Meine Aussagen stützen sich nicht auf Einzelbeobachtungen, sondern auf gesammelte Erkenntisse aus 20 Jahren Forschung zu Seilbahnen und Skigebietshistorie. Inkrementelle Erneuerungen an Bestandsanlagen sind keine Seltenheit. Ansonsten wären heute kaum Anlagen in Betrieb, deren Ursprünge noch viel weiter zurückliegen als jene der Sesselbahnen in Braunwald. Dass sich das BAV in dieser Hinsicht zugegebenermassen oft engstirniger verhält als Behörden in anderen europäischen Ländern, ist kein Geheimnis. Das zeigt ja beispielsweise auch der fehlende Bestandsschutz von VR101- und Giovanola-Klemmen. Nichtsdestotrotz ist die Weiterverwendung von Stützen und Stationsgebäuden auch in der Schweiz keine Seltenheit. Und das ist - abgesehen vom erwähnten Antrieb - ja das einzige, was an den Sesselbahnen in Braunwald noch original erhalten ist.oberländer hat geschrieben: 23.02.2026, 21:49Kennst Du den technischen Zustand der Anlage oder kommst Du aus Aussensicht zu deinen Schlüssen? Wenn Du einen neuen Antrieb instalierst, dann geht es bald als Neubau durch. Abgesehen davon braucht es auch Zulassungen für die Anlage. Hier hat das BAV auch ein Wort mitzureden.enviadi hat geschrieben: 23.02.2026, 11:54 Ja, das ist ja eben alles bis auf Stützen und Stationen.Und die Gebäudesubstanz ist nach 65 Jahren noch nicht am Ende ihres Lebens angelangt. Die Stützen auch nicht. Das sind alles keine klassischen Verschleissteile. Wahrscheinlich wird es einen neuen Antrieb brauchen, aber beim Rest sehe ich kein Problem, warum man den nicht weiterhin nutzen können soll. Es sind ja durchaus noch deutlich ältere Anlagen in Betrieb.
Ich habe mich zu den Möglichkeiten nie pauschal wertend geäussert, sondern rein deskriptiv beschrieben, welche Wege seinerzeit erfolgreich waren und welche nicht. Das ist empirisch nachprüfbar und nicht meine persönliche Meinung. Davon abgesehen widerspricht der Erfolg von Elm in keinster Weise meinen Aussagen. Im Gegenteil, das ist ja genau die eine der beiden Optionen, die ich weiter oben als nachweisbar erfolgreich charakterisiert habe. Aber nur weil sich Elm für den Modernisierungsweg entschieden und damit Erfolg hat, heisst das nicht automatisch, dass das in Braunwald auch funktioniert hätte. Die Skigebiete Elm und Braunwald sind überhaupt nicht miteinander vergleichbar, die Voraussetzungen sind sehr unterschiedlich. Das eine hat einen breiten Mix an unterschiedlich anspruchsvollen Abfahrten mit rund 40km Länge in idealem Skigelände und startet direkt im Tal, das andere hat im Grunde nicht mehr als vier Pisten in überwiegend flachem Gelände und einen höchst improvisierten und umständlichen Zugang per Standseilbahn.oberländer hat geschrieben: 23.02.2026, 21:49Es gibt mit Elm gleich in der Nähe ein Skigebiet, welches den von Dir kritisierten Weg gegangen ist und in neue Anlagen investiert hat: 1996 die neue Gondelbahn, 2002 sogar eine neue Sechser-Sesselbahn.Ich sage nicht, dass die finanzielle Lage in Braunwald gut ist. Aber ich bin davon überzeugt, dass es mit grösseren Investitionen in die Seilbahninfrastruktur heute noch viel schlechter aussehen würde. Ein Skigebiet wie Braunwald hat aus meiner Sicht keine andere Wahl, als mit der vorhandenen Infrastruktur so lange weiterzumachen wie irgendwie möglich und sich mit den daraus ergebenden Einschränkungen zu arrangieren.
Und siehe da: Das Skigebiet ist erfolgreich unterwegs mit besserer Schneesicherheit und mehr Kunden. Denn diese Kunden finden dort ein Skigebiet, welches günstiger ist als die grossen, aber denoch eine leistungsfähige Infrastruktur vorhanden ist und damit deine Thesen widerlegt.
Letzteres ist der Punkt, der aus meiner Sicht am stärksten zu dem besonderen Charakter Braunwalds beiträgt. Ich hatte hierzu vor einigen Jahren mal ein längeres und sehr interessantes Gespräch mit Pius App, dem Eigentümer der Schatzalpbahn in Davos. Er beschrieb die Schatzalp wegen des exklusiven Zugangs per Standseilbahn als eine Art eigene Welt. Und auch das dortige Skigebiet wird ja bekanntermassen als Teil dieser besonderen Welt vermarktet. Etwas Vergleichbares könnte ich mir auch in Braunwald vorstellen. Mit der Gumenbahn ist ein perfektes Alleinstellungsmerkmal ja bereits vorhanden.
Wir werden es nie erfahren, was gewesen wäre, wenn Braunwald vor 20 Jahren in modernere Bahnen investitiert hätte. Ich bin aufgrund meiner Erkenntnisse in vielen anderen Fällen aber nach wie vor fest davon überzeugt, dass dieser Weg an diesem Ort nicht zum Erfolg geführt hätte.
Bis jetzt war der Austausch absolut sachlich, daher weiss ich jetzt nicht, was ich von diesem Totschlagargument halten soll. Ziel der Diskussion ist für mich aber auch gar nicht zwingend, dass wir uns einig werden. Natürlich stehe ich für meine Thesen ein, das liegt in der Natur der Sache. Das schliesst aber nicht aus, dass ich mich nicht auch von einer anderen Meinung überzeugen lasse. Nur haben mich deine Argumente nicht überzeugt.oberländer hat geschrieben: 23.02.2026, 21:49 Aber wir werden uns da nicht einig werden und müssen es auch nicht, da Du offensichtlich deine Thesen als die einzig richtigen erachtest...
