.
Die Anfahrt von Stresa hinauf hat etwas leicht Absurdes. Zunächst noch durch bewohnte Strassen, dann wird es enger, ruhiger, der Wald schluckt einen förmlich. Und plötzlich steht man vor einer Mautstelle. Mitten im Wald, ohne Vorwarnung. Zehn Euro später geht es weiter, und man fragt sich kurz, ob man hier wirklich richtig ist. Oben angekommen wartet ein kleiner Parkplatz direkt beim Skigebiet, der an Wochenenden wohl regelmässig kapituliert. Entlang der Strasse wird alles zugestellt, und wer zu spät kommt, darf noch ein paar Höhenmeter zu Fuss sammeln.
Das Skigebiet selbst liegt etwas verloren auf seiner Kuppe, umgeben von Seen und Hügellandschaft. Kein klassisches Hochgebirge, eher eine Art Insel im Voralpenraum. Wenn genug Schnee liegt, zieht es die Leute dennoch hierher. Wintersportler, Schlittler, Spaziergänger, ein bunter Mix aus allem. An diesem sonnigen Februartag war einiges los, aber im Skigebiet selber nie wirklich überfüllt und an den Liften kommt es nur zu kurzen Wartezeiten. Die eigentliche Geduldsprobe spielt sich wie so oft woanders ab. Zwei Kassen, davon nur eine geöffnet, und eine Schlange, die sich mit italienischer Gelassenheit vorwärts bewegt, während jede Transaktion ihre eigene kleine Geschichte schreibt.
Vier Anlagen sind noch in Betrieb, darunter ein Doppelschlepplift, der so etwas wie das Rückgrat des Gebiets bildet. Viel ist es nicht, und doch mehr, als man auf den ersten Blick erwarten würde. Gleichzeitig wird schnell klar, dass hier einmal deutlich mehr existiert hat. Zwei weitere Lifte, die früher längere Abfahrten erschlossen haben, sind ausser Betrieb. Was bleibt, ist ein kompaktes Skigebiet auf der Hochfläche, das sich erstaunlich abwechslungsreich fahren lässt. Bei Vollbetrieb kommt man auf rund acht Pistenvarianten, und diese Vielfalt fühlt man auch. Kurze Wege, kleine Lifte, aber immer wieder neue Kombinationen. Man lässt sich einfach zwischen den Anlagen hin und her treiben.
Skifahrerisch ist das Ganze solide aber ohne grosse Highlights. Die geografische Lage und geringe Höhe setzt klare Grenzen, und Schneesicherheit ist hier alles andere als garantiert. Wenn die Bedingungen passen, reicht das Angebot aber locker für einen halben Tag. Dazu kommt eine Rodelbahn und zwei Einkehrmöglichkeiten im Skigebiet. Das grössere Gebäude bei der ehemaligen Luftseilbahn wirkt hingegen verlassen und fügt sich nahtlos in dieses Bild eines teilweise stehen gebliebenen Ortes ein. Und dann ist da noch das Panorama welches überzeugen mag. Der Blick auf den Lago Maggiore und die umliegende Region ist allgegenwärtig. Man fährt hier nicht einfach nur Ski, man schaut immer wieder weit hinaus. Dieses Skifahren über den Seen hat seinen ganz eigenen Reiz und ist wohl das eigentliche Highlight dieses Gebiets.
Bleibt die Frage, ob man den Mottarone gesehen haben muss. Wahrscheinlich nicht, dafür ist das Gebiet zu klein, zu eigenartig und skifahrerisch zu unspektakulär. Aber genau diese Mischung macht den Ort vielleicht für den einen oder anderen Alpinfan dennoch interessant. Wenn man in der Gegend ist, genug Schnee liegt und man sich auf diese besondere Stimmung einlässt, dann lohnt sich der Abstecher. Der Mottarone ist kein klassisches Skigebiet, das man wegen seiner Pisten besucht. Es ist ein Ort voller Gegensätze. Zwischen Panorama und Stillstand, zwischen Alltagsbetrieb und sichtbarer Vergangenheit. Und genau das macht ihn am Ende irgendwie doch bemerkenswert und ein Stück weit unvergesslich.
Pistenplan Mottarone
Wenn der Bericht gefällt, freue ich mich über eine Danksagung oder einen Kommentar!
Der Mottarone ist keiner dieser Orte, die man unbeschwert ansteuert. Zu prägend ist das, was hier passiert ist. Das schwere Unglück der Luftseilbahn von Stresa hat dem Berg einen Namen gegeben, der weit über die Region hinaus bekannt wurde. Und auch heute ist das allgegenwärtig. Die beiden Sektionen der Luftseilbahn stehen noch immer im Gelände, ausser Betrieb, unverändert. An der Bergstation kann man einfach hineingehen. Keine Absperrung, keine Kabinen, nur leere Räume und eine gespenstische Stille. Gleich daneben die fix geklemmte Doppelsesselbahn, ebenfalls ausser Betrieb. Es ist ein seltsamer Auftakt für einen Skitag, irgendwo zwischen Neugier und Beklemmung. Und dann schwenkt das Ganze doch langsam in etwas überraschend Alltägliches.
Die Anfahrt von Stresa hinauf hat etwas leicht Absurdes. Zunächst noch durch bewohnte Strassen, dann wird es enger, ruhiger, der Wald schluckt einen förmlich. Und plötzlich steht man vor einer Mautstelle. Mitten im Wald, ohne Vorwarnung. Zehn Euro später geht es weiter, und man fragt sich kurz, ob man hier wirklich richtig ist. Oben angekommen wartet ein kleiner Parkplatz direkt beim Skigebiet, der an Wochenenden wohl regelmässig kapituliert. Entlang der Strasse wird alles zugestellt, und wer zu spät kommt, darf noch ein paar Höhenmeter zu Fuss sammeln.
Das Skigebiet selbst liegt etwas verloren auf seiner Kuppe, umgeben von Seen und Hügellandschaft. Kein klassisches Hochgebirge, eher eine Art Insel im Voralpenraum. Wenn genug Schnee liegt, zieht es die Leute dennoch hierher. Wintersportler, Schlittler, Spaziergänger, ein bunter Mix aus allem. An diesem sonnigen Februartag war einiges los, aber im Skigebiet selber nie wirklich überfüllt und an den Liften kommt es nur zu kurzen Wartezeiten. Die eigentliche Geduldsprobe spielt sich wie so oft woanders ab. Zwei Kassen, davon nur eine geöffnet, und eine Schlange, die sich mit italienischer Gelassenheit vorwärts bewegt, während jede Transaktion ihre eigene kleine Geschichte schreibt.
Vier Anlagen sind noch in Betrieb, darunter ein Doppelschlepplift, der so etwas wie das Rückgrat des Gebiets bildet. Viel ist es nicht, und doch mehr, als man auf den ersten Blick erwarten würde. Gleichzeitig wird schnell klar, dass hier einmal deutlich mehr existiert hat. Zwei weitere Lifte, die früher längere Abfahrten erschlossen haben, sind ausser Betrieb. Was bleibt, ist ein kompaktes Skigebiet auf der Hochfläche, das sich erstaunlich abwechslungsreich fahren lässt. Bei Vollbetrieb kommt man auf rund acht Pistenvarianten, und diese Vielfalt fühlt man auch. Kurze Wege, kleine Lifte, aber immer wieder neue Kombinationen. Man lässt sich einfach zwischen den Anlagen hin und her treiben.
Skifahrerisch ist das Ganze solide aber ohne grosse Highlights. Die geografische Lage und geringe Höhe setzt klare Grenzen, und Schneesicherheit ist hier alles andere als garantiert. Wenn die Bedingungen passen, reicht das Angebot aber locker für einen halben Tag. Dazu kommt eine Rodelbahn und zwei Einkehrmöglichkeiten im Skigebiet. Das grössere Gebäude bei der ehemaligen Luftseilbahn wirkt hingegen verlassen und fügt sich nahtlos in dieses Bild eines teilweise stehen gebliebenen Ortes ein. Und dann ist da noch das Panorama welches überzeugen mag. Der Blick auf den Lago Maggiore und die umliegende Region ist allgegenwärtig. Man fährt hier nicht einfach nur Ski, man schaut immer wieder weit hinaus. Dieses Skifahren über den Seen hat seinen ganz eigenen Reiz und ist wohl das eigentliche Highlight dieses Gebiets.
Bleibt die Frage, ob man den Mottarone gesehen haben muss. Wahrscheinlich nicht, dafür ist das Gebiet zu klein, zu eigenartig und skifahrerisch zu unspektakulär. Aber genau diese Mischung macht den Ort vielleicht für den einen oder anderen Alpinfan dennoch interessant. Wenn man in der Gegend ist, genug Schnee liegt und man sich auf diese besondere Stimmung einlässt, dann lohnt sich der Abstecher. Der Mottarone ist kein klassisches Skigebiet, das man wegen seiner Pisten besucht. Es ist ein Ort voller Gegensätze. Zwischen Panorama und Stillstand, zwischen Alltagsbetrieb und sichtbarer Vergangenheit. Und genau das macht ihn am Ende irgendwie doch bemerkenswert und ein Stück weit unvergesslich.
Pistenplan Mottarone
Wenn der Bericht gefällt, freue ich mich über eine Danksagung oder einen Kommentar!