Fairlie Welsh

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Dachstein
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Fairlie Welsh

Beitrag von Dachstein »

Fairlie Welsh (*)

(*) die Korrektheit des offensichtlichen Rechtschreibfehlers offenbart sich beim Lesen des Berichtes. ;)

:arrow: Warnhinweise:

Das hier ist lang, alles zu lesen braucht Zeit. Richtig lang, richtig viel Zeit. Zum Bilderschauen, einfach weiter scrollen, für Unzufriedene, die Eisenbahnen und Großbritannien als Zeitverschwendung ansehen: EXIT. Sonstige Beschwerden ans Salzamt. Nur dass ich mal vorab gewarnt habe. ;-)

Für die, die nun weiter lesen, bitte die Zeit stoppen, wenn das Ende erreicht ist. Ich will wissen, wie lange ihr gebraucht habt. Für mich: ich habe am 11.12.2025 zu schreiben begonnen....

Auch weise ich darauf hin, dass ich momentan keinen kalibrierten Bildbearbeitungsmonitor habe, sodass die Farben und deren Abstimmung mancher Bilder nicht ideal sind.

Zusätzlich habe ich zur Erklärung vielfach Links zu verschiedenen Homepages, Wikipedia, den Bahnen und deren Wikis, aber auch zu Youtube eingebaut und die Hinweise zur verwendeten Literatur sind am Ende des Berichtes zu finden. Zwar habe ich alle diese Links gecheckt, dass hier kein rechtliches Problem besteht, weise aber darauf hin, dass ich auf den Inhalt dieser Seiten keinen Einfluss habe und logischerweise für deren Inhalt auch keine Haftung übernehme.

Prolog (Einleitung – auf gut Deutsch)

Vor rund 20 Jahren: Schon als Schüler war ich fasziniert von Seilbahnen und Eisenbahnen. Ein Sprachurlaub in Brighton brachte zwar wenig für die Schule, aber viel für meine Leidenschaft (und viel mehr Leiden für die Betreuer): Im ersten Jahr entdeckte ich die Volk's Electric Railway, im zweiten dank guter Planung und hartnäckiger Durchsetzungsfähigkeit die Bluebell Railway und die Romney, Hythe & Dymchurch Railway. Trotz fehlender Mobiltelefone und sehr skeptischer Betreuer wagte ich die Ausflüge mit dem öffentlichen Verkehr und kam begeistert zurück mit unzähligen Fotos - und einer (leider) bleibenden Begeisterung für britische Museumsbahnen.

Vor rund 20 bis 15 Jahren: Nach dem erfolgreichen Abschluss der Schule (die drei großen Schlachten dieser Erde: Waterloo, Stalingrad und meine Schulzeit - im Unterschied zu den zwei vorhergenannten aber ohne Tote und wider Erwarten mit positivem Abschluss!) begann ich ein naturwissenschaftliches Studium an der Universität Innsbruck. Innsbruck ist nicht nur Universitäts-, sondern auch Wintersportstadt sehr zum Leidwesen meiner Eltern (die nun also abermals leidensfähig sein mussten), denn der Hörsaal wurde oft gegen eine Aufstiegshilfe getauscht. So auch am 4. Februar 2010, als ich in Kirchberg meine heutige Partnerin kennenlernte eine passionierte Großbritannien-Urlauberin, insbesondere East Sussex. Zufall? Brighton liegt genau dort und war mir ja schon wohlbekannt.
2010 folgte ein gemeinsamer Urlaub im Süden Englands, und in den darauffolgenden Reisen nach East Sussex besuchten wir zahlreiche Museumsbahnen und Eisenbahnmuseen, darunter:

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Volk's Electric Railway in Brighton, der ältesten Elektrischen Eisenbahn der Welt, die noch in Betrieb ist.

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Romney, Hythe & Dymchurch Railway, eine wie eine Hauptbahn trassierte 381mm Miniatureisenbahn, welche in die einzige Wüste Großbritanniens führt (weil es dort extrem wenig Niederschlag gibt) und extrem pittoresk an einem Kernkraftwerk und einem Leuchtturm endet.

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Bluebell Railway, eine ehemalige Hauptbahn mit großen Bahnhöfen und vielfältigen Fuhrpark.

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Lavender Line, einer kurzen Museumsbahn nordöstlich von Lewes mit der netten Station Isfield

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Kent & East Sussex Railway, einer landschaftlich schönen Strecke in Kent und East Sussex
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Spa Valley Railway, einem Überrest einer einst mächtigen Ost-West Verbindung zur Brighton Mainline.

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Amberley Museum, wo 007 und die Mainstrike Mine grüßen lassen (Stollenportal im Hintergrund). Dazu eine umfangreiche Sammlung jeglicher Technik.

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Sittingbourne & Kemsley Light Railwayeiner ehemaligen Werksschmalspurbahn einer großen Papierfabrik mit urtümlichen Industriebahnlokomotiven und der für die Insel ungewöhnlichen Spurweite von 762mm. Dabei liegt sie in den Kemsley Downs, einem Industriegebiet, sodass auch das Flair einer Industrieschmalspurbahn einer Papierfabrik gut wiedergegeben wird.

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Hornby Visitor CentreDem Museum von Modellbahnhersteller Hornby, wobei Produkte von Anfang bis heute vorgestellt werden, und leider gibt es dort auch einen Shop. Ich selber besitze ja einige Hornby Modelle, teilweise aus den 1950er Jahren – und die laufen auch immer noch. Shop=Waterloo fürs Geldbörserl

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London Transport Museum & Depot
Das Museum in Covent Garden ist für das „normalsterbliche Volk“, das Depot was für Enthusiasten. Hier reiht sich Bus an Bus und auch der Routemaster No1 ist hier daheim. Viele Exponate sind betriebsfähig, so auch ein historischer deep level tube Zug aus dem Jahr 1937, welcher zu besonderen Anlässen auf die Strecke geschickt wird.

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Epping to Ongar Railway, dem ehemals östlichsten Teil der TfL Central Line, der nun zu einer Museumbahn vor der Toren von London umfunktioniert wurde. In Ongar befindet sich immer noch der offizielle Kilometer 0 der London Underground (Central Line).

Diese Reisen schufen, wenn man so will, eine nachhaltige Interessensbasis im britischen Eisenbahnwesen. Dass Großbritannien hier für die Leidenschaft extrem viel zu bieten hat, war mir trotz des damaligen Wissens noch nicht so ganz klar.
Gleichzeitig muss ich heute eingestehen: wenn ich mir so manche Bilder anschaue, die ich da fotografiert habe, kommt mir heute das Gruseln. Oh mein Gott sind die nicht mal mehr schlecht, sondern richtig mies! Gut, jung, unbedarft und eine Kamera in der Hand. Eine eher ungute Kombination.

Vor rund 9 Jahren: East Sussex wurde irgendwann etwas eintönig. Mit eigenem Auto beschlossen wir, in den Uniferien neue Teile der Insel zu erkunden. Ziel: das Lake District. Neben zwei Museumsbahnen (natürlich beide besucht) lockte vor allem die beeindruckende Landschaft und eine gewisse Schafsrasse. Auf dem Weg nach Norden lag Wales praktisch links daneben. Ein Zwischenstopp? Meine Recherche zu Museumsbahnen brachte den (un)gewünschten Erfolg: Wales ist die Wiege der Eisenbahn und der Museumsbahnen. Hier erfand Richard Trevithick 1802 im Stahlwerk Pen-y-Darren in Merthyr Tydfil die erste Lokomotive: ein kohlebefeuerter, prinzipiell zur Explosion neigender Druckkessel auf Rädern, geführt durch Schienen. Die Lok war geboren. Merthyr Tydfil wird uns noch beschäftigen. Und: Die Talyllyn Railway weiter nordwestlich war 1951 die erste Museumsbahn der Welt.
Dass sich mit der 1836 gegründeten Ffestiniog Railway auch die älteste aktive Eisenbahngesellschaft in Wales befindet, ist eine bemerkenswerte Draufgabe. Man kann mit Fug und Recht behaupten: Nordwales ist die am stärksten kontaminierte Region der britischen Inseln, wenn es um Museums- und Touristikbahnen geht und ich kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Aus einer „Ich will es mal gesehen und abgehakt haben“ Destination wurde letztlich DIE Eisenbahndestination für mich.
Im Zuge zahlreicher Wales-Urlaube besuchten wir unter anderem:

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Welshpool & Llanfair Railway - Fahrzeuge aus Österreich, neben der ehemaligen SKGLB 19 und Wagen von der Zillertalbahn wurde auch die ZB 2 dort verliehen, gleichzeitig fahren dort auch aber noch die beiden originalen von Bayer gebauten C Kuppler, die nicht typischer für eine Schmalspurbahn sein könnten. Und weil die Spurweite mit 762mm auf der Insel wenig verbreitet ist, reimportierte die W&LLR einige Fahrzeuge aus den (ehemaligen) britischen Kolonien, wo diese Spurweite deutlich größere Verbreitung fand. Es geht somit dort sehr international zu.

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Brecon Mountain Railway - amerikanische Loks auf einer wiederaufgebauten landschaftlich reizvollen Strecke in den Bercon Beacons, einem Nationalpark

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Talyllyn Railway – die allererste Museumsbahn der Welt und damit die Wiege aller Museumsbahnen dieser Erde. Und wer meint, dass die 762mm seltsam wären, diese Bahn hat 686mm Spurweite.

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Fairbourne Railway – mit einer minimalistischen Spurweite von nur 311 mm direkt am Strand gelegen und mit Dampfbetrieb.

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Snowdon Mountain Railway- Zahnradbahn auf den Yr Wyddfa (Snowdon) nach System Abt, einzige Zahnradbahn auf den britischen Inseln mit Personenverkehr Mittlerweile fast vollständig verdieselt, jedoch fahren im Sommer auch Nostalgiedampfzüge auf den Berg. Die Aussicht vom Gipfel ist atemberaubend – vorausgesetzt man hat aufgrund des Wetters eine.

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Llanberis Lake Railway - direkt am Llyn Padarn (Lake Llanberis) auf der ehemaligen Trasse der Padarn Railway und am Fuße des stillgelegten Dinorwic-Schieferbruchs. Dazu führt die Bahn direkt am National Slate Museum in Gilfach Ddu vorbei, wobei sich Bahn und Museum wunderbar kombinieren lassen. Das National Slate Museum ist Stand 2026 wegen Renovierung geschlossen.

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Bala Lake Railway – das Zuhause der klassische Quarry-Hunslets, trassiert auf der ehemaligen Normalspurstrecke entlang des Lake Bala (Llyn Tegid), dem größten walisischen Brinnengewässer.

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Great Orme Tramway - „historische“ Kabelstraßenbahn mit gleich daneben liegender Breco 4 EUB. Die Kabelstraßenbahn wurde von Doppelmayr modernisiert.

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Ffestiniog Railway – Mit Merddin Emrys, Earl of Merioneth, David Lloyd George, Taliesin und James Spooner fairly Fairlie – Dazu manche nahezu unaussprechliche Bahnhofsnamen, die Dduallt Spiral und Boston Lodge ;-)

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Welsh Highland Railway – mit 597 mm Spurweite auf Steroiden durch den Eryri-National Parc (Snowdonia National Parc) auf der längsten Museumsbahn Großbritanniens.

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Vale of Rheidol Railway - letzte ehemals British Rail dampfbetriebene Schmalspurbahn von der Küstenstadt Aberystwyth ins Hinterland durch ein landschaftlich schönes Tal.

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Aberystwyth Cliff Railway – eine urtümliche Standseilbahn auf den Constitution Hill in Aberystwyth.

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Welsh Highland Heritage Railway – ein Eisenbahnmuseum mit kurzer Museumsstrecke und Gleisverbindung zur Welsh Highland Railway; mit einem Buchladen, der jeden Eisenbahnfreund arm aber glückseeling macht.

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Und natürlich auch den Ort mit dem längsten und potentiell unaussprechlichsten Bahnhofsschild der Welt – was muss, das muss. Viele Waliser sagen hier auch nurmehr Llanfair PG, die Engländer nutzen hingegen „The Gogogoch“. Besonders imposant ist die vierfach L Konstruktion. Wie man es wirklich ausspricht? Das verrät und dieser Link . Und nur mal soviel – nicht jeder spricht das gleich aus, auch im Walisischen gibt es mehrere Aussprachevarianten und der Süden ist nicht der Norden.
Generell, Walisisch ist eine eigene und für viele uns völlig unbekannte Sprache – es ist auch kaum möglich, die Sprache im deutschsprachigen Raum zu lernen. Es ist eine keltische Sprache, damit mit dem Bretonischen verwandt und wird in verschiedenen Varianten gesprochen. Im Gegensatz zu unserer Sprache gibt es die Buchstaben K, Q, V, X und Z nicht, dafür aber wiederum Einzelbuchstaben (!) wie ch, dd, ff, ng, ll, ph, rh und th. Die meisten walisischsprachigen Menschen leben übrigens Norden von Wales. Ortstafel, Wegweiser und sonstige Straßenschilder werden überall in Wales unabhängig von der Menge an walisischsprechender Bevölkerung übrigens immer zweisprachig angeschrieben, ebenso sind die walisischen Homepages zumindest zweisprachig.
Reisetipp: wenn du irgendwo „araf-slow“ am Boden auf die Straße gepinselt liest, sollst du nicht nur deine Geschwindigkeit verlangsamen, du hast auch Wales gefunden. Ildiwch ist übrigens give way, also Vorrang geben.
Diese ganzen oben erwähnten Bahnen haben viele faszinierende Seiten - vor allem die Menschen dahinter. Ob hauptberuflich oder freiwillig: Es sind keine Eisenbahnfreunde, sondern enthusiastische Eisenbahner, die ihre Leidenschaft mit Respekt und Professionalität leben; etwas, das ich in der hiesigen Szene oft vermisse. Sie sind auskunftsfreudig und freuen sich, wenn jemand vom Fach das Gespräch sucht. So konnte ich bereits diverse Werkstätten und Betriebswerke besuchen. Mein Englisch? Auf Eisenbahnen bezogen deutlich besser als in „Modern English Literature“- sehr zum Leidwesen meiner Englischlehrkräfte, aber mit Wissen um die „Modern English Literature“ kommt man halt im Bahnwesen nicht unbedingt sehr weit; außerdem sind Sprachen zur Kommunikation da. Und mein Küchentischenglisch reicht, um nicht zu verhungern, Beschilderungen zu verstehen und auch sonst problemlos zu überleben.

Die unmittelbare Vorgeschichte im Jahr zuvor

Vor rund 2 Jahren: Wieder stand die Urlaubsplanung an - Ziel: England. Cornwall sollte es werden, denn die legendären HSTs würden bald ausgemustert und auch sonst soll die Gegend recht ansehnlich sein; dazu wäre die Waverly auch noch in der Gegend. Doch Google verriet: Am Anreisewochenende findet auf der Welsh Highland Railway das „Super Power Weekend“ in Dinas statt. Nordwales und Cornwall liegen zwar weit auseinander, aber mit Mietwagen machbar. Also: Anreise über Manchester nach Snowdonia, drei Tage extravaganter Schmalspurspaß auf der WHR genießen und dann weiter in den Süden.

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Das Wochenende begann mit „traditional horizontal high quality liquid Welsh sunshine“, der Kamera und Fotograf auf die Probe stellte (inklusive des mittlerweile zur liebgewonnen Tradition gewordenen Rhyd-Ddu-Soakings).

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Doch als der letzte Zug über den Cob in Porthmadog rollte, riss der Himmel auf. Der Wetterbericht versprach nun sieben Tage Sonne in Wales. Cornwall? Oder bleiben? Wir blieben und das war die goldrichtige Entscheidung. Dies machte letztlich eine Fotoreise möglich, die alles übertreffen sollte.
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Nebenbei auch endlich die 4 EUB in Llandudno gefahren (nach fast zehn Jahren Warten und vergeblichen Versuchen!) sowie
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den Gipfel des Yr Wyddfa (Snowdon) wolkenfrei erlebt.

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Und dann kam das Highlight dieses Urlaubs: Der „Snowdonian“. Ein Zug, der beide Schmalspurstrecken der Ffestiniog Railway nach Blaenau Ffestiniog und Welsh Highland Railway nach Caernarfon in einer Fahrt verbindet: tagesfüllende 120 km Schmalspur-Extraklasse, selten, teuer, extravagant und überdies Monate im Voraus restlos ausgebucht. Zwei Tage vorher am Ticketschalter? Keine Chance, das war mir klar. Aber die bessere Hälfte bestand darauf, zu fragen. Ein mildes Lächeln von der Dame am Schalter, fast schon bemitleidenswert – ausgebucht. Doch dann klingelte das Telefon im Backoffice. „Hold on“ und plötzlich gab es zwei stornierte Tickets. Erste Klasse. Panoramapullman. Gekauft!
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Fünf (!) Dampfloks waren im Einsatz: die beiden hübschen Penrhyn Ladies Linda und Blanche (im Bild beim Wasserfassen im Bahnhof Bleanau Ffestiniog) bis Blaenau Ffestiniog und weiter auf der Welsh Highland Railway bis Waunfawr.
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Dazu James Spooner ab Boston Lodge, hier im Bild im Heizhaus (runnig shed) von Boston Lodge mit ihrer mehr als ein Jahrhundert älteren Schwesterlok Merddin Emrys dahinter.
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Außerdem „Baby Blue“ Britomart, die Quarry Hunslet für den Kohlezug nach Beddgelert (im Bild in diesem Bahnhof, der Mann am Wasserkran ist übrigens ihr Eigentümer).
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Und schließlich die für den britischen Lokomotivbau historisch wertvolle Tasmanierin K1 für die Rückfahrt gemeinsam mit der James Spooner. Hier ist die K1 in der Ausstellungshalle in Boston Lodge am Tag nach dem Snowdonian abgestellt. Zu den Besonderheiten der Loks kommen wir später.
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Am Sonntag folgte noch eine exklusive Führung durch Boston Lodge (im Bild der Kessel der Lok Taliesin, welcher im erecting shop von Boston Lodge zum Wiedereinbau vorbereitet wird) mit Paul Lewin, dem General Manager der Ffestiniog & Welsh Highland Railway. Wiederum ein Eisenbahnhighlight der Sonderklasse, kennt er seine Bahnen wie kein anderer, ist enthusiastischer Eisenbahner und er definiert Eisenbahner in Wales wie folgt: „we are crazy people, but here in Boston Lodge, we are one step ahead!“ Ein wahrlich perfekter Abschluss.

Ich wusste, dass es immer wieder Fotosonderzüge auf den Bahnen gibt. Doch der deutschsprachige Reiseveranstalter stellte nach Covid seine Aktivitäten ein, davor fehlten mir Zeit und /oder Budget, und dann kam eben die Pandemie. So blieb es lange bei schönen Bildern, ohne selbst dabei zu sein. Und nur Zaungast am Rechner zu sein, kann echt eine Qual darstellen.
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Am Ende der Führung im historischen Heizhaus von Boston Lodge, zwischen „The (mighty) Square“ (eigentlich Earl of Merioneth, im Bild oben) und Princess nutzte ich die Gelegenheit, die entscheidende Frage zu stellen: Wer organisiert diese Veranstaltungen? Paul Lewin, logischerweise bestens vernetzt in der Szene, hatte die Antwort: Bob und David aus Birmingham. Mit den Kontaktdaten in der Tasche war der Weg frei für etwas, was ganz besonders werden sollte und das nächste Ziel klar: statt dem nun zu weit entfernten Cornwall das deutlich näher liegende Lake District (Nationalpark).
Dort gibt es neben zwei netten Museumsbahnen, nämlich der:
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Lakeside and Haverthwaite railway, hier eine der Industriedampflok beim Umsetzen im Bahnhof Haverthwaite, dessen beide Bahnhofsköpfe in den angrenzenden Tunnels liegen sowie

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der Ravenglass and Ekdale Railway, kurz La'l Ratty, einer 381mm Schmalspurbahn etwas südlich von Sellafield im Eskdale valey.

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Daneben gibt es in den Lakes noch eine phänomenale Landschaft (hier der Sonnenuntergang am Wastwater) sowie...

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sehr viele Schafe. Hier einheimisch sind die sogenannten Herdwicks, welche eine de facto seltene aber sehr fotogene Schafsrasse darstellen und durch das Zutun von Beatrix Potter (der Autorin von Peter Rabbit) vor dem Verschwinden gerettet werden konnten.
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Und so ging ein sehr schöner Urlaub, der letztlich einen weiteren sehr speziellen Urlaub ermöglichen sollte, zu Ende. Wir verabschieden uns vom Lake District mit einem Bild vom Hardknott Pass auf die Isle of Man in der Irischen See. Und Isle on Man, nunja, auch dort gibt es sehr sehenswerte Bahnen...

Bis hier her war es übrigens nur der Prolog. ;-)
Zuletzt geändert von Dachstein am 23.02.2026, 01:03, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Fairlie Welsh

Beitrag von Dachstein »

Der Vorlauf

Zuhause nahm ich schließlich Kontakt mit besagtem David aus Birmingham auf. Zwar habe ich Erfahrung in der Kommunikation mit britischen Eisenbahnfreunden, doch David kannte ich nicht und normalerweise rede ich lieber, statt Mails zu schreiben. Also verfasste ich ein kurzes E-Mail: Wer ich bin, mein Anliegen und die Frage, ob im elitären Kreis der britischen Eisenbahnfotografen überhaupt Platz für einen Österreicher wäre. Aus Erfahrung in Kontinentaleuropa weiß ich: Fremde werden bei solchen Veranstaltungen oft skeptisch betrachtet und mit Ablehnung bedacht.

David hat eine ungewöhnliche Angewohnheit: Er antwortet zu den seltsamsten Zeiten mitten in der Nacht. Tage später kam um 2:59 Uhr die ersehnte Antwort: natürlich kannst du teilnehmen. Weitere Infos folgen. Schritt 1 war also getan und ich meinem Ansinnen, welches vor eigentlich schon 8 Jahren am Bahnhof von Porthmadog geboren wurde, einen beträchtlichen Schritt näher.

Klar war: im darauffolgenden Jahr wird der Familienurlaub nicht in Wales stattfinden. Aber auch in Schottland fahren HSTs rum – und Seilbahnen gibt es dort letztlich auch.

Im Frühling kamen schließlich die Details zum Programm (EXTRAKLASSE!) und die Preise – teuer, aber in Anbetracht des gebotenen Programms den Preis wert. Allein für die Züge waren rund 2.000 Pfund fällig, Flüge, Mietwagen, Hotels und Verpflegung noch extra (und Großbritannien ist kein Niedrigpreisland). Am Geld sollte es nicht scheitern, eher am Job: Urlaub war reichlich vorhanden, aber ich musste für den Auftraggeber vertreten werden. Mein Ass im Ärmel: Der Geschäftsführer bestand auf Urlaubsabbau. Nach einigem Hin und Her war der Urlaub genehmigt, die erste Teilzahlung überwiesen und die Anmeldung an David geschickt.

Dann: Funkstille. Kein Feedback. War ich einem Betrüger aufgesessen? Zweifel?! Andererseits die Kontaktdaten kamen ja von Paul Lewin, der kennt die Leute in der Szene und der ist vertrauenswürdig. Also schrieb ich nach einigen Tagen eine Mail an David. Kurz darauf kam die Bestätigung: Ich war dabei. Bei David muss man wissen und ich erst lernen: Wenn er nichts schreibt, ist alles in Ordnung. Daran muss man sich gewöhnen vor allem, wenn man gerade dabei ist 2.000 Pfund zu überwiesen.

In weiterer Folge wurden über den Sommer die restlichen ausständigen Teilbeträge bezahlt, im September kam noch das finalisierte Programm mit leichten Abweichungen zum Ursprünglichen. So konnte eine Baldwin Lok auf der WHR nicht verkehren, sie wird nicht mehr rechtzeitig fertig, aber Ersatz ist hier bei der Anzahl an Loks, die vorhanden sind, kein Problem.

Die Vorbereitungen über den Sommer

Ein anderes Problem betraf die Fotoausrüstung. Nach dem Abschied der Zweiachser in Woltersdorf schleppte ich meine Nikon D800 samt heiliger Dreifaltigkeit in Lichtstärke 2,8 (14-24, 24-70, 70-200) durch Berlin und hatte danach übles Kreuzweh. Die Konsequenz: für Reisen musste etwas Leichteres her. So zog eine OM System OM-1 Mk II mit dem 12-100 und dem 100-400 ein (eine gewichtsmäßige Supertelewohltat) und bewährte sich in Schottland hervorragend, allenfalls ein Ultraweitwinkel in ähnlicher Güte wie das 14-24 fehlt hier noch.

Doch für eine explizite Fotoreise die Nikon daheim lassen? Oder auf die Geschwindigkeit der OM-1 verzichten? Und dann noch die Drohne? Die Ausrüstungsliste wurde schnell absurd, absurd lang und absurd schwer (jeder ambitionierte Fotograf weiß: Glas bedeutet Gewicht und Lichtstärke bedeutet viel Glas):

Die Ausrüstung
  • Nikon D800 mit Hochformathandgriff
  • AF-S Nikkor 14-24 f/2.8
  • AF-S Nikkor AF-S 24-70 f/2,8 VR
  • AF-S Nikkor 70-200 f/2.8 VR
  • OM-1 Mk II mit Hochformathandgriff
  • 12-100 f/4 IS
  • DJI Mini 4 Pro mit RC2 Fernsteuerung und vier Akkus
  • Ladegeräte
  • Nikon Blitz SB 900
  • Zubehör
  • Stativ (Carbon und daher zwar leicht, aber immer noch sperrig)
Und selbst, wenn der Rucksack ein großes Ding wird, ALLE Objektive geht nicht, insbesondere die langen Brennweiten müssen hier daheim bleiben. Für das 200-500 von Nikon oder das 100-400 von Olympus ist einfach kein Platz mehr, das war bereits jetzt absehbar, und auch das 50mm 1,4 wird zuhause bleiben. Statt Lichtstärke müssen als „Notlösung“ der Bildstabilisator und höhere ISO helfen (eines vorweg: bei statischen Motiven kompensiert der Sync IS der OM1 Lichtstärke durchaus und verschiebt die Grenzen des Haltbaren ins nahezu Unmögliche!).

Was aber, wenn man eine längere Brennweite braucht? Brauchen, eine haben aber nicht mithaben ist immer eine blöde Situation: man hätte es ja ZUHAUSE. Also begann die Suche nach einer gangbaren Alternative. Telekonverter? Nein, es gibt was Interessanteres: einen Adapter von Viltrox, mit dem man im Single Shot Autofocus (AF-S) alle Nikon Objektive betreiben kann, die einen eingebauten AF Motor haben. Und so wird aus dem hervorragenden 70-200 2,8 ein 140-400 2,8 Brennweitenäquivalent. Und das Objektiv ist voll offenblendtauglich, und der Adapter hat keine eingebauten Linsenelemente. Bedeutet, keine Qualitätseinbußen, was die Optik betrifft. Der Autofocus ist nun nicht rasend schnell, aber an eine Einsteiger SLR kommt er ran und bei vielen Eisenbahnmotiven kann ich bei meiner Art zu Fotografieren getrost mit Unendlich arbeiten. Gekauft und eingepackt! Somit war eine Brennweitenabdeckung von 14-400 erreicht, und mit durchgängiger Blende 2.8. Das Stativ wanderte indes ins Aufgabegepäck und in weiterer Folge ins Wagenabteil (und wurde letztlich nie gebraucht). Da die Veranstaltung für eine geschlossene Reisegruppe war und die Züge daher abgeschlossen, konnte man auch Ausrüstungsteile im Zug bedenkenlos zurücklassen.

Unterm Strich – wer hat, der hat Probleme.... In diesem Fall logischerweise absolute Luxusprobleme, wie ich hinzufügen möchte.

Summe trotz Adapterlösung: locker jenseits 15 kg. Aber wie transportieren? Also zum Fotohändler, Problem geschildert. Hochgezogene Augenbrauen: Das alles soll mit?! Ähm, ja. Wiederum, hochgezogene Augenbrauen (und das obwohl ich die Ofenrohre schon daheim lassen werde). Nach langem Suchen fand sich die Lösung: ein Vanguard-Rucksack, nach erfolgreichem Probepacken im Laden. Allerdings: Das Gewicht bleibt eher sportlich und durchaus luftfahrtfeindlich.

Nebensatz: wie ich bei der Fotoreise feststellen musste: 90% der Mitreisenden fotografieren mit einem Body und einem Objektiv – 24-120 mm scheint der beliebteste Brennweitenbereich zu sein; ich mit meinem Ultraweitwinkel und Supertelebrennweiten bin eher ein Exot, weiß sie aber durchaus zu gebrauchen und begebe mich dabei auch auf Abwege der Eisenbahnfotografie. Dafür sind derartige Onebodylösungen und Einobjektivlösungen aber ausgesprochen luftfahrt- und rückenfreundlich.

Parallel zur Ausrüstung musste auch die Logistik um die Reise stehen: Anreise, Abreise, Mietwagen, Hotels. Also folgte Buchung auf Buchung – fast schon ein Buchungsmaraton. Zuerst die Flüge von Österreich nach Manchester und retour, dann das Mietauto über den ÖAMTC (der für Mitglieder Vollkasko anbietet (Linksverkehr!)). Und die Hotels? Tipp von David mitten in der Nacht: Premier Inn überall, nahe an den Bahnen in 10 Minuten Fahrzeit oder sogar zu Fuß. Also gut, gebucht.
Reisetipp: sowohl ÖAMTC als auch ADAC haben mit nahezu allen namhaften Leihwagenvermietern weltweit (bei Nordkorea wäre ich mit dann aber nicht so sicher, und einen Pistenbully für die Antarkis habe ich auch keine zum Leihen gefunden) Verträge. Auf den Homepages der Clubs können entsprechende Mietwagen ausgewählt und zu guten Konditionen gebucht werden. Dies beinhaltet eine Gratisstornomöglichkeit, eine Vollkasko (ohne Selbstbehalt), einen Zweitfahrer (der muss Mitglied sein, ist aber gratis) und einen gewissen Preisvorteil.

Beim Buchen stellte sich heraus: Fliege ich einen Tag früher, kann ich die lange Strecke zur ersten Bahn aufteilen und unterwegs liegt sogar noch eine Museumsbahn, die ich schon mal besuchen wollte, es sich aber nicht ausging. Perfekt. Also: Flüge, Tourhotels, zum Schluss ein Flughafenhotel. Mietauto? Kompaktklasse, Automatik. Nicht, dass ich nicht schalten könnte (ich fahre ja geschlagene 6 verschiedene Autos) aber links schalten im Linksverkehr? Nein danke.
Reisetipp: Wer in UK fährt, nimmt Automatik! Man ist mit dem Straßenzustand in UK schon genug beschäftigt.
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Re: Fairlie Welsh

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Tag 1, Donnerstag. 30. Oktober 2025, : die Anreise – der Wahnsinn beginnt

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Die Anreise erfolgte ab der heimatlichen Haustüre komplett mit dem ÖV bis Manchester. Glücklicherweise wohnen wir so, dass wir von der Haustüre 2 Minuten zur Bushaltestelle gehen, und dort hält erfreulicherweise eine der Linien zum Flughafen. De facto ist es von der Bushaltestelle am Flughafen zum Check-In weiter als von der Haustüre zur Bushaltestelle. Einziger Nachteil der Buslinie zum Flughafen: sie macht eine Stadtbesichtigung und braucht dementsprechend lange.

Sorgen am Check-In bereitete mir mein Fotorucksack. Obwohl ich Lufthansa und nicht Billigbomber gebucht hatte, wird die Strecke aus Österreich eher mit kleinem Fluggerät bedient und ist daher auch schnell ausgebucht. Die Dame am Schalter ließ sich bezogen auf den Fotorucksack aber wie ich mir nichts anmerken, und so ging es nach der Gepäckaufage zur Security, und zwar mit ausreichend Vorlaufzeit – insgeheim wettete ich mit mir selber, dass dieser Rucksack entsprechend Aufmerksamkeit nach sich ziehen wird. Und so war es letztlich auch. Im Endeffekt waren es aber nur die zwei Kamerabodies, die interessant waren – Sprengmittelprüfung. Und hier bin ich dann immer ganz besonders gespannt, gehöre ich ja einer Zunft an, in deren erweiterten Aufgabenbereich destruktive Tätigkeiten im Gebirge sind. Und wenn man sich in hartem Gebirge befindet, nimmt man hier unter anderem Sprengstoff. Und so kann es durchaus sein, dass man hier entsprechende Spuren mit sich führt. Und eines will ich nicht haben: eine hoheitliche Inquisition über mögliche Sprengstoffspuren, auch wenn ich es durchaus erklären kann.

Und dann begann das Warten auf das Boarding. Wie schon angedeutet, war das Gate bald gut voll und meine Intention war, so schnell wie möglich an Bord zu kommen, um den Rucksack jedenfalls im Gepäckfach unterzubringen. Leider hat der Flughafen keine Fluggastbrücken, so muss man hier, wenn man Glück hat, zu Fuß übers Vorfeld laufen, oder wenn man Pech hat, gewinnt man eine Busssightsseeinreise über das halbe Vorfeld in einem knallvollen Vorfeldbus. Fußmarsch war angesagt und so konnte ich mit etwas strategischer Planung und einem Boarding über das Heck der Maschine tatsächlich meinen Rucksack oben unterbringen. Ironischerweise war der Flug zu 99% ausgelastet – ein Sitz blieb frei – erfreulicherweise der neben mir. Das mag zwar auf einen kurzen Flug nach Frankfurt nicht so wichtig erscheinen, bedeutet aber auch, dass etwas weniger Handgepäck vorhanden ist. Glück für mich.

Frankfurt – mein Umsteigeflughafen, ist so was wie meine ungeliebte Notwendigkeit. Denn wie schon am heimatlichen Flughafen landet man mit kleineren Maschinen in Frankfurt irgendwo am Vorfeld, und mit Gehen ist hier nichts mehr – man gewinnt eine Fahrt in einem vollgestopften Vorfeldbus, vorbei an eigentlich schönen Fotomotiven, wie einer Boeing 747-8 in der Lufthansa Retrokackierung, einer der seltener werdenden Boeing 747-400 oder den langsam aussterbenden Airbus A340. Statt dessen landet man irgendwo im Untergeschoss vom Terminal 1. Und nun muss man von den Gates A (Schengen) zu den Gates B (Non-Schengen). Und wer Frankfurt kennt, weis, der Flughafen ist groß. Erfreulicherweise gibt es zwischen A und B eine Abkürzung, die unter dem Vorfeld durchführt. Und dann ging es zur Ausreise aus der EU. Und weil die Briten ja den Brexit vollzogen haben, braucht man nun die ‘Electronic Travel Authorisation’ kurz ETA genannt. Hat man diese nicht, gibt es auch keine Einreise in das UK.
Reisetipp: die ETA rechtzeitig beantragen, Kosten 16 Pfund. Sie ist prinzipiell zwei Jahre gültig (oder so lange der Reisepass gilt, da sie an diesen gebunden ist) und berechtigt zum touristischen (!) Verbleib im UK für 6 Monate. Und es gibt zur Beantragung eine App (UK ETA App), die einfach zu bedienen ist und man einfach den entsprechenden Schritten folgen muss. Die Erteilung kann durchaus lange dauern (wenn zum Beispiel Vorstrafen vorlägen), ging bei mir aber binnen 5 Minuten. Und auch wenn man es nicht braucht, ich empfehle die Bestätigungs-Mails aufzubehalten. Sollte die ETA aus irgendwelchen Gründen verweigert werden, besteht noch die Möglichkeit, eines Visums, was logischerweise noch zeitaufwändiger wäre.

Nach erfolgter Ausreise befindet man sich gefühlt im internationalen Niemandsland auf deutschem Boden. Wie ich schon erwähnte, so manche Flugzeuge mag ich und es gibt tatsächlich eine Terrasse, um Frischluft schnappen zu können. Allerdings war der Service des Flughafens mehr als schlecht – denn die Terrasse war zum wiederholten Male geschlossen (wegen Schlechtwetter, obwohl es heiter war). Da nun Zeit zum Totschlagen war, gab es eine Pizzaecke und danach den Marsch zum Gate (um wieder rechtzeitig und ehest möglich an Bord zu gelangen – der Fotorucksack lässt grüßen).

Nun aber noch etwas Unerwartetes: der Flughafen kontrolliert nochmal die Pässe. Denn, ohne Pass keine Einreise in das UK. Nur – vor weniger als einer Stunde hatte ich ja schon eine Passkontrolle. Deutsche Gründlichkeit trifft nun auf deutsche Improvisation: hat man alle Dokumente beisammen, bekommt man einen kleinen Papierzettel, wo drauf steht, dass man die Reisefreigabe hat. Und das in Zeiten vernetzter Datenbanken. Beim Boarding gibt man dann diesen Zettel wieder ab und er wird dem Aussehen nach, wieder verwendet. Funfact: auf meine Frage, ob das jetzt bei allen Flügen nach GB so gehandhabt wird, kam ein forsches Ja. Interessanterweise gab es das jedoch bei der Reise nach Schottland auf besagtem Flughafen nicht, obwohl man das angeblich seit der Einführung der ETA so handhabt. Aja....
Wiederum erschien der Airbus A321-200 des Kranichs gut ausgelastet zu sein, dies galt für den vorderen Teil der Maschine. Hinten wo ich mich platziert hatte, gab es ausreichend Platz und sogar leere Reihen.

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Raus ging es über eine der Centerbahnen (ich meine, es war die Südbahn, für die Aviatiker hier die 07R/25L ) gen Westen, an Köln vorbei, über das Grenzgebiet Niederlande – Belgien raus auf die Nordsee und weiter auf die Britische Hauptinsel. Leider schlägt das Wetter über der Nordsee schnell um.

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Sah man anfangs noch gut den Schiffsverkehr, gab es bald eine geschlossene Wolkendecke, darunter wohl Regen. Über Lincolnshire erreichten wir britischen Luftraum und dann ging es auch schon runter nach Manchester, der der größte britische Flughafen außerhalb des Londoner Großraumes ist.

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Die Einreise in das UK ging wie immer ohne Probleme von Statten (das funktioniert aber nur, wenn man seine Sachen beisammen hat – wer jedoch hier erst drauf kommt, dass er eine ETA braucht, hat schon verloren). Und auch das Gepäck war erstaunlich schnell entladen und von mir vom Band eingesammelt. Und nun ging es zum Mietwagenverleiher, in meinem Fall Hertz. Und nun folgt wiederum ein Reisetipp.

Reisetipp: vergewissere dich, wo dein Leihwagenvermieter ist. Im Falle von Manchester Airport gibt es zwei: Hertz beim Delta Hotel (eigentlich ein Hotelkomplex, wo man von der Rezeption 10 Minuten zum Zimmer brauchen kann), oder beim Car Rental Village, wo der Rest der Vermieter angesiedelt ist. Beide Standorte sind diametral auseinander, beide werden mit Shuttlebussen bedient, welche die 3 Terminals und den Mietwagenverleiher anfahren. Bloß nicht in den falschen einsteigen, denn die Distanzen sind durchaus lang und je nach Verkehrslage kann man auch mal 20 Minuten fahren.

Und nun wird es auch schon britisch: Hertz sitzt quasi im Hof des oben angesprochenen Delta Hotelkomplexes und hat am Standort einen Parkplatz und einen Standardcontainer als Büro. Lebe ich ja selber in Containerburgen auf Baustellen, so muss ich festhalten: unsere haben eine Zentralheizung oder Elektroheizkörper, die sich gut regeln lassen, zuzüglich eine Klimaanlage, ordentliche Böden und ordentliche Türen; wir haben saubere und gut funktionierende WC Anlagen und Doppelcontainer mit Einbauküchen, Cerankochfeld, Kühlschrank, Gefrierschrank, Hängeschränke, kurz, alles was das Herz begehrt und wir kochen hier auch regelmäßig. Auch die Verkabelung ist schön sauber in Kabelkanälen verlegt. Den Hertz Mitarbeitern, alle im Sakko und Krawatte, steht dieser Luxus nicht zur Verfügung, nicht mal ein WC gibt es, dafür eine warm und wärmer Heizung. Die liebevolle Halloweendeko mag nicht darüber hinwegtäuschen, dass dies verglichen zu unseren Standards in Österreich oder Deutschland deutlich unter diesen liegt. Alleine, dass man gut 5 Minuten zum nächsten WC über einen Parkplatz gehen muss, ist ein Unding für den Mitarbeiter. Diese sind übrigens sehr freundlich und hilfsbereit.

Reisetipp: die ausgedruckten Mietwagenunterlagen vom ÖAMTC/ADAC helfen ungemein dabei, das zu bekommen, was man gebucht hat. Zu gerne wird noch eine Versicherung angeboten, die man nicht braucht, weil man ja „full coverage“, also Vollkasko bereits mit gebucht hat. Für gute Reiseplaner gibt es noch die Option bei manchen Verleihern (z.B Enterprise), einen Tank im Vorhinein zu günstigen Konditionen zu kaufen und dann quasi leer zu retounieren. Die Verleiher rechnen natürlich damit, dass man sich nicht traut, den Tank völlig leer zu fahren, und machen so einiges an Gewinn. Allerdings erinnere ich mich an die Augen des einen Mitarbeiters, als wir vor Jahren mal diese Option gezogen hatten und einen VW Touran mit einer Restreichweite von 1.2 Meilen laut Anzeige am Hof angestellt hatten. Zuggebermaßen mit einem mulmigen Gefühl im Magen auf meiner Seite, da jede Ampel am Flughafen da zum Roulette wird.

Ich bekam einen Kia Ceed Kombi, welcher einerseits eine Beule vorne links hatte (diese war schon aufgenommen) und andererseits eine recht gute Ausstattung. Neben Sitzheizung die mir von meinen Hyundais bekannte Lenkradheizung (welche nach einem kalten Skitag durchaus ein sehr schönes Feature ist). Navi haben mittlerweile diese Autos als Standardausstattung verbaut, brauche ich aber nicht, weil ich meine Routen bereits zu Hause auf Google Maps geplant hatte und nun via Android Auto aufs Auto übertragen kann. Funktioniert wunderbar. Beim Einräumen des Autos beginnt es leider zu regnen. Regen wird mich nun in den nächsten 14 Tagen in allen Formen und aus allen Richtungen begleiten...

Der Mietwagenstandort hat nun einen weiteren Vorteil: nach zwei Kreisverkehren ist man auf der M56 westbound.

Reisetipp und Exkurs: das Britische Straßenwesen (oder die Tortur für unüberlegte Autofahrer).

Es gibt wie bei uns auch verschiedene Straßenarten: M, A und B, es gilt ausnahmslos Linksverkehr.

M: Motorway, also Autobahn. Hier gilt 70 mph (außer es gibt ein mittels Überkopfwegweiser signalisiertes variables Speedlimit). Diese Straßen sind größtenteils mautfrei, Brücken, Tunnel oder ballungsnahe Autobahnabschnitte können bemautet sein. Die Autobahnen sind gut beschildert, können beleuchtet sein.

A: entspricht entweder einer Schnellstraße oder Bundesstraßen, je nachdem wie sie ausgebaut sind. Und das geht nach Region von mehrspurigen Straßen, Straßen mit getrennten Fahrbahnen (dual carriage ways - autobahnähnlich) bis hin zum einspurigen Straße mit Ausweichmöglichkeiten (z.B in den schottischen Highlands). Bei normalen Straßen außerorts gilt 60 mph, bei dual carriage ways wiederum 70 mph. Nur im Gegensatz zu den Autobahnen sind diese Straßen weder kreuzungsfrei noch sind verschiedene Verkehrsteilnehmer von deren Benutzung ausgeschlossen. Dies bedeutet, dass man hier mit Radfahrern, Fußgängern, landwirtschaftlichen Nutzfahrzeugen, Kuh- und Schafsherden, Reitern und Kutschen konfrontiert ist. Nicht kreuzungsfrei bedeutet, dass es Kreisverkehre, Kreuzungen, Zebrastreifen und alles mögliche gibt, was sich einfallsreiche Briten halt so einfallen lassen.

B: entspricht in etwa Landesstraßen. Und diese können wie eine gute A-road ausgebaut sein, oder zum Feldweg mutieren - meist mit Hecken links und rechts und schlechter Sicht. Fahren auf halbe Sicht oder noch langsamer ist durchaus angebracht, obwohl hier halsbrecherische 60 mph erlaubt wären.

Die Straße ohne Namen (nach google maps): die Königskategorie für leidenfähige, todesmutige und verwegene Automobilisten (die „Streif des Autofahrens“): hier fährt nicht nur alles (auch der Linienbus, wenn es sein muss), auch sind diese Straßen manchmal ein Flickwerk, sodass man nicht zu schnell unterwegs sein sollte, auch wenn wiederum 60 mph erlaubt wären. Es ist nicht ratsam. Gegebenenfalls kann man sein Auto dort auch in einem Schlagloch versenken – und Tor schreien.

Die Geschwindigkeitlimits werden durchaus überwacht. Es gibt angeschriebene Radarfallen, aber auch „average speed checks“, das was bei uns landläufig unter „section control“ (sic!) bekannt ist. Zuzüglich gibt es noch Radarpistolen und Radarfahrzeuge.
Innerorts gilt, je nach Region manchmal 30 mph, oder 20 mph. Wales hat flächendeckend seit einigen Jahren 20 mph. Vor Schulen sind Schilder angebracht, wenn das Siganllicht blinkt, gilt dort 20 mph, sonst ggf. 30.

Sollte das Navi eine Abkürzung vorschlagen, ist Vorsicht geboten. Zu schnell landet man auf einer schlechten B-road oder auf einer dieser „Straßen ohne Namen“, sodass zwar der Weg kürzer, aber auch anspruchsvoller und jedenfalls kaum schneller wird. Nur die grauen Haare werden mehr, wenn man sich wegen des entgegenkommenden landwirtschaftlichen Nutzfahrzeuges in die Büsche schmeißen darf.

Was ich aber an den britischen Straßen mag – die gut reflektierenden Katzenaugen. Genau so wie die Tatsache, dass der durchschnittliche Brite ein sehr höflicher im Straßenverkehr ist.

Alles klar?

Kommen wir nun zu unserer gut ausgebauten M56. Es ist später Nachmittag und von 70 mph kann ich nur träumen, denn der Verkehr ist sehr dicht und 40 sind das höchste der Gefühle, auch wenn die Überkopfwegweiser motivierende 50 signalisieren. Bei der nächsten Abfahrt geht es auch schon auf die A556, die jedoch ein gut ausgebauter dual carriageway ist und dementsprechend 70 mph erlauben würden. Diese sind aber nicht fahrbar, zu viel Verkehr... Kurz darauf geht es auf die M6 southbound. Auch hier könnte man 70 fahren – allerdings behindern mehrere Unfälle in weiterer Folge das Vorankommen erheblich. Und so werden aus kurzen eineinhalb Fahrstunden schnell mehr als das doppelte, immer wieder mit Stillstand und langsamen 5 mph Abschnitten. Vor Birmingham muss man wiederum aufpassen, auf der M6 zu bleiben (M6 for M5), um nicht auf die mautpflichtige M6-toll zu gelangen. Die M6 geht relativ unspektakulär in die M5 unter, der Ballungsraum Birmingham-Wolverhampthon lässt aber den Verkehr sehr dicht sein. Weiter im Kollonnenverkehr, bis ich endlich auf die A456 abzweige, die wiederum ein dual carrigeway ist und weniger Verkehrsauslastung aufweist. Nach wenigen Meilen muss ich noch geplant umdrehen, weil das Hotel bei Hagley keine direkte Zufahrt besitzt. Aber immerhin, ich bin wohlbehalten angekommen, ohne Verfahren und das, obwohl zum ersten Mal alleine unterwegs war. Sonst ist die Bessere Hälfte ja die Navigationsunterstützung. Ziemlich fertig komme ich auf das Zimmer, welches im ersten Stock liegt. Leider hat das Hotel keinen Lift, sodass ich mein Gepäck noch ins Zimmer tragen muss. Die Zimmer in den Premier Inns sind einigermaßen gut ausgestattet, haben meist eine Badewanne und es gibt ein gratis Wlan. Gleich daneben gibt es ein Pub, sodass ich hier beschließe, mein Abendessen zu mir zu nehmen. Ich mag heute nicht mehr fahren, zu lang bin ich heute herumgesessen, ob im Bus, im Flieger oder im Auto. Letztlich bin ich fix und fertig und freue mich einfach nur mehr auf meine Dusche, Zähneputzen und das Bett. Nach dem Anruf zuhause und bei meinen Eltern, die anfangs an meiner Intention, so eine Reise zu machen, schwerst gezweifelt hatten, liege ich zufrieden im Bett und scrolle durch die Homepage der Museumsbahn, die ich morgen besuchen will. Allerdings ist das Einschlafen wiederum so eine Sache: haben wir ja gerade auf die Winterzeit zuhause umgestellt, gewinne ich jetzt noch eine Stunde. Fällt mir das Wechseln von Sommer- auf Winterzeit und umgekehrt schon schwer, wird es nun noch etwas schwerer. Denn ich bin ja nun zwei Stunden daneben.
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Re: Fairlie Welsh

Beitrag von Dachstein »

Tag 2, Freitag. 31. Oktober 2025 : normalspurig durch das Severn Valley

Um 7 Uhr meiner inneren Uhr bin ich munter. Einziger kleiner Schönheitsfehler: hier ist es 5 Uhr. Und die Briten sind ein Volk, welches eher spät aufsteht. Was tun, also mit dem angebrochenen Morgen? Munter bin ich, und zwar so, dass ich sicher nimmer einschlafe. Ein Heißgetränk wird fällig – und das ist wiederum was schönes: nahezu jede Unterkunft hat einen Teekocher, Teetassen, Tee, Kaffee, Zucker und Milch am Zimmer. Und so setze ich mir zu früher Morgenstund einen PG tea auf. Generell bin ich etwas dehydriert, hatte ich gestern wohl zu wenig getrunken. Gottseidank hatte ich am Flughafen bei WH Smith zwei Flaschen Mineral eingekauft, denn das Wasser in weiten Teilen von England schmeckt wie aus dem Schimmbad. Das Wasser in Wales und Schottland hingegen ist deutlich besser. Frühstück hatte ich für 8 Uhr gebucht, also Zeit genug um ausgiebig zu duschen und noch zwei Tee zu trinken.

Das Britische Frühstück ist ja so eine Sache an sich. Nach wenigen Tagen hängt es einem zum Hals raus, überall bekommt man Bohnen, Tomaten, Champignons, Bratwurst, Blutwurst, Kartoffelpuffer und jede Menge Toast, dazu Schwarztee, andere Teesorten oder Kaffeevarianten, wobei ich hier gerne auf einen doppelten Espresso setze. Die mitteleuropäische Brotkultur hat hier noch nicht Einzug gehalten. Und so werde ich mich in den kommenden Tagen eher mit einem kontinentalen Frühstück begnügen, da ich sonst für das Tagesprogramm deutlich zu träge sein werde – die postprandeale Leistungsdepression (aka. Fressnarkose) schlägt schnell zu und ist hier wie auch auf der Baustelle nicht das Gelbe vom Ei. Und so komme ich in Kidderminster am Bahnhof Kidderminster der Severn Valley Railway an. Ein eigenes Wiki zur Bahn gefällig? KLICK!

Die normalspurige Museumsbahn gehört zu den Großen in der Branche, hat eine Streckenlänge von stattlichen 16 Meilen (26 km), verkehrt zwischen Städten Kidderminster und Bridgnorth und wird Dampfloks und Dieselloks sowie Dieseltriebwagen betrieben. In Kidderminster hat die Strecke Anschluss an das nationale Eisenbahnnetz, dazu existiert auch eine Gleisverbindung, womit auch Gastfahrzeuge einfach zugeführt werden können. Kürzlich war auch der Flying Scotsman auf der Strecke zu Gast.

Wie bei nahezu allen Museums- und Touristikbahnen ist die Infrastruktur ausgesprochen gut ausgebaut. Das beginnt schon beim Parken. Zwar gebührenpflichtig (4 Pfund am Tag), aber gut ausgeschildert und gut befestigt.

Reisetipp: fotografiere dein Kennzeichen mit dem Handy, wenn du einen Leihwagen hast. Am Kassenautomat muss das Kennzeichen eingegeben werden, die Parkplätze sind videoüberwacht und registrieren jede Ein- und Ausfahrt. Am Ticket wird das Kennzeichen aufgedruckt, sodass auch Parkwächter einfach kontrollieren können, ob hier Missbrauch betrieben wird. Und die Strafen sind durchaus empfindlich.

Die weitere Infrastruktur vom Bahnhof Kidderminster besteht aus mehreren Shops, einem Restaurant/Pub in der Bahnhofshalle, einem Cafe, einem Museum, den Fahrkartenschaltern und WC Anlagen, die auch behindertengerecht sind. All das untergebracht in einem schicken Bahnhofsgebäude aus Backstein.

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Am Schalter orderte ich ein „Freedome of the line“ Ticket, also die Flatrate für den Tag, die mit etwas unter 30 Pfund am Schalter zu Buche schlägt – gezahlt kann selbstverständlich bargeldlos werden. Mit diesem Ticket kann man so oft ein und aussteigen wie man will und so oft hin und her fahren wie man möchte. An meinem Besuchstag waren drei Züge im Einsatz (in der Hochsaison wären es deutlich mehr), sodass die Unterbrechungsmöglichkeiten etwas beschränkt waren, jedoch es immer noch genug zu sehen gab.
Heute im Einsatz waren die:
GWR Pannier Tank No. 7714, BR 4MT No 75069,
Class 108 Dieseltriebzug.
Genug Spaß für den Eisenbahnfreund. Der heutige Tag war als Brückentag angelegt und es ging bei der SVR hauptsächlich ums Mitfahren, weniger um das Fotografieren. Dazu hatte ich zu wenig Zeit und andererseits in den nächsten Tagen sollte es ja noch unmäßig viele Möglichkeiten von „lineside photography“ geben.

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Bei der Ausfahrt aus Kidderminster, die gen Süden erfolgt, obwohl die Strecke letztlich nach norden führt, fährt man am Depot der Dieselsektion der SVR vorbei. Und schnell zeigt sich: hier steht ordentlich Power am Hof und gibt schon einen kleinen Eindruck, dass die Bahn zu den Großen der Branche gehört. Die Strecke führt danach nach Westen und wendet sich letztlich nach Norden. In gemächlichem Tempo werden die Bahnhöfe Brewdley und Arley passiert, dann wird Highley erreicht.

Weil Halloween gerade im Aufziehen ist und man auch ein bisschen davon profitieren will, gibt es sogenannte Halloween Specials. Und dazu wird auch die Strecke, die Bahnhöfe und das Rollmaterial entsprechend dekoriert und zwar mit viel Liebe und auch Selbsthumor.

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In Hampton Loade hat die Hexe einstweilen eine Bruchlandung eingelegt.

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Die Permanent Way Gang war auch schon mal besser ernährt und macht deswegen ein Päuschen – der Lieferdienst hat aber wohl die Lokalität der Pause nicht gefunden und so scheinen die Herrschaften wohl etwas vom Fleisch gefallen.

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Und in Arley gibt es direkten Anschluss zur Hölle. Alle Fotos wurden im Vorbeifahren gemacht, Zeit zum Aussteigen hatte ich (leider) keine. Nahezu alle Stationen wären grundsätzlich einen Besuch für sich wert. Das nächste Mal dann.

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Der erste Fahrtunterbrechung findet in Highley statt, hier fährt die 4MT 75096 ein. Der Lokführer beugt sich bereits aus dem Führerhaus und hält den Ring mit dem Token, dem sogenannten Streckenpfand in der Hand, welches dann der Bahnhofsbedienstete entgegennimmt und dem nächsten südwärts fahrenden Zug mitgibt. Pro Streckenabschnitt gibt es nur einen einzigen Token, der Zug, der ihn hat, darf den Streckenabschnitt befahren, alle anderen Züge dürfen in diesen Streckenabschnitt nicht einfahren.

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Die Class 108 DMU hat nun den Token vom Stationmaster bekommen und darf nun in den südlich von Highley liegenden Streckenabschnitt nach Arley einfahren. Dabei passiert sie rechter Hand die Besonderheit von Highley – das Engine House and Visitor Center, von dessen Eingangsbereich die aus Highley ausfahrende Class 108 DMU (Diesel Multiple Unit) fotografiert wurde.

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Verstecken manche Museumsbahnen ihre abgestellten Lokomotiven, macht es die SVR anders und hat in Highley eine eigene Ausstellungshalle gebaut. Eben das Engine House. Und das Ausgestellte ist im wahrsten Sinne des Wortes Highl(e)y interesting.

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Als erstes fällt die mustergültig restaurierte London Transport Pannier Tank No 5764 ins Auge. Auch auffällig, neben der üblichen Halloween Dekoration wird bereits an der Weihnachtszeit gearbeitet. Und wenn es etwas gibt, was Familien anzieht, so sind das die „Santa Specials“ neben den „Halloween Specials“.

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Am Nebengleis steht die LMS Ivatt Class 2 MT No 46443. MT steht für mixed traffic, also ein wahres Mädchen für alles im untergeordneten Verkehr auf Haupt- und Nebenbahnen. Ansonsten gibt es noch P (Passenger) und F (Freight)

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Eine Hausnummer größer ist dann die War Department Austerity No 600, Gordon der Longmoore Minitary Railway. Ein mächtiger 1E Kuppler (von Robert Riddles konstruiert), der als Spezialität eine spurkranzlose Treinräder auf der Treibachse besitzt. Auf ein ähnliches Fahrwerk setzte Robert Riddles auch bei seiner erfolgreichen, aber sehr kurzlebigen BR Standard Class 9F (Spitzname Spaceship), die als Nachfolgebauart angesehen werden kann und wohl die außergewöhnlichste und erfolgreichste Dampflokomomitivkonstruktion in Großbritannien war.

Warum dies? Wir entsinnen uns, wenn wir an außergewöhnliche Lokomotiven denken, so denken wir an Sir Nigel Gresley's A3 und A4, von welchen die Mallard ja nach wie vor den Geschwindigkeitsrekord für Dampfloks hält. Was macht nun ausgerechnet einen schweren 1E Kuppler, der für den Güterverkehr (daher auch F für freight) ausgelegt ist, so besonders? Alles! Riddles musste eine Lok bauen, die für den schweren Güterzugdienst tauglich war, gleichzeitig sollte die Maschine brennstoffeffizent sein und auf Dockanlagen enge Bogenradien von nur 120m meistern. So wollte es das Lastenheft. Und so griff Riddles in die Fahrwerkstrickkiste – die Treibachse wurde spurkranzlos ausgeführt, die erste und fünfte Kuppelachse hatten geschwächte Spurkränze. Dazu bekam die im vergleich zu anderen britischen Maschinen eher grobschlächtige Lok eine große Verdampfungsfläche und natürlich einen Überhitzer. Und die Konstruktion bewährte sich außerordentlich gut. So waren schwere Güterzüge für die 9F kein Problem - Riddles sollte eine Lok bauen, die 914 Tonnen Anhängelast befördern konnte, jedoch konnte die 9F diese Leistung mit Leichtigkeit deutlich übertreffen. So zog die 9F 92 203 (Taufname Black Prince) im September 1982, also zu jener Zeit, wo die Lok schon lange Museumlok war, einen Güterzug mit 2178 Tonnen. Und auch im Personenzugverkehr machte die 9F keine schlechte Figur und Gresleys A3 und A4 Konkurrenz. So musste in Ermangelung einer Schnellzugdampflok eine 9F einen hochwertigen Schnellzug von Grantham nach London King's Cross bespannen. Ein Eisenbahnfreund an Bord des Zuges stoppte mit einer Stoppuhr und den Hektometersteinen die Geschwindigkeit des Zuges. Der Lokführer wurde nach der Fahrt in die Lokleitung bestellt und mit den Worten „You were only supposed to keep time, not to break the bloody sound barrier!“ („Sie waren angehalten, den Fahrplan zu halten, nicht die verdammte Schallmauer zu durchbrechen!“) etwas zurechtgewiesen. Der Lokführer entgegnete, dass die Lok keinen Tachografen hatte und er so schnell fuhr, so lange die Maschine ruhig lief und sich Lok, Heizer und er wohlfühlten. Der Zug überschritt dabei mehrfach 90 Meilen pro Stunde, was 145 km/h sind. Dies bedeutet, dass sich aufgrund des kleinen Raddurchmessers die Räder der 9F mehr als 8 mal pro Sekunde drehen mussten. Als Krönung waren die Loks bei Hochgeschwindigkeitsfahrten brennstofffeffizienter als die ebenfalls modernen Baureihe 7P Britannia. Leider währte der außerordentliche Erfolg der 9F nur kurz – zu spät waren sie geliefert worden und bereits wenige Jahre nach ihrer Indienststellung wurden die 251 Stück auch schon wieder ausgemustert. Die Dieseltraktion hatte gesiegt.

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Neun 9F blieben der Nachwelt erhalten, so auch die letztgebaute Lok 92220 mit dem Taufnamen „Evening Star“, welche nur fünf Jahre im Betriebseinsatz war und seit 1965 Museumslokomotive ist und nun der National Collection angehört und im National Railway Museum in York ausgestellt ist, das Foto stammt von meinem letzten Besuch im Jahr 2019 . Leider ist keine 9F mehr mainline registered. Dies hat technische Gründe, da die Laufflächen spurkranzlosen Treibräder breiter als jene mit Spurkränzen sind, um jederzeit Kontakt zum Schienenkopf zu haben. Leider liegen bei modernen Weichen die Radlenker höher, sodass die Gefahr der Kollision der Lauffläche mit den Radlenkern besteht. Dadurch sind Schäden an Weiche, Laufflächen als auch Entgleisungen möglich.

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Neben Gordon haben auch noch die The Lady Armaghdale im Vordergrund und die Small Prairie No 4566 ihren Platz gefunden.

Alle diese Lokomotiven sind momentan nicht betriebsfähig, können aber während der Öffnungszeiten der Bahn besichtigt werden. Zusätzlich zum ausgestellten Rollmaterial gibt es im Engine House noch, wechselnde Ausstellungen, ein Cafe im Obergeschoss, einem Shop, eine große Terrasse sowie einen Kinderspielplatz.

Nach der Besichtigung ging ich wieder wie wenigen Schritte zurück zum Bahnhof, um den nächsten Zug nach Bridgenorth zu nehmen. Nachdem uns eine Pannier Tank bis Highley gebracht hat, wird nun BR 4MT No 75069 den Zug nach Bridgenorth bespannen. Dort ist der nächste Stopp geplant.

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Dank eines Freundes wusste ich, in Bridgnorth gibt es nicht nur einen schönen Bahnhof einer Museumsbahn, sondern auch die Bridgenorth Cliff Railway, welche den Castle Hill mit dem Stadtteil an Severn verbindet. Die technischen Daten können in der verlinkten Homepage der Cliffrail abgerufen werden. Nachdem ich also den kurzen Fußmarsch zum Talstation absolviert hatte, musste ich feststellen, dass die Strecke kaum fotografierbar ist. Schade, ist aber bei anderen Cliffrails auch so. Die Fahrt ist kurz; die Bahn wird auch von der Bevölkerung als Transportmittel gut angenommen. Oben an der Bergstation genehmige ich mir im angrenzenden Cafe einen Kaffee und ein Stück Kuchen (ich bin ja seit 5 munter und es ist mittlerweile 14 Uhr) und beschließe nach der kurzen Rast über die Highstreet zum Bahnhof zurückzugehen.

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Dort angekommen wartet die bereits bekannte 4MT auf die letzte Fahrt des Tages. Erfreulicherweise in der Bellingrodtstellung da stehend, macht ein Regenschauer den kurzen Sonnenschein auch schon wieder zu Nichte. Und nun muss eine Entscheidung getroffen werden – Dampfzug oder Dieseltriebwagen? Der Dieseltriebwagen wird um eine Stunde eher in Kidderminster zurück sein und ich habe ja auch noch 2 Stunden Autofahrt vor mir; und so entscheide ich mich gegen den Dampfzug und für die zeitsparendere Alternative.

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Und so bringt mich der hier in Bridgnorth einfahrende Triebwagenzug der Class108 zurück nach Kidderminster. Nachdem mir langsam aber sicher die Wasservorräte zur Neige gehen, kaufe ich mir noch zwei 0.5l Flaschen Wasser im Bahnhof von Kidderminster, falls auf der anschließenden Fahrt noch etwas schief gehen sollte und ich wider Erwarten keinen Supermarkt finden sollte. Diese Angst erweist sich als unbegründet, da die M5 südwärts wegen eines Unfalls gesperrt ist. Die alternative Route führt mich nun bei einbrechender Dunkelheit durchs Gemüse, dafür aber an einem Tesco Superstore vorbei, wo ich mich mit 6 2l Flaschen Trinkwasser, Keksen, Bananen, Brot und sonstigem Essbaren eindecke – eine Jause bei den Fotozügen in den folgenden Tagen wird nicht schlecht sein und bei der nächsten Eisenbahn ist am Endbahnhof außer ein kleines Stationsgebäude viel Landschaft und sonst nichts.

Fast blind nun dem Navi vertrauend und die Autobahn umfahrend (die Kompassrose am Armaturenbrett weist in die richtige Richtung) fahre ich nun nach Südwesten, hinein nach Wales. So manchen Abschneider, den mir das Navi vorschlägt, lasse ich aus und nehme eine Meile Umweg in Kauf – lieber auf der B-road bleiben als wie die Straße ohne Namen (aber mit Schlaglöchern (oder Kratern)) ausfassen. Auch wenn ich Vollkasko habe, der Mobilfunkempfang ist in so manchen Landesteilen etwas, sagen wir homöopathisch und im Falle einer Panne kann man ganz gut wetten, dort liegen zu bleiben, wo es keine Mobilfunkabdeckung gibt (Murphy's Law). Irgendwann habe ich es dann geschafft – die A40, die hier vierspurige London to Fishguad Trunk road ist erreicht. Sie ist eine der wichtigsten Straßen in Südwales, verbindet sie den Fährhafen Fishguard (walisisch Abergwaun) in Pembrokeshire mit London. Und so ganz nebenbei führt sie auch an Merthyr Tydfil, dem Geburtsort der dampfbetriebenen Eisenbahn, vorbei. Hier zweige ich wieder nach Süden auf die A4060 ab, die ich in Pentrebach, einem Vorort von Merthyr Tydfil wieder verlasse. Gleich hier ist das zweite Hotel angesiedelt, welches ich ziemlich müde um etwa 19 Uhr Ortszeit erreiche. Landestypisch gestaltet sich das Wetter – traditional liquid welsh darkness duscht mich noch beim Ausladen, dazu weht eine steife Brise (was mich an Asterix bei den Briten erinnert: „Möge und ein günstiger Wind wehen!“). Der Check In funktioniert schnell und reibungslos, das Personal ist freundlich, wieder darf ich jedoch mein Gepäck in den ersten Stock tragen. Aber ich wünsche mir gerade eh nur zwei Dinge – eine Dusche und ein warmes Essen. Beides wird schnell ermöglicht – das Checkinpersonal reserviert mir freundlicherweise einen Tisch im benachbarten Pub, wo ich wenig später „geduscht, geschnäuzt und gekampelt“ erscheine, von der Kellnerin zum Tisch gebracht werde (was durchaus üblich ist) und einen steak and ale pie mit mush und peas (ein typisch britisches Pub Classic, wenn man so will) bestelle.

Am Nebentisch sitzt einstweilen eine Gruppe Englischsparchige, deren Dialekt eher auf die Midlands schließen lässt als wie auf Südwales, also keine Einheimischen. Und wie es sich schnell herausstellt, sind es auch Eisenbahnfreunde auf der Jagd nach den perfekten Fotos – schnell entwickelt sich ein tischübergreifendes internationales, paneuropäisches Gespräch über, no-na, Eisenbahnen und die Vorfreude auf die kommenden gemeinsamen Tage steigt, sodass wir fast die Zeit übersehen. Um halb 10 gehen wir zurück zum Hotel, wo nun der ganze Checkinbereich voll ist – und dann höre ich es; es wird Deutsch gesprochen, was seitens der Briten mit einem lakonischen: „Oh, Krauts“ quittiert wird. Beim Frühstück muss ich dann erklären, welchen Namen wir Österreicher für unsere deutschen Lieblingsnachbarn haben; und von nun an dürfte die Piefkesaga auch bei manchem Briten bekannt sein, und mit Brachialhumor der gesellschaftskritischen Sorte sollten die Briten spätestens nach der Fernsehserie „Little Britain“, wo einfach jeder und alles durch den Kaokao gezogen wird sowieso umgehen können.

Nach der Abendhygiene und dem Zusammenpacken der morgigen Ausrüstung (Akkus, Speicherkarten, einen kleine Reißverschlusstasche mit Wechselgewand (in froher Erwartung des traditional liquid welsh sunshines!)) falle ich nun ins Bett und schlafe auch vergleichsweise schnell ein. Ein sehr eindrücklicher und intensiver erster Eisenbahntag und zweiter Reisetag ist zu Ende gegangen, ab jetzt geht es hauptsächlich ums Fotografieren, und nicht mehr „nur“ ums Bahnfahren.

Fazit: Die SVR ist einen weiteren Besuch wert. Gerne an einem der Galawochenenden, wo ein dichter Takt mit allem möglichen Rollmaterial gefahren wird. Vermutlich braucht die Bahn in Wirklichkeit 3 bis 4 ganze Tage, um alle ihre Facetten kennenzulernen, nötigsten falls kenne ich ja sogar einen Guide, der die Bahn recht gut kennt und mit dem ich in Kontakt stehe. Auch er ist ein lineside photographer, jedoch gleichzeitig echter Eisenbahner. Summa Summarum, ein weiteres Ziel für die Zukunft, besonders dann, wenn der Fahrplan dicht ist.

Warum findet nun so eine Veranstaltung ausgerechnet im November statt? Im Sommer wäre das Wetter vermutlich stabiler und wärmer... Ganz einfach: weil jetzt die Strecken frei sind und wir nicht mit dem Planverkehr kollidieren. Es herrscht Winterpause, die Strecken sind aber noch aus der Sommersaison betriebsbereit. Und das machen sich dann Leute wie wir zu Nutze.
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Re: Fairlie Welsh

Beitrag von Dachstein »

Tag 3, 1. November 2025; Tag 1 der Photocharter – narrow gauge in the american way of life

Einleitung mit ein bisschen Bahnhistorie

Die Region um Merthyr Tydfil ist voll von Geschichte und Geschichten. Die Region war eine der Kernregionen der Industriellen Revolution, gab es große Kohleminen und Stahlwerke, hier erfand Richard Travithick die erste Dampflok, hier ereignete sich aber auch 1966 mit dem Katastrophe von Aberfan in der Merthyr Vale Colliery einer der größten Haldenrutsche (über hunderttausend Kubikmeter Abraum der Halde 7 (welche überdies unsachgemäß angelegt worden war) des Bergwerks rutschten nach tagelangen Regenfällen ab und begruben Teile des Dorfes Aberfan) der neueren Zeit, der 144 Menschenleben (darunter 116 Kinder einer Schule) forderte.

Und weil die Region intensiv industriell genutzt wurde, blieben auch sehr viele Relikte erhalten. Vielfach findet man alte Dämme, Brücken und Tunnel, die einst von den verschiedenen Eisenbahnen genutzt wurden und nun brach liegen oder zu Wander- und/oder Radwegen umfunktioniert wurden. Nur mehr die zur Nebenbahn verkommenen Strecke nach Cardiff ist erhalten und wird vom TfW (Transport for Wales) betrieben. Der Rest der Strecken wurde stillgelegt und rückgebaut. Und so auch der Großteil der für uns nun maßgeblichen Brecon and Merthyr Tydfil Junction Railway, welche die Strecke von Newport im Süden über Merthyr Tydfil nach Norden über Torpantau Richtung Talyllyn Junction und Brecon betrieb. Die Strecke, deren erster Streckenteil von Brecon und Pant bereits 1863 eröffnet wurde, war einerseits für die regionalen Erzeugnisse wichtig, andererseits war die B&MR vergleichsweise knapp bei Kasse, sodass die Bahngesellschaft im Grouping von 1922 von der Great Western Railway (einer der „four big“) übernommen wurde. Die 4 großen Gesellschaften gingen 1948 wiederum in den British Railways auf, sodass die Strecke nun in staatlichen Eigentum stand. Die Strecke hatte einige betriebliche Besonderheiten, verfügte sie mit dem Torpantau Tunnel den höchstgelegenen normalspurigen Bahntunnel auf den britischen Inseln und weist weist von Pant nach Torpantau die größte Steigung im Netz der British Railways auf.
Das britische Eisenbahnnetz war aufgrund der verschiedenen Gesellschaften sehr dicht und entsprechend kostenintensiv, sodass Dr. Richard Beeching mit der Analyse des Netzes beauftragt wurde (die Kosten für Modernisierung und Instandhaltungen explodierten in dieser Zeit und die Verantwortlichen suchten nun eine radikale Lösung für diese Probleme) – heraus kam der Bericht mit dem Namen „The Reshaping of the British Railways“, landläufig unter dem Begriff „Beeching Axe, Beeching Bombshell oder Beeching Cuts“ bekannt wurde und eine Stilllegung von etwa 29000 Kilometer Strecke vor allem im ländlichen Raum stillzulegen, viele andere Strecken nur mehr im Güterverkehr zu betreiben und wenig frequentierte Bahnhöfe stillzulegen. Unterm Strich bedeutete dieser Plan, der auch teilweise umgesetzt wurde, einen massiven Eingriff in die Bahninfrastruktur und einen Schlag, von dem sich das Netz bis heute nicht erholt hat (und dann kam erst die Privatisierung!). Letztlich erwiesen sich die Einschnitte im Netz als nicht zielführend und verfehlten ihr Ziel. Der Schaden war jedoch bereits angerichtet und bis heute nicht behoben...
Ironischerweise – hätte es die Beeching Axe nicht gegeben, gäbe es die Museumsbahn, die nun vorgestellt wird, nicht.

Die Geschichte der neuen Brecon Montain Railway (in stark eingekürzter Form), die Langform gibt es HIER auf der Seite der BMR

Die (neue und nun schmalspurige) Brecon Mountain Railway, kurz BMR wurde etwa Mitte der 1970er Jahre gegründet. Tony Hills war ein Eisenbahnfreund welcher Lokomotiven und Wagen ankaufte und sie in Gilfach Ddu (Llanberis Lake Railway) lagerte.
1977 konnte er fünf Meilen der mittlerweile stillgelegten und abgetragenen Brecon & Merthyr Railway von Pant bei Merthyr Tydfil nordwärts kaufen und brachte seine Sammlung dorthin, von wo auch nun der Streckenbau der neuen der Brecon Mountain Railway ende der 1970er Jahre begann. 1980 wurde bis Pontsticill die Strecke nach dem Light Railway Act konzessioniert und im Frühsommer dem Touristenverkehr übergeben. Nach und nach entwickelte sich eine prosperierende Touristikbahn. Etliche Verbesserungen wurden vorgenommen, so erhielt der Bahnhof Pant einen vergleichsweise großen Bahnhofs- und Werkstättenkomplex mit Shop, Wartebereich und Cafe und eine Bersuchergallerie für die Werkstätte
Danach wurde die Strecke bis Dol-y-Gaer verlängert. Der Grund für die vergleichsweise langsame Entwicklung des Streckenausbaues lag im gleichzeitigen Bau des Kanaltunnels, welches einen Großteil des Schienenmaterials band und die Preise dafür in die Höhe trieb. Nach der Jahrtausendwende wurde die Strecke bis Torpantau verlängert und endet seit dem dort in einem kleinen Bahnhof mit Wartehütte und Umfahrmöglichkeit.
Große Streckenteile befinden sich im Nationalpark (Bannau Brycheiniog (Brecon Beakons), sodass der Streckenbau in einer sehr sensiblen Umgebung stattfinden musste.

Die aktuellen Fahrzeuge der BMR
Die Geschichte ist prototypisch für so manche Museumsbahn auf der Erde, die Fahrzeuge sind es jedoch nicht. Der Fuhrpark besteht hauptsächlich aus amerikanischen Fahrzeugen, davon momentan zwei 1C1 Schlepptenderloks von Baldwin, No1 (Santa Theresa) und No2. Dazu gibt es noch eine aus Baguley Drewry Teilen selbst zusammengebaute Stangendiesellok und eine TY7 (TU7). Im Museum selber stehen noch eine Quarry Hunslet (Sybyl) und zwei Senkrechtkesselmaschinen (Pendyffryn und Redstone).
Ich verzichte auf die genauen Lokdetails, sie können auch der Homepage der Bahn nachgelesen werden.

Der Tag beginnt...

...mal wieder viel zu früh. Ging ich gut satt und spät ins Bett, schmeißt mich mein innerer Wecke um 5:15 aus dem Bett. Das Gefühl sagt – scheiße, verschlafen. Zu spät im Büro, der geologische Tagesbericht muss raus, das Gehirn funktioniert offenbar noch gar nicht und ich befinde mich in einem Status der völligen geistigen Omnachtung. Ich stehe auf, gehe am Bett nach links zum WC, welches sich in meiner Dienstunterkunft exakt dort befindet. Rums, der Schreibtisch grüßt meine kleine Zehe mit seinem zugehörigen Schreibtischsessel. Autsch, jetzt bin ich munter, entsinne mich, nicht in der Arbeit zu sein, sondern in Pentrebach. Licht einschalten wäre eine gute Idee.... Wo war nochmal der Schalter, ach ja, da.... Rums, Wand (vermutlich ist nun das ganze Hotel auch munter). Also gut, andere Seite, Bad und Lichtschalter gefunden. Der Schmerz in der Zehe lässt nach, das Wasser zum Frühmorgentee kocht auch schon und munter bin ich nun allemal. Aber wenigstens genug Zeit zum Teetrinken. Ich ziehe die Vorhänge vor, die wirklich gut lichtdicht sind. In den Lichtkegeln der Laterne sehe ich – es regnet. Und zwar so, dass der Regen waagerecht am Fenster vorbeifliegt und nicht den Boden trifft. Gleichzeitig peitscht der Wind das Wasser durch die Lachen. Na das kann ja ein feuchtfröhliches Vergnügen werden, meine Mammut Extreme Eiger ist ja prinzipiell recht gut wasserdicht – ich werde das heute brauchen. Und auch die Kameras müssen da jetzt durch.
Treffpunkt am Bahnhof ist erst um Halb Neun und ich werde vorher noch frühstücken gehen. Und zwar um Halb Acht. Vorher räume ich noch meine Sachen zusammen und verstaue alles im Kofferraum des Autos. Um fünf vor halb Acht trifft mich der Schlag. Mindestens 30 hungrige Eisenbahnfreunde stehen am Eingang zum Restaurant und warten auf den Einlass, der zwar pünktlich beginnt, allerdings das Personal schnell überfordert. Briten frühstücken eher spät und wir sind eher früh dran. Ich begnüge mich mit dem contintal breakfast, will ich doch nicht gleich wieder in die postprandeale Leistungsdepression fallen. Ein doppelter Espresso, ein Glas Osaft, ein Glas Wasser (nicht chlorig, wir sind ja in Wales!) zwei Toasts mit Salzbutter, zwei kleine Croisants und etwas Fruchtsalat mit Joghurt müssen fürs Erste reichen. Hier lerne ich nun auch endlich David kennen – ein eher schmächtiger Mann, etwas schütterem Haar mit roter Haube, kariertem Hemd (dachte, das trägt nur meine Zunft zu den Anlässen, wo alle anderen Krawatte tragen?!) und einem Isle of Man Fleece. Und er ist, wie erwartet, sehr freundlich und wie sich später herausstellen sollte, außerordentlich gut organisiert und hat zusätzlich ein für Fotografen offenes Ohr und eine gesunde Portion trockenen britischen Humor.
Um 8 Uhr gehe ich zum Auto, stecke das Handy an und lasse mich die 10 Minuten zum Bahnhof Pant der BMR navigieren, den ich ohne weiteren Probleme erreiche. Zu regnen hat es freundlicherweise aufgehört; und auch die Bahngesellschaft ist so nett und hat für uns das Cafe am Bahnhof Pant geöffnet und macht gleichzeitig die Ankündigung in Pontsticill, wo wir eine Mittagspause machen werden, ihr Cafe zu öffnen. Man hätte Sandwichs und Gemüsesuppe für uns vorbereitet – ein wirklich guter Extraservice, den wir gerne in Anspruch nehmen.

Für uns heute im Einsatz ist die Lokomotive No2 und die selbstgebaute Diesellok. Während die Diesellok den Zug für die Fotografen führt, hat die Dampflok einen Güterzug am Haken. Doch bevor wir uns dem Fotografieren widmen, widmen wir uns der obligatorischen „health and safety“. Und die ist überaus wichtig. War ich ja auch schon zu Dienstzwecken in Besitz einer Erlaubniskarte zum Betreten des Gefahrenraumes bei Eisenbahnen, weiß ich in etwa, was nun auf mich zukommt, bin mir aber bewusst, dass die Regeln und auch die Signale vom heimischen Territorium abweichen können. In letzter Konsequenz ist es ein Crashkurs für die unbedarften Eisenbahnfotografen (die, die man gerne despektierlich Fuzzis nennt) und nicht für Leute, die dienstlich schon mit dem Thema Gefahren im Bahnbetrieb und auf Gleisanlagen zu tun hatten. Den mir aus alten Schulungen bekannten Wissensteil mit Oberleitung kann ich gleich mal für mich abhaken, es gibt hier ja keine und wird folglich hier auch nicht abgehandelt. Ansonsten ist es das übliche: das loadinggauge (Lichtraumprofil) wird kurz erörtert (und dort sollte man nicht stehen), wann die Fotoposition gleiswärts verlassen werden darf (erst dann, wenn die Zugfahrt beendet ist und der sicherste Betriebszustand hergestellt ist (=Stillstand), wo man hinsteigen soll (und vor Allem wohin nicht – Holzschwellen und Schienenköpfe können bei feuchter Witterung sehr rutschig sein – aber hey, hier in Wales gibt’s so was wie Regen ja eh nicht, sondern nur traditional liquid welsh sunshine – von dem man übrigens keinen Sonnenbrand kriegt und sollte man doch braun werden, ist es Rost), dass man Weichenbereiche meiden sollte und ja nicht zwischen Weichenzungen oder auf Gleitstühle steigt, die Stellstangen (ja, die Weichen haben teilweise Spitzenverschlüsse, bei denen die Stellstange mittels Bolzenverschlusses verriegelt wird!), die zum groundframe führen, nicht beschädigt) wer der nötige Ansprechpartner in Sicherheitsfragen (SiPo (Sicherungsposten) und SAKra (Sicherheitsaufsichtskraft) gibt es hier heute nicht – jedoch wird David penibel drauf achten, dass sich kein Fotograf wider den Regeln verhält und ggf. entsprechend eingreifen – denn von daheim weiß ich, dass so manche Fotografen ab dem Zeitpunkt, wo sie ihre Kamera am Auge haben, alles um sich vergessen. Und dann wird es gefährlich.) ist, welches Signal mit der Triebfahrzeugpfeife gegeben wird, wenn sich die verstreute Fotografenmeute wieder beim Zug einfinden soll (WICHTIG!!!) und so weiter. Im Grunde habe ich 99% der Infos nun nicht gebraucht, das war mir alles bekannt. Aber jede Auffrischung tut bekanntlich gut und hilft auch gegen den üblichen Schlendrian.

Also dann, Aufsitzen, der Spaß beginnt. Die Diesellok hat zwei Vierachster für uns Fotografen am Haken, Platz genug für alle Mitfahrer. Das Futter geht unter die Bank, vis a vis kommt der Fotorucksack hin. Über einen engen 90 Grad Bogen (Eisenbahnen haben keine Kurven, sondern Bögen und deren Geometrie ist nicht simpel, Stichwort Übergangsbögen , Bogenüberhöhung, und dergleichen! Egal, ich muss ja gottseidank gerade kein Streckenband mit den ganzen Infrastrukturdaten zeichnen, wie ich es für eine österreichische Nebenbahn schon mal musste.) geht es aus dem Bahnhof Pant auf die Strecke.

Nach gut einem Fahrkilometer ist auch schon der erste Fotohalt mit Scheinanfahrten angesagt. Und nun beginnt ein Spiel, welches sich tagtäglich mehrfach immer wieder wiederholt. Alle von Bord. Nur man muss wissen, vielfach sind die Eisenbahnstrecken eingezäunt, und zwar teilweise mit Stacheldraht. Um nun darüber auf die angrenze Weide zu kommen, werden Übertrittleitern mitgeführt. Die Bahngesellschaft hat sich im Vorhinein gekümmert, eine Betretungserlaubnis für die Privatgrundstücke zu bekommen, sodass wir uns legal auf Privatgrund aufhalten dürfen. Es gilt aber: lasse keinen Dreck zurück und mach nichts kaputt.

Nachdem nun in der Landschaft verstreut ist und jeder auch darauf geachtet hat, dass er niemandem im Bild steht, geht es los. David hat ein Funkgerät und gibt den „Abfahrauftrag“. Ein langer Pfiff folgt und kündigt den nun anrollenden Fotogüterzug an.

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Das Lokpersonal indes gibt sein bestes und macht meist ordentlich Dampf; allzuviel Kraft braucht die BMR No2 mit dem kurzen Zug aus Boxcars, Gondola, Flachwagen und Carboose nicht. Es ergibt sich aber schnell ein gutes Bild einer amerikanischen Schmalspurbahn irgendwo in den Rockies oder Appalachen. Und freundlicherweise ist das Wetter zumindest wechselhaft und hat auch etwas Sonne für uns bereit.

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Kurz darauf ist die Sonne aber auch schon wieder weg und es fängt leicht zu Regnen an. Das Lokpersonal gibt wiederum sein bestes und erfüllt den Wunsch nach mehr Dampf vorbildlich. Mit deutlich hörbaren Auspuffschlägen geht es nun in die Steigung nach Pontsticill.

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Hinter Pontsticill am gleichnamigen Stausee windet sich die Strecke auf vergleichsweise großen Bögen – die Strecke war ja mal normalspurig - dem Ufer entlang. Auch hier folgen nun wieder mehrfache Scheinanfahrten, um verschiedene Fotopositionen probieren zu können.

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Wünsche werden gerne erfüllt – mal mit Licht, mal ohne Licht, mal mit mehr Dampf, mal mit offenen Schlammhähnen, Unmögliches wird sofort erledigt, Wunder dauern etwas länger. Aber es wird alles getan, um den Fotografen glücklich zu machen. Und glücklich sind wir.

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Etwas angestrengt blickt der Heizer auf unsere Fotogruppe, die aus fünf Mann besteht und sich dicht an das Schotterbett wagt – wir sind profilfrei, aber hinter uns geht es den Bahndamm runter, und zwar 10 Meter. Unten landen will keiner und die Wiese ist voll mit feuchtem Laub, was gut rutscht. Gute Schuhe sind ein Muss, Bergschuhe, wie ich sie habe, um so besser. Wer Halbschuhe hat, hat auch schon verloren.

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Nächste Scheinanfahrt, jetzt von der anderen Seite, sodass die Fuhr etwas Streiflicht von der Seite bekommt. Mit etwas Weitwinkel bekommt man auch noch die Äste mit dem bunten Blattwerk drauf, was dem Bild einen schönen und natürlichen Rahmen gibt. Wiederum sind wir nahe am Gleis, aber profilfrei. Solche Aktionen gehen nur bei diesen Veranstaltungen. Grundsätzlich ist sonst Betreten des Bahngrundes außer an dafür gekennzeichneten Stellen (Bahnsteige, Eisenbahnkreuzungen) tabu und die Schilder weisen eine Strafe von 1000 Pfund für „trespassing“, also unerlaubtes Betreten des Bahngrundes auf. Und das wird hier übrigens auch rigoros exekutiert, auch bei Museumsbahnen!

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Die Gerätschaft/Schießeisen/Bildermaschinen (wie man die Dinger nun nennen will) liegen bereit und warten auf ihren Einsatz. Beide Kameras könnten nicht verschiedener sein: links die altehrwürdige D800 mit einem 24x36 CMOS Sensor mit immer noch hochauflösenden 36 Megapixel, rechts die brandneue OM Systems OM 1 Mk II mit einem stacked CMOS Halbformatsensor (mft) mit „nur“ 20 Megapixel. Die D800 war seinerzeit ja durchaus als „Pixelschlampe“ verschiehen, setzt sie aufgrund der vergleichsweise hohen Auflösung sauberes Fotografieren voraus. Die kleinste Bewegung beim Fotografieren, und das Bild ist schon ein klein wenig unscharf. Vielfach hielt sich auch die Meinung, solche Kameras wären allenfalls was für das Studio (und diese Leute ahnten nicht, dass Fuji Stand 2026 102 Megapixel Mittelformatkameras im Sortiment führt, die noch höher auflösen, aber genau so portabel wie die D800 sind und bei Landschaftsfotografen durchaus beliebt sind). Der AF ist durchaus flott, die Serienbildgeschwindigkeit mit heißen 4 Bildern in der Sekunde heutzutage lahm. Aber da gibt es ja auch die OM1 als Alternative, die nötigenfalls 120 Bilder (!) in der Sekunde durchzieht, soll der AF nachgeführt werden, schafft die Kamera immer noch 50 Bilder in der Sekunde. Da kommen einem die 10 Bilder pro Sekunde mit dem mechanischen Verschluss ja schon fast lahmarschig vor. Insgesamt sind beide Kameras zusammen eine gute Kombination aus Auflösung und Geschwindigkeit. Funfact: meine originale OM1 aus den 1970er Jahren kann mit dem Winder 2 Bilder, mit dem Motor 5 Bilder durchziehen. Autofocus? Automatische Belichtungsmessung? Gibt es hier nicht. Dafür eine rein mechanische Kamera.

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Ergebnis OM1 MK2

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Ergebnis Nikon D800
Und mit etwas mehr Weitwinkel geht sie Szenerie auch recht gut und mit zwei Kameras in der Hand gehen auch vergleichende Studien – welches Format ist nun besser? 3 zu 2 oder 4 zu 3?
Der Purist unter den Eisenbahnfotografen wird sich nun angewidert abwenden, habe ich doch die nach Carl Bellingrodt benannte Stangenstellung (Kuppelstangen unten) nicht getroffen und daher einen fetten Minuspunkt eingefahren. Meine Ansage an solche Fotografen: interessiert mich nicht – das Foto muss stimmig sein und auch gekreuzte Stangen haben für mich ihren Reiz.

Damit ist der Vormittag auch schon wieder gelaufen, denn die Lok braucht Wasser und wir sind hungrig. Daher werden nun beide Züge auf Sicht in den Bahnhof Pontsticill geschoben, wo die Lok ihre Wasservorräte ergänzt und wir uns die angekündigte Gemüsesuppe (die richtig gut war) mit einer Art Semmel (crusty roll) verspeisen. Auch die Kaffeemaschine ist dienstbereit und wird sofort in Anspruch genommen. Zahlen kann man hier übrigens logischerweise bargeldlos. Man merkt gleich, das Bahnpersonal hat sich viele Gedanken gemacht, wie man mit der ganzen Horde am besten umgeht und uns den Tag versüßt. Danke an der Stelle dafür an das Team der BMR, welches ausschließlich von hauptberuflichen Eisenbahnern besteht. Freiwillige gibt es hier keine. Es folgt nun das entsprechende Pfeifsignal, bedeutet, es geht nun weiter. Der Nachmittag sieht Fotos vor und in Torpantau vor.
Zuerst geht es wieder am Stausee entlang, zuerst noch im Wald, dann lichtet sich der Wald, die Landschaft wird karger. In Hanglage geht es nun nach Torpantau, wo es kurz vor dem Streckenendpunkt eine schöne Fotostelle in der größten Steigung der Strecke gibt.

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BRM No2 zuckelt gemächlich die Steigung hoch und wird gleich die Bahnhofseinfahrt Torpantau erreichen. Grundsätzlich böte sich hier auch ein Drohnenflug an, leider regnet es leicht und es hat auch ordentliche Böen. Heute nicht, morgen vielleicht? Wir werden sehen.

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Schon hat der Zug die Einfahrt erreicht. Links im Bild der „Groundframe“, mit welchem die Bahnhofsweichen gestellt und verriegelt werden. Es erfolgen drei Scheineinfahrten, sodass jeder zu seinem Foto kommt – dies bedeutet, dass die, die ihr Bild im Kasten haben, warten müssen. Jeder soll aber die Chance auf sein Foto bekommen, und weil der Platz hier am Hang eben nur wenige Fotografen verträgt, wird eben durch gewechselt. Geduld braucht es bei solchen Veranstaltung halt auch. Und die Zeit kann man sich mit Fachsimpeln vertreiben.

Der weitere Plan? Zurück nach Pant. Still und heimlich haben hier die Eisenbahner auch die BMR No1, die auf den Namen Santa Teresa hört, angeheizt. Für den späten Nachmittag werden wir also zwei angeheizte Loks zur Verfügung haben. Eine Stunde Licht haben wir ja noch.

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Und so beginnt nun ein kleines Rangierspiel. Zuerst muss die Lok aus dem Heizhausbereich an den Zug, und dann gibt es Scheinausfahrten aus dem Bahnhof Pant. Gleichzeitig wird nun auch das Licht interessanter, aber auch komplexer. Der Sonnenstand ergibt fast eine Gegenlichtsituation (für die, die wissen, wie es geht), und so beginnt nach und nach die ganze Seite der auf Hochglanz polierten Loks zu glänzen. We are chasing glint!

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Nach und nach kommt mehr Sonne durch die Wolken. Dauerfeuer mit den Kameras, und gleich nochmal. Kommt noch mehr Sonne? War es das? Aufgegeben wird erst, wenn es finster ist. Noch ein Versuch.

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Und zwar so, dass der Vorspann aufgelöst wird und die Lok in die untere Heizhausebene gebracht wird. Und nun das Spiel nebeneinander. Oben die No2, unten die No1 Santa Teresa.

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Los geht das Experiment. Licht – interessant. Position, passt. Auf ein Neues! Danke fürs Spitzensignal, liebes Lokpersonal!

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Langsam kommen beide Fahrten näher, und das Licht wird mehr. Das nehmen wir doch gerne! Da kann man sich schlicht nicht beschweren! Ein perfekter Abschluss von diesem ersten Tag der Veranstaltung. Zufrieden gehen wir nun zum Bahnhof Pant zurück, während das Zugpersonal die Züge in den Heizhausbereich rangiert und für den morgigen Tag vorbereitet. Und insgeheim keimt schon die Freude auf morgen auf, denn heute haben wir gesehen, was enthusiastische Eisenbahner und sich brav verhaltende Eisenbahnfotografen alles gemeinsam zu Wege bringen. Eine Menge ziemlich guter Bilder, würde ich mal meinen. Und so möge es bitte auch weiter gehen.

Letztlich verpacke ich meine Ausrüstung wieder in den Kofferraum und fahre die wenigen Meilen zum Hotel zurück. Ab unter die Dusche, die Kamerakkus im Ladegerät an die Steckdose, die Fototasche ausgeräumt und die letzte Feuchtigkeit vom Equipment abgewischt, nachdem ich alles in der Tasche auf Zimmertemperatur gebracht habe. Und auch der Magen knurrt. Also reserviere ich wieder an der Rezeption einen Tisch im benachbarten Restaurant. Heute am Speiseplan, ein Burger. Ich bin der Erste der Truppe, der im Restaurant aufschlägt.
Wenig später lässt sich David mit einigen Reiseteilnehmern nieder. Eine kleine, englische Gruppe. Ein Platz bleibt aber frei. Es sind nur 5 mit David an einem 6er Tisch. Ich habe ja schon gegessen und bin im Begriff zu gehen, da kommt die Frage von David: „Would you like to join us?“ Ja warum denn nicht? Also noch einen Cider bestellt und los geht die Vorstellungsrunde: wer bin ich, was mache ich, warum ist nun ein Jungspund (mit meinen etwas mehr über 40 Jahren zum gegenständlichen Zeitpunkt bin ich deutlich jünger als der Gruppendurchschnitt) hier ist, also die ganze Geschichte, die in der Einleitung nachzulesen ist. Wer das alles vergessen hat, fängt nun wieder von Vorne bei der Einleitung an. ;-)

Interessanterweise ist hier aber kein anderer Deutschsprachiger dabei. Diese Teilnehmer bleiben offenbar lieber unter sich, während ich schnell Anschluss an die Briten gefunden habe. Man attestiert mir auch eine „gute Ausdrucksform in Wort“ wie es im Zeugnis wohl heißen müsste (gut dass ich nicht schreiben muss, das wäre eine Niederlage); auf gut englisch, wir verstehen uns und haben unseren Spaß zusammen. Und genau so funktioniert auch Völkerverständigung. Wir haben zwar alle einen unterschiedlichen Hintergrund, kommen aus verschiedenen Branchen uns sind verschiedenen Alters – wir teilen aber alle die Leidenschaft für Eisenbahnen der Fotografie. Ob nun Nikon, OM Systems, Canon, Fuji, Sony oder whatever vorne draufsteht, völlig egal. Das Bild zählt – und genau dafür werden wir in den nächsten Tagen auch weiter leben und uns gegenseitig unterstützen. Nach nur einem Tag bin ich bei den Briten angekommen.

Ein weiterer Alleinereisender ist Georg. Georg kommt aus NRW, ist in Rente und ist mit seinem PKW von Deutschland angereist. Auch er sieht die Welt, was die Fotografie angeht, etwas entspannter als so mancher seiner Landsleute. Und irgendwie will es das Schicksal so, dass wir ins Gespräch kommen. Georg kennt die Gegend überhaupt nicht, ich hingegen schon von den vorhergegangenen Urlauben recht gut. Und schlage ich vor, zur nächsten Bahn dann im Convoy zu fahren. Ich vorne, er hinter mir her. Gerne nimmt er an – er hat ja einen Rechtslenker und tut sich im Straßenverkehr vermutlich etwas schwerer als wie ich mit dem Mietwagen, der Linkslenker ist. Wir werden, so unser Tenor, die nächsten Tage gemeinsam mit David und Kollegen nette und lustige Tage haben.
Es ist nach neun am Abend, es regnet und es wird Zeit für das Bett. Wir verabschieden uns, wünschen uns eine gute Nacht, David bläut uns nochmal den morgigen Treffpunkt und die Uhrzeit ein und wir verschwinden in unsere Hotelzimmer. Müde falle ich nach der obligatorischen Mundhygiene ins Bett und verschwinde in die Welt der Träume.

Fazit zum ersten Tag: das hat ja mal gut begonnen. Wir haben uns gefunden, hatten Spaß und brachten gute Bilder zusammen. Ob das so weiter geht? Wir werden sehen. Wir haben ja noch 11 Tage vor uns.
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Re: Fairlie Welsh

Beitrag von Dachstein »

Tag 4, 2. November 2025; Tag 2 der Photocharter– narrow gauge in the american way of life extended

Wer hat an der Uhr gedreht, ist es wirklich schon so spät? Irrtum. Gnadenlos schmeißt mich mein (innerer) Wecker wieder um Viertelnachfünf aus den Federn (Danke für nichts). Erfreulicherweise geht der Aufstehprozess ohne KKK (Komplikationen, Kollisionen und Kollateralschäden) von statten. Also wieder den obligatorischen Tee und Zusammenpacken. Nach dem Frühstück wird ausgecheckt und am Abend nach dem Fototag wird der Standort gewechselt. Alles will organisiert sein, sonst hat man da ein Problem. Nachdem ich nun also zusammengepackt hatte, studierte ich noch den BBC Wetterbericht, der für den heutige Tag sogar dry welsh sunsine versprach, klar, etwas Regen sollte schon dabei sein, der Tradition halber, aber im Großen und Ganzen trocken und sonnig. Danach werde ich auch die Kleidungswahl ausrichten. Softshellhose, Fleece, Jacke, und wiederum ordentliche Schuhe. Zwiebellook sozusagen, da macht man nichts falsch.
Um halb Acht wird wieder gefrühstückt, das Personal ist nun auf die Horde Eisenbahnfotografen eingestellt und blitzschnell sind alle versorgt. Zimmernummer gesagt, Tisch zugewiesen bekommen, die „heiße Schlacht am kalten Buffet“ kann beginnen. Wiederum ein doppelter Espresso, die Toasts, Butter, Marmelade, Croissants, Fruchtsalat mit Joghurt. Georg ist nun auch da und setzt sich zu mir. Wir werden in der Folge mit David und seiner Truppe zum unschlagbaren Gespann, was Wegfindung, Fotostandsortauswahl und Unterstützung angeht. Man sieht – Eisenbahn verbindet ähnlich wie Schifahren und Seilbahnen – nichts ist schöner wie ein gemeinsames Hobby, welches zur Konstante im Leben wird.
Um kurz nach 8 hatte ich meine gesamten Sachen im Kofferraum verstaut und war unterwegs zum Bahnhof Pant, wo ich wieder den Ceed als einer der Ersten abstelle. Wieder ist das Cafe im Untergeschoss beim Eingansbereich geöffnet, wieder trifft man sich dort. Allerdings setzt sich schnell eine kleine Gruppe von Fotografen zum Bahnsteig ab. Denn, da steht ja eine Dampflok, und die ist ja das Ziel der Begierde.

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Ziel der Begierde ist die BMR No1, Santa Teresa. Schön vor dem Bahnhofsgebäude abgestellt schreit es förmlich nach dem Spielen mit Brennweite und Blende. Wir haben ja noch etwa 15 Minuten Zeit. Diese vergehen aber wie im Flug; auch der Dieselzug für die Fotografen steht schon zum Einsteigen bereit.

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Und auch die 14mm dürfen an der Vollformat Nikon D800 mal ran. Ganz zum Unverständnis manches Teilnehmers, da das nicht den Bildwinkel des Auges entsprechen würde. Also wenn mir hier jemand in großväterlich belehrender Art ernsthaft erklären will, wie man nun Eisenbahnen fotografieren muss, schreit das doch nur noch mehr nach unkonventioneller Fotografie. Offenbar triggertn Superweitwinkel und Supertele so manchen Teilnehmer. Für was braucht man solche extreme Objektive, ist so mancher Kommentar. Neid, Missgunst, dass ich solche Objektive habe? Missgunst, dass ich Fotos habe, die derjenige nicht hat? Oder sich letztlich auch noch nicht aus der Wiener Schule und Carl Bellingrodt verabschiedet? Mir letztlich egal. Ich habe diese Objektive, ich habe mir diese Objektive auch erst mal verdienen müssen. Und ich habe letztlich die Bilder, wie ich sie mir vorgestellt habe. Gefühlt endet der fotografische Horizont mancher unten bei 35mm und oben bei 120mm. Und wenn ich bloß wollte, Zuhause läge noch ein 12mm Ultraweitwinkel für die Nikon und 1000mm Brennweitenäquivaltent für die OM. Ich lebe nach der Devise: das hier soll Spaß machen. Und wenn jemand mit Brennweiten zwischen 35 und 120mm zufrieden ist, passt das so. Ich käme nicht auf die Idee, ihm einen 14mm Ultraweitwinkel aufzuschwatzen. Wenn jemand wiederum hier mit einer Kompaktkamera rumläuft, auch sein Bier, so lange diese Person Spaß hat, ist alles gut. Was gar nicht geht, ist jemanden hier zu erklären, für was man dieses oder jenes braucht, vor allem dann, wenn das dann gar nicht zu dessen Art und Weise der Fotografie passt.

Da bei erster bekannter Fotostelle die Sonne noch nicht über den Berg war, entschlossen wir uns, den Damm von gestern noch einmal anzufahren.

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Hier erfolgte nun das gleiche Spiel wie gestern. Allerdings war es nun windstill und trocken. Unten gibt es eine Straße, welche sich prinzipiell als Startplatz eignen würde. Und ich muss mich nicht wieder irgendwie an die Strecke quetschen. Also Drohne? Die Suche nach möglichen Flugverbotszonen verlief in der Früh bereits negativ, also Drohne! Eines vorweg: Großbritannien ist außerhalb der EU, daher gilt das EU Regulativ für Drohnen nicht. Mittlerweile gibt es auch eigene Drohnenklassen für das UK und eine gravierende Änderung steht bevor: Auch für die UK 0 (=C0) benötigt man ab dem Jahreswechsel 2025/26 den A1/A3 Schein. Darüber hinaus wird auch bald die Remote ID für diese Drohnenklasse Pflicht. Beide Voraussetzungen kann ich übrigens jetzt schon erfüllen und die CAA ist, was Drohnen angeht, sehr liberal und freundlich. Kein Grund also, hier Angst zu haben. Man braucht halt entsprechendes Luftfahrtkennzeichen für sein USA. Alle Infos sind aber leicht zugänglich: KLICK. Und bei Fragen via Mail antworten die Mitarbeiter der CAA schnell und unkompliziert.
Und bei gutem Licht bringt die DJI Mini 4 pro durchaus sehr ansprechende Fotos zustande. Ich empfehle aber, bevor man solche Dinge tut, entsprechend zu üben und sich auf alle Fälle ans Regulativ zu halten. Ich möchte auch in Erinnerung rufen – mit einer Drohne mit Kamera betreibt man, und sei sie auch noch so klein, ein luftfahrtversicherungspflichtiges Gerät. Das bringt Rechte, aber auch Pflichten mit sich und die Strafen sind durchaus empfindlich, allerdings schützt in Österreich und auch in GB per Gesetz und sanktioniert Menschen, die auf legal geflogene Drohnen losgehen, auch empfindlich.
Nachdem nun dieses Bild im (fliegenden) Kasten war, schoben wir zur Fotostelle zurück, da nun die Sonne über den Hügel gekommen war und so endlich Licht auf der Strecke – was sich nun voll auszahlen sollte.

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Zuerst gleich mal einen „whindowshot“ versucht. Dieser ging tatsächlich auf Anhieb auf. Dazu natürlich wieder Erstaunen bei gewissen Personen, dass man auch mit Tele Züge fotografieren kann – logisch kann man. Und du kannst es auch, wenn du ein Tele mithättest.

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Wenige Höhenmeter darunter bietet sich nun dieses Motiv. Die Sonne gibt uns eine Breitseite und lässt den Zug nun in bestem Sonnenschein glänzen. Es ist perfekt angerichtet, es muss nur mehr entsprechend eingefangen werden. Und das ist wohl doch einigermaßen gelungen. Und nun ging ich wieder auf die Pirsch nach dem speziellen Motiv. Bereits gestern fiel mir ein Ast auf den ich ins Bild integrieren wollte. Am Tag zuvor ging das Bild aber lichttechnisch nicht auf? Heute vielleicht?

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Zum „Schock“ der Fotopuristen war ich nun in meinem Element und fuhr nun die schweren Kaliber auf. Denn der Ast war noch im Schatten und daher finster – ein schwarzes Ding im Himmel. Dabei hat der doch so nette rote Beeren. Schon mal was von Aufhellblitzen gehört? Geht auch bei gleißendem Sonnenschein. Ungläubige Blicke, der packt doch jetzt nicht nur wieder der Ultraweitwinkel, sondern auch noch den fetten Blitz aus? Ungläubiges Kopfschütteln... Ich war mir aber ziemlich sicher was ich tat, das Bild hatte ich so de facto schon im Kopf komponiert. Während die Garnitur zurückschob, gab es ein paar Probeaufnahmen, um sowohl Bildwinkel als auch Ausrichtung des Kopfes des Blitzgerätes und damit die Ausleuchtung des Astes zu wie gewünscht hinzubekommen.
Ein langer Pfiff, der Zug ist nun im Anmarsch. Das Blitzgerät meldet seine Bereitschaft, dann ist der Zug da und ich drücke durch. Der Focuspunkt sitzt perfekt, der Ast ist wohl ausbelichtet und säuft nicht mehr pechschwarz ab, ganz im Gegenteil geben im die hellgrauen Flechten noch etwas mehr Textur. Daneben gibt der Superweitwinkel die Weite der Landschaft gut wieder. Bellingrodtstellung hätte ich auch noch erwischt (extra für die kopfschüttelnden Puristen). Schienen und Ast ergeben auch die gewisse und auch von mir gewünschte Symmetrie. Der Plan ging voll auf! Und die Puristen kamen aus dem Staunen nicht raus.
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Und nun als Draufgabe wieder die Drohne. Auch dieser Schuss zahlt sich aus zeigt er, wie die Strecke hier in der weiten Landschaft trassiert ist. Im Hintergrund ist übrigens einer der unzähligen, stillgelegten Steinbrücke zu sehen. Es müsste der Vaynor Quarry sein.
Ziemlich zufrieden packe ich meine Ausrüstung in die Tasche, die OM1 halte ich noch in der Hand, man weiß ja nie. Dann das Signal – Aufsitzen, wir fahren weiter, und zwar nach Pontsticill, wo wir wieder Mittag machen. Die Lok braucht Wasser, die Fotografen und das Personal ist hungrig. Nach einer guten dreiviertel Stunde kommt wieder das Signal zum Aufsitzen. Wobei, dieses mal wird nicht gleich aufgesessen, sondern es gibt noch die Möglichkeit, Einfahrtsfotos zu machen.

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Und für etwas Abwechslung bietet sich der dortige groundframe doch ganz gut an. Warum nicht etwas Stellwerkstechnik integrieren?

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Und freilich geht das mit dem Ultraweitwinkel auch wieder - allerdings machen hier einige Flares das Leben schwerer als gedacht. Bei derartigem Gegenlicht muss man damit durchaus rechnen, auch wenn diese Optiken schon richtig gut sind. Sie sind und bleiben extrem und haben ihre Eigenheiten und damit muss man als Fotograf umgehen.

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Bei Dol-y-gear gibt es noch einen imposanten Damm. Dieser bietet sich auch für einen Fotohalt an, wobei man hier durchaus auch zum Stausee runter gehen kann, Auch dieser kurze Abstecher zum Wasser zahlte sich gut aus. Apropo Wasser: hatte ich eigentlich vor, auch hier die Drohne in die Luft zu schicken und schon alles vorbereitet, kam der einzige Schauer des Tages, womit die Drohne am Boden bleiben musste. Schade, aber vielleicht in der Zukunft dann.

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Alternative Idee? Windowshot! Schon eingerahmt von Bäumen präsentiert sich der Zug auf der etwas verwachsenen Fotostelle. Auch damit kann ich gut leben, selbst wenn der Schuss nicht ideal ist. Besser als kein Foto ist er allemal und er zeigt die Landschaft am Pontsticill Reservoir recht gut. Erfreulicherweise sollte es der einzige Regenschauer des Tages sein. Regen in der offenen Landschaft von Torpantau ist in etwa so reizend wie einen Wasserschlauch auf Sprühregen direkt ins Gesicht zu bekommen. Und das will man wirklich nicht haben, auch wenn die Kameras spritzwassergeschützt, die OM1 ja sogar IP 53 zertifiziert sind.

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Wir sind nun kurz vor Torpantau ausgestiegen und der Personenzug ist in den Bahnhof vorgezogen und wird in unserer Abwesenheit nun umgesetzt. Von Süden kommt indes der Fotogüterzug. Und weil in der Steigung mit hartem Auspuffschlag und entsprechenden Abdampffahne aus dem Schlot. Die Filmer freuen sich, haben nur ein Problem: die DSLRs sind mit ihrem Spiegelschlag recht laut. Die OM1 hat hier den Vorteil, auf den elektronischen Verschluss umschalten zu können, womit man keine Videografen stört. Das nehmen diese wiederum mit Freude auf, dass der Österreicher da mitdenkt.

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Seitenwechsel, nachdem die Strecke dafür freigeben wurde. Hier hat man nun den oberen Teil des Pontsticill Reservoir im Bild. Und das wirkt auch nicht schlecht. Fast glaubt man, es wäre ein natürliches Gewässer. In Wirklichkeit ist es aber ein kilometerlanger Stausee.

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War es vor wenigen Minuten noch wolkig, kam eine große blaue Lücke. Ja genommen! Besser geht es wohl nicht und schon haben wir den Zug von der Sonnenseite im Kasten.

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Und weil das Ganze recht ansprechend war, nehmen wir nun einen anderen Blickwinkel. Was mich nun aber wieder reizt, ist in die Luft zu gehen. Das müsste doch auch recht ansprechend ausschauen. Der Flugakku ist noch ausreichend voll, notfalls habe ich noch drei weitere mit und auch das Ladegerät, welches man über USB-C und Powerbank betreiben kann. Mit so einer Powerbank kann man seine Flugzeiten schon erheblich strecken. Gut, probieren wir es also.

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Plötzlich vernehme ich durch die Luft schneidende schnell drehende Rotorblätter, klingt nach dem großen Bruder von meiner Mini 4 – der Mavic 4. Tatsächlich, noch ein Fotograf startet sein Fluggerät. Und dann hebt noch eine ab! Und nun sind plötzlich mit meiner Mini 4 3 Drohnen in der Luft. Auch zwei andere Fotografen haben also den gleichen Gedanken gehabt. Schnell tauschen wir uns aus – wohin willst du, wohin du, was habe ich vor? Gut, geht, da bin ich dir aus dem Weg, du mir – Im Notfall einfach schreien damit die anderen wissen, dass du ein Problem hast. Alles klar, machen wir so.
Ein langer Achtungpfiff, und der Zug kommt. Langsam und mit lautem Auspuffschlag kommt er die Gerade vor dem Einfahrtsbogen von Torpantau herauf gekrochen. Eine schöne Dampffahne ziert die Szenerie. Ja bitte – geht’s noch besser? Nein! Wieder ist alles perfekt angerichtet vom Zugpersonal, auch das Wetter spielt mit, jetzt muss der Fotograf mit seiner Technik liefern. Und das gelingt wiederum recht ansprechend. Fast hat man hier das Gefühl, irgendwo in Amerika zu stehen, statt in Wales. Genau das glaubt übrigens auch ein befreundeter Eisenbahnfotograf, dem ich das Bild vorab schicke. Es kommt nur die Frage: „Was machst du bitte bei den Amis?!“ Ich bin zwar Übersee, aber halt nur über dem Ärmelkanal und nicht über den „Großen Teich“.
Es ist nun bereits später Nachmittag und damit neigt sich der Tag dem Ende. Nachdem der Dampfzug gestützt ist, rollen wir die paar Meilen nach Pant hinaus. Der Fotografenzug voraus, der Dampfzug hinterher. Wir kommen 15 Minuten vor dem Dampfzug an, der in Pontsticill nochmal Wasser nehmen muss. Das eröffnet die Chance auf ein Foto.

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Vor der Kulisse des Twynau gwynion quarry, der ein beliebtes Klettergebiet ist, zieht die BMR No1 Tender voraus ihren Zug nach Pant.

Wir sind im Grunde schon mal ziemlich zufrieden, die ersten zwei Tage haben sich schon voll ausgezahlt. Und das war erst die meiner Erinnerung nach unspektakulärste Bahnen, die auf der Liste stand. Und diese ist schon einigermaßen spektakulär, vor allem was die Fahrzeuge angeht.

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Erfreulicherweise baut die BMR ja gerade eine Forney (wird die BMR No 3), deren Einzelteile bereits teilweise zu bewundern waren. Bilder vom Arbeitsfortschritt gibt es HIER. Und wenn ich jetzt ehrlich bin – eine neue Lok? Wann Photocharter? ;-)
Nachdem wir unser Zeug in die Autos verladen hatten, brachen Georg und ich auf. Ich vorne weg, Georg hinterher. Hinein in die walsische Dunkelheit, auf ins nächste Abenteuer. Gut zwei Stunden Fahrt lagen vor uns, querfeldein, Autobahnen gibt es in der Region keine. Zuerst wieder auf gut ausgebauten Straßen (A-roads) gen Nordwesten, danach auf so mancher B-road, durch kleine walisische Dörfer und kleine Städten. Durch erleuchtete Highstreets, durch dunke Wälder und Schluchten. Zwei Eisenbahnfreunde auf Tour, der Tour ihres Lebens?

Nach anstrengenden zwei Stunden kamen wir in Aberystwyth an. Aberystwyth ist eine Stadt in Mid -Wales, hat etwas mehr als 18000 Einwohner, die ihre Stadt nur ganz kurz gehalten Aber nennen (was wiederum im Walischen Mündung bedeutet. Aberystwyth bedeutet somit Mündung des Ystwyth – aber hallo, diese ganzen Aber hier!) und ist gleichzeitig Universiätsstadt . Es gibt hier eine Standseilbahn (siehe oben) und die Stadt ist Endbahnhof der Cambrian Line, welche von Transport for Wales betrieben wird. Neben dem Normalspurbahnhof ist aber noch ein Bahnhof, und da wird es dann für uns interessant...
Um halb acht kamen wir beim Hotel am, checkten ein und bezogen unsere Zimmer im ersten Stock. Und dieses mal gab es auch einen Lift – was übrigens ganz interessant ist, sind die Richtungs- und Etagenansagen im Lift. Diese sind zweisprachig und Walisisch hört sich auch immer interessant. Lift auf Walisisch heißt übrigens „lifft“ Und ein „lift going up“ heißt dann „lifft yn mynd i fyny”.

Das Hotel selber liegt direkt an der Strandpromenade von Aberystwyth, geparkt wird aber hinter dem Haus; und weil wir in einer Stadt sind, kostet der Parkplatz extra. Während so manche Menschen über so etwas ihren Ärger zum Ausdruck bringen, denke ich mir in Anbetracht der vergleichsweise günstigen Übernachtungspreise nur: bei dem Preis, was der Tripp kostet sind diese paar Pfund am Tag auch schon egal. Take it easy – wir wollen schöne Tage haben, da werde ich mir von sowas, was eh im Vorhinein schon bekannt war, nicht den Tag ruinieren lassen.

Hier werden wir nun 4 Nächte verbringen, sodass es sich auch auszahlt, die Tasche etwas mehr auszupacken und dann beim Einpacken neu zu sortieren. Zuerst aber das obligatorische Procedere: die Ausrüstung will versorgt werden, die Akkus müssen geladen werden. Und so baut sich am Schreibtisch ein Blinkkonzert auf: 3 DJI Akkus in der Ladeschale, die beiden Nikon Akkus und die OM1 hängt auch am Saftladen.

Reisetipp: Verteilersteckdose: die Briten haben zwar 230V Wechselstrom, aber einen ziemlich komischen Stecker für unseren Begriff. Die Steckdose Typ G, die an ein Zugspitzensignal erinnert. Wir haben aber Stecker C, den uns bekannten Schuko Stecker. Und wenn man nun viel zu laden hat, empfiehlt sich eine Verteilersteckdose mit Stecker für Steckdose Typ G, und Schuko Steckern in der Leiste. Meistens haben die auch noch USB Ports für Handy und Co verbaut, sodass man mit einem Ding seine ganze Elektronik versorgen kann. Kosten zwischen 20 und 30Euro bei einem bekannten Onlineversandhaus mit einem einem südamerikanischen Flussnamen sehr ähnlichen Namen. Wer das nicht will, kauft sich einen Reisestecker und hängt eine bereits vorhandene Verteilersteckdose dran. Auch das geht, man muss aber aufpassen, dass hier die Sicherung nicht fliegt. Und diese Sicherung ist manchmal im Stecker verbaut und ist eine Schmelzsicherung. Und dann ist Ende Gelände, es sei denn man hat die passende Sicherung mit. Also bevor man fährt, die Stromsituation mal durchdenken! Und eine große Powerbank ist auch nicht sooooo schlecht. Denn sowohl DJI Mini 4 pro als auch OM1 Mk2 lassen sich via USB Port laden. Und das ist auf Reisen praktisch.

Und nun machte ich einen Fehler: ich beschloss, mich kurz nach dem Duschen hinzulegen. Und die Matratzen im Premier Inn sind sehr bequem, es gibt generell King Size Betten und man liegt sprichwörtlich wie Gott in Frankreich. Da bekommt das Bett die Anziehungskraft wie ein Schwarzer Zwerg.Das Abendessen fiel aus, ich kam nicht mehr aus dem Bett, hatte ich ja auch mehr als 25000 Schritte und eine längere Autofahrt hinter mir. Georg ging es da übrigens ähnlich. Gottseidank hatte ich den Wecker nicht ausgeschaltet, ich hätte sonst das Einschalten des selbigen verschlafen.
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Re: Fairlie Welsh

Beitrag von Dachstein »

Tag 5, 3. November 2025, Tag 3 der Photocharter: Vale of Rheidol Railway – Auf schmaler Spur mit einer Schmalspurlok auf Steroiden vom Meer in die Berge

Überraschenderweise wirft mich mein innerer Wecker erst geh 6 Uhr aus dem Bett. Frühstück ist gen 7, Treffpunkt am Bahnhof in Aberystwyth um 8. Ich habe also wieder genug Zeit für einen morgendlichen Tee und packe daneben meine Fotoausrüstung wieder zusammen. Dann checke ich den Wetterbericht: es wird Schön mit vielen Schauern, oder es wird Regnen, mit etwas Sonne. Leser - such dir die für dich passende Beschreibung des rasch wechselnden Wetters bitte aus! Wir sind ja an der Küste der Cardigan Bay auf walisisch Bae Ceredigion oder Bae Aberteifi (benannt nach der gleichnamigen Stadt, die wiederum, welch Überraschung, an der Mündung des Teifi, liegt, wobei es hier auch wieder mehrere Scheibweisen gibt, denn es gibt auch die Schreibweise Aberdyfi, und der Fluss wäre dann der Dyfi), da wechselt das Wetter recht schnell. Zurück vom Wetter- und Walisischexkurs zur Realität des Lebens, es regnet, der Tag wird mal nass starten. Soviel ist klar. Und in der Bucht hat es ordentliche Wellen.

Um fünf vor 7 wird das Frühstück gestürmt, ich nehme wieder mein Menü 1 (doppelter Espresso, Toast, Croissants, Butter, Marmelade, Fruchtsalat und Joghurt). Dann kommt auch schon Georg, der sich wieder zu mir setzt und auch sein Frühstück verdrückt. Gestern habe ich ja vorgeschlagen, vom Hotel nur mit (m)einem Auto zum Bahnhof zu fahren – was Georg gerne annimmt. Um Halb acht bitte beim Auto. Warum? Ich hab da ein kleines Problem, bei mir löst sich die Schuhsohle hinten etwas ab. Und was willst du tun? Also beim Bahnhof ist ein großer Texco Supermarkt, der hat schon offen und macht erst um 10 am Abend zu. Da bekommt man auch Superkleber. Und so geht's zu zweit via Texco zum Bahnhof der Vale of Rheidol Railway von Aberystwyth, wo ich mir noch schnell meine Sohle (welche bis heute bombenfest hält!) klebe. David ist auch schon da und teilt uns mit, dass er wetterbedingt das Programm etwas umgestellt hat. War vorgesehen, heute mit den Autos zum anderen Streckenendpunkt, nach Devil's Bridge (Walisisch Pontarfynach zu fahren, um dort den oberen Streckenteil für Fotos zu nutzen, beschließen wir, uns heute von Aberystwyth nach Devil's Bridge hochzuarbeiten.

Die Vale of Rgeidol Railway, Walisisch Rheilffordd Cwm Rheidol ist eine 603mm Schmalspurbahn (ehemals 597mm) mit einer Streckenlänge von knapp 20km. Da gehen sich schon einige Fotos aus.
Die der Bahnbau wurde 1897 Parlament bewilligt genehmigt und die Strecke 1902 eröffnet. Ursprünglich für den Transport von Erz (Blei und Zink) sowie Holz gebaut, entwickelte sich die Strecke aufgrund der landschaftlichen Schönheit des Vale of Rheidol und Devil's Bridge schnell zu einer beliebten Touristenattraktion in der Region. Nach Übernahmen durch Cambrian Railways im Jahr 1913 und die Great Western Railway im Jahr 1922 wurde der Güterverkehr, für den die Bahn eigentlich gebaut worden war, eingestellt, und die Bahn konzentrierte sich auf Ausflugsverkehr. Dieser brach jedoch während des zweiten Weltkrieges ein, erholte sich aber nach dessen Ende rasch wieder. 1949 wurde die Strecke verstaatlicht und fortan unter der Riege der British Railways geführt. Als am 11. August 1968 die BR ihre letzte Normalspurdampflok abgestellt hatten, titelten die Zeitungen, dass die BR nun komplett verdieselt wären. Wie Caesar im Zeichentrickfilm ganz Gallien erobert hat (Wirklich ganz Gallien? Außer einem kleines Dorf voller Irrer!), war BR auch vollständig verdieselt, ausgenommen jener ca. 20 km Schmalspurstrecke, die von einem gewissen walisischen Städtchen ausgeht. Denn hier taten die drei letzten Dampfloks – die sogenannten Rheidol Tanks der BR Dienst. Tank hat nichts mit Panzer zu tun, sondern rührt vom Wort „Tankengine“ also Tenderlok her. Und dieses Trio der Rheidol Tanks, bestehend aus No7 - „Owain Glyndŵr“, No 8 - „Llynwelyn“ und No 9 - „Prince of Wales“ hat nicht nur die BR überlebt, sondern existiert bis heute – und zwar alle betriebsfähig und in wechselnden Lackierungen.

Im Zuge der Privatisierung der Strecken der BR wurde auch die VoR wieder in private Hände übergeben. Peter Rampton (mittlerweile verstorben, er wird uns aber hier noch beschäftigen, und zwar mit einem großen X) und Tony Hills (wir erinnern und, Initiator und Besitzer der Brecon Mountain Railway) kauften die Bahn. Rampton und Hills trennten sich Mitte der 1990er Jahre, und Rampton übernahm die VoR mit seiner dafür gegründeten Phyllis Rampton Narrow Gauge Railway Trust . Ungewöhnlich wie bei der BmR, auch hier kommt man völlig ohne Freiwillige aus. Der gesamte Bahnbetrieb wird von fixangestellten Bediensteten geschultert.

Im Zuge der Privatisierung floss auch viel Geld in die Bahn. Alle Bahnhöfe und Haltestellen wurden überarbeitet, der Bahnhof Aberystwyth in großen Zügen völlig neu gebaut. In dessen Zuge entstand in Aberystwyth aus der alten Abstellhalle ein Museumsgebäude mit wechselnden Ausstellungen und Fahrzeugen, eine neue Werkstättenhalle und eine neue Abstellhalle für die Wagen. Die großzügigen WC Anlagen, ein großer Shop (macht arm!) mit Fahrkartenschalter und ein neues Cafe ergänzen das im gesamten barrierefrei gestaltete Areal. Und der angelegte Rasen ist wahrlich britisch...

Und auch eine zusätzliche Dampflok wurde angeschafft - hier wird es nun Deutsch (Hanomag), Südafrikanisch (für die SAR) und Schweizerisch (wurde von der SAR an die Schinznacher Baumschulbahn abgegeben, erwies sich aber für die Feldbahn dort für etwas zu groß) zugleich, dazu sehr speziell. Es handelt sich hierbei um eine NGG 13, die No 60, Drakensberg. Und diese Lok ist nun eine Schmalspurlok auf Steroiden. Mehr als 62 Tonnen schwer, einer Länge über Puffer von fast 15m, 4 Zylinder, 10 Achsen, davon 6 gekuppelt in zwei Drehgestellen mit je einer Vor- und einer Nachlaufachse, die über einen Brückenrahmen, der Kessel und Führerstand trägt, verbunden sind hat sie für die Strecke genug Power, um auch lange Züge die Steigung hinauf zu befördern. Es handelt sich um eine Dampflok der Bauart Garratt. Wir werden uns dieser Dampflokart noch später näher widmen.
Mittlerweile sind auch die anderen Teilnehmer eingetrudelt, David stellt das Personal vor und erinnert uns nochmal an die üblichen Sicherheitsregeln.

Heute für uns am Personenzug ist die No 8, „Llynwelyn“ in BR black. Dazu ein Zug in rot-beigen Personenwagen. Am uns folgenden Güterzug wird die No 60, die NGG13 eingesetzt. Heute also zwei Dampfloks – da schlägt das Fotografenherz höher.

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Durch die walisische Hügellandschaft geht es westwärts. Kurz hinter Aberystwyth gibt es auch schon den ersten Fotohalt. Zuerst werden wir abgesetzt, dann drückt der Personenzug zurück, um an uns vorbeizufahren. Die Badewanne nehme ich gerne mit. Leider wird das Wetter nun minütlich schlechter - und richtig nass.

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Davon lassen wir uns aber die Motivation nicht vertreiben, denn jetzt donnert die NGG 13 mit ihrem Güterzug durch. Und sie ist schon eine sehr extravagante Schönheit von Lok. Massig, schwer, groß und das alles auf 603 mm Spurweite. Auspuffschlag markig, Pfeife tief und nicht so schrill wie manche Feldbahnlok dieser Spurweite. Ein echtes Biest.

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Carl Bellingrodt wäre nun stolz auf mich – glücklicher Volltreffer. Bei zwei unabhängigen Triebwerken alle Stangen unten zu haben ist pures Glück, planen kann man das einfach nicht mehr. Nehme ich aber gerne.

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Die ortsansässige Bevölkerung besteht hier hauptsächlich aus Schafen. Was die sich wohl gedacht haben, als eine Horde Wildgewordener mit Kamera da ihr Feld gestürmt hat und dieses stinkende Zeug da fotografiert hat? Ganz happy waren sie mit uns jedenfalls nicht, hielten Abstand zu uns und haben uns auch sonst eher ignoriert.

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Wir dampfen mit unseren zwei Zügen weiter talaufwärts. Unser nächster Halt ist Nantyronen, welcher eine typische GWR – Haltestelle darstellt. Zusätzlich gibt es neben dem Wartehäuschen auch noch einen typischen Wassertum, aus welchem sich unsere zwei Lokomotiven nun erfrischen. Generell befinden sich die Haltestellen und Bahnhöfe in einem mustergültigen Zustand; und auch die Gärtner toben sich mit den Blumenkörben an den Bahnhöfen und Haltestellen gerne aus. Entsprechend ansprechend gestaltet sich das direkte Umfeld der Vale of Rheidol Railway.

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Weiter fahren wir die Strecke hoch. In Aberffrwd ist Wasserfassen und Verschnaufen angesagt. Gleichzeitig gibt es nun eine angeregte Diskussion der Fotopuristen (=meinen Spezialfreunden (oder jenen, die sich nie fotografisch weiterentwickelt haben) 35mm, schräg von vorne, Bellingrodtstellung und nichts störendes): der blaue Kran stört. Und zwar massiv. Wie bitte?! Ich finde es immer wieder faszinierend, wie sich manche Mitmenschen über nicht mal Kleinigkeiten aufregen. Begründung: man möchte ein historisch korrektes Foto haben. Ähm? Die Lok kommt aus Südafrika, war nie in Wales bis jetzt im Einsatz?! Wenn historisch korrekt, dann bitte zur Sandstone Estate fahren (und hier nicht Rummotzen, danke!) Die Nationalität der Beschwerdeführer darf geraten werden. ;-)

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Auch unser Personenzug ist nun da und stellt sich fotogen neben den Güterzug. Wieder begebe ich mich auf Motivsuche und werde fündig. Nachdem sich die 35mm rechts und links Fotografen endlich verzogen haben, weil hier ja eh nicht mehr geht, drücke ich ab. Die Kürbise, die Laternen, die Spiegelung im Fenster ergibt wieder ein ungewöhnliches Motiv, was sich mal vom 35mm schräg von vorne Einheitsbrei abhebt.

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Und der zweite Versuch wird nun mit der OM1 gemacht. Denn, die Kamera kann was, was andere Kameras in der Form nicht können. Sie kann ND-Filter simulieren, und zwar bis zu ND128. Zwar nur im manuellen Modus, aber sie kann. Und das nütze ich nun aus. Es kommen Belichtungszeiten um die Sekunde raus. Kann man das halten? Ja, man kann! Die OM1 kann mit dem 12-100 Sync IS, bedeutet Sensorstabilisator und Objektivstabilisator arbeiten zusammen, Belichtungszeiten um die Sekunde können locker gehalten werden. Der aufsteigende Dampf verschwimmt schön, während der Rest vom Bild knackscharf werden.
Allerdings macht mein Motiv plötzlich Schule und hinter mir stellen sich die Briten ganz artig an, um einer nach dem Anderen das Foto zu machen. Georg und ich grinsen uns an. Unbeabsichtigt zum Trendsetter geworden – lol. Manch kleines Detail bessert schon so manches Foto auf, das muss ich ehrlich gestehen und je mehr man mit offenen Augen durch die Welt geht, desto mehr fallen solche Dinge letztlich auch auf.

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Nachdem der Personenzug wieder in den Bahnhof geschoben hat, macht sich der Güterzug auf den Weg. Die Abfahrt wird noch in Pixeln verewigt. Hier sieht man auch gut die zweisprachigen Verkehrsschilder. Derweilen werden die Regentropfen dicker und kommen mit mehr Intensität vom Himmel – wir werden faktisch geduscht – das kann dann weiter oben im Tal ja heiter werden... Vorerst ziehen wir uns ins trockene Abteil des Personenwagens zurück.

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Je weiter wir das Tal hinauffahren, desto ausgesetzt wird die Strecke. War sie am Anfang noch am Talgrund ist sie jetzt schon weit darüber und schmiegt sich in engen Bögen den Felswänden des Tales an. Kurz vor Rheidol Falls Halt ist die Strecke eigentlich kaum fotografierbar – man muss auf Bahngrund, und das darf man bei Planbetrieb nicht. Bei organisierten Sonderfahrten, wo jeder eingewiesen ist, geht das schon, sodass wir zuerst an geeigneter Stelle abgesetzt werden, dann drückt der Personenzug zurück, während der Güterzug in sicherer Entfernung wartet. Und dann gibt es das Signal via Funkt: „You can pass the gallery, all are clear, and regulator opend as wide as possible“. Das Schauspiel ist beeindruckend – auf der Steigung ist der Lokführer damit beschäftigt, nicht ins Schleudern zu kommen, gleichzeitig soll eine schöne Dampffahne aus dem Schlot kommen – gelingt perfekt! Die Lokpersonale hier sind ja auch keinen Amateure, sondern langjährige Lokpersonale, die ihre Rheidol Tanks aus dem FF kennen.

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Der nasse Boden bebt, als die Llynwelyn mit voll geöffnetem Regler und markigem Auspuffschlag an uns vorbeidonnert. Das macht Laune, auch wenn das Wetter zusehens nasser wird.

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Nachdem der Personenzug die Bühne verlassen hat, und die Strecke „konfliktfrei“ ist, kommt die Garratt. Die dumpfen Auspuffschläge donnern durch das Tal und werden von der gegenüberliegenden Talseite zurückgeworfen. Der 62 Tonnen Koloss macht schon einen ordentlichen Wirbel.

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Ein paar hundert Meter talaufwärts gibt es noch eine weitere Fotogelegenheit. Wieder legt sich das Lokpersonal mächtig ins Zeug, um die Fotografen zufrieden zu stellen; wieder gelingt es ihnen in Perfektion.

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Wie eng es hier an der Fotostelle zugeht, zeigt dieses Bild. Links geht es runter, dann kommen die Schienen, dann eine Felswand. Disziplin ist hier gefragt, um die Bilder auch so in den Kasten zu bekommen. Mit einer nicht disziplinierten Gruppe kann man solche Fotostellen schlicht vergessen. Kaum 5 Leute können hier gleichzeitig fotografieren, daher erfolgen hier mehrere Scheinanfahrten, damit auch jeder Fotograf zu seinem Foto kommt.

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Wir haben den östlichen Streckenendbahnhof Devil's Bridge erreicht. Es regnet nun in Strömen, nicht nachlassend, sodass die meisten Fotografen sich ins Bahnhofsgebäude flüchten. So schnell gebe ich aber nicht auf; nass bin ich sowieso, da geht sich ein Foto beim Umsetzen auch noch aus. Auch der Lokführer erträgt die Dusche aus „proper and traditional liquid welsh sunshine“ mit Fassung und stoischer Ruhe. Der Wasserturm befinde sich knapp hinter der Brücke, dorthin fährt die Lok, um nach 5 Minuten wieder an den Zug zu setzen Dann ist die Strecke frei und der Fahrweg ins Gleis 2 gestellt – der Güterzug ist ja hinter uns und muss erst die Strecke frei machen, damit wir wieder nach Aber fahren können. Nachdem der Güterzug im Bahnhof steht, wird der Fahrweg gestellt und wir sind bei einbrechender Dämmerung auf Talfahrt. Von der Landschaft draußen kriegen wir kaum mehr was mit – wir sind am trocken. Sowohl Kameraequipment als auch Fotografen sind bis auf die Knochen nass – die Vorfreude auf eine warme Dusche und einen Tee ist dementsprechend vorhanden.

In Aberystwyth am Bahnhof verfrachten Georg und ich unser Equipment ins Auto und machen uns auf zum nahegelegenen Tesco Superstore und danach ins Hotel. Wir haben beschlossen, aufs Abendessen zu verzichten. Das Wetter ist so, dass man nicht mal mehr die Schwiegermutter, geschweige denn einen Hund vor die Türe zu setzen wagt. Tesco hat eine Tiefgarage, sodass man hier zumindest trockenen Fußes Aus- und Einsteigen kann, was sich als unschlagbarer Vorteil herausstellen sollte. Sandwichs, Obst und Kekse müssen heute reichen.

Die erstbeste Parklücke ist gut genug – bevor wir in unsere Zimmer und in die Dusche verschwinden. Wir sind fertig. Jetzt nur noch die Kameras fertig trockenlegen, die Akkus laden und dann ab in die Federn. Morgen wird wieder ein anstrengender und langer Tag... Und auch wenn es uns heute ordentlich nass gemacht hat – das Bildmaterial ist wieder recht gut geworden. Dementsprechend lang stehe ich wohl auch unter der Dusche, um die Körpertemperatur wieder wieder in den passenden Bereich zu bringen. Zu guter Letzt bleibt noch das dezent feuchte Gewand übrig, welches zum Trocknen aufgehängt werden will – bis morgen ist das nie trocken.
Schnell sind alle Sessel behängt, Kleiderhaken benutzt, die Garderobe umfunktioniert zum improvisierten Wäschetrockenraum und die Heizung hinaufgedreht.

Reisetipp: wer zu solch unchristlichen Jahreszeiten solche Aktionen macht, dem sei genug Wechselgewand empfohlen. Und Gummistiefel....
Zuletzt geändert von Dachstein am 23.02.2026, 10:46, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Fairlie Welsh

Beitrag von Dachstein »

Tag 6, 4. November 2025, Tag 4 der Photocharter: Vale of Rheidol Railway – Zäfix, ein Satz mit X.

Wieder benötige ich keinen Wecker, mein Innerer ist verlässlich und schmeißt mich um dreiviertel 6 aus dem Bett. Draußen ist es dunkel und ich weiß um meine improvisierten Wäschetrocknugsgerätschaften, die sich im Zimmer verteilen. Also Licht an. Da freut sich das Auge immens. Gefühlt ist es ein Schlag ins Gesicht. Zuerst zum Teekocher, Wasser kochen, dann Bad, dann ein Tee. Während dieser zieht, kommt die übliche Fotoausrüstungszusammenpackaktion – alles muss wieder an seinen Platz im Fotorucksack griffbereit sein.

Und dann geht es auch schon zum Frühstück – Georg setzt sich wieder zu mir und wir schauen gemeinsam auf den BBC Wales Wetterbericht. Es wird, wie es halt wird, und das wird wieder eher humid von oben sein. Na das sind wir ja schon gewöhnt. Kaffee wird einstweilen installiert.

Beim Verlassen des Hotels dann aber die Überraschung – im Moment zumindest trocken. Auch das Cafe hat wieder geöffnet und die VoR Cateringabteilung hat sich für uns etwas einfallen lassen. Der Tag wird ja lang und so wurde gestern eine Liste aufgelegt, wo man Essenswünsche in Form verschiedener Sandwichs, Snacks und Getränken um ein paar Pfund deponieren konnte. Ein gutes Angebot, werden wir heute wieder lang unterwegs sein. Und andauernd Kekse und Bananen ist auch irgendwie fad. Gut, dass das jetzt kein Gault Millau Trip wird, war eh von vorne herein klar. Geht ja auch um was anderes hier.

Im Betriebswerk, dem shed, ist bereits hektisches Treiben angesagt. Die Loks müssen noch an die Züge. Welche Loks haben wir heute? No 8 - „Llynwelyn“ und No 9 - „Prince of Wales“, beide in klassischen BR Lackierungen werden uns heute im Bild erfreuen. Und bei der No 9 hat sich die VoR was besonderes einfallen lassen: sie ist wieder im BR Blau mit weiß-schwarzen Zierlinien, roter Pufferbrust, schwarzem Fahrwerk und Messingbeschilderung auf rotem Grund gehalten; dazu der ab 1956 gebräuchliche klassische British Rail Double Arrow, der auch heute teilweise noch Verwendung findet . Über die Lackierung scheiden sich übrigens die Geister: einige verachten diese Lackierung („I hoped never to see a blue steamengine again!“) andere wie ich finden sie wieder schön und halten sie für eine willkommene Abwechslung. Und gerade gelb verfärbte Bäume sollten mit der blauen Lok durchaus einen durchaus willkommenen Kontrast ergeben.

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Im Heizhaus selber steht vor der No 9 auch noch die heute kalt abgestellte No 7 „Owain Glyndŵr“. Aber auch die Lok wird uns noch auf der Strecke erfreuen. Und was man hier auch merkt, wie sauber und poliert die Loks sind. Einziges Problem: man sieht jede Warnweste in der Spiegelung. Und warum sind die Loks so?

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Weil das Lokpersonale einen Gutteil der Auf- und Abrüstzeit mit PUTZEN und POLIEREN verbringen. Selbst die Krempe am Schornstein wird geputzt. Nachdem das Putzen und das Abschmieren der Lok erledigt ist, kann auch die „Prince of Wales“ zum Wasserfassen und dann zum Bekohlen.

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Ihre Schwesterlok, die fast ganz in schwarz mit dem "cyling lion totem“ ist schon bei der Bekohlung angekommen. Der Zustand der Lok repräsentiert die Epoche zwischen 1949 bis 1956. Und bei diesem Logo gibt es eine goldene Regel – der Löwe schaut IMMER in Richtung Rauchkammer. Bekohlt wird übrigens händisch.

Die No 8 - „Llynwelyn“ nimmt den Personenzug an den Haken, die No 9 „Prince of Wales“ wird einen kurzen Güterzug die Strecke hinaufbefördern. Zuerst verlässt der Personenzug mit uns an Bord Aber talaufwärts, hinter uns kommt der Güterzug.

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Zuerst geht es mal in gemächlicher Fahrt hinaus aus Aberystwyth in den Bahnhof Capel Bangor, wo wir den Zug verlassen. Zuerst machen wir ein paar Fotos im Bahnhof, in Wirklichkeit sind wir aber wegen der braunen Hallen im Hintergrund links hier. Hier erwartet uns ein - zäfix, das wird ein X. Wo Abstellhallen aufgebaut wurden, stehen üblicherweise Fahrzeuge drinnen. Und zwar jene der Collection X
Die ganze Geschichte ist sehr lang, darum hier eine Kurzfassung: Peter Rampton, der ja auch Besitzer der Vale of Rheidol Railway war, hatte ein interessantes Hobby. Er sammelte Lokomotiven. Gut, das tue ich auch. Ich hab selber um die 100 Loks im Maßstab zwischen 1:220 und 1:22.5, wobei das Meiste bei mir im Maßstab 1:87 gehalten ist. Rampton ging einen Schritt weiter – er sammelte im Maßstab 1:1 und brachte seine Sammlung auf einem Bauernhof in Surrey unter. Und just kurz bevor wir die Fotochaters hatten, wurde diese Sammlung nun der Öffentlichkeit präsentiert – darin enthalten Loks aus verschiedenen Ländern, mitunter auch aus Indien und Südafrika.

Unbezahlte Werbeeinschaltung: Falls wer mehr über die Collection X, deren Geschichte und Umfang wissen will, dem sei dieses Buch empfohlen. Erhältlich direkt bei der VoR: KLICK, um 80 Pfund auszugeben

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Die Loks sind alle noch unrestauriert und warten nun, um durch entsprechende Fachkräfte wieder in entsprechenden Zustand versetzt zu werden Stellvertretend für viele Loks der Collection X warten die Bagnall mit der Fabiksnummer 2895/1948 und der Achsfolge B2 (hier 0-4-2T) ex Rustenberg Platinum Mines No 2, welche 1974 in die Collection X aufgenommen wurde (alle Daten aus dem oben genannten Buch), wieder wachgeküsst zu werden. Peter Rampton hat viele Loks gerettet, nun muss die nachfolgende Generation das Werk fortsetzen und mit den Fahrzeugen auch etwas machen. Und ich gehe fast davon aus, dass wir in einigen Jahren die eine oder andere Lok dieser Sammlung wieder auf einer der Walsischen Schmalspurbahnen unter Dampf sehen werden.

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Zwischen Chapel Bangor und Nantyronen werden wir uns nun noch fotografisch betätigen. Hier hat man nahezu freies Schussfeld, und einen Blättertunnel gibt es hier auch. Zuerst wird der Personenzug aus leicht erhöhter Position bei der durchfahrt durch den Blättertunnel abgelichtet.

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Und zwar zuerst von links, dann auch noch von rechts. Dann kommt das, auf was sich viele freuen – die blaue Prince of Wales mit ihrem kurzen Güterzug tritt erstmalig in Erscheinung.

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Und diese Fotostelle hat etwas Fatales – man kann aus vielen verschiedenen Blickwinkeln und aus verschiedenen Höhen bedingt durch die Hanglage fotografieren. Und so verteilen sich an die 30 Fotografen im Gemüse und versuchen, sich nicht gegenseitig im Bild zu stehen.

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Schön brav aufgereiht stehen einige Fotografen unten am Bahnübergang, um die Vorbeifahrt des Güterzuges zu fotografieren. Georg und ich sind einstweilen weiter ins Gemüse vorgedrungen und nehmen jene Fotomöglichkeiten aufs Korn, welche nicht ganz offensichtlich sind.

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Insgeheim fragen sich Georg und ich, was sich das Lokpersonal hier wohl gedacht hat, als es gefühlt 10 mal hier vorfahren musste. Und immer noch gab es Fotowünsche....

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Auch Breitseiten auf den modellbahmäßig kurzen Güterzug sind möglich. Zuerst beim Zurückdrücken.

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Dann bei voll geöffneten Regler und entsprechender Dampfentwicklung.

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Und beim Übersichtsbild der Fotostelle kommt das zum Tragen, was ich gehofft hatte. Die Komplementärfarbe Orange-Gelb des sich verfärbenden Laubes macht sich zur blauen Lok ungemein gut. So schön eine dunkelrote Lok in grüner Umgebung sein kann, hier passt das BR Blau wie die Faust aufs Auge. Und erfreulicherweise ist es sogar trocken, lediglich der Untergrund ist ziemlich nass und unerfreulicherweise rutschig, zuzüglich existieren auch etliche Brombeerstauden – dicke Hosen, ordentliche Schuhe und Handschuhe sind gar nicht so schlecht, und eine Machete wären brauchbar. Mit der aber Fliegen?!

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Nach dem langen Fotohalt hatten beide Loks Durst und so gab es einen Betriebsstopp in Nantyronen, wo beide Loks ihre Wasservorräte ergänzen konnten. Logischerweise gab es auch hier die Möglichkeit zu Fotografieren.

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Mit Erlaubnis des Zugpersonales entschied ich mich, die Ausfahrt aus Nantyronen etwas weiter talaufwärts zu nehmen. Grundsätzlich sollte das Lokpersonal immer wissen, wo Fotografen sind. Denn einerseits geht es um die Sicherheit, andererseits soll jeder Fotograf die Möglichkeit zum Bild haben. Und im Fall der Ausfahrt aus Nantyronen hat man mit dem Linksbogen auch noch das Glück, dass der Rest der Fotografen hinter dem Zug verschwindet und man so freies Schussfeld hat.

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Danach ging es weiter die Strecke hinauf – Richtung Rheidol Falls. Die Fotostelle war und zwar schon bekannt, andererseits war es heute merklich trockener als gestern. Also, nochmaliger Versuch hier.

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Sagte ich gerade was von trocken? Naja, ein kurzer Schauer darf schon sein.

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Was mit dem Personenzug geht, geht auch mit dem Güterzug. Wobei es wettertechnisch so lange trocken blieb, dass man nun auch zu den Wechselobjektiven greifen konnte.

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Womit nun auch wieder das 70-200 zum Einsatz kommen konnte.

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Oder der Ultraweitwinkel. Einerseits wirkt so die Vorbeifahrt gleich etwas dynamischer, andererseits...

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… lässt sich so der kleine Zug noch viel besser in die wunderschöne Landschaft des Vale of Rheidol einbauen. Am Talboden mäandriert der Rheidol, an den Hängen des Tales die Bahn. Und gleichzeitig merkt man, wieviele Höhenmeter die Züge hier hinaufklettern müssen.

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Wie knapp die Loks und Wagen an die Felswände herankommen, zeigt dieses Bild. Platz ist nicht wirklich viel, aber genau das macht den Reiz der Strecke aus. Wer was sehen will, muss im Zug links sitzen. Sonst sieht man im oberen Streckenteil viel Hang.

Nun wurde die Zeit schon wieder knapp. Irre wie schnell die Zeit im Zug vergeht. Eine Fotostelle hatten wir heute noch offen, die Quarry Cutting kurz vor Devil's Brige. Bei schlechtem Licht wie heute, eigentlich keinem, eine ISO 1600 Fotostelle.

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Und gleich vorweg – dieser Einschnitt ist wirklich eng. Es gibt hier keine Fluchträume, hier darf sich bei einer Zugfahrt niemand aufhalten. Das macht aber auch den Reiz der Fotostelle aus. Bei der Ein- und Ausfahrt ist aber genügend Platz, um sich in Stellung zu bringen.

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Und bei der Ausfahrt hat man auch die Möglichkeit einer Breitseite zumindest auf die Lok. Nachdem der sicherste Betriebszustand, der Stillstand hergestellt war, übersiedelte der Tross vor den Einschnitt. Hier ist die Strecke in einer Dammlage trassiert.

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Und das gibt bei schwindendem Licht durchaus auch recht hübsche Fotomotive.

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Wobei das Licht schon ziemlich am unteren Ende des Möglichen war. Ein letztes Foto ging sich noch aus, dass war der Tag, was das Licht angeht, gelaufen. Also wieder in den Zug, weiter bis Devil's Bridge, Lok versorgen, Strecke räumen und dann den Güterzug in den Bahnhof lassen. Danach ging es in rascher Fahrt das rasch dunkler werdende Vale of Rheidol hinunter, wieder nach Aber. Georg und ich waren mit der Ausbeute mehr als zufrieden. Was nun mit dem Abend tun? Lust auf Sandwichs hatten wir nicht und etwas trockener war es auch. Also zuerst mal ins Hotel, Kamera- und Körperpflege ist angesagt. Und dann? Zu Fuß in die Stadt waren es gut 10 Minuten, also ohne Probleme machbar. Ein Wetherspoon gibt es am Bahnhof notfalls auch, falls wir nichts anderweitig finden sollten. Mir war jedoch im Vorbeifahren bereits ein Pub aufgefallen, und zwar jenes des Cambrian Hotels. Und dieses Pub sollte sich als guter und günstiger Treffer erweisen. Denn hier kehren auch die Locals (und deren Hunde) auf ihr Feierabendbier, ein Dartduell oder eine Billiardpartie ein. Und wo sich Locals wohlfühlen, da ist passt üblicherweise auch die Qualität. Gut, wohnen möchte ich hier nicht, aber das Essen war wirklich gut, frisch und vergleichsweise günstig. Und weil eben viele Locals hier sind, fallen Auswärtige auf, vor allem um diese untouristische Jahreszeit. Bald werden wir gefragt, was wir hier eigentlich um diese Jahreszeit machen und kommen mit Einheimischen ins Gespräch. Diese sind wieder ganz fasziniert, dass da Menschen wegen ihrer kleinen Eisenbahn weite Wege auf sich nehmen, um hier 12 Tage fotografieren zu gehen. Einige meinen, wir müssten im Sommer wieder kommen, da wäre das Wetter besser (was ich ja bestätigen kann), nur, uns geht es nicht um besseres Wetter, uns geht es um Eisenbahnen. Und die sind bekannterweise eher wetterfest (was somit der Fotograf auch sein muss) und Fotocharter gehen nunmal besser, wenn es keinen Planverkehr mehr gibt.

Nach dem Essen ging es wieder zurück ins Hotel. Beine hochlegen, Bett ist angesagt. Denn, morgen wird vermutlich wieder ein ereignisreicher Tag werden, insgeheim sind wir schon gespannt, welche ferro-fotografische Kost uns morgen vorgesetzt wird. Schön wird sie werden, soviel steht nach den vergangenen vier Tagen schon mal fest. Beim Einschlafen schrecke ich nochmals hoch – das erste Drittel der Veranstaltung ist ja auch schon wieder um?! Time is flying. Nur in der Arbeit oder bei der Hausarbeit zieht sie sich die ein Strudelteig.
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Re: Fairlie Welsh

Beitrag von Dachstein »

Tag 7, 5. November 2025, Tag 5 der Photocharter: Vale of Rheidol Railway – Going upside down

Zum wiederholten Male ist der Wecker unnötig und über das bereits erprobte und geschilderte Morgenritual brauche ich auch nicht mehr zu berichten. Beim Frühstück jedenfalls treffen Georg und ich wieder zusammen und schauen gleich mal den Wetterbericht und die Wetteranimation an. Heute könnte es etwas Sonne geben – und man glaubt es kaum, es regnet auch an diesem Morgen nicht. Derweilen ist auch David beim Frühstück und erwähnt den Plan, heute mit den Autos nach Devil's Bridge zu fahren, um den oberen Streckenteil in den fotografischen Focus zu rücken. Dennoch wird ein Treffpunkt am Bahnhof in Aberystwyth ausgegeben, um nach Möglichkeit Fahrgemeinschaften bilden zu können. Georg und ich machen das eh schon vor, aber für wen dritten habe ich im Ceed auch noch Platz.
Und so geht es heute ohne Navi zuerst zum Bahnhof (die drei Abbiegevorgänge und die zwei Kreisverkehre hab ich schon intus...).
Und so treffen wir uns etwas eher am Bahnhof in Aber und ich bekomme einen Londoner Eisenbahnfreund mit – und er muss nun einen „continental driver“ „aushalten“. Eines vorweg: alle haben überlebt und das Auto ist auch heil geblieben. Für die Strecke nach Devil's Bridge brauche ich nicht mal mehr ein Navi, die bin ich schon öfters gefahren. Und so kommen wir nach flotter Fahrt kurz nach 9 in Devil's Bridge an, wo bereits der Parkplatz für uns extra aufgesperrt wurde. Parkplatznöte haben wir hier abseits der Hauptsaison nicht.

Der Zug wartet, bis wir auf der Fotostelle, für die etwa 15 Minuten Fußweg eingeplant sind, etwas unterhalb. Und so lassen wir die zuvor in Aber abgeholte „Marschverpflegung“ im Auto und gehen den sogenannten „Cardiac hill“ an. Für viele ältere Teilnehmer, die nicht mehr so gut bei Fuß sind, ist das tatsächlich anstrengend, ich bin zwar auch kein Freund von Bergaufgehen (wir wissen – für Bergauf hat man ja die Seilbahn erfunden ;-) ), der Hügel der da von manchem Teilnehmer ehrfürchtig als Berg bezeichnet wird, ist ohne Probleme machbar (wenn die wüssten, wo ich sonst herum klettern muss in der Arbeit). Um halb 10 sind alle da und tatsächlich ist es sonnig. Die Fotostelle ist in der Tat eine Wucht und verlangt nun nach Brennweite. Für die D800 sind 200mm vorhanden, für die OM mit dem Viltrox Adapter aber 400mm Brennweitenäquivalent. Gut, letzteres.

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Der Plan geht auf. Während viele nun mit den 120mm anstehen und Georg wenigstens auch ein 70-200 mithat, habe ich jetzt den technischen Vorteil. No7 - „Owain Glyndŵr“ dampft gemächlich vor den Halden der Cwm Rheidol Mine, die sich auf der anderen Seite des Vale of Rheidol befinden, durch die Schlucht. Der AF ist gemächlich und funktioniert mit dieser Kombi nur im Single Shot Modus, ich muss also nachfrocussieren. Aber das musste man früher sowieso auch immer machen und jetzt tut der Kompromiss mehr als nur seinen Zweck. Und das Nikkor ist bekanntlich rattenscharf.

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Auch in weiterer Folge zahlt sich die Kombination Nikkor 70-200 auf OM-System Kamera voll aus. Es folgen hier noch mehrere Scheinanfahrten, sodass ich mit meinem Brennweitenbereich sehr gut spielen kann. Mit 24-120 finde ich ehrlich gesagt nicht das Auslangen. Dieser Brennweitenbereich ermöglicht hier maximal Übersichtsbilder – hier braucht es meiner Meinung ein Supertele. Fast trauere ich gerade meinen daheimgebliebenen 200-500 nach. Aber mit 400mm geht es auch ganz gut.

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Mit etwas weniger Brennweite schaut die Situation wie folgt aus. In meinen Augen ist der Cardiac Hill eine der besten Fotostellen auf der ganzen Strecke. Man muss aber seine Ausrüstung schleppen, was die Fotostelle aber für viele ältere Mitmenschen ggf. etwas schwer erreichbar macht.

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Und das beste an der Fotostelle – ein window shot geht sich auch noch aus. Denn die Strecke macht links einen 180 Grad Bogen und führt dann wieder aus der Ausbuchtung im Tal raus in Richtung Quarry Cutting Kleiner Nachteil – die Sonne steht hier noch viel zu tief um auch dieses Fenster schön auszuleuchten.

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Allerdings war es das dann auch schon mit dem Sonnenschein.

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Wobei kurzfristig nochmals etwas Hoffnung aufkeimt. Nur sind die Wolken immer schneller als wie der Zug. So schnell kann man keinen Zug anfahren lassen, wie der Lichtspot durchgezogen ist. Das ist halt auch die Küstennähe – Wind bedeutet immer sehr schnell wechselnde Lichtsituationen.

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So sieht das ganze übrigens in der Übersicht aus. Gut einen halben Kilometer Strecke hat man hier zur Verfügung, um entsprechend verschiedene Perspektiven umzusetzen. Unten im Bild das kleine Fenster für den „window shot“. Im Grunde könnte ich es hier im Sommer auch sicher einen Tag aushalten, wenn das Wetter entsprechend mitspielt. Eine Sache braucht man dazu aber auch: die Einwilligung des Grundstückeigentümers, die hier für alle Fotostellen vorhanden war. Das ist das schöne an solchen Veranstaltungen: man braucht sich um die entsprechenden Genehmigungen nicht kümmern.

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Nachdem der Personenzug den Raumabschnitt geräumt hat, hat nun der kurze Güterzug mit der No 9, „Prince of Wales“ freie Bahn. Sonnenschein gibt es nun leider gar keinen mehr.

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Wobei ein ganz klein wenig Sonnenschein hier die Szene nochmals etwas aufhellt. Ich nehme, was ich kriegen kann. Und gibt es nachher noch was besseres, soll es mir recht sein. Gibt es nichts besseres, kann ich mit solchen Ergebnissen auch sehr gut leben. Und ganz ehrlich – in Zeiten wie diesen gibt es kaum etwas friedvolleres, als einer kleinen Dampflok irgendwo in Wales zuzuschauen. Die Probleme der Welt sind hier irgendwie ganz weit weg und Nachrichten habe ich die letzten Tage auch nicht mitbekommen. Theoretisch hätte die Welt unter gehen können – es wäre an uns allen informationslos vorbei gegangen. Und irgendwie auch die Zeit – ist schon wieder knapp vor Mittag!

Der ganze Tross macht sich nun die 15 Minuten Fußweg zum Bahnhof Devil's Bridge, um sich zuerst mal die Verpflegung aus den Autos zu holen. Währenddessen haben beide Loks Wasser genommen und sind wieder an den Zügen. Nun geht es in rascher Fahrt talwärts bis Aberffrwd, wo beide Züge wieder stürzen müssen, um nochmals in den oberen spektakuläreren Streckenabschnitt einfahren zu können.

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Der Personenzug hat sich bereits aus dem Weg geräumt und in den Raumabschnitt unterhalb des Bahnhofs geschoben, womit nun der Güterzug beide Gleise zum Umfahren nutzen kann. Ich versuche nochmals die Kürbisse – wobei heute leider viele Fotografen am Bahnsteig im Weg stehen.

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Nun hat der Güterzug auch seine Lok wieder und der Personenzug ist am leeren Gleis eingefahren. Und nun folgt das Abschmieren der Loks.

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Die Lokpersonale sind vor Abfahrt wieder mit der Hege und Pflege den ihnen anvertrauten Lokomotiven beschäftigt. Und so ein Fahrwerk einer Dampflok hat verdammt viele Lager, die auf Heißläufer kontrolliert und auch geschmiert werden wollen – wer gut schmiert, der gut fährt. Echte Dampfloks sind halt nicht ganz so pflegeleicht wie ihre maßstäblichen Modellkollegen, die bei den Eisenbahnfreunden in der Schachtel oder Vitrine ihr Dasein fristen.

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Unser nächster Fotohalt zeigt, wie die Strecke hier förmlich am Abhang klebt. Der Lokführer und der Zugbegleiter tauschen noch schnell ein paar Worte aus, dann kann das Spektakel wieder beginnen.

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Und was der Güterzug kann, kann auch der Personenzug. Und weil es doch einige Meter hier in den Graben runter geht, wurde die Strecke hier mit „check rails“ am jeweiligen Innenbogen verstehen, die im unwahrscheinlichen Falle einer Entgleisung die Fahrzeuge auf dem Bahnkörper halten.

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Ich selber wechsle nach Freigabe noch die Seite und nehme dann den Personenzug bei der zweiten Scheinanfahrt deutlich weitwinkeliger. Sicher nicht das beste Foto, man kann es aber auch so lassen.

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Kurz vor der Haltestelle Rheidol Falls gibt es noch die Möglichkeit, die Hangseite fotografisch zu nutzen und damit das Tal im Hintergrund zu haben. Interessanterweise gibt es hier einen Wanderweg, der zwar noch einen abgesicherten Bahnübergang besitzt, wenige Meter danach aber im Nirvana endet. Zum Fotografieren eignet sich der Weg aber nicht schlecht.

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Und je weiter man sich den Wanderweg oder dessen Überrest hinaufarbeitet, desto eher bringt man die Rheidol Falls (die Stromschnellen im Tal) auch mit drauf. Wen nun dachte, es handelt sich um spektakuläre Wasserfälle wie jene im Krimml, wird hier etwas enttäuscht sein. Jedoch passen sie ganz gut ins Bild und runden das etwas ab.

Und – oh schreck – der Tag ist auch schon wieder fast weg. Erstaunlicherweise ist dieser Tag noch viel schneller vergangen als wie die die Vorherigen. Bliebe wieder die Abendgestaltung übrig – Georg (der auch schon etwas müde war) und ich hatten und nochmals fürs Pub im Cambrian Hotel entschlossen, da kam David noch auf uns zu und meinte, er hätte einen Tisch im „Glengower“ reserviert – feel free to join us.

Da Georg und ich aber jetzt schon Hunger hatten und Georg auch ins Bett wollte, beschloss ich, den Abend zwei zu teilen: zuerst mit Georg im Pub vom Cambrian Essen, dann noch einen Drink danach im Glengower. Und so ging es um 6:30 PM zu Fuß zum Bahnhof, wo vis a vis das Pub vom Cambrian liegt, danach zum Hotel, wo ich mir noch schnell eine dickere Weste holte – es hat doch empfindlich abgekühlt und am Meer weht eine steife Biese. Und dann ging es zielstrebig in die falsche Richtung. Das Glengower liegt Richtung Constitution Hill im Norden der Seafront, ich ging zielstrebig nach Süden, um beim Pier festzustellen, dass es hier kein Glengower gibt. Für mich unüblich, mich hier zu verrennen, nehme ich also mein Handy und frage Google mal nach dem Weg, für den ich 15 Minuten dann brauche, statt 5.

Etwas peinlich ist sowas ja schon – da ist man sich sowas von sicher, und dann ist man sowas von daneben. Nachdem ich zum erlesenen Kreis von David gestoßen bin und ihnen mein Missgeschick beichte, ist zuerst mal viel Schmunzeln am Tisch. Jedoch ist David schneller an der Bar als ich und bestellt für mich den von mir gewünschten Cidre – bist eingeladen. Der weitere Abend wird mit entsprechend eisenbahnlastigen Gesprächen verbracht, wobei mir schnell auffällt, dass keine anderen deutschsprachigen Teilnehmer hier sind. Diese sind wiederum kollektiv in ein anderes Pub gegangen und Georg liegt im Bett. Im Laufe des Abends erarbeiten wir in heiterer Stimmung Unterschiede zwischen den Gruppen heraus: während die Briten und Amerikaner hier alles viel gelassener sehen und mit viel Humor bei der Sache sind, sind die Deutschen und die Schweizer viel „angespannter“ und alles wird viel mehr durchgetacktet und durchgeplant. Soviel kann man schnell feststellen, und damit erfüllen sich irgendwie die Klischees ja auch wieder: der Brite, der alles mit stoischer Ruhe und einer gehörigen Portion Humor erträgt und der Deutsche, der alles in Perfektion durchplant. Und ich? Da bin ich ein Austro-Brite sozusagen. Bei meinen deutschen Baustellen hatte ich ja schon die Tugend der Deutschen Gründlichkeit kennengelernt; die durchaus ihre Vorzüge hat. Allerdings muss man halt im Zweifelsfall auch mal reagieren und sich nicht von Unwegbarkeiten aus der Ruhe bringen lassen. Das lernt man in dem Job, den ich mache, recht gut. Wenn was nicht geht, geht es halt nicht und aufhängen werde ich mich deswegen nun auch nicht. Und wenn die Fotowolke die Sekunde vor dem Zug kommt, dann ist es halt so und im Grunde auch kein lebensbedrohliches Unglück, auch wenn das manche Fotopuristen gegeben falls anders sehen. Vom Mindset bin ich offenbar diesen Briten näher als den Kollegen, der grad mal kurz hinter der Grenze in Bayern wohnt. Sachen gibt’s....

Kommen wir nun zu den unguten Dingen im Leben – dem Zusammenpacken: denn morgen ist nicht nur der letzte Tag auf der wunderbaren Vale of Rheidol Railway, sondern auch wieder Reisetag. Sprich am Abend werden wir Aberystwyth nordwärts verlassen. Da ich ja sowieso beruflich viel reise, habe ich hier auch schon einiges an Übung und eine entsprechende Ordnung in vorbereiteten Packsäcken für Socken, Unterwäsche, Hemden, Funktionsbekleidung wie Hosen und Fließjacken und der mehr werdenden Schmutzwäsche.

Die restliche Fotoausrüstung wird dann in der Früh zusammengepackt. Gen 23 Uhr komme ich endlich ins Bett, der Wecker ist auf 6:45 gestellt, mal schauen, ob ich ihn morgen brauchen werde.
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Re: Fairlie Welsh

Beitrag von Dachstein »

Tag 8, 6. November 2025, Tag 6 der Photocharter: Vale of Rheidol Railway – Going upside down with a Garratt

Nein, wie schon die Tage zuvor, war der Wecker unnötig. Während das Teewasser kocht und der Tee zieht, packe ich mein restliches Zeug zusammen. Dann geht es auch schon zum Frühstück. Georg hat auch gut geschlafen; es folgt beim doppelten Espresso wieder der Blick auf die Wetter App, die wieder etwas Sonne und sonst Bewölkung meldet. Nur die kommenden Tage dann, uiui... das wird wohl richtig nass werden. Wir werden sehen. Heute ist heute und was dann morgen kommt, ist mir heute egal.
Nach dem Frühstück packen wir unsere Autos voll, bezahlen den Parkplatz und fahren dann im Convoy zum Bahnhof. Auch heute soll wieder ab Devil's Bridge aus gefahren werden, es bieten sich wieder Fahrgemeinschaften an. Allerdings, ich hatte das Gefühl, dass es heute zielführend sein könnte, eher am Bahnhof zu sein. Und das Gefühl sollte nun nicht täuschen. Denn just als die Lok No7 - „Owain Glyndŵr“ aus dem Heizhaus rangiert, kommt die Sonne heraus. Und die Lage der Strecke mit diesem Sonnenstand ergibt die perfekte Gegenlichtsituation. #

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Wiederum sind es keine klassischen Eisenbahnmotive wie Lok schräg von vorne, sondern die ungewöhnlichen Perspektiven, die glücklich machen. Die Krempe am Schornstein schimmert in der Sonne, das Namensschild bekommt auch noch etwas reflektiertes Licht ab; der Dampf aus den Schlammhähnen taucht die ganze Szenerie in ein mystisch – nebeliges Flair.
Der Token ist abgeholt, das Lokpersonal wartet noch auf den Guard, der wenig später „right away“, den Abfahrtsauftrag, erteilt.

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Der goldene Sonnenschein, der durch die Fenster des ausfahrenden Zuges in den Dampf der Lokomotive scheint, gibt die perfekte, mystische Eisenbahnszenerie. Langsam trudeln die anderen Fotografen mit ihren Autos ein – dieser Zug ist aber für sie sprichwörtlich abgefahren.

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Der Zug ist dahin, aber die Bilder sind bei Georg und mir im Kasten. So startet der Tag im Grunde gleich mal mit den besten Bildern des Tages. Zur richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort gewesen – das ist die Kunst in der Fotografie. 10 Minuten später und nichts davon wäre auf der Speicherkarte. Glück, dass die Sonne scheint, muss man natürlich auch haben. Während nun die Garratt zum Wasserfassen fährt, verschwindet die Sonne auch schon wieder. Gleichzeitig machen wir uns bereit, nach Devil's Bridge mit dem Auto zu fahren. Georg packt sein Equipment wieder in mein Auto und dann geht es auch schon los. Gestrige Fotostelle reloaded.

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Wiederum ist es trocken, jedoch lässt uns hier die Sonne im Stich. Draußen am Meer scheinen größere Wolkenlücken zu sein, keine will auch nur ansatzweise in unsere Nähe kommen. Schade. Und so werden der Personenzug als auch...

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… der Güterzug im eher fahlen Morgenlicht abgelichtet. Ist halt so und die Fotos von der Ausfahrt sind eh im Kasten, die nimmt uns keiner mehr. Die Drohnenaufnahmen kann man, dank fast keinem Licht, großteils leider ziemlich vergessen.

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Was die Bilder aber nach etwas Aufhübschen im Photoshop zeigen ist die Weite der Landschaft und die Tiefe des Vale of Rheidol. Der Zug wirkt in der Szenerie der lieblichen Landschaft schon fast etwas verloren.

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Auch den Güterzug mache ich noch aus der Luft. Und dabei kommt mir noch eine Idee – den Windowshot von der Breitseite. Denn, der Farmer hat zwar keine Betretungserlaubnis für diesen Schuss gegeben (die Wiese ist dafür tatsächlich auch zu nass), das Überfliegen seines Grundstücks muss er aber gemäß geltender Rechtslage (Großbritannien hat wie Österreich ein Allgemeinservitut, sodass der Luftraum über einem Grundstück außerhalb des Einflussbereichs von zugelassenen Luftfahrzeugen und Drohnen beflogen werden darf) dulden.

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Und so gelingt dem Drohnenpiloten ein Schuss, der allen anderen Fotografen für dieses Mal verwehrt bleibt. Man hat mit der Drohne hier tatsächlich einige Vorteile, muss sich aber auch immer mit den rechtlichen Rahmenbedingungen auseinandersetzen. Nachdem ich meine Mini 4 Pro wieder gelandet hatte belassen wir es und gehen zurück zum Bahnhofs Devil's Bridge. Die Bahnhofseinfahrt ruft.

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Vor dieser liegt ein enger Linksbogen durch den sich die Züge zwängen müssen. Und diese ist ausgesprochen fotogen. Nachdem der Personenzug den Bahnhof Devil's Bridge erreicht hat, kommt die Garratt. Wir beschließen aber, sie bei der Quarry Cutting zu erwischen, deren Ausfahrt nach wenigen Minuten Fußmarsch erreicht ist. Wiederum müssen sich ca. 30 Fotografen auf engem Raum irgendwie arrangieren.

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Währenddessen wartet die NGG 13 No 60 noch auf den Auftrag, an uns vorbeizufahren. Das Licht ist leider sehr schwierig – der satte hell-dunkel Kontrast macht auch wirklich guten Kameras das Leben schwer.

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Im Grunde sind alle Bilder hier mindestens eine EV unterbelichtet, sonst ist der Himmel nur mehr hellweis und ausgefressen. Da muss wieder der Photoshop ran. Die Tiefen müssen aufgehellt werden, die Lichter entsprechend abgedunkelt, um ein halbwegs brauchbares Bild rauszubekommen. Hoffentlich säuft die Lok nicht bei diesem Ballanceakt völlig ab. Aber war die Einfahrt in die Quarry Cutting schon herausfordernd...

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…wird die Ausfahrt nochmals herausfordernder. Zu großen Teilen ist das Bild von sehr dunklen Bildpartien dominiert. Dazu kommt eine dunkelrote Lok, die sich auch noch bewegt. Im totalen Gegensatz dazu etwas Himmel, der gnadenlos ausfrisst, auch mit einer EV drunter. Ein belichtungstechnischer Ballanceakt mit mehreren Probeschüssen folgt. Das Histogramm hilft jedoch ungemein, die Situation richtig einzuschätzen.
Nachdem auch dieses Bild brauchbar im Kasten war, ging es wieder zu Fuß nach Devil's Bridge, wo der Personenzug bereits abfahrtsbereit am Hausbahnsteig bereitgestellt war. Vorher muss aber noch die Garratt mit ihrem Güterzug aufs zweite Gleis.

Die Fahrt nach Aberffrwd wird mit der mitgebrachten Jause vertrieben, schnell werden wieder Kekse getauscht und die Sandwichs verputzt.
In Aberffrwd selber müssen beide Züge wieder umsetzen. Zuerst macht dies der Personenzug, der dann Richtung Aber aus dem Bahnhof drückt. Denn de Garratt ist im Anmarsch.

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Das Home Signal ist bereits auf Einfahrtsstellung und zeigt frei. Wenig später rollt der Zug gemächlich über die EK und dann in den Bahnhof Aberffrwd.

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Der Groundframe des Bahnhofes bietet für die Bahnhofseinfahrt den richtigen Rahmen. Und hier fällt wieder auf, was für ein Monster die NGG 13 ist. Das Ding ist hoch wie eine Normalspurlok, lang wie eine und hat auch soviel Schmalz. Aber keine Sorge, wir werden noch geringfügig Größeres sehen – die etwas mehr als 62 Tonnen werden in den kommenden Tagen nochmal leicht überboten werden. Übrigens: im Kohlebunker der Lok haben an die vier Tonnen Kohle und in den Wasserkästen über 8 Kubikmeter Wasser Platz. Im Großen und Ganzen entspricht das in etwa jenem, was die DB Baureihe 86 mit sich führt (die einen Kubikmeter Wasser mehr fassen kann), aber eine Normalspurlok ist, während die NGG 13 ja auf 597 bzw. 603 mm steht.

Während dieser Ausführungen hat auch das Personal der Garratt den Zug umgedreht und der Personenzug kommt wieder in den Bahnhof. Es folgt das obligatorische Abschmieren der Maschinen und die Lagerkontrolle. Danach geht es wieder das Tal hinauf. Zuerst der Personenzug, danach die Garratt mit ihrem Güterzug.

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Nachdem uns der Personenzug auf der bereits bekannten Fotostelle abgesetzt hat, verteilen sich die Fotografen wieder im Gemüse. Ich versuche mein Glück zuerst aus tiefer Position, womit ein zwar dynamisches Bild der NGG 13 gelingt, jedoch das Tal logscherweise völlig verschwindet. Ganz nebenbei befindet sich linker Hand ein Loch, wo ein kleiner Bach raus rinnt. Das Loch, halbverwachsen, ist ein alter Stollen, an dem die Strecke vorbeiführt.

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Aus dem Level des Stollenportals wirkt die wuchtige NGG 13 bei der Vorbeifahrt nocheinmal dynamischer. Wer genau hinschaut sieht auch das Feuer in der Feuerbüchse lodern.

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Danach klettere ich aus meiner Position raus und gehe auch den Weg einige Meter hoch. Einen Schuss mit der NGG 13 und den Rheidol Falls will ich schon noch haben. Leider beginnt es nun leicht zu regnen...

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Der zweite Schuss geht auch auf, wenngleich es dank Regens nun wieder ungemütlich wird. Bis jetzt wäre es eigentlich halbwegs trocken gewesen. Letztlich wird das aber auch nur ein keiner Vorgeschmack auf die nächsten Tage.

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Nachdem der Güterzug aus dem Weg ist, kommt der Personenzug. Das Personal gibt sich mit der Dampfentwicklung sichtlich Mühe, den Fotografen eine Freude zu machen. Gelingt ihnen vorzüglich.

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Die Regentropfen werden nun leider schwerer und prasseln unaufhörlich auf uns nieder. Gleichzeitig kommen aber auch ein paar Sonnenstrahlen. Ja was jetzt? Geht da noch ein Schuss ohne Regen und mit etwas mehr Licht zum Abschluss?

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Geht! Das nenne ich nun einen versöhnlichen Abschluss eines lichttechnisch eher schwierigen Tages. Nachdem nun noch eine längere Autofahrt folgt, machen wir etwas eher Schluss. Mit dem Auto geht es von Devil's Bridge nach Aberystwyth, wo Georg auf sein Auto umsattelt. Ich brauche noch Sprit, um die nächsten zwei Stunden zu überleben, ohne liegen zu bleiben. Am Bahnhof gibt es eh gleich eine Tankstelle, die Georg und ich im Convoy ansteuern.

Danach geht es wieder in die walisische Dunkelheit, weiter nach Norden. Rein nach Eryri , wie Snodwonia auf Walisisch heißt. In gemächlicher Landstraßenfahrt geht es aus Aberystwyth nach Norden. Zuerst über die gut ausgebaute A487 über Machynlleth und Corris (wo es noch eine Museumsbahn gibt) dann weiter bis Dolgellau auf der A470. Hier gibt es die Möglichkeit, über die Küste oder durchs Land weiterzufahren. Weil es eh schon finster ist, nehmen wir die schnellere, landesinnere Straße, welche und nun gerade aus weiter nach Norden führt – das Navi habe ich bereits ausgeschaltet, die Gegend kenne ich schon recht gut und weis, dass alle Abzweigungen gut beschildert sind – notfalls kenne ich sogar einige Abschneider in Form von B-roads, die ich aber weder Georg noch mir in der Dunkelheit zumuten möchte. Bei Trawsfynydd sehen wir das links von uns liegende, stillgelegte Atomkraftwerk nicht, weil stockfinster und zweigen bei Gellilydan auf die A487 ab, die durch das Tal des Dwyryd über Penrhyndeudraeth nach Minffordd führt (beide Namen kann man sich schon mal für die Folgetage merken). Dort verlassen wir die A487 und fahren über die A497 Richtung Meer, runter nach Porthmadog. Bei Boston Lodge folgt eine scharfe Linkskurve, und dann sind wir auch schon am Cob im Afon Glaslyn, an dessen Ende sich zwei Dinge befinden: links Porthmadog Harbour Station und rechts unser Hotel, wo wir die Autos am Parkplatz abstellen. Wir werden die Autos in den nächsten Tagen nicht mehr benötigen.

Nachdem wir eingecheckt haben, gab es wieder die Überlegung, wohin man nun Essen gehen sollte. Und für Eisenbahnfreunde bietet sich hier ein Pub an: SPOONER'S! Das Pub liegt direkt im Hafenbahnhof und wird von der hier ansässigen Ffestiniog and Welsh Highland Railways betrieben – bei denen wir auch in den nächsten Tagen unseren Spaß haben werden. Das Pub an sich ist nicht nur direkt im Bahnhofskeil angesiedelt, faktisch liegt es direkt an den Hausbahnsteigen, der Gastkarten liegt so, dass man den Loks beim Rangieren, Bekohlen und Wassernehmen zuschauen kann. Im Pub selber hängen Fabriksschilder und Namensschilder der hier eingesetzten Lokomotiven, Princess, Taliesin, James Spooner sind hier beispielsweise zu lesen. Ist die Bahn der Garten, ist das Spooner's das Wohnzimmer.

Gleichzeitig gibt es aber hier nicht nur historische Schilder und Bilder, sondern auch hier die Biere der lokalen Purple Moose Brewery – und so klingt der Abend mit einem Burger und einem Dank Sinde of the Moose und vielen Erinnerungen an vergangene Urlaube hier aus – gefühlt bin ich hier schon an jedem Tisch gesessen. Und letztlich gingen ja auch einige Bahnfahrten in den letzten Jahren von hier los – mit einem frischen Kaffee und einem Drink von der Bar. Und alleine die Erinnerung daran lässt die Vorfreude auf die nächsten sechs Tage steigen. Waren die BMR und die VOR quasi die Vorspeisen, werden die WHR und die FR die Hauptspeise. Und es ist angerichtet.
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Re: Fairlie Welsh

Beitrag von Dachstein »

The holy trinity of narrowgauge of Porthmadog

Im Grunde verlangt Porthmadog, die Ffestiniog Railway, Welsh Highland Railway und die Welsh Highland Heritage Railway nach einigen einleitendenden Zeilen, in aller Kürze (lol) und auch Unschärfe – die Geschehnisse über die Zeit sind teils sehr verworren und auch von der Perspektive der handelnden Akteuren abhängig. Im Grunde kann man alle drei Bahnen, also die Welsh Highland Railway, Welsh Highland Heritage Railway und die Ffestiniog Rrailway jeweils separat betrachten, jedoch sind sie nicht nur durch ihre Geschichte, sondern auch gleistechnisch miteinander verbunden.

The Ffestiniog Railway (Rheilffordd Ffestiniog), the legacy of slate and steam

Im Falle der Ffestiniog Railway handelt es sich um ein historisches Schmuckstück. Es ist jene Eisenbahn, die von der ältesten ununterbrochen aktiven Eisenbahngesellschaft der Welt betrieben wird – der Ffestiniog Railway Company, deren Gründungsjahr sich 2032 sich zum zweihundersten Mal jähren wird – die Gesellschaft wurde also 1832 gegründet und ist seitdem aktiv (auf die Party, die die da steigen lassen, bin ich schon mal gespannt, wenn ich an deren 200 wheels in the Cob anlässlich zu 200 Jahre Eisenbahn denke).
Im 18. Jh. selber war die Gegend eine abgelegene Küstenregion mit gebirgigem Hinterland. Weder Porthmadog noch Blaenau Ffestiniog existierten. Gegen Ende des 18. Jh. erwarb William Alexander Madocks Land des Afon Glyslyn.

Dieses Land namens Traeth Mawr zu deutsch „Großer Strand“, welches man durchaus ein Polder ist, wie wir es auch aus den Niederlanden oder Deutschland kennen, begann er nutzbar zu machen. Dazu errichtete Mardocks mehrere Dämme. Zum Meer hin wurde der Polder durch einen 1,5 km langen Damm, The Cob, abgeriegelt und somit vor Überflutung schützt. The Cob wurde bis 1811 fertiggestellt. Das Sperrbauwerk kostete ihn die astronomische Summe von 100000 Pfund – Madocks ging bedingt durch den extrem teuren Bau bankrott und als das Bauwerk bereits 1814 erheblich beschädigt wurde, mussten die Wiederherstellungskosten andere tragen.
Die Arbeiter, die beim Bau des Cobs beschäftigt waren, waren am östlichen Ende in der sogenannten Boston Lodge untergebracht. Der Name rührt daher, dass Madocks Parlamentsabgeordneter für Boston in Lincolshire war.

Gleichzeitig erfüllte der Damm auch noch eine andere Aufgabe: er leitete den Fluss Glaslyn an die Westseite der Mündung um und spülte somit ein Gerinne frei, welcher den natürlichen Hafen mit dem Meer verband. Und wo ein Hafen, da ist Handel, und wo Handel ist, siedeln sich Menschen an. Der Ort Port Madock (heute Porthmadog) war geboren.

In den Bergen wurde ab Mitte des 18. Jh. Schiefer in kleinen Steinbrüchen gewonnen und mit Packtieren mühevoll zum Fluss Dwyryd transportiert, von wo er in Flachrumpfschiffen nach Ynys Cyngar, eine Meile südwestlich von Porthmadog transportiert wurde. Dort wurde der Schiefer auf hochseegängige Schiffe verladen und über die Meere in die Welt hinausgeschickt. Madocks erkannte, dass hier für Port Madock eine Möglichkeit liegt und unterstützte 1821 ein Gesetz, welches jeder Eisenbahn die Weiterfahrt über den Cob gestatten würde, welche am östlichen Ende ankäme. Dies öffnete nun quasi der Ffestiniog Railway, die es ja noch gar nicht gab, die Tore. Kurz nachdem Madocks gestorben war, schlossen sich ein Steinbruchbesitzer namens Samuel Holland und ein Geschäftsmann namens Henry Archer aus Dublin zusammen, um die Idee einer Eisenbahn aus den Steinbrücken zum Hafen nach Port Madock zu erörtern. Die Idee der Ffestiniog Railway war geboren. 1832 wurde die Bahngesellschaft per Gesetz durch das Parlament gegründet. Um den Bau durchzuführen, behalf man sich eines Mannes – James Spooner (der Name wird uns verfolgen!), welcher ein ausgesprochen fähiger und einfallsreicher Trassenplaner und Vermesser war. Spooner errichtete die Strecke in einem kontinuierlichen Gefälle, sodass weite Teile der Strecke im Schwerkraftbetrieb funktionierten – die Wagen liefen am Cob aus und erreichten so den Hafen von Port Madock. Bergauf wurden die Wagen von Pferden gezogen, welche bei der Talfahrt in eigene Wagen, den Dandy wagons verladen wurden und so talwärts befördert wurden. Als Spurweite wurden 597mm gewählt. Die Strecke konnte so enge Kurven passieren, die Wagen waren klein genug um händisch verschoben zu werden (was im Hafen und den Steinbrüchen von Vorteil war), gleichzeitig hatten die Steinbruchbahnen auch diese Spurweite. Auf der anderen Seite war sie groß genug, damit Pferde im Gleis gehen konnten.

Zwar war Spooner ein fähiger Vermesser, jedoch musste auch aufs Geld geschaut werden. Und so war man aus finanziellen Gründen gezwungen, statt einem Tunnel eine Scheitelstrecke bauen, welche aber letztlich betrieblich ein Hindernis darstellte. Damit gab es anfangs getrennten Schwerkraftbetrieb: von Blaenau Ffestiniog bis zur ersten Incline, auf welcher die Wagen hinaufgezogen wurden. Anschließend ließ eine zweite Incline die Wagen wieder hinunter; von deren Talstation die Wagen in Zügen gekuppelt und mit mehreren Bremsern besetzt hinunter nach Port Madock rollten. Die Bremsbergkonstruktion erwies sich als derart hinderlich, dass sich die Verantwortlichen letztlich entschlossen, doch einen Tunnel zu bauen, den Moelwyn Tunnel - die Bremsberge, welche noch heute in ihren Grundzügen existieren und bewandert werden könne, wurden aufgegeben. Von nun an konnten die Wagen direkt von Blaenau Ffestiniog nach Port Madock mittels Schwerkraft rollen. Dies führte zu einer signifikante Steigerung des möglichen Transportvolumens. Was auch bitter nötig war, da das Transportvolumen massiv zugenommen hatte. Dennoch reichte das nun mögliche Transportvolumen nicht aus, und so begann man die Möglichkeiten zu sondieren, die eine weitere Erhöhung zulassen würden. Dampflokomotiven für diese Spurweiten sah man damals als völlig unpraktikabel an, darüber hinaus war es sogar per Gesetz verboten, auf Schmalspurbahnen Personenverkehr anzubieten. Ein zweigleisiger Ausbau schied durch die Trassierung der FR aus.

Erst der Sohn von James Spooner, Charles Easton Spooner, begann sich mit der Idee der Lokomotive wieder zu beschäftigen und schrieb 1862 die Beschaffung von Dampflokomotiven für die Bahn aus. George England, welcher eine Maschinenfabrik in London besaß, bewarb sich um den Auftrag und bot vier kleine Schlepptenderlokomotiven an, die 1863 und 1864 geliefert wurden.

Die Lokomotiven The Princess und Mountaineer erreichten 1863 Port Madock, The Prince und Palmerston ein Jahr später; außer Mountaineer sind alle Lokomotiven auch heute noch erhalten. Die Loks, fortan als „Small Englands“ bezeichnet, bewährten sich prinzipiell gut, aber wieder schaffte die Bahn es nicht, die nötige Transportkapazität bereitzustellen – der ab 1864 erlaubte Personenverkehr tat dazu sein Übriges. George England lieferte in weiterer Folge 1867 noch zwei geringfügig größere und verbesserte Loks nach, die beiden „Large Englands“ Welsh Pony und Littel Gigant. Littel Gigant. Diese Loks konnten nun 80 Tonnen bergauf befördern. Einige dieser Loks werden wir noch näher kennenlernen.

Wiederum reichten die Transportkapazitäten nicht aus und wieder beschäftigte man sich mit dem Thema der Erhöhung der Kapazitäten. Wieder dachte man an den zweigleisigen Ausbau, wieder kam man zum Schluss, dass es eine schlechte Idee ist. Was also tun?

Zu dieser Zeit bot der schottische Ingenieur Robert Francis Fairlie der Ffestiniog Railway eine sehr spezielle Lokomotive an, die seiner Meinung nach die Transportbedürfnisse der Bahn befriedigen könnte, ohne groß die Strecke umbauen zu müssen. Diese Lok, die Double-Fairlie hob sich erheblich von allem dagewesenen ab und kann als Duplex-Lokomotive wie folgt beschrieben werden: Zwei Lokomotivhälften in einem Rahmen zusammen auf Drehgestellen gelagert, kein Tender dahinter, Führerstand in der Mitte – Heizer und Lokführer getrennt seitlich am Brückenrahmen stehend, zwei getrennte Feuerbüchsen – jedoch mit durchgängigem Stehkessel, zwei Regler... Im Grunde hatte Fairlie die Konstruktionsprinzipien der symmetrischen Mittelführerstandslok vorweggenommen, wie sie deutlich später mit der DB V100, ÖBB 2045 oder ÖBB 1063 zuhauf in allen Herren Ländern realisiert wurden. Zweifel waren angebracht, dass dieses Ungentüm von Lok hier Abhilfe schaffen könnte. Trotz der anfänglichen Zweifel entschied man sich zu Lastprobefahrten. Und während die Lange Englands 80 Tonnen zogen, zog das neue, absonderliche Ungetüm von Lokomotive (die Lok wurde anfangs als „queer“ beschrieben) mit dem Namen Little Wonder mehr als 200 Tonnen weg. Gekauft.... Über die Double-Fairlie und die Lastprobefahrten von Litte Wonder gibt es sogar ein Lied, welches die Loktype teils ironisch, teils bewundernd kommentiert.

Wie funktioniert nun das Konzept der Double Fairlie? Bevor ich lange hier schreibe (lol), lasse ich diesen Part dem Youtubekanal der Ffestiniog Railway über:

Fairlies of the Ffestiniog – Part 1 - Intriduction
Fairlies of the Ffestiniog – Part 2 – History
Fairlies of the Ffestiniog – Part 3 – How they work

Alles klar, wie diese außergewöhnliche Loktype funktioniert? Wunderbar! Daher weiter mit der Geschichte. Bedingt durch die weitere Zunahme an Fracht- und Passagieraufkommen wurden weitere Loks in Dienst gestellt. 1872 die Double-Fairlie James Spooner sowie die Single-Fairlie Taliesin 1876. Beide Lokomotiven werden wir später (nicht, oder doch?!) sehen. In der bahneigenen Werkstätte Boston Lodge entstanden in weiterer Folge noch die Double-Fairlies Merddin Emrys 1879 und Livingston Thompson 1886, während die Prototyplok Litte Wonder 1882 nach doch einigen Kinderkrankheiten ausgemustert und zerlegt wurde.

Eine weitere Zunahme an Fahrgästen zwang die Bahn letztlich sogar, zusätzlich zu den zweiachsigen Personenwagen 4-achsige Wagen in Dienst zu stellen. Die beiden ersten Drehgestelltwagen No 15 und No 16 sind immer noch vorhanden, mustergültig restauriert und somit in Dienst und gehören der „heritage fleet“ der Ffestiniog Railway an.

Mittlerweile war der Schienentransport im Inland deutlich angestiegen, während der Küstenschifftransport immer unwichtiger wurde. Die FR reagierte folgerichtig mit der Errichtung des Minffordd Yards, einer Umladeanlage zur Normalspur.
Kurz darauf wurden jedoch die Normalspurstrecken der London & North Western (1879) und der Great Western (1883) nach Blaenau Ffestiniog von Llandudno Junction und Bala fertiggestellt, sodass es nun möglich war, direkt in Blaenau Ffestiniog auf die Normalspurbahn zu verladen – ein herber Schlag für die Ffestiniog Railway – die Blütezeit der Bahn war somit abrupt zu Ende gegangen. Durch die Normalspurstrecken kamen nun aber vermehrt Touristen in die ursprünglich abgelegene und danach vom Schieferabbau geprägte Region. Bis in die 1920er Jahre musste die Bahn sich mit Schieferverkehr UND Fremdenverkehr über Wasser halten, die Single-Fairlie Taliesin wurde 1924 ausgemustert und verschrottet, 1930 ebenso die Double-Fairlie James Spooner. Ihr Engagement bei der benachbarten Welsh Highland Railway (siehe weiter unten) sollte sich auch nicht auszahlen. Mit der Schieferindustrie ging es in weiterer Folge bergab, andere Materialien im Bau waren nun bevorzugt.

Der Ausbruch des zweiten Weltkrieges verkürzte die Sommersaison 1939 derart, dass im September der Personenverkehr eingestellt wurde. Während des Krieges hielt die Ffestiniog Railway noch der Güterverkehr in bescheidenem Maße aufrecht und nur noch geringe Mengen an Schiefer wurden in Minffordd umgeschlagen. Die Geschäftsleitung hoffte auf die Zeit nach den Krieg und Blaenau Ffestiniog war schließlich „the town, that roofed the world“. Und nach dem Krieg sollte es an einem Bedarf an Dachdeckungen nicht mangeln – Deutschland war im 19. Jahrhundert einer der wichtigsten Absatzmärkte für walisischen Schiefer und Deutschlands Städte lagen nach dem Zweiten Weltkrieg in weiten Teilen in Schutt und Asche. Allerdings übernahm der LKW die Aufgaben der Bahn nach dem Krieg und die Bahn konnte aufgrund des Wegbrechens von Fracht und folglich auch an Einnahmen ihre Infrastruktur nicht mehr unterhalten - die Strecke als auch die Fahrzeuge waren nach dem Krieg stark verschlissen.

Im Sommer 1946 fuhr der letzte Zug und der Bahnbetrieb wurde eingestellt. Allerdings hatte die light rail order, nachdem die Strecke bewilligt worden war, keine Vorkehrungen für die Stilllegung getroffen. Und so befand man sich in einem rechtsfreien Raum... Auch erfolgte die Einstellung des Betriebes so rasch, dass Fahrzeuge in der Werkstatt in teilzerlegten Zustand zurückgelassen wurden – die Lok Prince stand beispielsweise zur Hauptuntersuchung zerlegt mit neuem Kessel im “erecting shop” in Boston Lodge. Der Letzte hat sozusagen das Licht ausgemacht und alles so zurückgelassen, als käme man am nächsten Morgen wieder zur Arbeit. Man beschloss nichts zu tun und so verfielen die Bahnanlagen in einen Dornröschenschlaf und waren Wetter, Souvenierjäger und Plünderern ausgesetzt.

Die Bahnanlagen in Boston Lodge waren aber nach wie vor bewacht. Ein Mann namens Timmy Phillips beobachtete die Bahnanlagen und ging im Boston Lodge Yard mit Hammer, Bretter und Nägeln umher, vernagelte Tore, Türen und Fenster und sicherte die Gebäude so gegen Plünderer und Altmetallhändler. Er hatte ein Auge auf das Gelände, neben dem er wohnte und war somit eigentlich der erste Freiwillige, der sich um die Bahn kümmerte – viele sollten seinem Beispiel noch folgen.
1951 traf sich in Bristol eine kleine Gruppe von Menschen, welche sich für Schmalspurbahnen interessierten und die ein Interesse in der Ffestiniog Railway hatten. Zu Hilfe kam ihnen 1954 Alan Pegler (welcher später durch die Rettung des Flying Scotsman kennt werden sollte), welcher Anteile an der Ffestiniog Railway Company erwarb und diese dem neu gegründeten Ffestiniog Railway Trust übertrug – damit hatte der Trust die Kontrolle über die Ffestiniog Railway Company und damit über die Bahn, jedoch nicht die vollständige Eigentümerschaft. Der Vorstand der Bahn war nun durch Freiwillige besetzt; Freiwillige und wenige hauptberufliche Eisenbahner machten sich daran, die Strecke wieder befahrbar zu machen. Im Winter 1954-55 war die verwachsene Strecke soweit gerodet, dass mit einer Simplex Feldbahnlokomotive eine Probefahrt nach Blaenau Ffestiniog durchgeführt werden konnte. Um den Wiederaufbau finanzieren zu können, musste eine Vielzahl von alten Schieferwagen an Schrotthändler verkauft werden. Damit überbrückte die FR die Zeit, bis 1955 die ersten Züge zwischen Boston Lodge und Porthmadog Harbour Station fuhren, die erste Einnahmen in die knappen Kassen der Bahn brachten. Zuerst bespannte die Simplex Feldbahnlok die Züge, später kam die Lok Prince, die die Freiwilligen faktisch als Bausatz in der Werkstätte vorfand, dazu.

Rasch gelang es, den Verkehr bis Minffordd wieder aufzunehmen, wenig später fuhren die Züge bis [url=Phttps://www.festipedia.org.uk/wiki/Penrhyn_Station]Penrhyn[/url] und bis Tan-Y-Bwlch, welches 1958 erreicht wurde. In dieser Zeit konnte auch die erste Double-Fairlie, die Livingston Thompson wieder in Betrieb genommen werden.

Auch wenn die Freiwilligen hier einige Erfolge vorweisen konnten, gab es doch auch herbe Rückschläge. 1954 plante die British Electricity Authority ein Pumpspeicherkraftwerk in Tanygrisiau. Dazu wurden Teile der Trasse zwischen Dduallt und Tanygrisiau benötigt. Zwar beeinspruchte die Ffestiniog Railway Company die Inanspruchnahme ihres Bahndammes, die Verantwortlichen waren aber fälschlicherweise der Meinung, dass die „Spinner“ der Eisenbahn sowieso nur Amateure wären und bald aufgeben würden – die Enteignung der Strecke in diesem Bereich wurde vorangetrieben und letztlich der Moelwyn Tunnel verplombtund die Strecke im Zuge des Kraftwerkbaues geflutet, obwohl die Bahn gar nicht stillgelegt war. Und so machte man sich an den Wiederaufbau der Strecke bis Dduallt, dem letzten Bahnhof vor den Moelwyn Tunnel, hinter dem die Strecke nun geflutet wurde. Die Behörden hatten sich mit den „Spinnern“ von der Bahn gehörig getäuscht. Noch nicht mal war Dduallt erreicht, machten sich die Verantwortlichen der FR an die Überlegungen, wie man bis Blaenau Ffestiniog kommen könnte. Die alte Strecke stand ja nun nicht mehr zur Verfügung, der Llyn Ystradau hatte die Strecke sowie den alten Tunnel mittlerweile teilweise geflutet (die alte Trasse kann bei Niedrigwasser noch gut gesehen werden), also begannen die Verantwortlichen mit der Palnung eine Umgehungsstrecke, der sogenannte Deviation. Nach der Devise: legt ihr uns einen See in den Weg, bauen wir halt drum herum (-und verklagen euch). Und zwar in weitgehend freiwilliger Arbeit, ohne Geld und ohne große Maschinen und zwar auf Land, das uns nicht mal gehört. Ein rechtlich wie technisch dezent aussichtsloses Unterfangen, wie viele meinten.

Aus diesen „Spinnern“ wurden die sogenannten „Deviationists“ - eine Gruppe von Menschen, die ihre Wochenenden als Ausgleich zu ihrem Beruf damit verbrachten, eine neue, mehrere Kilometer lange Trasse auf Land zu errichten, welches ihnen die Economic Forestry Group zur Verfügung stellte. Gleichzeitig stieg der Personenverkehr auf der wiedereröffneten Teilstrecke weiter an, sodass eine gewisse Legitimation der Bahn eintrat. Da die Bahntrasse nun über den Wasserspiegel des Sees ansteigen musste, bedeutete dies aufgrund der geringen Distanzen den Bau eines Kunstgriffes, wie wir ihn von der Albula oder von der Berninastrecke kennen. Um die Strecke künstlich zu verlängern, entstand nach am Bahnhof Dduallt eine Kreiskehre, die Dduallt Spiral, wobei die Bahnhofseinfahrt von Dduallt auf der Rhoslyn Bridge überquert wird. Die Dduallt Spiral ist im übrigen die einzige Kreiskehre auf den Britischen Inseln.

Gleichzeitig prozessierte die FR gegen die Enteignung, zumal die Bahngesellschaft noch nicht einmal eine Entschädigung dafür bekommen hatte. Nach 18 Jahren Rechtsstreit musste der Energieversorger letztlich klein beigeben und den „Amateuren“ die beträchtliche Summe von 106000 Pfund als Entschädigung zahlen.
Die Summe war aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein, da man ja den alten Moelwyn Tunnel nicht mehr benutzen konnte – ein neuer Tunnel, der New Moelwyn Tunnel musste gebaut werden.

Als professioneller Tunnelbauer kann ich ja eines festhalten – Amateure haben im Tunnelbau (in diesem Fall im zyklischen Sprengvortrieb im Syenit – „kleschhart“ wie die Mölltaler Kollegen im Vortrieb sagen würden) nichts verloren. Zu groß sind die Gefahren, die die einzelnen Arbeitsschritte (Bohren, Laden, Schießen, Schuttern, Sichern) auch im prinzipiell standfesten Gebirge mit sich bringen. Glücklicherweise erkannten das auch die Freiwilligen. Federführend übernahmen drei Bergbau- und Tunnelbauingenieure aus Cornwall die Arbeit, unterstützt durch 20 Hauptberufliche und unzählige Freiwillige. 1976 erfolgte der Durchschlag des knapp 290 Yards langen „New Moelwyn Tunnel“, 1977 wurde das Bauwerk und die dazugehörigen Voreinschnitte fertiggestellt, 1978 wurde die Strecke bis Tanygrisiau in Betrieb genommen, wo die Deviation wieder an die alte Bahntrasse anschließt.

Doch nicht nur bei der Infrastruktur gab es Herausforderungen zu bewältigen. Hatte die FR den Lokomotivpark mit der Anschaffung der beiden Mainline Hunsletts Linda und Blanche der Penrhyn Quarry Railway in den 1960er Jahren zwar zwei gut taugliche und vor allem starke Tenderlokomotiven übernehmen können und waren die Merddin Emrys und die Livingston Thompson in Betrieb, war vor allem letztere stark verschlissen, insbesondere der Kessel. Dieser war nicht mehr reparabel. Die Merddin Emrys hatte einstweilen eine Hauptuntersuchung erhalten und dies war auch für die Livingston Thompson vorgesehen. Allerdings handelte es sich bei der Lok noch um eine echte, viktorianische Double-Fairlie mit vielen originalen Teilen. Der ursprüngliche Plan sah vor, die Lok komplett zu zerlegen und faktisch mit den wenigen, noch brauchbaren Teilen neu aufzubauen. Davon entsetzt wurde ein Brief im bahneigenen Ffestiniog Railway Magazine veröffentlicht, welcher zur Aufbewahrung der Lok als Ausstellungsstück aufrief. Auch konnte so viel Geld durch Spenden gesammelt werden, eine neue Kesselwiege gebaut werden konnte.

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Die historisch wertvolle Lok ging letztlich nicht mehr in Betrieb, bleib dafür im Original erhalten, wurde in den 1980er äußerlich restauriert und als Dauerleihgabe an das National Railway Museum in York abgegeben, wo sie sich auch heure noch befindet. Wenn man hier Glück hat, kann man die zwei britische Ikonen der Schiene Seite bei Seite ablichten – Fairlie's Livingston Thompson und Gresly's Rekordlok Mallard.

Zwar ist damit eine aus originalen Teilen bestehende Double Fairlie aus Spooner's Zeiten bis heute erhalten geblieben, der Bahn fehlte aber die Lok massiv. Was also tun? Nachdem man sich mit der Deviation faktisch schon an das Unmögliche gewagt hatte, wie wäre es nun mit einem Wunder? Einer nagelneuen Double-Fairlie? Built by the Ffestiniog Railway Company in den hauseigenen Boston Lodge Works? Heißt die Unmöglichkeit Deviation, heißt das Wunder Earl of Merioneth. In den Boston Lodge Works entstand Jahrzehnte, nachdem dort die letzte Lok gebaut wurde, wieder eine neue Lok. Und wieder war es eine Double Fairie, welche 1979 in Dienst gestellt werden konnte, hatte man ja schon eine Kesselwiege, die eigentlich für die Livingston Thompson gebaut wurde. Der neue Kessel mit Überhitzer kam von Hunslet. Allerdings hatte der zeitgenössische Geschmack starken Einfluss auf die Lok. Waren alle Lokomotiven bis jetzt wohlgerundet, war der Neubau kantig, fast schon brutalistisch. Die Puristen waren entsetzt und die Lok bekam schließlich den Spitznahmen „The (mighty) Square“ - zu deutsch in etwa „die Kantige“. Mit der Zeit entschied man sich, der Lok durch Zierlinien und Verkleidungen ein etwas gefälligeres Aussehen zu verpassen. Letztlich entwickelte sich die Lok aber zu einer wichtigen Stütze in der Zugförderung der Ffestiniog Railway und ist vor allem auch beim Personal beliebt.
Auch der Weiterbau der Strecke nach Blaenau Ffestiniog erwies sich wieder Erwarten als schwieriger als gedacht. Zwar fehlte nach dem Erreichen von Tanygrisiau nur mehr etwa ein Kilometer Strecke, die Hänge erwiesen sich aber als teilweise instabil – es kam zu einem Felssturz und der Abschnitt musste aufwändig gesichert werden – und das kostete Geld, welches man gerade nicht hatte – die Deviation und die neue Lok hatten Unsummen gekostet, und eine weitere Museumsbahn drohte als Konkurrenz in Form der Welsh Highland Railway (siehe unten).

Die Behörden hatten mittlerweile verstanden, dass die „Amateure“ ernstzunehmende Eisenbahner waren und das Ziel Blaenau Ffestiniog erreichbar war. Das Gwynedd County Council (GCC) nahm die Idee positiv auf, in Blaenau Ffestiniog einen Umsteigebahnhof mit der Normalspurlinie einzurichten, auch wenn dazu Straßen umgelegt werden mussten. Und dafür gab es auch öffentliche Mittel, sodass Blaenau Ffestiniog 1981 erreicht werden konnte. Am 15. Mai 1982, wurde das Unmögliche möglich und traf mit dem Realität gewordenen Wunder zusammen: fast exakt 150 Jahre nachdem die FR gegründet wurde, wurde der Verkehr auf der Gesamtstrecke zwischen Porthmadog und Blaenau Ffestiniog (mitsamt dem neuen Gemeinschaftsbahnhof mit der Conwy Valey Line) eröffnet – und den ersten öffentlichen Zug führte die kurz zuvor neu gebaute Double-Fairlie „Earl of Merioneth“.

Nach 1983 zogen aber wieder dunkle Wolken auf: die Passagierzahlen gingen zurück, die Strecke war gleichzeitig länger geworden und musste unterhalten werden, zusätzlich drohte nach wie vor Ungemach durch unerwünschte Konkurrenz in Form der Welsh Highland Railway im eigenen Hinterhof. Um die Betriebskosten zu drücken, wurde in den Schwachlastzeiten auf Dieseltraktion und modernere Fahrzeuge gesetzt. Kredite mussten bedient, gleichzeitig musste in die Strecke weiter investiert werden – Eisenbahnkreuzungen wurden mit Lichtzeichenanlagen gesichert und computerbasiertes Ticketing wurde eingeführt. Mit Spendengelder wurden Bahnhofsinfrastruktur und Sicherungsanlagen modernisiert und ausgebaut und die zwischenzeitlich abgestellte Double-Fairie Merddin Emrys nach der fälligen Hauptuntersuchung wieder in Betrieb genommen. Mit der Ausgabe von Anleihen konnte man auch die hohen Bankkredite, welche die Bahn belasteten, zurückzahlen.

Nachdem die FR die schwierige Zeit durchdrücken konnte (der Kampf mit der Welsh Highland Railway war immer noch im Laufen, siehe unten) und die Fahrgastzahlen wieder stiegen, musste wieder an der Lokfront etwas unternommen werden. Hatte man mit der Deviation das Unmögliche geschafft und mit der Earl of Merioneth ein Wunder vollbracht, entschloss man sich nun – Mist der Superlativ ist ja schon verbraucht – wieder eine neue Lok zu bauen. Die David Lloyd George, wieder eine Double-Fairlie (diesmal mit weniger Ecken und Kanten, dafür wohlgerundet und messingverziert), welche 1992 in Betrieb genommen werden konnte. Damit hatte die Bahn wieder drei betriebsfähige Double-Fairies im Fuhrpark. Würde noch eine Sigle-Fairlie fehlen... Wieder waren es die hauseigenen Boston Lodge Works, welche die Single-Fairlie Taliesin vom Reißbrett an neu aufbauten. Die Lok ging 1999 in Betrieb.

Nachdem die FR ihre Position gegenüber der WHR auch aufgrund leichten politischen Drucks überdacht hatte und dem Wiederaufbau der WHR positiv gegenüber stand, war letztlich 2009 wieder einer dieser großen Tage – die Welsh Highland Railway erreichte Porthmadog und verbindet nun Porthmadog Harbour Station mit Caernarfon – ein Schmalspurbahnnetz mit 60km Streckenlänge war nun entstanden.

Offenbar war den Lokbauern in Boston Lodge Works irgendwie langweilig – und man beschäftigte sich, anders kann ich es mir nicht erklären, mit dem Neubau einer Manning Wardle der Lynton to Barnstable Railway mit dem Namen Lyd, welche 2010 in Betrieb genommen werden konnte.
2013 musste der Bahnhof Porthmadog umgebaut werden – die zunehmenden Fahrgastzahlen und der zu wenige Platz mit der nun in den Bahnhof eingebundenen Welsh Highland Railway erzwangen einen großangelegten Umbau des Bahnhofes samt Vergrößerung der Gleisanlagen.

Zwischenzeitlich war das Wunder, die Earl of Merioneth auch schon in die Jahre gekommen und litt aufgrund der häufigen Verwendung als Planzuglok an starken Verschleißerscheinungen, sodass die Lok 2018 außer Betrieb genommen werden musste.
Anlässlich der Abstellung der Lok begleitete das Medienteam der FR den letzten Betriebstag der Earl of Merioneth mit der Videokamera - The Squares last stand ist ein schönes Filmdokument, in welchem die markant kantige Double-Fairlie noch einmal richtig in Szene gesetzt wurde. Wie aber ersetzen? Ganz einfach – der Tradition folgend ein Neubau! Wiederum bauten die Boston Lodge Works eine nagelneue Double-Fairie, die James Spooner, welche 2023 in Betrieb genommen werden konnte. Damit sind die Boston Lodge Works jene Werkstätte, welche seit Anbeginn an Dampfloks bis in die Gegenwart bauen. Zusätzlich wurden für beide Bahnen eine große Menge an Wagen für den Personenverkehr gebaut und Loks umgebaut – so entstanden aus den beiden B-gekuppelten Tender-Mainline Hunslets Linda und Blanche (Spitzname „The Penrhyn Ladies“) zwei 1B gekuppelte Satteltankschlepptenderloks, ohne aber ihre unsprünglichen Charakter zu verlieren. Aus einer südafrikanischen Mittelführerstandsdiesellok entstand eine moderne Diesellok mit Endführerständen und Auftragsarbeit wird auch noch ausgeführt. Wer das nötige Kleingeld hat – hier also kriegst du deine Dampflok.

Die Boston Lodge Works selber war die letzten Jahre wiederum Schauplatz von Verbesserungsmaßnahmen. Eine neue Abstellhalle für Dieselloks und für Wagen wurde errichtet, alte Gebäude, die noch aus der Anfangszeit der Bahn stammen, kernsaniert. Zusätzlich zu den bereits genannten Loks ist Boston Lodge die Herberge für eine Vielzahl weiterer Lokomotiven, wobei hier die Bandbreite von der Quarry Hunslet („Britomart“) bis hin zu einer Chinesischen Schmalspurlok reicht, welche mehreren Privatpersonen gehört und gerade an das kleine Lichtraumprofil der FR angepasst wird. Für einen historisch korrekten wie auch bunten Fuhrpark ist bei der Ffestiniog Railway somit gesorgt.

Unterm Strich bleibt festzuhalten: die Ffestiniog Railway ist die älteste Eisenbahn, die nach wie vor von ihrer ursprünglichen Gesellschaft betrieben wird und dabei eine Metamorphose von der Pferde bahn zum Schiefertransport über eine klassische Schmalspurbahn mit Güter- und Personenverkehr zur Touristenattraktion vollzogen hat. Sie ist modern, aber hat ihren Charakter nicht verloren. Aber das werden wir alles bei den Bildern noch sehen.

Auch die Streckenführung der FR ist in ihrer Abwechslung einzigartig. Die Züge nehmen im Bahnhof Porthmadog Harbour Station am Hausbahnsteig ihren Ausgang. Dieser liegt ungewöhnlicherweise in einem 90 Grad Bogen, an den ursprünglich die Kaianlagen für die Schieferverladungww von Porthmadog anschlossen. Hier befindet sich heute ein Wohngebiet und die Lokbehandlungsanlagen bilden den Bahnhofsabschluss. Ungewöhnlich für eine Museumsbahn – die Gleise sind teilweise mit einer Gleisbesetztmeldung ausgestattet, damit das Stellwerkspersonal den doch relativ großen Bahnhof im Blick haben kann. Wer genau auf die Gleisanlagen schaut, findet Isolierstöße. Ebenso besitzt der Bahnhof Ausfahrts- und Einfahrtssignale.

Die Züge verlassen die Harbour Station Richtung Blaenau Ffestiniog über den bereits erwähnten Cob auf einer langen Geraden. Die Straße liegt links eine Etage tiefer, die Dammkrone teilen sich Bahn und Fußweg. Am anderen Ende des Cobs folgt ein scharfer 90 Grad Linksbogen, während der Zug rechter Hand an den Boston Lodge Works (Kurzname Blodge) und dessen weitläufigen Gleisanlagen mit Hauptwerkstätte, Heizhaus und Abstellhallen vorbeifährt. Linker Hand wird nun noch das alte Heizhaus der FR passiert und danach folgt auch schon der erste Haltepunkt – Boston Lodge Halt. In Boston Lodge beginnt auch etwas sehr charakteristisches für die FR – die alten Telegrafenmasten, die die Strecke begleiten. Nun beginnt die Strecke zu steigen. Mehrere Häuser werden so knapp passiert, dass man tunlichst den Kopf nicht aus dem Fenster hält. Sonst wird die Ffestiniog Railway zur sprichwörtlichen Walisischen Guillotine! Andererseits sollte auch die Frau des Hauses nichts aus dem Fenster hängen. Bald wird die begleitende Straße unterfahren, dann geht es am Friedhof von Minffordd vorbei, dessen Bahnhof kurz danach erreicht wird. Minffordd an sich ist wieder ein interessanter Bahnhof. Die FR kreuzt hier die Normalspurstrecke, wobei der FR Bahnhofsteil der High-Level, der Normalspurteil Low-Level ist – während die FR hier immer noch großangelegte Bahnanlagen mit einem schmucken, zweistöckigen Bahnhofsgebäude betreibt, ist der Normalspurbahnhof auf einen Haltepunkt mit Wartehäuschen, also auf das Notwendigste zusammengeschrumpft worden. Die einst umfangreichen Normalspurgleisanlagen zum Schieferumschlag, den Normalspurteil des Minffordd Yard gibt es nicht mehr. Dafür hat die FR im Schmalspurteil des Minffordd Yards Abstellhallen (die ganzen restaurierten Güterwagen der Bahn wollen auch wettergeschützt untergebracht sein) und Lagerplätze für den „permanent way“, also den Oberbau errichtet.
Betrieblich ist Minffordd darüber hinaus auch ein Kreuzungsbahnhof und Raubabschnittsgrenze. Minffordd hat aber noch eine weitere Besonderheit: das bahneigene Minffordd Hostel mit Campingplatz, welches den Freiwilligen der Bahn, die teils auch aus Übersee kommen, eine günstige Unterkunft während ihrer Freiwilligentätigkeit bietet.

Nach dem Bahnhof Minffordd wird der Minffordd Bypass überquert und die Strecke schlängelt sich stetig steigend durch Farmland und Wohnsiedlungen, teilweise in Dammlage nach Penrhyndeudraeth, kurz Penrhyn, wo eine schön restaurierte Haltestelle wiederum mit einem Hostel Penrhyn Hostel passiert wird.
Zwischen typisch britischen Reihenhäusern und der Straße geht es nun der Penrhyn crossing, der letzten händisch gesicherten Eisenbahnkreuzung mit Gattern in Großbritannien. Nun verlässt die Strecke die „Zivilisation“ und kommt nach kurzer Fahrt über die „100 mile an hour straight“ in stetiger Steigung zur Betriebsstelle Rhiw Goch. Hier existiert eine Kreuzungsmöglichkeit, welche nur bei dichtem Takt oder zu besonderen Anlässen benötigt wird. Die Kreuzungsmöglichkeit, welche hier schon zu Pferdebahnzeiten bestand, wurde im Laufe der Zeit rückgebaut und nach Penrhyn verlegt; da jedoch Rhiw Goch eher in der Streckenmitte zwischen Minffordd und Tan-Y-Bwlch liegt, wurde das Kreuzungsgleis Mitte der 1970er Jahre wieder errichtet und dafür das nicht mehr benötigte in Penrhyn aufgegeben. Um Zugkreuzungen hier effektiv und schnell abhandeln zu können, wurde eine eigene, anfangs einfache Signal-Box in Form einer Bretterbude errichtet. Nachdem man bei der Ffestiniog Railway neben der Funktionalität aber auch auf Eleganz setzt, wurde das anfänglich einfache Gebäude, nachdem es das Ende seiner Lebenszeit erreicht hatte, durch eine Signal-Box im Stil der Bahn ersetzt, in welcher alle technischen Einrichtungen untergebracht wurden und mit welchen die Signale und Weichen fernbedient gestellt werden können. In Ermangelung eines Straßenanschlusses muss alles Personal, welches hier dann Dienst tun muss, mit dem Zug kommen. Nachdem der Zug Rhiw Goch verlassen – Rhiw Goch Signal Box ist die einzige Betriebsstelle der FR, in welcher Personal Dienst tun muss, sollte Rhiw Goch als Kreuzungsstation benötigt werden.

Nachdem der Zug Rhiw Goch bergwärts verlassen hat, kommt eines der Wahrzeichen der Bahn: der Cei Mawr , ein gut 20m hoher und massiver Natursteindamm. War der Damm früher gut fotografierbar, so ist er nun teilweise gut von hohen Bäumen umgeben und so sehr schwer fotografierbar geworden. Wie schnell Bäume wachsen können, zeigen Fotos aus den 1960er Jahren, wo der Cei Mawr von Rhiw Goch gut sichtbar war. Vielleicht wird hier ja der Fotografen zuliebe mal wieder etwas Kleinholz gemacht. Ansonsten wird hier bald mal eine Drohne fliegen.

Danach taucht in dichte Wälder ein, immer wieder sind jedoch Blicke in das Vale of Ffestiniog möglich. Stetig steigend geht es in engen Bögen am mitten im Wald gelegenen Haltepunkt Plas Halt vorbei. Von hier lassen sich die Wälder und die hier liegenden Seen gut erwandern. Auch das Örtchen Maentwrog unten im Talboden des Vales of Ffestiniog ist gut zu Fuß erreichbar.
Danach folgt ein Streckenteil, welcher der damals noch jungen Touristikbahn fast das Leben gekostet hätte und bei den Eisenbahnern gemeinhin als Linda's Leap bekannt ist. Hier entgleiste die damals noch nicht umgespurte Linda spektakulär – die Penrhyn Quarry Railway, von welcher die Lok kam, hatte eine geringfügig andere Spurweite - blieb schräg am Bahndamm hängen und hob gleichzeitig die sich hinter ihr befindende Small England Prince aus dem Gleis. Man hatte wohl eine gehörige Portion Glück, denn es gab keine Verletzten – und auch beide Lokomotiven überstanden den Unfall nur mit geringen Schäden. Dass einige Jahre später auch Linda's Schwesterlok Blanche in einen Zwischenfall verwickelt war, sei der Vollständigkeit erwähnt – die Lokalität des Zwischenfalls bekam „Blanche's Bump“als Namen.

Weitere enge Bögen folgen, eine darunter die vor allem bei Fotografen beliebte Whistling Curve folgt. Danach geht es über eine Straßenbrücke in den Bahnhof Tan-Y_Bwlch, der über ein Cafe und einen Kinderspielplatz verfügt und äußerst pittoresk im Wald liegt. Hier ist wieder Kreuzungsbahnhof und somit Raumabschnittsgrenze. Gleichzeitig müssen bergfahrende Züge hier Wasser nehmen. Auch ist Tan-Y-Bwlch Endbahnhof für manche kurzgeführte Züge wie den Woodland Wanderer Umläufen.
Das Gebäudeensemble von Tan-Y-Bwlch ist großteils noch original erhalten. Das alte hölzerne Bahnhofsgebäude aus den 1870er Jahren ist nach wie vor existent, im alten Güterschuppen sind nun moderne WC Anlagen, das Bahnhofscafe und ein kleiner Shop untergebracht. Von den Gleisanlagen zum Güterumschlag ist nichts mehr zu sehen, an ihrer Stelle befinden sich Teile des Bahnhofsparkplatzes. Will man die Stille des Bahnhofes genießen, so bietet es sich an, hier mit dem Auto herzufahren und dann das Cafe zu besuchen und von hier aus eine kleine Wanderung zu unternehmen. Kommt ein Zug, so verwandelt sich der stille Ort mitten im Wald schnell zu einem geschäftigen Bahnhof.

Nachdem der Zug Tan-Y-Bwlch verlassen hat, überfährt er die Creuau Bank, wiederum eine hohen Damm. Nun folgt die Strecke in Hanglage dem Tal und kommt hoch über dem Llyn Mair zum nachträglich errichteten Garnedd Tunnel, dem Tunnel, „ohne“ Lichtraumprofil. Der Tunnel ist so eng, dass man nicht mal die Türen aufmachen könnte. Darum werden in den historischen Zügen Äxte und Motorsägen mitgeführt, um notfalls das Fahrzeug zur Personenrettung zerschneiden. Warnschilder vor den Tunnelportalen weisen die Fahrgäste auf das nicht vorhandene Lichtraumprofil hin. Der Tunnel gilt als so eng, dass kaum eine Hand zwischen manches Fahrzeugdach und die Firste passt.

Weiter geht es in Hanglage zum Coed y Bleiddiau, einem Cottage ohne Straßenanschluss, aber mit eigener privater Bahnhaltestelle. Von der Straße sind es etliche Höhenmeter, die FR fährt hingegen durch den Garten. Wenn es wer buchen will: KLICK hier für eine teure aber einmalige Unterkunft. Freifahrt auf der FR inklusive. (Ich kriege keine Provision!).

Weiter geht es immer noch in Hanglage durch sich nun lichtende Wälder durch die Tank Kurve und vorbei an der Campell's Platform nach Dduallt.
Wiederum ein Bahnhof irgendwo im Nirgendwo von Wales, ohne Straßenanschluss. Aber mit Bedeutung. Hier beginnt nun die angesprochene Deviation. Führte früher die Strecke gerade aus weiter, wendet die Strecke beginnend mit dem Cei Bog an der nördlichen Bahnhofsausfahrt von Dduallt nun um insgesamt 360 Grad in der einzigen Kreiskehre auf den britischen Inseln und überfährt die Bahnhofseinfahrt von Dduallt auf der Rhoslyn Bridge.

Nun über der alten Trasse, die gut sichtbar unter dem Zug liegt und noch von den Telegrafenmasten gesäumt wird, geht es zum Moelwyn Tunnel. Nach dem Moelwyn Tunnel wird das Hochtal von Tanygrisiau mit dem Llyn Ystradau erreicht. In der Summit Cutting wird nun der neue Scheitelpunkt der Strecke nahe dem Krafthaus des Kraftwerks passiert, daher auch der Name Pump Station Summit. Das namensgebende Kraftwerk wird rechter Hand passiert, dann kommt die Bahn am Bahnhof Tanygrisiau wieder auf ihre alte Trasse.

Bereits hier fallen die wertläufigen, landschaftsdominierenden Abraumhalden der Schieferbrüche und die dazugehörigen Inclines (die alten Schrägaufzüge) auf – im Bereich von Tanygrisiau ist Wrysgan Incline besonders markant, welche den Wrysgan Quarry in den Moelwyns mit der Ffestiniog Railway verband. Kurz nach dem Bahnhof Tanygrisiau zweigt linker Hand die Cwmorhin Quarry Incline ab, welche im unteren Teil stark verwachsen, aus der Distanz und auch auf dem Orthofoto gut sichtbar ist.

In Hanglage zwischen Gärten und Felsen windet sich die Strecke nun nach Bleanau Ffestionog wo die Strecke kurz vor Streckenende einen markanten Rechtsbogen in den Ort selber macht. Am Beginn des Rechtsbogens zweigte früher die Nyth-Y-Gigfran Incline sowie der Dinas Branch ab. Dinas (welches nichts mit dem Dinas der Welsh Highland Railway zu tun hat, war die ursprüngliche Endstation der FR. Hier gab es Anschluss an die Schieferbrüche (Cesail Quarry und Llechwedd Quarry), welche über Inclines erreicht wurden. Für den Personenverkehr war der Bahnhof aber ungünstig gelegen und so verlegte man bereits kurz nach der Eröffnung des Personenverkehrs den Personenbahnhof nach Duffws, dessen Bahnhofsgebäude auch heute noch erhalten, aber nicht mehr bedient wird. Blaenau Ffestiniog hatte für die Größe des Ortes eine Unmenge an Bahnhöfen: FÜNF. Von diesen fünf Bahnhöfen ist im Grunde keiner mehr in seiner ursprünglichen Form in Betrieb, jedoch sind die Gebäude teilweise noch vorhanden oder Fundamente sichtbar. Heute endet die FR neben der Conwy Valley Line am Gemeinschaftsbahnhof Blaeneau Ffestiniog. Bis hierher hat die Strecke 216m Höhe überwunden. Der Bahnhof Dwuffs lag noch einige hundert Meter weiter östlich und ist heute ein Parkplatz, das Bahnhofsgebäude ist noch erhalten und wird als öffentliches WC genutzt.

Hier schlossen wiederum Inclines zur Rhiwbach Tramway an, die den Rhiwbach Quarry, den Maenofferen Quarry, den Cwt-Y-Bugail Quarry und den Bwlch-Y-Slaters Quarry erschloss. All diese Schieferbrüche sind nach wie vor erhalten, jedoch größtenteils stillgelegt und können prinzipiell bewandert werden, wie auch die Trassen der alten Inclines und der Tramways. Es ist jedoch explizit meinerseits auf die typischen Gefahren von Altbergbauen hingewiesen. Wer Youtube bemüht, findet aber aus den Quarries faszinierende Filme – über- wie untertage.
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Re: Fairlie Welsh

Beitrag von Dachstein »

Die Welsh Highland Railway (Rheilffordd Eryri) und die Welsh Highland Heritage Railway – the railways which shouldn't exist.

Die WHR ist jene Eisenbahn, die es eigentlich gar nicht (mehr) geben sollte und nur Dank dem Mut, dem Durchhaltevermögen, den richtigen Leuten an den richtigen Stellen zur richtigen Zeit und viel Glück und Zufällen existiert. Kommen wir zum Geschichtlichen: die südlichen Urwurzeln der WHR liegen in der Croesor Tramway, die 1863 als Pferdebahn zum Transport von Schiefer aus dem Cwm Croesor nach Porthmadog zum Hafen eröffnet wurde. Tramway ist hier nicht als Straßenbahn zu verstehen, sondern als Feldbahn / Grubenbahn.
Im Norden wurde wenige Jahre später (1877) von Dinas aus die North Wales Narrow Gauge Railways (NWNGR) bis Bryngwyn sowie die Stichstrecke Rhyd Ddu errichtet. Bereits kurz nach der Eröffnung wurde die Stichstrecke nach Rhyd Ddu zur Hauptstrecke aufgewertet und die Strecke nach Bryngwyn zur Stichstrecke degradiert. Der Personenverkehr wurde bis 1916 betrieben, Güterverkehr bis 1922. Zwischen Rdyd Ddu und Beddgelert gab es somit noch eine Lücke. Diese sollte mit dem Bau der elektrischen (!!!) Portmadoc, Beddgelert and South Snowdon Railway (PBSSR) geschlossen werden. Ab 1901 fanden hier umfangreiche Bauarbeiten in schwierigem Terrain statt, die jedoch durch den ersten Weltkrieg abgebrochen werden mussten.

Letztlich wurden die NWNGR und die PBSSR in die Welsh Highland Railway zusammengefasst, die 1922 gegründet wurde. 1923 wurde die Strecke zwischen Croesor Junction (wo die Strecke an die Croesor Tramway anschloss), Beddgelert und Rhyd Ddu fertig gestellt und der Gesamtverkehr auf der Strecke zwischen Dinas und Porthmadog aufgenommen. Die WHR litt Zeit ihres sehr kurzen Lebens an gravierenden Finanznöten, sodass die Bahngesellschaft bereits 1927 in Konkurs ging, jedoch unter Aufsicht eines Insolvenzverwalters vorerst weiterbetrieben wurde. Dieser verpachtete die Strecke für 42 Jahre 1934 an die benachbarte Ffestiniog Railway, die die Strecke fortan weiterbetrieb. Aber auch der FR war kein Glück beschieden. Bereits 1937 wurde der Personenverkehr eingestellt, kurz darauf der Güterverkehr. Da zwischenzeitig die Feinseligkeiten zwischen Nazi-Deutschland und Großbritannien ihren Anfang genommen hatten, war man um Stahl froh und so wurden die Gleisanlagen der WHR abgetragen. Die Strecke wurde somit eingestellt und abgetragen, ohne formell stillgelegt zu sein. Die Strecke verkam mehr oder weniger zu einem Wanderweg oder wurde von der Natur zurück erobert.

Ende. Aus, Bericht ist fertig........ Stopp, halt, doch noch nicht, auch wenn es jetzt Jahrzehnte dauern sollte, bis wieder ein Zug die WHR befahren sollte.

Nachdem die Strecke abgetragen wurde, wurde 1944 die Liquidation der Gesellschaft beschlossen und dies dem Masseverwalter überantwortet. Er hatte eine Bahngesellschaft ohne Bahnlinie aber mit vielen Grundstücke zu liquidieren. Dies stellte sich jedoch schwerer als gedacht heraus: durch die Liquidationsorder konnte ohne Gerichtsbeschluss kein neuer Direktor für die Gesellschaft gefunden werden (die alten Direktoren starben mit der Zeit alle weg), noch konnten Schuldverschreibungen für gültig erklärt werden, noch konnten Anteile transferiert werden. Man war also in einer veritablen Sackgasse, und das „Pummerl“ (=Schwarzen Peter) hatte der Masseverwalter, der nun versuchen musste, den Gläubigern – die Strecke war in der Errichtung bedingt durch ihre Streckenführung mit mehreren Tunnels und Brücken entsprechend teuer, ja vor der Liquidation der Gesellschaft Geld zukommen lassen musste. Und so wurde der Beschluss gefasst, die Streckengrundstücke an den Höchstbietenden zu veräußern und danach die WHR zu liquidieren.

Nicht nur in Deutschland oder Österreich sind Eisenbahnen rechtlich komplizierte Konstrukte – auch in GB. Denn für die WHR gab es 1922 eine Light Rail Order. Und diese nach wie vor aufrechte Light Rail Oder als Gesetz verbot die Veräußerung von Grundstücken oder Vermögenswerten, die eine zukünftige Wiedereröffnung der Eisenbahn behindern könnte. Damit musste der Bahnkörper in einem Teil erhalten bleiben und alles, was man mit dem Bahnkörper machen konnte, war wieder eine Bahn drauf zu errichten – die aber offenbar niemand wirklich je gebraucht hatte.
Wie also aus dieser verfahrenen Situation rauskommen? Zwei Möglichkeiten gab es: die Stilllegung der Bahn, oder einen Abänderungsantrag über die Besitzverhältnisse, welches die Light Rail Order zulässt. Damit könnte zumindest die Streckengrundstücke auf einen neuen Eigentümer übertragen werden – die Light Rail Oder bliebe dann aber in Kraft und aus der Bahn müsste wieder eine Bahn bleiben.

Da jedoch nun die Strecke für lange Jahre ungenutzt war, erlosch die Betriebsbewilligung. Um die Bahn wieder in Betrieb zu nehmen, braucht es also auch eine neue Betriebsbewilligung, die Light Rail Oder schütze somit nur die Strecke an sich, jedoch nicht den Betrieb.
Das nächste Problem war – man hatte keinerlei Erfahrung mit solchen Abänderungsanträgen. Und so sah man die einzige Möglichkeit in der formellen Stilllegung der Bahnstrecke. Nur um das machen zu können, braucht man auch etwas Kapital, und die Gläubiger waren nicht bereit hier noch weiteres Geld nachzuschießen. Diese Kosten sollte der Käufer tragen. Tatsächlich war die Situation rechtlich so verfahren, dass die alte WHR Gesellschaft erst 2003 liquidiert werden konnte, lange nachdem der letzte Zug und wieder der erste Zug auf den zu diesem Zeitpunkt wiedererrichteten Streckenabschnitten fuhr.

In Porthmadog gibt es aber nun noch eine weitere Bahn, welche in der Zeit der rechtlichen Stilllegungsversuche der WHR gerettet wurde – die Ffestiniog Railway. Hier machten die Freiwilligen recht schnell gute Fortschritte und errichteten einen recht gut florierenden Tourismusbetrieb. Eine der ersten Ideen der Freiwilligen war, sie WHR zu kaufen, um die FR dann zu übernehmen – der etwas verzwickte rechtliche Status der WHR verhinderte das aber.
1961 gab es in Shrewsbury ein Treffen unter Ffestiniog Railway Volunteers, welches sich mit der Wiedereröffnung der WHR befasste. Der damalige Masseverwalter war ebenso zum Treffen geladen und bot die Strecke um 750 Pfund zum Kauf an. Ergebnis des Treffens war die Gründung der Welsh Highland Railway Society wenig später, mit dem ambitionierten Ziel die gesamte Strecke wieder aufzubauen. Die Reaktionen bei der FR war gespalten – einige begrüßten die Initiative, andere standen dem Ansinnen, eine Konkurrenz im Hinterhof zu schaffen, offen feindselig gegenüber. Die noch junge Vereinigung trat nun ihrerseits an den Masseverwalter heran und wollte die Strecke übernehmen. Nur, hier grätschte wieder die Light Rail Oder der WHR von 1922 rein: ohne offizielle Stilllegung oder einem Abänderungsantrag der Light Rail Oder kein Verkauf! Jedoch akzeptierte der Masseverwalter der WHR die neue Vereinigung potentieller Käufer und gestattete das Betreten der Strecke an einigen ausgewählten Punkten sowie vorbereitende Maßnahmen zur Streckensicherung.

Die Behörden reagierten wieder gespalten: das für den südlichen Streckenteil zuständige Merionethshire County Council war kooperativ und gestattete schnell die Bauarbeiten, das nördlich zuständige Caernarvonshire County Council erwies sich dem Ansinnen hinderlich.
Um die Strecke letztlich übernehmen zu können, benötigte man eine rechtlich fundierte Trägerschaft, somit gründete die Welsh Highland Railway Society eine Trägergesellschaft, die Welsh Highland Light Railway Limited (1964) – alles hätte nun sehr schnell gehen können. Es sollte aber nicht sein und die Sache scheiterte de facto in letzter Sekunde und an einer simplen Unterschrift. Die Gesundheit des Masseverwalters war angeschlagen, kurz nachdem man sich auf den Kaufpreis von 750 Pfund vertraglich vereinbart hatte und man den Verlauf in trockenen Tüchern wähnte, verstarb der Masseverwalter und die Causa wurde einem neuen Masseverwalter (dieses Mal in London) übergeben. Und dieser entschied, den Verkauf an die WHRL nicht durchzuführen, sondern an den Höchstbietenden zu verkaufen. Man hatte nun auch keinen Zugang zur Trasse mehr, sodass man ein Ausweichquartier suchen musste und fand dies im fernen Shropshire...

Bei der Suche nach dem Höchstbietenden forderte der neue Masseverwalter, dass jeder Käufer nachweisen können muss, die Mittel zu haben, um die Verbindlichkeiten der alten WHR zu übernehmen und auch die Stilllegung zu finanzieren, um rechtlich das Gleisbett überhaupt verkaufen zu können. Er wollte unter allen Umständen verhindern, dass das sperrige juristische Ding, welches die WHR nunmal war, nochmals auf dem Schreibtisch landete. Die WHLR Limited legte zwar ein Gebot, wurde aber von Mr. Green, der ein Gönner der Ravenglass and Eskdale Railway im Lake District war, überboten. Als dieser vom Ansinnen der Limited erfuhr, trat Green an die Limited heran und überzeugte sie, als Unterstützungsgruppe für den Wiederaufbau zu fungieren – diese willigte ein, da Green gemeinhin als Millionär bekannt war. Bevor es jedoch zur Unterschrift kam, kam Green in finanzielle Schwierigkeiten und fiel aus dem Bieterrennen. Somit beschloss die WHLR Limited noch einmal zu bieten.
Diese ganzen rechtliche Schwierigkeiten mündeten jedoch auch in die Übernahme der ehemaligen Übergabegleisanlagen der Normalspurstrecke in Porthmadog in den 1970er Jahren, den sogenannten Beddgelert-Sidings, um dort ein Eisenbahnmuseum zu gründen und von dort aus die Strecke wieder aufzubauen – sie grenzen an die Strecke der WHR.

Zusätzlich zu allen Unbill wurde nun in der Region noch eine Verwaltungsumstrukturierung durchgeführt, aus dem Merionethshire County Council und dem Caernarvonshire County Council wurde eines, das Gwynedd County Council (GCC). Dieses nahm jedoch im Laufe der Zeit eine weniger hinderliche Haltung gegenüber der Wiederaufbau der WHR ein als ihr Vorgänger. Sie erkannten die sinkenden Besucherzahlen der Region und suchten nach Ideen, diesem Trend ein Ende zu bereiten. Dies führte zur Idee, den nördlichen Streckenteil wieder zu errichten und das GCC trat an die WHLR Limited heran, von Porthmadog nach Norden umziehen sollte, um von Caernarfon aus die Strecke bis Rhyd Ddu wieder aufzubauen, was aber auch die Nutzung der mittlerweile stillgelegten Normalspurstrecke zwischen Dinas und Caernarfon erfordern würde. Die WHLR Limited stimmte dem zu. Bevor es jedoch zum Umzug von Porthmadog nach Caernarfon kam, änderte das GCC seine Meinung und präferierte nun den südlichen Streckenteil. Und so bliebt die WHLR in Porthmadog und errichtete einen Museumskomplex, welcher bis heute Bestand hat und etwa eine Meile Strecke. Der größte Erfolg der WHLR bisher ist hingegen zweifellos die Rettung und Restaurierung der originalen WHR Lok Russell.

Genug Querelen? Nein, noch laaaaaaange nicht. Denn neben der eh schon rechtlich verzwickten Situation der alten WHR spaltete sich intern eine Gruppierung ab, die die gesamte Strecke betrieben haben wollte. Diese Mitglieder kauften ohne Wissen des Vorstandes mit eigenen Mitteln Anteile der alten 1922 gegründeten WHR. Der Vorstand erfuhr erst 1983 davon, als dieser das GCC jedenfalls als Partner sah und somit sah der Vorstand auch seine Bemühungen untergraben. Eine stürmische Versammlung war die Folge, infolge deren es zu einer Gründung eines Trusts kam, der die bereits erworbenen Anteile der alten WHR halten sollte.
Gleichzeitig gestattete der Vorstand, weitere Anteile zu erwerben und in den Trust einzubringen – der Vorstand müsse aber jedenfalls über Berichtlegung auf dem Laufenden gehalten werden, um nicht in die Gefahr zu laufen, die eigenen Bemühungen zu konterkarieren. Damit waren aber die Querelen noch lange nicht vorbei, denn die Fraktion, die die gesamte Strecke wiederaufgebaut sehen wollte, kaufe kurzerhand für 200 Pfund eine Gesellschaft von einer Strohfirma, die auf Gesellschaftsgründungen spezialisiert war. Es ist letztlich einfacher, eine bestehende Gesellschaft abzuändern, als wie neu zu gründen. Diese Gesellschaft namens Kembraive, die im Jahr 1983 gegründet wurde, hatte den Zweck des Handels mit Kleidung und Haustaltswaren (!!!!). Nur Tage vor einer außerordentlichen Generalversammlung änderte die Gesellschaft ihren Geschäftszweck auf den Erwerb von Grundstücken für den Bau einer Eisenbahn. Auch wurde der Name in Trackbed Consolidation Ltd (TCL) geändert. Unternehmenszweck der Gesellschaft war es, die alte WHR zu übernehmen und aus dem Konkurs herauszuführen. Ein Ansinnen, welches durch die Light Rail Oder von 1922 wohl zum Scheitern verurteilt gewesen wäre.

Im Grunde arbeiteten verschiedene Fraktionen gegeneinander. Die einen wollten mit dem GCC gemeinsame Sache machen, die anderen jedoch die ganze Strecke haben.
Während die einzelnen Gruppen nun gegeneinander unter einem Dach arbeiteten, wurde eine außerordentliche Generalversammlung einberufen, um den Mitgliedern die vorgeschlagenen Bedingungen des Pachtvertrags für das Gleis von Pen-y-Mount nach Pont Croesor nahezubringen und abstimmen zu lassen – eine breite Mehrheit war dafür.
Nur Tage danach jedoch schrieb die TCL an den Masseverwalter einen letter of intent, einen Versuch, alte WHR Gesellschaft aus dem Konkurs zu führen, zu starten und im Falle des Scheiterns, 10000 Pfund für die Trasse aufzubringen und diese dann dem Masseverwalter abzukaufen.

Der Masseverwalter wusste von dieser zweiten Gesellschaft offenbar nichts und konfrontierte nun die WHLR Limited damit. Recherchen deckten auf, dass die dass TCL in der Tat eine Tarnfirma für diejenigen, die die Gesamtstrecke haben wollten war – unweigerlich kam es zum Bruch und jene Mitglieder der WHLR Limited, die mit der TLC in Verbindung standen, wurden wegen Handeln zum Nachteil des Unternehmens ausgeschlossen. Nun folgte der nächste Eklat. Der Ausschluss erfolgte unter anderem deswegen, weil sich just die Ausgeschlossenen um Vorstandsposten in der WHLR Limited bewarben. Die Briefe, die sie über den Ausschluss informierten, kamen zu spät; so reisten diese zur kurz darauf folgenden Generalversammlung an. Ihnen wurde der Zutritt jedoch verweigert. All dies belastete fortan die Beziehungen der einzelnen Gruppierungen nachhaltig. Denn die TLC und die involvierten Personen hatten bereits große Aufwände getrieben, um zumindest 75% der Anteile und deren Besitzer zurückzuverfolgen und entsprechend viel Grundkapital der alten Gesellschaft zu erwerben. Der hohe Anteil lässt sich wiederum nur rechtlich erklären: mindestens 75% brauchte man, um die Insolvenz der alten WHR überhaupt abwenden zu können.

1984 fiel beim Massenverwalter die Entscheidung, das Gleisbett an die GCC zu veräußern. Er teilte diese Absicht der TCL mit, ebenso die Absicht, diese Absicht durch das Gericht genehmigen zu lassen. Darauf reagierte die TLC mit einem formellen Gläubigerversammlung, um ihren vorgeschlagenen finanziellen Umbau der WHLR-Gesellschaft zu versuchen – sie war ja Eigentümerin eines großen Teils der alten WHR Gesellschaft. Die Folge davon war, dass der Masseverwalter nicht zum High Court gehen konnte, bis das Ergebnis der Gläubigerversammlung bekannt war. Wieder wurde die Sache komplizierter. Die erste Gläubigerversammlung musste vertagt werden, weil das Verkehrsministerium, welches auch noch Anteile an der WHR besaß ankündigte, seine Anteile an den Höchstbietenden zu verkaufen. Diese wurden 1985 vom West Consortium (WestCo) gekauft – einem Konsortium einer separaten kleinen Gruppe von Mitgliedern der WHLR Limited, welches ähnliche Ansichten wie TCL hatten.
Mittlerweile mehrten sich aber auch die warnenden Stimmen, die die Meinung vertraten, dass die Idee, die das TCL verfolgte, rechtlich nicht umsetzbar sein könnte. Spoiler: diese warnenden Stimmen sollten recht haben.

Die TCL und ihre Verbündete hatten nun bereits über 60% der Anteile der alten WHR auf ihrer Seite, die Zeichen standen bei de nächsten Gläubigerversammlung auf das Erreichen ihrer Ziele. Würde nicht wieder in den letzten Sekunden jemand seine Meinung ändern; denn jene Anteile die man noch benötigte, waren im Besitz dreier Gemeinden. Und just vor der Abstimmung änderte einer dieser Anteilseigner noch seine Meinung, womit die erforderlichen 75% nicht erreicht werden konnten. Der Versuch, die alte WHR Gesellschaft zu retten, war somit gescheitert. Gottseidank, wohlgemerkt: denn bedingt durch die lange Untätigkeit der Gesellschaft gab es keinen Direktor mehr, der die formale Übertragung der Anteile an die TCL und WestCo hätte validieren können. Die Situation war somit immer noch verfahren.
Und wenn sich schon zwei streiten, warum dann nicht gleich drei?

Denn diese ganzen Vorgänge schürte aber Befürchtungen und Ängste bei der benachbarten FR. Eine zweite lange Schmalspurstrecke als direkte Konkurrenz zur eigenen Bahn? Nicht akzeptabel, hatte man gerade selber erhebliche Kosten, damit Schulden und Mühen auf sich genommen, um die FR wieder bis zu ihrem ehemaligen Endpunkt zu verlängern, der jedoch weniger attraktiv erschien als wie Beddgelert, welches die WHR erschließen sollte. Gleichzeitig hatte die FR 60 hauptamtlich Bedienstete, war somit einer der größten Arbeitgeber der Region und kämpfte mit einem Fahrgastrückgang.

Somit waren aus Eisenbahnfreunden von nebenan veritable Eisenbahnfeinde geworden, der WHR Wiederaufbau wurde als Gefährdung des eigenen Betriebes angesehen und musste folglich verhindert werde. Dies gipfelte sogar darin, dass die FR dem Konkursverwalter, der ja immer noch die alte WHR verwaltete, in den 1980er Jahren ein vertrauliches Angebot zum Kauf der alten WHR Trasse unterbreitete. Dieses Angebot, in weiterer Folge als „buy to keep shut“Politik der FR bekannt geworden und aus der Korrespondenz ging eindeutig hervor, dass die FR unter allen Umständen bestrebt war, eine weitere große Touristikbahn quasi in ihrem Hinterhof zu verhindern. Und koste es auch 16000 Pfund (was zu diesem Zeitpunkt eine ordentliche Stange Geld war und einem Gegenwert von knapp 90000 Pfund im Jahr 2025 entspricht – was an die 100000 Euro sind). In weiterer Folge bedeutete dies aber auch Repressalien, den sich die FR bedingt durch ihr publik gewordenes geheimes Angebot ausgesetzt sah. Auch so kann man sich eine Reputation ruinieren.

Das geheime Angebot war nicht erfolgreich, und der Masseverwalter war bestrebt, wollte er die WHR doch endlich vom Tisch haben, an das Gwynedd County Council (GCC) verkaufen. Der FR wurde klar, dass ihr Angebot wenig Aussicht auf Erfolg beschieden war, solange das GCC im Spiel war. Und so gingen die Eskapaden weiter – die FR bat 1988 um ein Treffen mit dem GCC, ohne dies überhaupt über den Inhalt des Treffens vorab zu informieren. Die grundsätzliche Absicht der FR bei diesem Treffen scheint gewesen zu sein, den GCC zu überzeugen, aus dem Bieterverfahren auszusteigen. Damit hätte die FR ihrerseits bessere Chancen und gegebenenfalls auch freie Bahn gehabt. Als Alternativlösung schwebte der FR vor, dass das GCC das Gleisbett der WHR erwirbt, um damit alles andere zu tun als eine Eisenbahn aufzubauen. Als Draufgabe bot die FR sogar an, das Gleisbett zu kaufen und es dem GCC zu überlassen, jedoch mit der Auflage, nie wieder einen Zug darauf fahren zu sehen – obwohl da ja der einzige Zweck des Gleisbettes sein konnte. Weiters wurde strikte Vertraulichkeit verlangt und schon gar nicht sollten die anderen Museumsbahner darüber informiert werden.
Der GCC spielte hier aber in weiser Voraussicht nicht mit und bekräftigte 1989 seine Partnerschaft mit der WHLR. Zusätzlich signalisierte der GCC, dass es bereit sei, den geplanten Kauf des Gleisbetts vom Masseverwalter um einen Pfund durchzuführen, nötigenfalls auch mit dem Masseverwalter vors Gericht zu ziehen, um den Verkauf zu genehmigen.

Dies brachte nun die FR gen Jahresende1989 in die Bredouille. Ginge die Sache tatsächlich vor den Richter, müsste der Masseverwalter alle Bieter, also auch die Geheimen, offenlegen. Der FR blieb folglich nichts mehr anderes übrig, als sich zu offenbaren, wenn man tatsächlich weiter das Interesse an der WHR Trasse verfolgen wollte. Wiederum ergriff die FR die Initiative und bat um ein Treffen mit dem GCC. Letzteres war aber auch nicht untätig gewesen; und legte der FR bei diesem Treffen eine Studie vor, dass von Porthmadog ausgehend auch zwei Touristikbahnen Erfolg haben können und dies auch so fördern wolle. Buy to keep shut – der Zug war abgefahren.
Darauf hin vollzog die FR eine 180 Grad Kehrtwende. Allerdings bestanden, bedingt durch die Vorgeschichte erheblich Zweifel an der nun geäußerten Intention. Die FR schlug vor, das Gleisbett zu kaufen, und der WHLR zu verpachten. Infolgedessen drängte der GCC die FR, mit der WHLR zu sprechen.
Über den Jahreswechsel 1989/90 kontaktierte die FR die Gegenseite, legte ihre Identität im Bieterverfahren dar und versuchte sich zu erklären. Gleichzeitig offenbarte sie den auch dem GCC übermittelten Vorschlag. Zeitgleich hatte aber auch die WHLR die Baugenehmigung von ihrem Grundstück in Pen-y-Mount bis Pont Croesor in der Tasche und gemeinsam mit dem GCC einen Entwurf der Light Rail Order erarbeitet.

Aufgrund der ganzen Vorkommnisse blieb ein grundlegendes Misstrauen gegenüber der FR bestehen. Die FR behauptete nun ja im Gegensatz zur Vergangenheit, sie wolle nun für den Wiederaufbau der Bahn arbeiten, hatte aber seit der Abgabe ihres geheimen Gebots gar nichts darüber gesagt.
Zuzüglich erhielt die WHLR vom GCC das Memo jenes Gespräches zugespielt, in welchem die FR dem GCC das „buy to keep shut“ vorschlug. Nun ging die WHLR in die Offensive. In einer veröffentlichten Erklärung warf man der FR vor, sich in fremde Angelegenheiten einzumischen und forderte die FR auf, das Gebot zurückzuziehen. Damit war der geheime Bieter öffentlich genannt – der Schock über die Vorgänge in Porthmadog schlug in der Szene wohl wie eine Bombe ein.
Die prinzipiell erfolgreiche FR hatte sich ein veritables Eigentor geschossen und die FR folglich in starker Erklärungsnot, was aber die Vorbehalte nicht minderte; selbst die Fachpresse schoss nun deftigen Leitartikeln gegen die FR.

Das Angebot der Verpachtung an die WHLR wurde von dieser abgelehnt und die Situation verfahrener als verfahren. Die letzte Möglichkeit, die die FR hatte, wäre die Gerichtsentscheidung anzufechten, was sich aber auch als unmöglich, da man keine Parteienstellung hatte.
Da aber die FR ihrerseits ja eine Kehrtwende vollzogen hatte, bestanden nun Schnittmengen mit der TCL und WestCo, folglich ging man aufeinander zu und gebar wohl auch aus der Not heraus die Idee, sich zusammenzuschließen. Dazu sollten TCL und WestCo ihre Anteile der FR überschreiben. Damit wäre die FR in der Lage, Parteienstellung im Gerichtsverfahren um die Abwicklung der WHR zu erlangen und um die Aussetzung des Verkaufs des Gleisbetts zu erwirken. Damit hätte die FR Zeit, einen finanziellen Umbau der alten WHLR Company zu versuchen – unter Verwendung der von TCL festgelegten Strategie. Der Deal umfasste aber auch, dass die FR die WHR wieder in der gesamten Länge herstellen und betreiben (!) musste.

Der Plan der FR sah vor, die Strecke von Norden her, wieder zu errichten. Zuerst der Abschnitt Dinas Caernarfon, der historisch nie zur WHR gehörte, jedoch mit dem bekannten Castle Caernarfon eine Touristenattraktion erschloss. Dies war also eine völlige Änderung in der Politik der FR-Politik und das neue leitende Personal war deutlich positiver gegenüber dem WHR eingestellt als das Personal zu früherem Zeitpunkt. Darüber stellte die FR Mittel bereit, um die Arbeiten für die notwendigen Planungsanträge vorzubereiten. Jedoch war ja immer noch das GCC im Spiel, an welchen der Masseverwalter nach wie vor verkaufen wollte.

1991 kam es schließlich zum Gerichtsverfahren um die Veräußerung der Strecke. Die FR hatte nun ja Parteinstellung und brachte zwei Anträge ein: einerseits die Veräußerung der GCC aufzuschieben, um der FR die Möglichkeit zu geben, die Gesellschaft der alten WHR entsprechend umzustrukturieren und andererseits die Validierung der Übertragungen von Aktien und Anleihen der WHLR Company an FR anzuordnen Der Richter jedoch entschied, dass die Strategie der FR nicht aufgehen konnte. Man fiel nun trotz Warnungen darauf rein, dass niemanden bei der alten WHR gab, der einem Gerichtsbeschluss zur Validierung von Anteilsübertragungen nachkommen konnte, und das Gericht hatte keine Befugnis, das Mitgliederverzeichnis selbst zu ändern Ein veritabler Formalfehler sozusagen. Und der mit Ansage und Anlauf. Der Richter aber sah einen Ausweg aus der verfahrenen Situation: ein Abänderungsantrag (der weit vorher ja noch ausgeschlossen wurde!) Mit Hilfe diesem konnte Light Rail Order mit ihren verbleibenden Befugnissen der alten WHR-Gesellschaft auf den erfolgreichen Antragsteller übertragen werden, womit dem neuen Inhaber der Light Rail Order das ausschließliche Recht zustand, das Gleisbett vom Massenverwalter zu kaufen. Gleichzeitig stellte der Richter aber auch klar, dass zum Bau und Betrieb eine neue Bewilligung erforderlich wäre. Weiters vertagte der Richter das Verfahren und gestattete so den Parteien, einen Übertragungsantrag zu stellen. Dem GCC stand der Richter wiederum skeptisch gegenüber, weil er über deren Absichten mit der Strecke hinter Pont Croesor im Unklaren geblieben war.

Im Grunde war man nun zwar einen aber doch keinen Schritt weiter. Man wusste nun, dass der Ansatz der TCL zum Scheitern verurteilt war, und damit auch jener der FR. Damit hatte die WHLR mit ihrem Ansatz recht gehabt. Es existierten aber dennoch weiterhin zwei konkurrierende Gruppen: die WHLR und die FR – beide wollten die Bahn nun wieder aufgebaut wissen. Zusammenarbeit? Schwierig, bei all den Vorgeschehnissen. Folglich stellten beide Seiten nun ihrerseits einen Antrag auf Übertragung, wobei beide Anträge eindeutig das Ziel des Wiederaufbaues der Gesamtstrecke umfassten.

So kam es zu einer öffentlichen Anhörung, welche sich mit der Sache umfassend befasste und im wesentlichen zwei zentrale Punkte klären musste: war ein Wiederaufbau überhaupt im öffentlichen Interesse und wenn ja, wer darf ihn nun ausführen?
Die FR stand nun mit dem Rücken zur Wand, da es ja etliche Evidenzen gab, dass sie nicht die Strecke wiederaufbauen, sondern eine konsequente „buy to keep shut“ Politik betreiben wollte und ernsthaft am Willen der FR zweifeln ließen. Dies begegnete die FR ihrerseits wiederum mit einer rechtlich bindenden Vereinbarung mit dem GCC: falls sie die Strecke übertragen bekommt, verpflichtet sich die FR binnen 5 Jahre mit dem Streckenwiederaufbau zu beginnen. Andernfalls muss die FR die Gründe an das GCC abgeben.

Nach einer mehrwöchigen Anhörung stellte der Untersuchungsausschuss fest, dass das öffentliche Interesse des Wiederaufbaues der WHR zu bejahen sei und sprach sich für den Antrag des GCC und der WHLR aus. Als Entscheidungsgründe nannte er, dass die Unterstützung der Gebietskörperschaften ein großer Vorteil bei der Bewältigung von Planungs- oder Umweltproblemen beim Wiederaufbauprozess sein können. Ebenso stünden Gebietskörperschaften höhere finanzielle Mittel bereit, gleichzeitig hatte die WHRL Limited ja schon einiges in Porthmadog investiert. Seine Empfehlungen übermittelte er ans Verkehrsministerium, das die letzte Entscheidungshoheit hatte
Ein Sieg für die WHRL Limited war also zum Greifen nahe. Und wurde wieder in letzter Sekunde zunichte gemacht. Denn das in einer konservativen Regierung arbeitende Verkehrsministerium sah in der öffentlichen Beteiligung ein Risiko für den Steuerzahler, den man unter allen Umständen verhindern wollte. Beim Plan der FR gäbe es das Risiko für den Steuerzahler nicht. Und so präferierte das Verkehrsministerium entgegen der Empfehlung des Ausschusses für den Vorschlag der FR. Diese Entscheidung führte wiederum zu erheblicher Kritik und es gab Stimmen, die behaupteten, dass die FR ihre Kontakte zu den Conservatives spielen hatte lassen, um den Vorzug zu erhalten.
Die WHLR Limited erwog, gegen die Entscheidung zu berufen, hatte aber keine Garantie auf Erfolg noch das entsprechende Kapital dafür und stand nun gewissermaßen mit leeren Händen da. Die FR ihrerseits begann umgehend mit der Phase 1 ihres Plans des Wiederaufbaues – dem nördlichen Streckenteil Dinas – Caernarfon – dazu gründete sie die Welsh Highland Light Railway als Tochtergesellschaft der FR. Dieser Streckenteil war früher bereits eine alte Eisenbahnstrecke, zuerst die kapspurige Nantlle Railway, welche später von der Normalspurstrecke der LNWR abgelöst wurde. Nun wurde hier zum dritten Mal eine Eisenbahn gebaut, und jetzt mit der Spurweite von 597mm. Dieser Streckenteil konnte 1997 eröffnet werden – und zwar noch unter einer der letzten Light Rail Oder.

Nach dem Gerichtsurteil von 1991 war klar, dass man neue Bewilligungen für die ursprüngliche Strecke von Dinas nach Porthmadog brauchen würde. Die FR ihrerseits musste nun unter dem Transport and Works Act, der die Light Railway Act ablöste, eine Baubewilligung erlangen. Hier grätschte aber die Parlamentswahl dazwischen und man sah sich mit neuen Ansprechpartnern in London konfrontiert. Zusätzlich gingen über 350 Einwände gegen das Projekt des Wiederaufbaues ein. Viele betrafen vor allem die Stadtquerung von Porthmadog. Der mächtigste Gegner war die Straßenbauabteilung, welche Einwände gegen die Mitbenutzung der Britannia Bridge in Porthmadog hatte. Gleichzeitig hatte auch die unterlegene WHLR Limited Einwände gegen das Projekt, diese hatte ja schon ein kurzes Stück Strecke aufbauen können. Wiederum musste eine öffentliche Verhandlung anberaumt werden.

In der Verhandlung erklärte die WHLR Limited, dass die Strecke durch die Stadt als nicht nötig erachtet werden, da sie der FR ihre Betriebsstrecke von Pen-y-Mont nach Porthmadog WHR bei angemessener Beteiligung der FR zur Verfügung stellen könnte. Dies würde aber bedeuten, dass die FR und die WHR über keine direkte Gleisverbindung verfügen würden, was sich negativ auf die Betriebsführung auswirken könnte. Gleichzeitig müssten die Züge dann von Pen-y-Mont bis Porthmadog auf fremder Infrastruktur fahren, womit sich die FR der Gefahr ausgesetzt sah, mit im Grunde noch erbitterten Gegnern verhandeln zu müssen, ohne eine Alternative zu haben. Alleine dies wollte die FR vermeiden. Und so versuchte die FR, über Verhandlungen mit der Gengenseite, diese zum Zurückziehen ihrer Einwände zu bewegen. Die Hauptstreitpunkte in diesen Verhandlungen lassen sich wie folgt umreißen: Unter welchen Bedingungen die WHR Limited (ex WHLR Limited) einen Abschnitt der WHR bauen darf und unter welchen Bedingungen die Zugangsrechte die Züge der WHR Limited stehen würden. Darüber hinaus war man auch bei der Verwendung des Namens Welsh Highland Railway uneins – diese hatte sich die WHR Limited als Markenname eintragen lassen. Die Gespräche standen wohl einige Male auf der Kippe, jedoch drängte die Zeit. Die öffentliche Anhörung war bereits anberaumt und das Datum dieser rückte unaufhörlich näher. Tatsächlich konnte man sich nun einigen: die WHR Limited zog ihren Einspruch zurück. Im Gegenzug dufte die WHR Limited die Strecke bis Pont Croesor mit Unterstützung der FR wieder aufbauen. Gleichzeitig durfte die WHR Limited die Strecke bis Pont Croesor betreiben, bis die FR ihrerseits die Strecke von Norden kommend bis Pont Croesor fertig gebaut war. Danach hatte die WHR Limited das Recht, die gesamte Strecke mit ihren Fahrzeugen zu befahren.

Die öffentliche Anhörung begann im Dezember 1997 und führte zu einem formellen, rechtlich bindenden Vereinbarung: darin wurde rechtlich bindend festgelegt, dass die FR unter der Voraussetzung, dass die Genehmigungen erteilt werden, mit dem Wiederaufbau in Dinas beginnen würde, während die WHR Limited ihre Strecke bis Pont Croresor ausbauen darf. Einschränkend wurde festgehalten, dass dass der Wiederaufbau im Porthmadog erst starten darf, wenn die FR ihren Aufbau bis Waunfawr vorangetrieben hatte. Ein Zeitrahmen für die Pont Croesor Extention wurden nicht genannt, nur as soon as practicable war vereinbart. Auch wurde festgehalten, dass die Bahnstrecke im Norden vorerst Welsh Highland Railway (Caernarfon), jene in Porthmadog mit Welsh Highland Railway (Porthmadog) heißen sollte. Man hoffte, dass mit der Vereinbarung einerseits die erbitterten Feindseligkeiten beider Parteien beseitigt werden konnten, andererseits hoffte man auf eine zweite Touristikattraktion in Porthmadog.
Zur allgemeinen Überraschung stellte der Leiter der Verhandlung abschließend fest, dass es keine ausreichenden Gründe gebe, eine Eisenbahn im Nationalpark wiederaufzubauen. Abermals overrulte London eine Ausschussentscheidung, da man in London der Auffassung war, dass die Vorteile außerhalb des Nationalparks die Nachteile im Nationalpark deutlich überwogen. Zu guter Letzt machten auch noch die Bauern der Region mobil, die massive Eingriffe in ihre Ländereien fürchteten. Die Bahn zerschnitt ja Grundstücke, es brauchte Querungen und Brücken. Zwar brachte dies eine weitere Verzögerung mit sich, die Einsprüche wurde jedoch abgelehnt.
Und so konnte nun endlich, Jahrzehnte, nachdem der letzte Zug auf der Strecke gefahren war und Jahrzehnten von Querelen und Streitigkeiten mit dem Wiederaufbau der WHR begonnen werden.

Die FR begann nun, von Dinas ausgehend die Strecke zuerst bis Waunfawr (Phase 2, Eröffnung August 2000); dann bis zum Scheitelbahnhof Rhyd Ddu (Phase 3, Eröffnung 2003); aufzubauen. Für den letzten Streckenteil der Phase 4, also Rhyd Ddu – Beddgelert – Porthmadog gründete die FR eine neue Tochtergesellschaft (die wievielte nun? Übersicht habe ich schon lange keine mehr), die Welsh Highland Railway Construction Company, Beddgelert wurde im April 2009) erreicht Hafod y Llyn im Mai 2009) und Pont Croesor im April 2010. Porthmadog letztlich im Jänner 2011. Der letzte Teil schloss wiederum jenen durch die WHR (Porthmadog) errichteten Streckenteil ein. Besonders erwähnenswert hierbei ist, dass 25 Meilen Eisenbahnstrecke faktisch neu gebaut wurden. Den Unterbau stellten Unternehmer aus der Region her, den Gleisbau aber erledigten zu 100% Freiwillige.

War zwischen Dinas und Porthmadog die Strecke gut nutzbar, war die dies die alte Ortsdurchfahrt nicht mehr. Neben der dichten Bebauung und dem Glaslyn gibt es noch die Regelspurstrecke nach Pwllheli, die es kurz vor dem Bahnhof Porthmadog zu kreuzen galt. Network Rail stand dem Ansinnen wohlwollend gegenüber und so entstand in Porthmadog im Zuge des cross town rail links die einzige niveaugleiche Normalspur – Schmalspurkreuzung auf den britischen Inseln die Cae Pawb crossing. Die Kreuzung ist allseits signalgesichert, die Freigabe der Kreuzung für WHR – Züge erfolgt durch das Stellwerk der Normalspurstrecke.

Um nun Porthmadog Harbour Station der FR zu erreichen, musste die Strecke weiter nach Osten verschoben werden und führt nun zwischen den Parkanlagen beim Llyn Bach und den Häusern von Porthmadog zur Britannia Bridge. Somit ersetzt der cross town rail link die alte Junction Railway, welche in den 1920er und 1930er Jahren die WHR und die FR verband.
Über den technischen Wiederaufbau gibt es auch eine Dokumentation in zwei Teilen, welche auf Youtube zu finden sind und die ich gerne verlinken möchte:

Teil 1
Teil 2

Wer nun also verständlicherweise eine kleine Lesepause braucht und sich gut eine halbe Stunde pro Teil berieseln lassen will, kann dies nun gerne tun. Will wer noch mehr über den Wiederaufbau lesen, in der Literaturliste am Ende dieses Schriftstücks findet sich ein Buch zu dem Thema.
Unterm Strich zeigt diese sich über mehrere Jahrzehnte erstreckende Geschichte des „battel for the Welsh Highland Railway, wie kreativ die Handelnden seinerzeit waren wenn es um den Wiederaufbau einerseits zu bewerkstelligen, aber auch ums Verhindern selbigen andererseits. Mittlerweile ist Ruhe in der Region eingekehrt – die Ffestiniog and Welsh Highland Railway sind ein Leitbetrieb für die gesamte Region (womit das GCC mit seiner vertretenen Ansicht recht hatte); die Welsh Highland Heritage Railway betreibt nach wie vor ihr Museum auf dem Geländes der Beddgelert sidings und fährt mit ihren Fahrzeugen zu besonderen Anlässen auf der WHR. Stand 2025 ist die originale Lok Russel der WHHR außer Betrieb, da die Kesselfrist abgelaufen ist, die Lok bekommt gegenwärtig eine Hauptuntersuchung.

Und so ganz nebenbei ist mit der wiederaufgebauten Welsh Highland Railway die längste Museumsbahn in Großbritannien aus der Traufe gehoben worden – mit einer Streckenlänge von 25 Meilen (um die 40 Kilometer), wobei gemeinsam mit der Ffestiniog Railway (Streckenlänge 13.5 Meilen Länge, also knapp 22 km Streckenlänge) ein Schmalspurnetz in Snowdonia von über 60 km Streckenlänge entstand – etwas, was auch international seines Gleichen suchst.
Was aber auch seinesgleichen sucht, sind die Lokomotiven der WHR. War der alten WHR kein Erfolg beschieden (und kurze Züge mit kleinen Loks reichten aus), so musste man, um erfolgreich bestehen zu können, eine Nummer größer denken. THINK BIG, nicht nur das die Zuglängen angeht. Die Ffestiniog Railway selber hatte keine passenden Fahrzeuge außer einer einzigen Lok, der K1.

Die 1909 gebaute K1, eigentlich K1/K2 ist nun selber ein sehr interessantes Gefährt – sie ist die allererste je gebaute Lok der Bauart Garratt. Sie wurde zusammen mit einer Schwesterlok, der K2 von Beyer Peacock für die North East Dundas Tramway in Tasmanien gebaut und gehört als Verbundlokomotive (engl.: compound engine) zur seltenen Gattung der Verbundgarrats. Sie hat damit ein Hochdrucktriebwerk und ein nachgeschaltetes Niederdrucktriebwerk, welches durch ein langes Überströmrohr zwischen den beiden Fahrwerken verbunden ist.
Bereits 1929 wurden die K1 und die K2 aufgrund mangelnder Nachfrage abgestellt. 1947 wurde die K1 letztlich vom Hersteller zurückgekauft. Dabei bediente man sich an beiden Loks – aus den jeweils besseren Teilen wurde aus der K1 und der K2 eine Lok gebaut und die Reste verschrottet. Die Fahrwerke kamen von der K1, die Kessel und Brückenrahmen wiederum von der K2. Die Lok ging also zurück zu Bayer Peacock und wurde dort in die hauseigene Museumssammlung aufgenommen. Allerdings wurde man im Laufe der Zeit der Lok wohl auch überdrüssig. Ein Versuch, die Lok zum einem Firmenjubiläum betriebsfähig aufzuarbeiten scheiterte, ein Verkauf an das Narrow Gauge Railway Museum scheiterte aufgrund der nicht erfüllbaren Forderung, die historisch wertvolle Lokomotive geschützt unterzustellen.
1965 war es aber auch mit der Firma Bayer Peacock vorbei. 1966 kaufte die FR die Lok mit Hilfe der Ffestiniog Railway Society und stellte sie als nicht betriebsfähiges Ausstellungsstück in der Porthmadog Harbour Station aus. Danach wandere die Lok in die Langzeitaufbewahrung. Die Lok war schlicht zu groß für das sehr kleine Lichtraumprofil der FR. Letztlich wurde 1976 die Lok als Dauerleihgabe York ins National Railway Museum gebracht und dort als Meilenstein britischer Ingenieurskunst ausgestellt. Die Lok erhielt noch eine kosmetische Aufarbeitung und grauen Fotolack und und viele Eisenbahnfreunde dachten, dass das der finale Platz für die Lok sein würde. Wäre da nicht der Wiederaufbau der Welsh Highland Railway hinein gegrätscht.
Da man für diese Strecke entsprechende Loks braucht, entsann man sich der K1 und holte die Lok nach Wales zur betriebsfähigen Aufarbeitung zurück. Nach verschiedenen Stationen in verschiedenen Werkstätten wurde die Lok schließlich 2004 nach Dinas zur Inbetriebnahme überstellt. Da die Lok aufgrund ihrer Verbundbauweise vergleichsweise komplex ist, dauerte die Wiederinbetriebnahme letztlich bis 2006. So hatte die Bahn zumindest mal eine für ihre Zwecke brauchbare und historisch wertvolle Lok.

Zu einem stabilen Betrieb einer 40 km langen Strecke braucht es aber weit mehr als nur eine Lok. War die K1 das THINK BIG; ging es nun ans THINK EVEN BIGGER. Die K2 war ja schon lange verschrottet.
Fündig wurde man am anderen Ende der Welt, in Südafrika. Hier gab es große Schmalspurnetze mit 610mm Spurweite und entsprechend große und leistungsfähige Lokomotiven. Letztlich bekam die WHR aus Südafrika von den South African Railways 5 NGG 16, 2 NG 15 und zwei ursprünglich von den Consolidated Diamond Mines of Namibia vierachsige Mittelführerstandsdieselloks, die die SAR übernommen hatte.

Im einzelnen sind dies folgende Lokomotiven:

Garratts

NGG 16 No 87
NGG 16 No 130
NGG 16 No 138
NGG 16 No 140
NGG 16 No 143

Interessant ist auch, dass die NGG 13 und die verbesserte16 von drei verschiedenen Herstellern gebaut wurden: Hanomag, Bayer Peacock und Cockerill, wobei sich die Bauzeit der insgesamt fünf Baulose von 1927 bis 1958 erstreckt. Im Grunde aber ist die NGG 13 bzw. NGG 16 eine deutsche Konstruktion. Die Loks 130, 138, 140 und 143 der WHR sind allesamt der letzten Bauserie von Bayer Peacock zuzuordnen und somit vergleichsweise jung, die 89 von Cockerill datiert aus dem Jahr 1936 und ist somit deutlich älter. Die bereits vorgestellte No. 60, Drakesberg auf der Vale of Rheidiol Railway wiederum ist eine originale Hanomag Garratt aus dem Jahre 1927 und entstammt somit der ersten Serie.

Bild
Wer nicht so weit reisen möchte, um eine dieser Schmalspurgiganten zu sehen, dem sei ein Besuch im Deutsche Technikmuseum in Berlin empfohlen. Hier steht die NGG 13 No. 78 (Hanomag) im Lokschuppen zur Besichtigung ausgestellt. Im Übrigen ein sehr sehenswertes Museum, nicht nur was Eisenbahnen anbelangt. Und ist die K1 prinzipiell schon deutlich größer als eine klassische 600mm Lok, sind die Südafrikanerinnen noch einmal eine deutliche Steigerung in der Größe, Ausmaßen und Gewicht, zählen sie zu den schwersten und stärksten Lokomotiven, die man für diese Spurweite je gebaut hat. Gleichzeitig sind sie die größten Loks für diesen Spurweitenbereich.

Warum aber gibt es solche Lokgiganten auf Feldbahnspurweite überhaupt? Schlicht, weil in Südamerika die Spurweite 610mm weit verbreitet war und man hier auch lange Strecken mit dieser Spurweite überwand – die Strecke Port Elizabeth nach Avontuur beispielsweise weist eine Entfernung von 280 km bzw. 174 Meilen auf – was weiter als die Entfernung von Berlin nach Hamburg (Luftlinie) ist. Die Loks brauchen, um solche Distanzen zu bewältigen, entsprechend große Wasser- und Brennstoffvorräte. Gleichzeitig weisen Schmalspurbahnen deutlich engeren Bogenradien als Normalspurstrecken auf. Was lag also näher, als das erprobte Fahrwerkskonzept der K1 eine Nummer größer zu bauen? Heraus kamen eben die Lokgiganten der Baureihe NGG 13 bzw. 16, wobei die NGG 16 eine leicht vergrößerte und verbesserte Variante der NGG 13 ist, die wir ja schon auf der VoR kennengelernt haben. Schon die Achsformel ist beeindruckend: 1'C1'+1'C1'h4t: also zwei eine Vierzylinder-Heißdampftenderlok (h4t) mit zwei fünfachsigen Fahrwerken, wobei jedes Fahrwerk über je eine Vor- und Nachlaufachse und drei gekuppelte Achsen verfügt. Die Fahrwerke sind über einen Brückenrahmen, auf dem Kessel und Führerstand aufgebaut sind, kraftschlüssig verbunden. Auf dem vorderen Triebgestell befindet sich ein großer Wasserkasten, auf dem Hinteren ein kombinierter Wasserkasten mit Kohlebunker. Aufgrund der schieren Größe der Lokomotiven verfügen die Triebgestelle der Loks ausnahmslos über einen Außenrahmen, wobei dadurch die Gegengewichte an den Treib- und Kuppelachsen als Unterart der Hall'sche Gegenkurbeln ausgeführt sind. Im Vergleich zur NGG 13 hat die NGG 16 ein verbessertes Fahrwerk: waren die NGG 16 Fahrwerke noch nach den Prinzipien von Karl Gölsdorf aufgebaut (seitenverschiebbare Achsen – in unserem Fall die mittlere Kuppelachse), um Bogenläufe bis zu Minimalradien von 49 Metern ermöglichen, hat die NGG 16 Rollenlager schwenkbare Achsen statt der Gleitlager der NGG 13 (interessanterweise unterscheiden sich jedoch die einzelnen Baulose der NGG 16 selber erheblich mehr als wie die NGG 13 und das erste Baulos der NGG 16.) Zuzüglich stellen die Vorauf- und Nachlaufachsen bei Neigunsgwechsel die erste und dritte Kuppelachse in der Höhe ein. Durch die 10 Achsen hat die Lok gerade mal eine Achslast von 7,2 Tonnen. Die vier Zylinder übertrage die Kraft über eine Häuslingersteuerung (engl. Walschaerts valve gear) auf die jeweils letzte Kuppelachse, die somit zur Treibachse wird.
Der Brückenrahmen verbindet nun beide Triebgestelle. Unter dem Rahmen befindet sich nun genug „Luft“, um eine für 600mm enorm große Feuerbüchse mit großem Aschkasten, der fast bis zur Schienenoberkante reicht und darauf einen Kessel unterzubringen, der nahezu an die Dimensionen eines Kessels einer kleinen Nomalspurnebenbahntenderlok rankommt beziehungsweise jenen der preussischen T3 sogar übersteigt. Durch diese „seltsame“ Konstruktion hat die Baureihe eine große Verdampfungsfläche und eine große Überhitzerfläche bei gleichzeitig vergleichsweise niedrigem Schwerpunkt. Was wiederum bei der geringen Spurweite ein großer Vorteil ist, denn die Lok ist 2.1m Breit, was mehr als das dreifache der Spurweite entspricht.
Den Rest lasse ich jetzt den Profi, nämlich Mr. Jonathan Whalley den F&WHR Chief Mechanical Engineer, erklären: KLICK zum Video – der kennt sich nämlich deutlich besser aus mit diesen Maschinen als wie ich. Generell können die Youtube Videos auf dem Kanal der Ffestiniog and Welch Highland Railways durchaus empfohlen werden.

Wer nun meint, dass diese Lokgiganten groß sind – die SAR hatte auch Kapspurstrecken; und auch für diese Strecken gab es Garrats. Die SAR Baureihe GMA mit ihren zwei (2'D1')(1'D2') h4 Fahrwerken, ihren fast 30m Länge und einer Dienstmasse über 190 Tonnen gehören zu den Superlativen bei den Schmalspurloks. Interessanterweise wurden viele Garrats in Europa konstruiert und gebaut, durchsetzen konnte sich diese Lokbauart in Europa aber nie. Und so sind die Garrats auf der WHR und der VoR technisch interessante Exoten im europäischen Bahnwesen. Und das macht wiederum seinen Reiz aus.

Schlepptenderloks

NG 15 No 133
NG 15 No 134, „Kalahari“

Zuzüglich zu den NGG 16 gibt es auf der WHR noch zwei NG 15, von denen eine seit letztem Jahr betriebsfähig ist und die Zweite der Dinge harrt. Bei der NG 15 handelt es sich um eine 1'D1'h2 Schlepptenderlok. Im Gegensatz zur NGG 16 ist die NG 15 faktisch eine normale Schlepptenderlok mit Steifrahmen. Auch hier wieder ist das Laufwerk bedingt durch die geringe Spurweite in Außenrahmen gelagert, Hall'sche Gegenkurbeln und Gegengewichte geben der Lok ein charakteristisches Aussehen. Um einen guten Bogenlauf zu ermöglichen, ist die Vorlaufachse in einem Krauss-Helmholtz Gestell gelagert und lenkt so die erste Kuppelachse bei einem Bogenlauf an. Die Besonderheit an der Lok ist der Schlepptender: dieser ist mit 31 Tonnen fast so schwer wie die Lok selber. Wiederum waren die Langläufe, für die die Lok gebaut wurde, ausschlaggebend – der Tender fasst 5.5 Tonnen Kohle und 13 Kubikmeter Wasser. Damit ist die NG 15 mit ihrem Tender nicht nur schwerer, sondern auch länger als die NGG 16.

Dieseloks

Castel Caernarfon
Vale of Ffestiniog

Bleiben noch die beiden von Funkey gebauten Dieselloks über: gemeinsam mit den Dampfloks kamen auch zwei Dieselloks aus Südafrika nach Wales. Diese 335 PS starken B-B Loks sind die Mädchen für alles. Während die auf den Namen „Castel Caernarfon“ getaufte Lok noch weitgehend in originaler Form auf der WHR verkehrt, wurde ihre Schwesterlok, die „Vale of Ffestiniog“ an die FR abgegeben und musste daher massiv umgebaut werden, um in das kleine Lichtraumprofil zu passen. Ergebnis war eine Lok mit einem Führerstand an jedem Ende der Lok, welcher durch einen schmalen Maschinenaufbau verbunden ist – was der Lok in ein etwas gedrungenes Aussehen versetzt, und nichts mehr mit dem langgestreckten originalen Profil der Lok zu tun hat. Die „Vale of Ffestiniog“ kommt nur ausnahmsweise auf der WHR zum Einsatz (zum Beispiel im Zuge des Super Power Weekends) und ist in Boston Lodge beheimatet, während die Castel Caernarfon in Dinas beheimatet ist.

All diese Loks sind fähig, die langen Touristenzüge mit an die 10 vierachsigen Wagen auf der Welsh Highland Railway zu bespannen.

Kommen wir nun zur Strecke: diese ist an die 40 Kilometer lang und beginnt wie die Ffestiniog Railway auch am Bahnhof Porthmadog Harbour Station. Während die Ffestiniog Railway hier ihre Gleise in einem Bogen Richtung Kai hat, liegen die beiden Gleise der WHR in der Geraden und werden von den Gleisen der FR durch einen breiten Bahnsteig getrennt. Vom Bahnhof ausgehend verlässt die WHR das Bahnhofsareal faktisch über die Türschwelle des Spooner's und mündet in die Mainstreet von Porthmadog ein. Gleich nach der Bahnhofsausfahrt überquert die Strecke die Britannia Bridge niveaugleich mit der Straße. Es ist in der Hauptsaison ein schönes Schauspiel, wenn ich eine Garratt mit einem 10 Wagen Zug über die Straße und die Brücke in langsamer Fahrt schiebt. Dann zweigt die Strecke in einem scharfen Rechtsbogen von der Straße ab und führt zwischen Parkanlagen und Parkplatz nach Norden. Mehrere Eisenbahnkreuzungen und die oben angesprochene, niveaugleiche Kreuzung mit der Normalspurstrecke folgen. Dann geht es mehr oder weniger gerade neben dem Areal der Welsh Highland Heritage Railway durch das verlandete, ebene Schwemmland der Glaslyn Mündung. Bei Pen-y-Mount Junction besteht die direkte Gleisverbindung zur Welsh Highland Heritage Railway, welche mit einer Gleissperre und Schutzweiche gesichert sind. Weiter führt die Strecke in der Ebene bis Pont Croesor, wo die erste Token -Section endet.

Der erste Bahnhof ist erreicht, hier ist die erste Kreuzungsmöglichkeit von insgesamt fünf. Kurz nach dem Bahnhof Pont Croesor überquert die Strecke zum zweiten mal den Glaslyn. Weiter geht es neben der Landesstraße B4410 Richtung Croesor Junction, wo die Bahn in einem scharfen Linksbogen von der ursprünglichen Strecke der Croesor Tramway abzweigt. Weiter geht es zwar noch in der Ebene, die Berge sind nun aber deutlich näher. Mehrere Brücken überspannen hier die Flüsse, die den Glaslyn speisen.

Über die Betriebsstelle Hadod Y Llyn kommt die Strecke nun zu einem ihrer spektakulären Abschnitt: vor der Haltestelle Nantmor beginnt die Steigungsstrecke Richtung Beddgelert. Durch die Wälder von Nantmor geht es direkt in den Tunnel No 4 - long tunnel. Und plötzlich ist aus der Welsh Highland Railway eine rechte Gebirgsbahn in einer Schlucht geworden. Im Aberglyslyn Pass, was sich im Deutschen mit Aberglaslyn Durchbruch übersetzen lässt, schmiegt sich die Strecke eng an die steilen Felswände und an das Ufer des Glaslyn – zwei weitere kürzere Tunnels folgen. Über die dritte Glaslyn Brücke verlässt die Bahn den Aberglaslyn Pass und unterquert die Bundesstraße A498. In stetiger Steigung klettert die Strecke am Westrand des Beckens von Beddgelert zum Goat Tunnel, welcher durch einen Einschnitt verlassen wird.

Gleich nach dem Einschnitt liegt der Bahnhof Beddgelert. Hier ist wiederum eine Keuzungsmöglichkeit und gleichzeitig wiederum das Ende Tokensections. Der beschauliche Ort Beddgelert selber liegt nur wenige Minuten zu Fuß entfernt und kann vom Bahnhof leicht erreicht werden. Am nördlichen Bahnhofskopf befindet sich ein Wasserturm und ein Wasserkran zur Versorgung der Dampflokomotiven. Auch hat der Bahnhof eine Besonderheit – er liegt nicht wie alle anderen in der Ebene, sondern in der Steigung.

Nach dem Bahnhof Beddgelert, der 55 Höhenmeter über Porthmadog Harbour Station liegt, windet sich die Strecke in mehreren Kehren den Hang hinauf. Nach der Haltestelle Meillionen, die einen großen Campingplatz erschließt werden nochmals zwei Kehren durchfahren um den Scheitenpunkt der Strecke, Pitt's Head auf knapp 200m über Meer erreicht wird. Nachdem die A498 unterfahren wurde, verläuft die Strecke geradlinig und leicht fallend neben der Bundesstraße in Hanglange nach Rhyd Ddu.

Hier ist wieder ein Kreuzungsbahnhof mit Wasserfassmöglichkeit. Ebenso sind hier wieder die Tokensections zu Ende. Nach der Bahnhofsausfahrt Rhyd Ddu befindet sich die spektakulärste Fotostelle der WHR – die Chairman's Curve. Hier hat der Fotograf unzählige Möglichkeiten – von nah, von fern, es macht einfach Spaß, den Zug das Tal rauf fahren zu sehen. Dann windet sich die Strecke an den Hängen des Snowdon hinunter nach Waunfawr, wobei mehrfach die begleitende A-road und der Fluss Gwyrfai überquert werden. In Waunfawr ist wiederum Raumabschnittsgrenze und Kreuzungsbahnhof.

Nach der Ausfahrt von Waunfawr wird die A498 letztmalig unterquert, dann führt die Strecke durch Wälder und landwirtschaftlich geprägtes Land über den Bahnhof Tryfan Junction, wo einst die oben genannte Zweigstrecke, der Bryngwyn Branch in engem Bogen abzweigte, nach Dinas, wo die alte WHR ursprünglich endete. Dinas (wiederum Raumabschnittsgrenze) an sich ist ein stattlicher Bahnhof, mit Heizhaus und Abstellhallen für Wagen. Hier hat die WHR ihren nördlichen Betriebsmittelpunkt, der südliche liegt in Boston Lodge bei Porthmadog. Nun geht es auf der alten Regelspurtrasse nach Caernarfon, wo die WHR in einem vergleichsweise kleinen, aber modernen Bahnhof neben dem Castle Caernarvon am Hafen endet. Zu Fuß in das Zentrum und zum Castle sind es nur wenige Minuten.
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Re: Fairlie Welsh

Beitrag von Dachstein »

Tag 9, 7. November 2025, Tag 7 der Photocharter: Welsh Highland Railway – going against all odds on reborn railway

Wie üblich auf dieser Reise begann der Tag viel zu früh. Nicht der innere Wecker ließ mich nicht mehr schlafen, sondern ein lautes Prasseln, welches unerbittlich an die Fensterscheibe klopfte. Leider waren die angesagten und daher erwarteten Regenfälle nun tatsächlich in Porthmadog angekommen. Die Halt zeigenden Signale an der vis á vis liegenden Harbour Station illuminierten die Szenerie schwach, die Straßenlaternen wackelten im Wind. Na das kann heute ja heiter werden... Soll ich gleich das Duschgel einpacken?! Selbst im Bad war der draußen tobende Sturm noch gut zu hören. Und das alles auf der WHR, wo es gerade oben in Rhyd Ddu kaum eine Möglichkeit gibt, vor dem Regen in Deckung zu gehen. Und wenn es in Rhyd Ddu regnet, dann kommt der Regen aus allen Richtungen. Zu gut kenne ich diese Fotostelle, und es gibt kaum einen Sonwodnia-Urlaub, in dem ich an der WHR und/oder der FR nicht bis auf die Unterwäsche nass wurde. Besonders extrem war es bei der Doppeltraktion am Super Power Weekend 2024, wo ich beschloss, den Zug, welcher aus Dinas nach Porthmadog fahren sollte und gleich zwei NGG 16 am Zug hatte, dort abzulichten. Meine bessere Hälfte verweigerte das Aussteigen am Parkplatz in Rhyd Ddu gleich völlig, die Windschutzscheibe blieb nämlich trocken, weil der Regen waagerecht daherkam und ich so geparkt hatte, dass ich als Fahrer im Lee des Autos aussteigen konnte. Während sie sich mit der Times und einem heißen Kaffee im Auto vergnügte, ging ich wortwörtlich duschen. Und so stand ich an der „Chairman's Curve“ und wartete im horizontalen Wetter auf den Zug. Zwar plante ich so, dass ich kurz vor Planankunft in Rhyd Ddu auf der Fotostelle aufschlug – der Zug tat dies leider nicht und hatte letztlich 15 Minuten Verspätung. Folglich hatte ich 15 Minuten mehr traditional proper liquid Welsh sunshine (tplWs). Tatsächlich kamen bei sehr bescheidenen Lichtverhältnissen die zwei NGG 16 mit einem langen Zug daher – das Bild war auch im Kasten und ich nass. Und zwar so nass, dass ich beschloss, mich im Lee des Autos das gesamte Gewand zu wechseln – sehr zur Amüsement der Person im Auto. Da das Wetter derart schlecht war, beschlossen wir, nach Porthmadog zu fahren und mit den Tickets für das Super Power Weekend, die auch für die WHR Züge galten, eine Fahrt von Porthmadog nach Caernarfon und retour zu unternehmen, mit zwei Stunden Unterbrechung in Dinas, um hier die Ausstellungen zu besuchen.

Problem heute: ein Alternativprogramm stand heute nicht zur Verfügung und somit bereitete ich mich auf das Unweigerliche vor: the traditional Rhyd Ddu soaking. Was wäre ein Walesurlaub ohne dieses bereits zur liebevollen Tradition gewordene Duschereignis mit tplWs ebendort... Mein Vorteil: ich wusste,was hier auf mich zukommt bzw. zukommen kann, so manch anderer wusste das (noch) nicht. Alleine der Weg zum Bahnhof, welcher ja fußläufig vom Hotel aus zu erreichen war, war in gewissermaßen eine leichte Eingewöhnungsphase, auch wenn der Regen merklich nachgelassen hatte.

Aber auch in Bahnhof Porthmadog Harbour Station kann man vorzüglich nass werden – mit zwei verschiedenen Arten von Wasser. Der Bahnhof befindet sich am Porthmadog-seitigen Endes des Cob, womit eine Seite zur See hin offen ist.Hat man das Vergnügen, bei Flut am Bahnhofskopf die Einfahrt der Züge fotografieren zu wollen, und es ist stürmisch, so kann man sich in der Gischt der Wellen und des möglichen Regens duschen. Den Unterschied zwischen den Wässern schmeckt man übrigens eindeutig heraus. Nur gut, dass es hier mit dem Spooner's Cafe notfalls einen Ort gibt, an dem man sich nach solchen Aktionen trockenlegen und aufwärmen kann.

Zu unserem Glück war an diesem Tag jedoch Ebbe, somit uns eine mögliche Salzwasserdusche erspart blieb. Auch hatte der Regen bis auf einzelne verirrte Tropfen nachgelassen, sodass in der nun hereinbrechenden Morgendämmerung zumindest mit hohen ISO-Werten im trockenen gearbeitet werden konnte. Treffpunkt war um 7:30 auf dem Bahnsteig der WHR. Alleine, Zug war noch keiner da. Das liegt wiederum darin begründet, dass das Betriebswerk und die Wagenhallen auf der anderen Seite des Cobs, in Boston Lodge liegen – wohin man übrigens auch sehen kann. Allerdings ist das Areal gut 1.5 Kilometer entfernt und die Züge müssen, um Porthmadog zu erreichen, über den Cob drüber. Wäre es windstill, wäre das ein gefundenes Fressen für ein Drohnenfoto – wie immer hatte es aber einiges an Böen, sodass die Drohne eingepackt blieb. Dass ich heute doch noch in die Luft kommen würde, das ahnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht mal ansatzweise.
Und während nun das erste Morgenlicht über uns hereinbrach, kamen tatsächlich auch die ersten hellen Lücken in der Wolkendecke. Somit keimte auch etwas Hoffnung auf, dass es nicht ganz so schlimm werden würde, wie noch um halb Fünf in der Früh gedacht.

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In der Ferne am anderen Ende des Cob waren nun deutliche Dampfwolken zu sehen. Langsam kamen sie näher, das home signal (Einfahrtssignal) zeigte nun Einfahrt frei (in die Gerade, also auf den WHR Bahnsteig (No. 2)). Und dann kam der erste Zug an: heute für uns, die nagelneue Double-Fairlie James Spooner mit mehreren vierachsigen Abteilwagen. Ein Zug, welcher die kurze Zeit des Betriebes der Welsh Highland Railway durch die Ffestiniog Railway repräsentiert. Diesem Zug sollte ein Güterzug mit der K1, der ersten je gebauten Garratt folgen. Zweifelsohne zwei Highlights.

Und so starteten wir in den Tag. Die Strecke ist frei und wir rollen gemächlich aus dem Bahnhof von Porthmadog, zuerst über die Bitanniabridge, dann weiter am Ortsrand bis zum ersten (betrieblichen) Halt – der niveaugleichen Kreuzung mit der Regelspurstrecke. Schnell hat das Personal die Freigabe eingeholt und es geht nun in flotter Fahrt durch die Schwemmebene, immer den Bergen von Snowdonia entgegen. Der erste Fotohalt liegt noch in der Ebene, beim Dorf Garreg.
Der frühmorgentliche Regen hat leider hier seine Spuren hinterlassen – auf den Wiesen stehen große Lacken. Aber, es ist trocken. Und das will gleich genutzt werden. Nachdem sich die Fotografen unter die anwesenden Schafe gemischt haben (was diese sich gedacht haben?), findet die erste Scheinanfahrt statt.

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Vor der Kulisse des Moel y Gest dampft James Spooner mit seinem kurzen Zug gemächlich an uns vorbei.

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Leider ist das licht nicht besonders gut, jedoch gelingt es immerhin, den Himmel vor dem Ausfressen zu bewahren. Die ersten Überlegungen werden laut, die Fotostelle zu verlassen und den Aberglasyn Pass oder den Scheitel der Strecke anzusteuern. Doch dann...

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...kommt die Sonne. Völlig ungeplant und unerwartet und auch nie im Wetterbericht auch nur annähernd genannt haben wir plötzlich Licht! Also Spot an auf James Spooner!

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Und mit Licht wirkt der Zug gleich nochmal hübscher. Und ganz ehrlich – es fällt nicht auf, dass James Spooner erst 2023 in Dienst gestellt wurde. Man könnte meinen, es handelt sich um ein Stück viktorianische Eisenbahngeschichte.

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Mehrere Scheinanfahrten werden nun bei bestem Fotolicht durchgeführt. Und ja, sollte es die James Spooner auch endlich mal als 009 Modell geben, ich werde mir eine kaufen.

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Auch ein Nachschuss ist drinnen – und zeigt, wohin wir heute noch fahren werden – ins Herz von Snowdonia, rein in den Nationalpark mit einer wunderschönen Garnitur der WHR/FR. Viele Fotografen haben nun den Standpunkt ausgereizt. Ich aber noch lange nicht, denn wieder Erwarten ist es windstill geworden. Zeit also, in die Luft zu gehen.

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Die Drohne spielt nun ihre Vorzüge gnadenlos aus. Aus 30 m Höhe wirkt der Zug in den Weiten des Schwemmlandes des Afon Glaylyn wie ein Spielzeug. Die Landschaft ist weit und lässt den Blick auf die die Glaslynmündung umgebenden Hügel und Berge zu. Sehr zufrieden übertrage ich im Landeanflug das Bild auf die Fernsteuerung. Waren die anderen Bilder gut, ist das Bild nun die Krönung des Fotohaltes. Ob es so weiter geht? Die Wolken sagen eher nein. So schnell wie die Sonne kam, so schnell war sie auch wieder weg. Jedenfalls lande ich wieder sehr zufrieden meine Drohne und habe ein Foto, was andere definitiv nicht haben.
Nach den vielen Scheinanfahrten hat James Spooner Durst. Zeit, in Beddgelert Wasser zu fassen. Davor müssen wir aber noch durch den landschaftlich schönen Aberglaslyn Pass. Leider ist dieser stark verwachsen, sodass Fotohalte hier kaum einen Sinn haben. Gegebenenfalls lasse ich in den nächsten Jahren dort mal die Drohne steigen – sie ist das einzige Mittel, um entsprechend Bilder zu bekommen.

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Beddgelert ist erreicht und James Spooner hat am Wasserkran halt gemacht. Das Lokpersonal beginnt sofort, die Lok für die Weiterfahrt nach Rhyd Ddu vorzubereiten. Die vier Wasserkästen kommunizieren miteinander, sodass es reicht, einen zu befüllen, die anderen werden über Rohrleitungen mit gefüllt.

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Wer das Baujahr 2023 in Zweifel zieht – hier das Fabriksschild der James Spooner (FR Lok No. 8). Und nein, 2023 ist kein Schreibfehler. Ich gehe fast davon aus, dass wir in Zukunft auch noch weitere Loks mit Baujahren in den 20xx Jahren erleben werden. Boston Lodge Works können das, sie müssen nur die Möglichkeit haben, ihre Fähigkeiten aufs Gleis zu stellen. Mit der James Spooner ist den Boston Lodge Works jedenfalls ein Meisterstück gelungen.
Nachdem die Lok Wasser genommen hat, muss der Zug auf das zweite Gleis. Hinter uns kommt ja noch die K1 mit dem Güterzug nach. Und auch die muss Wasser nehmen.

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Aus der Kammer des ETS, deren Geräte von der Iarnród Éireann übernommen wurden, konnte ich die tendervoraus einfahrende K1 erwischen.

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Seite an Seite warten die K1 im Hintergrund und die James Spooner die Pause in Beddgelert ab. Zuerst wird die K1 auf die Strecke nach Dhyd Ddu geschickt, dann wird der Personenzug folgen. Für letzteren haben wir noch einen Fotohalt im Beddgelert Forrest eingeplant, während die K1 in Rhyd Ddu den Zug stützen soll, um dann für die Bögen unter Rhyd Ddu richtig am Zug zu stehen.

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Im Beddgelert Forrest liegen einige schöne Stiegungsstrecken – hier gibt es entsprechend schöne Dampfentwicklung. Allerdings ist die Fotostelle nicht so leicht, die Berge sind größtenteils durch Bewuchs verdeckt.

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Der zweite Schuss gelingt zwar besser, nachdem die Fotoposition verändert wurde. Aber – immer noch nicht das, was ich will.

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Auch der Windowshot ist zwar nett, aber für mich immer noch nicht das was ich will. Wie wäre es wieder mit der Drohne? Flugverbot oder sonstige Restriktion finde ich auf der Drohnenkarte keine, also ab in die Luft.

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Und mit der Drohne hat man gleich eine deutlich bessere Sicht auf den Kessel von Beddgelert und die umgebenden Berge. Ich hatte anfangs ja Bedenken, in einem Nationalpark zu fliegen. In den Hohen Tauern in Österreich herrschen sehr restriktive Regeln... Aber hier? Eine Frage beim Bahnpersonal brachte kein Verbot zutage und auch war die einhellige Meinung, dass nachdem die Filmcrew der Bahn selber gerne in die Luft geht, es auch kein Problem darstellt, wenn ein Fotograf mit Liebe zu ihren Bahnen da Luftbilder macht. Und tatsächlich findet man auf der offiziellen Seite kein Drohnenflugverbot, sondern nur eine Auflistung jener Regeln, die die CAA auch verlautbart hat und die grundsätzlich überall in GB gelten. Und an die muss man sich sowieso immer halten. Fliegen? Absolut okay! Freilich innerhalb der von der CAA vorgegeben Regeln. Aber erlaubt. Und wer nun Hausverstand auch noch walten lässt, ist absolut auf der sicheren und legalen Seite.

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Nach diesem ausgesprochen schönen Luftbild geht es nun weiter nach Rhyd Ddu, wo nun auch der Personenzug stürzt. Die Fotostellen unterhalb von Rhyd Ddu bedingen meist Züge, die aus Dinas kommen. Und so müssen die Loks auf die andere Seite. Erfreulicherweise beginnt es in Rhyd Ddu zu regnen. Also doch ein traditional Rhyd Ddu soaking, wie jeden Urlaub? Natürlich – wie in Dinner for One zu Silvester geht es jetzt in die feuchtfröhliche Fotoparty unterhalb von Rhyd Ddu. Die K1 schiebt ihren Zug talwärts, um dann Volldampf voraus die Steigung unterhalb der markanten Schieferhalden des Glanrafon Quarrys an den Abhängen des Snowdon. Nass aber herrlich.

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Der Niederschlag ist uns in dem Moment herzlich egal. Wo sonst wenn nicht in Wales bekommt man so was geboten?

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Auch die Filmer können nicht genug von der Szenerie bekommen. Auch wenn wir mittlerweile fast bis auf die Knochen nass sind, es macht Spaß und was wäre ein Fotoshoting in Rhyd Ddu ohne das traditionelle soaking?

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Alles, was Snowdonia ausmacht in einem Bild – Berge, Bergbau, Schieferhalten, Bauernhöfe, Schafe und eine kleine Eisenbahn in dieser Szenerie.

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Nach wenigen Minuten donnert die K1 mit ihrem Güterzug vorbei. Kann man so lassen. Drohne geht aber leider bedingt durch das nun rasch noch schlechter werdende Wetter nicht mehr. Schade.

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Denn nun regnet es nicht mehr nur, es gießt in Strömen. Damit wäre die Tradition des Rhyd Ddu Soakings wie in jedem Urlaub bis jetzt vorbildlich eingehalten worden. We are not singing in the rain, we are swimming with a train...

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Nachdem beide Loks wieder Wasser genommen haben, geht es wieder nach Porthmadog. Bei Pitt's Head, dem Scheitelpunkt der Strecke legen wir noch, obwohl es noch immer leicht regnet, einen Fotohalt ein. Hier hat die Strecke eine längere Gerade, sodass man hier die Möglichkeit hat, den ganzen Zug in der Gerade in verschiedenen Perspektiven mit dem Llyn y Gadair (See) und dem dahinter liegenden Y Garn und Mynydd (Berge) abzulichten.

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Und so nett der Ginster auch ist. Das Zeug sticht... Ich hatte ja schon in der Bretagne als Schüler Erfahrungen mit Ginster gesammelt – die ich mir hier wieder in schmerzhafte Erinnerung gerufen habe.

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Und auch James Spooner mit seinem Personenzug bekommen am Laufsteg ihren Auftritt.

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Mehrere Scheinanfahrten erfolgen hier noch, bevor wir uns bei schwindendem Licht wieder nach Porthmadog aufmachen. Auch wenn wir alle nass sind – der Ausflug nach Rhyd Ddu hat sich wieder voll ausgezahlt.

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Zurück in Porthmadog. Es ist finster und nun versuche ich noch, das Letzte aus dem Tag herauszuquetschen. Und nun spielt die OM1 mit ihrem Sync IS ihre volle Leistung aus. Zeiten zwischen einer und 3 Sekunden aus der Hand halten? Möglich! Im Grunde früher eine fotografische Unmöglichkeit, verschiebt der Sensorshift mit stabilisierenden Linsenelementen im Objektiv die Grenzen des Unhaltbaren ins nahezu Unendliche. OM Systems hat schlicht einen der Besten Bildstabilisator, welcher Stand 2025 am Markt ist.

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Dann verlässt der Zug Porthmadog in Richtung Boston Lodge. Und dabei versuche ich das fotografisch Unmögliche. Wir erinnern uns – die längste haltbare Zeit aus der Hand sind der Reziprokwert der Brennweite. Also bei einem 24mm Objektiv 1/24 sec. Und das Bild da ist die fotografische Unmöglichkeit von 8 Sekunden aus der Hand.! Wenn man so was anno 1950 angesprochen hätte – man wäre ausgelacht worden.

Der Fototag ist nun vorbei, er war wieder erfolgreich, auch wenn in den Bergschuhen das Wasser steht und die Unterhose nass ist. Gottseidank liegt das Hotel ja gleich neben dem Bahnhof – die Dusche ruft und die Kameras wollen auch versorgt werden.
Georg und ich erhalten am Bahnsteig noch die Einladung ins Austrailian, dem Pub der hiesigen Purple Moose Brewery. Danach geht es noch ein paar Türen weiter, ab heute gibt es jeden Tag noch Lichtbildvortäge mit Bildern aus vergangen Tagen der Schieferbahnen, Garrats und auch sonstigen Eisenbahnen in Großbritannien. Georg und ich sind zwar fertig, die Bilder sind aber ziemliche Highlights und mal ehrlich? Wann sieht man schon Bilder der ganzen Bergwerksbahnen dieser Region mit Kommentaren von Menschen, die diese Bahnen alle noch erlebt haben? Ehrlich gesagt, eine Zeitmaschine mit der man sich in die Zeit zurücktransportieren lassen könnte, wäre schon was. Natürlich mit heutiger Kameraausrüstung und moderner Kleidung. Aber auch die Fachsimpeleien sind es wert, zu solchen Veranstaltungen hinzugehen, auch wenn sich vornehmlich nur die Briten für diese Vorträge interessieren. Die deutschen Reiseteilnehmer können offenbar nichts mit dem allen anfangen. Sei es drum – dank eines Teilnehmers bekomme ich weitere Buchtipps und Tipps für weitere Fotostellen. Erfreulicherweise konnte ich zuhause auf Ebay mittlerweile alle fünf genannten Bücher kaufen. Und ich fürchte, meine Special Interest „narrow gauge railways of Wales“ wird in den nächsten Jahren noch wachsen...
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Re: Fairlie Welsh

Beitrag von Dachstein »

Tag 10, 8. November 2025, Tag 8 der Photocharter: Welsh Highland Railway – an England under the rainbow.

Traditionell beginnt der Tag wieder viel zu früh. Langsam beginne ich meinen inneren Wecker etwas zu hassen. Will ich daheim Schifahren gehen, dann braucht es alle Wecker, die ich so zur Verfügung habe – und idealerweise jemanden, der mir einen Kaffee unter die Nase hält. Hier ist es wieder kurz nach fünf und ich bin munter. Frühstück gibt es wieder um 7 – daher gibt es zum „Vorglühen“ wieder einen Schwarztee. Erfreulicherweise regnet es nicht, als ich aus dem Fenster schaue und auch beim Checken des Wetterberichts kann man zur Auffassung kommen, dass der Tag ganz brauchbar werden konnte. Der morgige Tag ist nun dafür noch schlechter gemeldet...
Georg und ich treffen uns wieder beim Frühstück. Kurz besprechen wir den Wetterbericht durch und dann geht es auch schon zu Fuß rüber zum Bahnhof auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Heute für uns in Dienst sind gleich drei Lokomotiven: die uns bereits bekannte Double-Fairlie „James Spooner“, die 1864 gebaute Small England „Palmerston“ und die NGG 16 No. 87 in der klassischen schwarzen SAR/SAS Lackierung. Somit haben wir Loks aus drei Jahrhunderten vor uns, mit der Besonderheit, dass alle Dampflokomotiven sind.

Palmerston und James Spooner werden heute den Fotopersonenzug von Porthmadog aus bespannen, die NGG 16 soll mit einem Fotogüterzug von Dinas aus Richtung Rhyd Ddu fahren, um und dann dort zu treffen. Da fast alle FR Lokomotiven mit der Rauchkammer gen Blaenau Ffestiniog stehen (gut Double-Fairlies und die Quarry Hunsletts ausgenommen), muss Palmerston tendervoraus an den Zug.

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Somit wird Palmerston für die erste Scheinanfahrt abgekuppelt und wartet außer der Sichtweite. Die Fotostelle ist von gestern bekannt, von dem her gibt es hier keinen Mehrwert, zum Einschießen eignet sich die Stelle aber allemal. Nach drei Anfahrten geht es weiter – nächstes Ziel ist Nantmor, wo vor der Haltestelle die Steigungsstrecke nach Beddgelert in den Aberglasyn Pass beginnt. Hier wird es nun etwas unangenehm: um auf die Straße zu kommen, müssen wir uns zuerst durch Brombeeren arbeiten dann über ein verschlossenes Gatter.

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Währenddessen wartet James Spooner artig im Einschnitt auf seinen großen Auftritt. Und der wird tatsächlich spektakulär. Denn die Fotostelle...

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...kommt nach und nach in die Sonne. Gleichzeitig ist es recht kühl, sodass mit einer entsprechenden Dampfentwicklung in der Steigungsfahrt zu rechnen. Das Kalkül der Organisatoren geht voll auf. Fast schon majestätisch dampft James Spooner mit seinem Zug die Nantmor Incline hinauf.

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Und keine Spur von Rauch in den Abdampffahnen der Lok. Die Personale hier verstehen es sauber und effizient zu feuern, was zu einer guten Verbrennung der Kohle in den Feuerbüchsen führt – rauchverzehrendes Feuern ist eine Kunst, die hier hervorragend beherrscht wird. All das macht die Szenerie hier perfekt: Herbstlandschaft, Sonne, ein wunderschöner Zug mit den perfekten Abdampffahnen. Kann gerne so weiter gehen!

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Und es geht tatsächlich so weiter. Keine Wolke ist am Himmel, außer die Dampfwolken der James Spooner. Na ob ich heute Rhyd Ddu mal bei Sonnenschein erlebe? Wäre ja in etlichen Jahren das erste Mal. Einerseits beginne ich zu hoffen, dass das eintritt, anderseits lebe ich gerade genau nur in diesem Moment.

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Auch ein Windowshot geht sich hier mit Tele aus. Die Fotostelle lädt förmlich dazu ein, alle möglichen Brennweiten auszupacken und einzusetzen.

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Und erfreulicherweise bekommen wir auch noch die perfekte Spiegelung des Sonnenlichts auf der auf Hochglanz polierten James Spooner hin.

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Immer wieder wird zurückgesetzt, immer wieder gibt es eine Scheinanfahrt. Und immer wieder kommen gute Bilder raus. Wie wäre es nun aber mit der Drohne? Die Karte sagt: ich bin eingezwängt von SSSIs, wo Flugverbot bestehen kann. Die Straße ist aber jedenfalls ausgenommen und mit der Mini 4 darf man ja über Infrastruktur fliegen. Nun denn...

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Leider vermiest mir die eine Fotowolke den Schuss. Aber, der Zug setzt nochmal zurück, und ein Blick zur Sonne verrät, die eine Wolke ist durch. Na dann, die Drohne bleibt oben! Und liefert mir...

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… den Drohnenschuss des noch jungen Fototages. Im Hintergrund der Braich Y Cornel (383m hoch), das Schwemmland des Glaslyns und eine in die Berge von Snowdonia dampfende Double-Fairlie. Snowdonia at it's best! Museumsbahn in Perfektion. Ich brauche nicht erwähnen, dass das Bild ein Kalenderbild im Eisenbahnkalender 2026 geworden ist, der nun wieder im Büro hängt.

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Kurz vor der Brücke über die A4058 schließt der Lokführer beide Regler und lässt den Zug bergauf ausrollen. Der Fotostop ist vorbei und besser kann es eigentlich nicht mehr werden. So zumindest die einhellige Meinung. Nach dem Wasserfassen in Beddgelert geht es rauf auf den Pass. In Rhyd Ddu wartet einstweilen Palmerston auf uns.

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Sowohl die Lok als auch der Lokführer haben es sich hier gemütlich gemacht. Nichts erinnert gerade daran, aus welchen Richtungen hier der Regen kommen kann. Sonnenstrahlen in Rhyd Ddu – dass ich das erleben darf... Wenn ich mich so an meine Erinnerungen hier denke. Und nun beginnen wir uns auf die verschiedenen Fotostellen zu verteilen. Und die sind mannigfaltig und lassen verschiedene Perspektiven zu. Man kann sozusagen das ganze Equipment in die Schlacht werfen. Und genau das mache ich auch – und mein Vorteil ist: ich kenne die Fotostelle ja schon von früher, ist sie mit dem Auto als auch mit dem Zug einfach erreichbar.

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Zwei Kamera mit unterschiedenen Brennweiten zahlen sich hier aus. Zuerst wird ein nach Dinas talfahrender Zug simuliert. Mit James Spooner an der Spitze windet sich der Zug majestätisch durch die Chairman's Curve knapp unterhalb von Rhyd Ddu.

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Während der Farmer seine Schafe in das Gatter getrieben hat rollt der Zug vor der herrlichen Kulisse des Foel Gron (629m), des Moel Eilio (726m) und dem Llyn Cwellyn Richtung Snowdon Ranger Halt.

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Schön sieht man, wie sich die Fotografen ins Gemüse geschlagen haben. Klar hat ein Foto näher dran auch was, allerdings lässt sich dann der Zug nicht so schön in die Landschaft integrieren. Und gerade das erachte ich als die Königsdisziplin der Eisenbahnfotografie. Die Symbiose aus Bahn und Landschaft – und so lege ich übrigens auch meine Seilbahnfotos an, auch wenn ich an dieser Front schon mal motivierter war. Ich hoffe, anständige Fotos aus Sölden (Adventkalender) mitzubringen.

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Sodann wechsle ich in den S Bogen hinein. Die Stelle kenne ich ja schon von meinen vorangegangenen Aufenthalten hier (und wurde hier immer nass). Dennoch ist sie für mich eine der schönsten Fotostellen auf der WHR. Eine ordentliche Steigung, enge Bögen und lange Züge. Das Spektakel ist hier förmlich angerichtet. Als hätte ich es gerufen, beginnt es leicht zu regen - Rhyd Ddu ohne Regen gibt es halt nicht.

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Damit liegen die ersten zwei Scheinanfahrten noch alle im Schatten.

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Der Regen ist mal abgezogen, daher fliege ich nochmal schnell eine Runde und fotografiere den Zug aus deutlich erhöhter Position.

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Aber der Regen hat heute auch sein Gutes. Denn kaum ist sie Sonne wieder heraußen, scheint sie in den abziehenden Regenschauer. And so there was a Small England under the rainbow. Was gut angefangen hatte, entwickelt sich gerade zum Höhepunkt der ganzen Reise. Solche Fotos sind nicht planbar. Man braucht viel Glück, Durchhaltevermögen und Zeit. Und genau das hatte ich wohl. Nicht der Rede wert, dass auch dieses Bild den Weg in meinen Bürokalender gefunden hat.

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Und noch eine Scheinanfahrt – und erfreulicherweise ist der Regenbogen immer noch da. Genommen!

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Nahezu ungläubig bin ich, ein Foto nach dem anderen ist im Kasten. Die Gunst der Stunde muss genutzt werden, komme nun was wolle. Und wenn es uns nun einwassern sollte – die Bilder haben wir und die nimmt uns auch keiner mehr weg. Schnell verschicke ich ein Bild an Freunde und Verwandte, diese sind ungläubig. Sonnenschein? In Wales? Zu dieser Jahreszeit?! Ja sicher! Nebenbemerkung: nächstes Bild für den Bürokalender (der langsam ein Kalender mit 365 Blättern werden muss.... ).

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Nochmal setzt das Lokpersonal den Zug so weit wie möglich für uns zurück, jetzt nehme ich die Szenerie mit den Schieferhalden und der kargen Berglandschaft hier heroben. Kaum zu glauben, dass wir hier nicht mal 200m über dem Meer sind., der Berg rechts, der Yr Wyddfa im Hintergrund, dessen Gipfel aber 1085m hoch und damit der höchste Berg von Wales ist. Die Gegensätze von Küste mit ihrer Pflanzenvielfalt und den Gipfeln teils über 1000m Höhe sind spektakulär.

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Auch die nun solo fahrende James Spooner rollt nochmal gemächlich durch die Bögen. Ist es eigentlich jemanden aufgefallen?

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Hier vielleicht? Nein, nicht die Schieferhalden, nein nicht die Landschaft. James Spoone ist heute als Cabrio unterwegs. Charakteristikum der Lok ist, dass das Mittelteil des Füherhausdachs abgehoben werden kann. Bei schönem Wetter wie heute eine Wohltat für das Personal, welches sich auf den engen Seitenführerständen an den Kessel mit den Feuerbüchsten quetschen muss. Eine viktorianische Klimanalage sozusagen, Baujahr 2023.

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Elegant legt sich James Spooner nochmals in den Bogen und verlässt den Laufsteg gen Rhyd Ddu. Gleichzeitig hallen Pfiffe das Tal herauf. Die NGG 16 ist mit dem Güterzug in die Steigung nach Salem eingefahren und dampft mit dumpfen Auspuffschlägen an den Abhängen des Snowdon die Steigungsstrecke nach Rhyd Ddu hinauf. Wiederum ist es angerichtet.

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Und da haben wir auch schon die NGG 16 No 87 auch schon mit ihrem Güterzug in den steilen Bögen vor Rhyd Ddu. Geht es eigentlich noch spektakulärer? Ja, auf Youtube findet man dieses Video, was bei mir auch irgendwie eine Einstiegsdroge in die ganze Sache war. Und darin hat zufälligerweise auch die NGG 16 No 87 als führende Lok ihren Auftritt.

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Perfekt – wieder ist die Sonne heraußen, gemächlich mit hartem Auspuffschlag arbeitet sich die Lok mit ihrem Zug die Steigung hinauf. Können wir das bitte nochmal haben?

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Aber gerne doch! Und wieder ist das Personal so nett, und nimmt den ganzen sichtbaren Abschnitt mit. Mit jeder Scheinanfahrt kommt die Lust auf Mehr!

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Man kann sich gar nicht satt sehen. Hier wird Schmalspur in Perfektion geboten. Und wir sind nicht Zaungast am Rechner, sondern wir sind mitten drin statt nur dabei.

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Ich verlagere mich etwas weiter nach Westen. Hier geht ein Fensterschuss auf die Strecke. Auch das nehme ich gerne mit, hebt es sich wieder von den klassischen Eisenbahnfotos ab.

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Vor der Kulisse des wolkenverhangenen Gipfels des Yr Wyddfa schiebt sich der Zug vorbei. Dabei bekommt man gut eine Breitseite der mächtigen Garratt.

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Nochmal bitte.

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Und nochmal. Gut, dem reinen Zuschauer mag nun fad werden uns er es nicht verstehen, warum wir ausgerechnet hier 4 Stunden in der Landschaft stehen. Das kann man nur verstehen, wenn man dabei gewesen ist.

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Und auch die Schieferhalden werden nun schön ausgeleuchtet. Das Gesamtpaket ist gerade unschlagbar schön. In Gedanken spiele ich schon mit den Gedanken, wann ich hier wieder herkommen werde. Lange wird es wohl nicht dauern und die ersten Veranstaltungen sind ja bereits angekündigt.

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Klar, den Strauch baue ich auch noch mit ein. Jedes Foto hat so ihre eigene Charakteristik und gibt die Schönheit der Natur, in welcher sich die WHR befindet, gut wieder.

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Und auch von hier gibt es nochmal eine Perspektive mit den Schieferhalden.

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Langsam überlege ich wieder, zum Abschluss nochmals in die Luft zu gehen. Gemäß Drohnenkarte gibt es keine Restriktionen, das Wetter passt, ist aber leicht böig. Daher starte ich aus einer Position im Windschatten.

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Und wieder gelingen schöne Fotos aus der Luft. Fast wie eine Modellbahn wirkt der Zug in der weiten Landschaft an den Abhängen des Yr Wyddfa. Eines steht fest, es wird nicht das letzte Mal gewesen sein, wo ich hier stand. Die NG 15 wäre ja auch noch ein lohnendes Fotomotiv hier.
Im Bahnhof Rhyd Ddu warten die Züge nun auf uns. Next Stop Pitt's Head. Die lange Gerade von gestern ruft bei deutlich besserem Wetter.

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Zuerst kommt Palmerston auf den Laufsteg. Leider macht so manches Auto einige Fotos zu Nichte. Aber mit den Ergebnissen können wir trotzdem leben.

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Fotobomb incoming. Der Lokführer hat das Auto gesehen und den Regler ordentlich aufgemacht. Somit war der Zug schneller da als wie das Auto und wir kamen zum Schuss. Die NGG 16 ist schon ein ziemlich spektakuläres Schmalspurfahrzeug. Erfreulicherweise weht der leichte Wind die Abdampffahre nach Osten, sodass der Blick auf die Berge im Hintergrund frei bleibt.

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Letzter Schuss des Tages, nochmals mit der Drohne. Vor der Kulisse des Corwyn Y Barcut (483m), des Bryn Gwyn (291m) und des Llyn Y Gadair donnert die NGG 16 dem Scheiteplunkt der Strecke entgegen.

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Zum Abschluss des Tages sollte in Porthmadog noch ein ungewöhnliches Foto entstehen. Ein SAR Zug mit einer Double-Fairlie davor gibt es sehr sehr selten. Gerade ist das Ausfahrtsignal auf Frei gefallen, gleich wird James Spooner die Fahrt über den Cob beginnen. Für die Drohne war es leider schon zu dunkel und zu windig, aber in Anbetracht der gelungenen Fotos, who cares?
Zuletzt geändert von Dachstein am 23.02.2026, 00:33, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Fairlie Welsh

Beitrag von Dachstein »

Tag 11, 9. November 2025, Tag 9 der Photocharter: Welsh Highland Railway – more than just soaking

Wie in der ersten Nacht weckt mich der gegen die Fassade prasselnde Regen auf, frühen Morgen gegen 3 Uhr. Ich versuche mich nochmal umzudrehen, bis 6 schaffe ich es nochmal, einzuschlafen. Dann die übliche Morgenroutine – Tee, Zusammenpacken, Tee austrinken, Wetterbericht checken... Und der schaut für heute ganz passabel aus, bis 10:30, danach soll ein fettes Regenband von der Irischen See her hereinziehen und uns entsprechend einwassern. Na das wird dann ein Vergnügen. Ich male mir schon die Fotomöglichkeiten aus – trockenes ist aber nicht dabei, außer wir würden beschließen, die Fahrt abzubrechen, weil es, auch wenn die Kameras wetterfest sind, ab einem gewissen Zeitpunkt keinen Sinn mehr macht. Irgendwann schützt auch die größte Sonnenblende nicht mehr vor Regentropfen auf der Frontlinse, irgendwann ist auch die beste Mammut Regenjacke nicht mehr wasserdicht und irgendwann ist auch die Unterhose einfach nass. Weil es oben einfach rein rinnt. Und wenn man dann noch in der offenen Landschaft bei entsprechenden Windverhältnissen steht, wird das auch irgendwie unlustig. Ich bin ja was Wasser angeht, einigermaßen tolerant, weil im Tunnel gibt es auch manchmal viel Wasser, aber irgendwann ist es einfach genug, auch wenn manche Kollegen dann sogar auf Neoprenunterwäsche setzen.
Um 7 treffen sich Georg und ich beim Frühstück. Auch er hat den Wetterbericht gecheckt, seiner ist leider auch nicht besser, meiner aber dafür nicht schlechter als seiner. Wetter hin, Wetter her, um halb 8 sind wir am Bahnhof gestellt und die Fotofahrt mit dem Ziel Caernarfon beginnt. Problem: bis wir dort drüben sind, ist der Regen auch schon dreimal da. Und dann ist es da oben malerisch grauslich, bei dem was der Wetterbericht so von sich gibt (heavy rain with gusts).
Heute lernen für uns schwimmen: die Double-Fairlie David Lloyd George (kurz DLG) und die Small England Palmerston, die die Fotopersonenzüge bespannen sollen sowie die NGG 16 130, die einen Fotogüterzug bespannen wird.

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Doch, statt des Regens grüßt uns zuerst einmal ein ansehnliches Morgenrot (Morgenrot Schönwettertod). Und Wind. Böigen, starken Wind. Da kann die Drohne also gleich mal drinnen im Fotorucksack bleiben. David Lloyd George und Palmerston sind gerade von Boston Lodge im Bahnhof Porthmadog eingefahren, da lernen wir zum ersten Mal was Böen hier sein können... Na das kann ja was werden heute. Weil es aber noch trocken ist (Betonung auf noch) beschließen wir, ein ein paar Einfahrtsbilder in Porthmadog vom Cob her kommend zu machen.

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Woher der Wind weht verrät uns heute die Abdampffahren von DLG. Natürlich von Meer her und von dort wird auch dann der Regen bald kommen.

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Zwei fast gleiche Bilder – aber wo ist der Unterschied? Und in welcher Richtung fuhren die Züge jeweils? Wer es weiß, darf es gerne in die Kommentare schreiben (und es ist offensichtlich anhand zweier Details im Foto).

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Und der Wind wird immer stärker, sodass es fast schon zur Kunst wird, ein längeres Teleobjektiv noch einigermaßen ruhig zu halten. Ich hatte ja schon mal vergeblich versucht, mit einem 200-500 bei Föhnsturm am Salzburger Flughafen durchstartende Flugzeuge zu fotografieren – mit 99% Ausschuss. Hier wird gerade das 70-200 auch schon zum Lotto...

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Dann kommen die ersten schweren Regentropfen. Von Querab. Das Problem wird vorerst umgangen, indem wir hinter der Signal Box Schutz suchen. Jedoch den ersten Vorgeschmack haben wir nun erhalten, auch wenn der Regen wieder aufhört – vorerst.

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Vor Pont Croesor haben wir nochmals Glück und erwischen ein trockenes Wetterfenster. Wir nehmen, was wir bekommen können heute, und das ist eine nicht besonders spektakuläre, aber immerhin trockene Fotostelle.

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Von der Brücke aus kann man auch anderweitig interessante Bilder machen. Porthmadog ist noch im Hintergrund zu sehen. Weit sind wir also nicht gekommen, da fängt es auch schon wieder an zu regnen. Also wieder rein in den Zug – vielleicht halten ja die Berge den Regen etwas ab und wir haben auf den nördlichen Streckenteil etwas mehr Glück.

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Und tatsächlich scheint der Plan aufzugehen. In Beddgelert ist es tatsächlich trocken. Hier müssen die Loks wieder Wasser fassen, sodass etwas Rangierarbeit auf die Personale wartet. DLG hat Wasser genommen und zieht nun die Garnitur aus dem Bahnhof raus, damit die nachschiebende Palmerston auch Wasser nehmen kann.

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Dann muss der ganze Zug aufs Gegengleis, denn die Garratt mit dem Güterzug haben wir ja auch noch auf der Strecke. Das Rangierspiel ermöglicht eine Scheineinfahrt mit Palmerston an der Zugspitze in Beddgelert.

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Und dann hören wir einen Pfiff – die NGG 16 hat den Goattunnel vor dem Bahnhof Beddgelert erreicht und fährt gleich in den Bahnhof ein. Mit ihr kommt aber auch der Regen....

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Nachdem die NGG 16 Wasser genommen hat, bekommen nun auch endlich wir unser Wasser. Wolkenbruch. Und aus dem Wolkenbruch wird ein intensiver Dauerregen. Sinnlos jetzt noch weiter nach Norden zu fahren – dem Regen fahren wir nicht mehr davon und die Webcams zeigen allesamt ein ähnliches Bild – Edelgrau mit Schwankungen im Kamerabild.

Alternativplan? Gute Frage. Die Antwort liefert das Zugpersonal: wie wäre es mit einer Boston Lodge Besichtigung? Und davor einen heißen Tee im Spooner's in Porthmadog? Damit fallen zwar alle Fotohalte im Bereich Snowdon Ranger bis Caernarfon flach, aber Boston Lodge hat ein Dach und es ist somit trocken. Gebucht!

Also fahren wir mit den Zügen zurück nach Porthmadog, wo wir uns zu aller erst im Spooner's einen Tee gönnen und uns trockenlegen. Erfreulicherweise hat auch noch der Shop offen – eine vortreffliche Gelegenheit, das schwer verdiente Geld unter die Leute zu bringen. Und hier existiert nicht nur eine gute Auswahl von Büchern, sondern auch eine nette Modellbahnabteilung mit allen möglichen Bachmann und Peco 009 Modellen. Wieviel ist nochmal der Freibetrag beim Zoll (Danke Brexit!)?

Nachdem nun auch die Shoppinggelüste gestillt waren, ging es wieder zum Zug und mit diesem zum Boston Lodge Halt und von dort zu Fuß in das Werksareal.
Wie sehr sich doch das Areal seit meinem ersten Besuch verändert hat. Wirkte früher das Areal noch sehr vollgeräumt und unübersichtlich, waren die Gebäude teilweise in einem bedauernswerten Zustand, so hat sich dies nun dank einer Großinvestition mittels Gelder des National Lottery Fundes geändert. Gebäude wurden saniert, neue hinzugebaut, das Areal entrümpelt. Aber alles, ohne den Flair einer funktionierenden Hauptwerkstätte zu verlieren.

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Beginnen wir unseren Rundgang in der Werkstätte bzw. der Zahnarztabteilung. Stellvertretend für all die Werkzeuge, die es zur Unterhaltung von Dampfloks braucht, steht dieser Satz ganz kleiner Bohrer, die auf ihren Einsatz warten.

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Auf einem der Hallengleise steht dieser Kessel auf Hilfsdrehgestellen. So schaut das Herzstück der Double Fairlie Merddin Emrys aus, und zwar von der Lokführerseite. Gut zu erkennen die beiden Langkesselhälften, die über die Feuerbüchsen miteinander verbunden sind. Auf der Feuerbüchsen aufgesetzt sind die zwei Reglerhebel zu finden, die die Dampfventile in den beiden Domen ansteuern. Die Enden der Kessel sind die beiden Rohrwände, die Rauchkammern wie auch die Rauch- und Überhitzerrohre wurden zur Befundung des Kessels durch den Kesselprüfer für die Hauptuntersuchung entfernt. Somit handelt es sich bei der Merddin Emrys um eine Heißdampflokomotive, bei welcher Sattdampf über die eigentliche Verdampfungstemperatur im Überhitzer erhitzt und somit zum Heißdampf wird und somit der Wirkungsgrad der Lokomotive signifikant gesteigert werden kann. Der Überhitzer geht übrigens auf den deutschen Ingenieur Wilhelm Schmitd zurück, der aufgrund seiner Entwicklungen den Beinahmen „Heißdampf-Schmidt“ trug und mit seinem „Schmidt-Überhitzer“ so die Dampflokomotive weiter perfektionierte. De facto sind viele „moderne“ Dampflokomotiven Heißdampfloks.

Dahinter ist noch der Kessel der ALCO Lok Mountaineer zu sehen, welche ebenso gerade eine Hauptuntersuchung bekommt.

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Hier noch der Kessel von vorne. Die kleinen Rohre sind die Rauchrohre, die zwei großen die Überhitzerrohre. Die ausgebauten Rohre sind im Vordergrund liegend zu sehen. Der Flansch oben in der Rohrwand ist jener für den Frischdampf vom Dom bzw. Regler zu den Zylindern.
Die Diesellok ist die Moel Debog und wird hauptsächlich für den Bauzugdienst eingesetzt.

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Der Rahmen der Mountaineer schaut übrigens so aus.

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Nebenan ist die Kesselwerkstätte. Ein Kessel einer mir unbekannten Hunslet wartet auf die weiteren Arbeiten. Persönlich vermutete ich, dass es sich um jenen der Nesta handelt, welche ich noch auf der Bala Lake Railway vor mehreren Jahren abgestellt gesehen habe.

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Vor zwei Jahren konnte ich die Nesta dann in Boston Lodge fotografieren.

Allerdings brachten die letzten moving pictures die Auflösung: es handelt sich um den Kessel der Quarry Hunselt Winifred, welche auf der Bala Lake Railway stationiert ist und in Boston Lodge eine Hauptuntersuchung bekommt.

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Neben der Werkstätte befindet sich der Lokschuppen. Hier treffen wir einen alten Bekannten wieder, die James Spooner. Vor den Hallentoren werden Prince und Taliesin für die nächsten Tage vorbereitet. Hier herinnen riecht es nach Rauch, Dampf und Schmieröl. Herrlich.

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Hinter Prince und Taliesin haben sich nun noch David Lloyd George und Palmerston eingefunden.

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Eines der neuen Gebäude ist dieses – hier werden jene Lokomotiven untergebracht, die nicht zu den Stammlokomotiven draußen auf der Strecke zählen – hier die drei Quarry Hunslets Britomart, Hugh Napier und Felinheli.

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Am Nachbargleis steht die Lyd, der nachgesagt wird, die Lieblingslok von Paul Lewin, dem General Manager der FR & WHR zu sein. Für die Lynton to Barnstable Railway werden die baugleichen Loks Yeo und Exe gebaut, wobei der Bau teilweise wiederum in den Boston Lodge Works stattfinden soll – diese haben ja schon mit der Lyd Erfahrungen beim Bau dieser Lokreihe gesammelt.

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Vor der Lyd ist noch die Mainline Hunslet Linda abgestellt. Diese ist prinzipiell eine Stammlok auf der FR, wird über die Wintermonate aber hier abgestellt. Leider schwer zu fotografieren ist sie aber „a very cute little lady of an engine“.

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In der nächsten Halle sind nun die Dieselloks und die Garrats untergebracht. Für sie braucht es deutlich mehr Platz als wie für vergleichsweise kleinen anderen Dampfloks. Hier die Diesellok Vale of Ffestiniog.[url]

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Am Nachbargleis stehen wiederum zwei Schmuckstücke: die Baldwin Diesellok [url=https://www.festipedia.org.uk/wiki/Moelwyn] Moelwyn
und dahinter die Mill Hunslet Lilla. Im Bild linke neue Rauch- und Überhitzerrohre.

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Mittlerweile ist auch die NGG 16 in Boston Lodge angekommen. Gut zu sehen der Höhenunterschied wischen der NGG 16 und der Lyd im Schuppen. Und die Diesellok WHR No. 9 ist eine waschechte Australierin. Wie man merkt, auch auf dem Loksektor geht es sehr stark international zu.

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Und Palmerston ist noch mit Rangiertätigkeiten beschäftigt und beginnt die Fotozüge für den morgigen Tag zusammenzustellen. Die Halle im Hintergrund ist übrigens die Holzwerkstätte.

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Zwar ein Bild von vor zwei Jahren – hier werden aber tatsächlich Wagen neu gebaut und ausgebessert.

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Neben der Holzwerkstätte befinden sich die zwei Wagenabstell- und Revisionshallen. Hier können die Fahrwerke der Wagen untersucht und kleinere Reparaturen durchgeführt werden.

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In der Abstellhalle befinden sich noch Wagenwaschmöglichkeiten, sodass die Fahrzeuge jeden Morgen frisch gewaschen auf die Strecke gehen und auch das Salzwasser von der Gischt von den Fahrzeugen abgewaschen werden kann.

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Noch ein Überblick über den Boston Lodge Yard. Links außerhalb des Bildes die Dampflokwerkstätte (erecting shop, Gleis 1, 2, 3 und 4), dann der running shed (Lokschuppen) mit den Gleisen 5, 6 und 7. Dann folgen die Gleise 8 (zwischen den Lokschuppen) und die Gleise 9, 10 und 11 (welche in die neue Ausstellungshalle führen). Rechts folgen dann die Holzwerkstätte (Gleise 16 und 17), der Diesellok- und Garratlokschuppen (Gleis 12, 13 und 14) und die beiden Wagenhallen mit insgesamt 5 Gleisen (Gleis 18, 19, 20, 21 und 22). Alles in Allem ein ganz kleiner Bahnhof also.

Nachdem wir die Besichtigung abgeschlossen hatten, brachte uns der Zug wieder nach Porthmadog zurück – Zeit, im Hotel sich nochmal aufzuwärmen und dann ging es mit dem deutschen, den amerikanischen und britischen Kollegen zuerst zum Essen und dann zum abendlichen Talk – wiederum mit vielen Bildern aus der Region, die die glorreichen Tage der Schieferbahnen zeigten. Wie schön wäre eine Zeitreise, mit der Kameraausrüstung von heute. ;-)

Und so haben wir das Beste aus dem Tag gemacht, was möglich war. Fotografieren im strömenden Regen macht nun mal selbst dem hartgesottensten Fotografen wenig Freude, ein Blick hinter die Kulissen der FR & WHR schon eher, ist es doch auch irgendwie gleichzeitig eine Reise für mich zum eigentlichen Beginn der ganzen Sache (der Zeitpunkt, wo aus einem das mache ich schon irgendwann mal im Leben zu einem das mache ich JETZT wurde – manche Dinge sollte man einfach nicht aufschieben). Bleibt zu hoffen, dass die kommenden Tage trockener werden.
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Re: Fairlie Welsh

Beitrag von Dachstein »

Tag 12, 10. November 2025, Tag 10 der Photocharter: Ffestiniog Railway – Moelwynion steam

Wiederum startet mein Tag viel zu früh. Halb 6 und ich bin munter. Also wieder Tee, wieder gemütliches Zusammenpacken und dann ab zum Frühstück. Generell merkt man, dass die Truppe immer müder wird – die langen Tage setzen doch zu und so hat auch Georg am Vorabend zu kämpfen gehabt und die Abendveranstaltung letztlich ausgelassen. 12 Tage Photocharters von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang und noch eine Bahn davor und die beiden Zeitverschiebungen zollen einfach Tribut. Wie es erst dem Amerikanern geht, die einen längeren Jetlag haben? Auch der Italiener hat schon mal munterer gewirkt und der Däne der mit ist hat auch Augenringe bekommen... Egal, für Müdigkeit haben wir nun keine Zeit, also möge der Espresso schnellstmöglich installiert sein. Während dieses Installationsprozesses werden wieder die Wetterapps konsultiert – und die sagen einen durchwachsenen Tag voraus, aber mit doch deutlichen Lücken zwischen den möglichen Schauern. Also im Grunde ganz brauchbar am Papier.

Der Lokeinsatzplan ist auch ganz brauchbar (=bodenlose gar schon freche Untertreibung): einerseits werden wir mit der Taliesin die einzige Single-Fairlie angeheizt haben (wir sahen sie ja gestern in Boston Lodge beim Vorbereiten), gleichzeitig werden wir mit Prince (in FR historisch unkorrekter grüner Lackierung, die die Lok in den Anfangstagen der Preservation von den damaligen Freiwilligen bekommen hat – also so gesehen doch wieder historisch korrekt) und Palmerston (weinrot) die beiden betriebsfähigen Small Englands aus den Anfängen der Dampftraktion der FR auf der Strecke haben. Und als Draufgabe wird es je einen Personenzug und einen Güterzug geben, welchen die Loks abwechselnd bespannen werden. Abwechslung pur auf einer landschaftlich grandiosen Strecke vom Meer in die Berge also.

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Wir gehen gerade rechtzeitig vom Hotel zum gegenüberliegenden Bahnhof um die Single-Fairlie Taliesin mit dem Fotopersonenzug bei der Einfahrt in Porthmadog von Boston Lodge kommend abzulichten. Wiederum haben sich die Eisenbahner Mühe gegeben, um eine fotografisch ansprechende und historisch korrekte Garnitur zusammenzustellen.

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Taliesin hat nun den Bahnsteig erreicht und wird gleich den Zug umfahren. Hinter der Lok ist der Break Van V1 eingereiht. Dieser ist ein Nachbau des originalen V1, welcher 1921 verschrottet wurde.

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Eine weitere Besonderheit der FR ist die Carriage 11, - The Flying Bench, welche der Vollständigkeit halber in unseren Zug, welcher quasi der The 1870's train darstellt, eingereiht wurde. Im Sommer ist die Fahrt in der Flying Bench schon was besonderes, ist es jetzt im November 2025 ungemütlich kalt und nass. Und auch der rechts befindliche Wagen No 10 gehört üblicherweise zu diesem Zug, ist aber ebenso ein Nachbau. Die FR ist intensiv damit befasst, möglichst alle Epochen ihrer Geschichte mit Fahrzeugen darstellen zu können – und wenn das eines Neubaus bedarf, dann wird halt das Fahrzeug in der eigenen Werkstätte in Boston Lodge nachgebaut.

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Während wir uns etwas mit den Wagen beschäftigt haben, hat Taliesin ihren Zug, eben die 1870er Garnitur umfahren und steht nun Rauchkammer voraus Richtung Blaenau Ffestiniog zur Abfahrt bereit und wird uns in kurzweiliger Fahrt nach Ddallt im oberen Streckendrittel bringen. Ziel des heutigen Tages ist die Deviation, also jener Streckenteil zwischen Dduallt und Tanygrisiau, welcher wegen des Baues des Wasserkraftwerkes komplett neu trassiert und gebaut werden musste.

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In Dduallt angekommen beginnt nun der gut 15 minütige Fußmarsch teils über die alte Trasse zur Fotostelle vor dem Moelwyn Tunnel. Das obige Foto ist auch wiederum insofern interessant, als dass ich als Fotograf auf der alten Trasse stehe, während Taliesin am Beginn der Kreiskehre, der Dduallt Spiral und damit am Beginn der Deviation steht. Nach kurzem Fußmarsch erreichen wir die Fotostelle am Gegenhang und fast hat man das Gefühl, die Deviationists hatten bereits Photocharters im Hinterkopf, so fotogen ist die Umgehungsstrecke trassiert!

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Taliesin hat ihren Zug nun durch die Dduallt Spiral eine Etage höher befördert und dampft nun in gemächlichem Tempo Richtung Moelwyn Tunnel Dabei kann man den Zug gut 500m mit verschiedenen Brennweiten gut verfolgen. Und erfreulicherweise regnet es nicht. Darüber hinaus sagt der Wetterbericht auch ein Abschwächen des Windes voraus, sodass vielleicht auch ein Drohnenflug möglich sein könnte.

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Taliesin hat nun fast das südliche Tunnelportal des Moelwyn Tunnels erreicht und wird gleich den Kameras entschwinden, um gleich nochmal zurückzusetzen und nochmal eine Scheinanfahrt zu starten.

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Noch einmal dampft Taliesin mit ihrem Zug an uns vorbei. Wer sich fragt, wo die ursprüngliche Strecke verlief – im Bild links unten sind Steinmauern zu sehen, diese bilden die Abgrenzung zur alten Trasse, die heute in weiten Bereichen ein Wanderweg oder abgesoffen ist.

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Zeit in die Luft zu gehen. Taliesin dampft nochmals Richtung Moelwyn Tunnel an den Überresten des alten Bauernhofes, dem Gelliwiog Cottage vorbei, links sieht man wiederum die alte Trasse und die Fundamente der Brücke, welche einst die FR als Hofzufahrt überspannt haben und heute im Sommer von den Schafen gerne als Aussichtspunkt gebraucht wird sowie den Damm, der einst die Zufahrt zum alten Moelwyn Tunnel war. Zwischen Damm und heutiger Bahnstrecke sieht man weiters noch einen Weg – hier war die südliche der beiden Moelwyn Inclines, also jenen Schrägbahnen, die durch den Moelwyn Tunnel ersetzt wurden, trassiert.

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Nachdem Taliesin mit ihrem Personenzug die Bühne verlassen hat, dampft Palmerston mit einem gemischten Güterzug auf den Laufsteg. Erfreulicherweise stört kein bahnfremdes Geräusch die Szenerie – die nächste Straße ist weit weg und außer den Zug und ein paar Vögel hört man nichts. Abgelegen, aber schön! Und wenn man hier ohne Photocharter fotografieren will, muss man gut eine Stunde entweder von der Straße im Tal oder von Tanygrisiau über die alte Bahntrasse herwandern.

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Und weil ich eben zwei Kameras mit hatte, konnte ich auch gleichzeitig mit mehreren Brennweiten arbeiten. Die ganze Szenerie wird durch die alte Telegrafenleitung und durch die teilweise vorhandenen Steinmauern perfektioniert.

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Und auch Palmerston wird mit der Drohne fotografiert – die alte Trasse ist nun deutlich zu sehen. Während Palmerston Richtung Moelwyn Tunnel dampft, kann man sich mit der Drohne eine gute Übersicht über die weite und offene Landschaft hier heroben verschaffen. Das schlossähnliche Gebäude links im Bildhintergrund hinter dem Vale of Ffestiniog ist übrigens das stillgelegte Atomkraftwerk Trawsfynydd, welches sich gut fünf Kilometer vom Fotostandort entfernt auf der anderen Talseite befindet. Es handelt sich um das einzige AKW in Wales, welches nicht an der Küste errichtet wurde.

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Nach Palmerston folgt Prince mit seinem Personenzug aus 4 achsigen Abteilwagen, ganz in Grün gehalten.

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Fast schon in Tarnfarbe versteckt sich Prince mit seinem Zug in der Vegetation.

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Und ganz ehrlich, wenn ich hier mal zu einem Event herkomme – was hoffentlich bald mal passiert, ist diese Fotoposition fix gebucht. Fußmarsch hin, Fußmarsch her.

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Auch hier folgen mehrere Scheinanfahrten, sodass sich mehrere Schüsse auch mit verschiedenen Brennweiten ausgehen. Obwohl es doch einigermaßen kalt ist, macht die Sache hier Spaß!

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An Wagen sind in unserem Fall heute die Wagen 17, 20, 21, V11 und V12, wobei Wagen 17 und 20 den sogenannten Bowsiders zuzurechnen sind.

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Auch dieser Zug macht sich von der Breitseite her gut. Und nun sieht man auch wiederum die alte Trasse auf dem Steindamm, welche zum südlichen Tunnelportal des alten Moelwyn Tunnels führt. Dahinter befindet sich die Rampe der südlichen Incline aus dem Jahre 1836, welche durch den Tunnel ersetzt wurde. So nahe liegen hier als drei verschiedene Trassen ein und der selben Bahn und damit Transportgeschichte von 1836 bis heute nebeneinander. Nach gut zweieinhalb kurzweiligen Stunden war es Zeit, die Zelte hier abzubrechen und nach Dduallt zurückzugehen. Wieder nehmen wir die alte Trasse dazu her. Ein paar Fotos aus den Vorjahren sollen die Situation verdeutlichen.

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Blickrichtung Moelwyn Tunnel: links außerhalb des Bildes die Deviation, links im Bild die Trasse der Inclines, rechts der Damm zum alten Moelwyn Tunnel.

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Blickrichtung Scheitelpunkt der Inclines – die heutige Bahnstrecke verläuft hier im Tunnel links vom Standort, die alte rechts im Tunnel.

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Blick vom Scheitelpunkt nach Norden. Die Deviation ist links zu sehen, auf der Incline stehe ich und durch den See verläuft die alte Trasse.

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Der nördliche Voreinschnitt des Moelwyn Tunnels mit seinem Nordportal bei Niedrigwasser.

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Die alte Trasse bei Niedrigwasser des Stausees mit dem Voreinschnitt des Modelwyn Tunnels. Die neue Trasse befindet sich hinter mir.

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Nun wieder im Süden des Moelwyn Tunnels auf der alten Trasse ein Blick nach Norden. Die Fotoposition befindet sich rechts oben am Hügel.

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Vor Dduallt ist die Strecke in starker Hanglage trassiert worden. Vereinzelt sind hier auch noch Schwellen zu finden (letztes Bild im Vordergrund) – und die sind meistens rutschig.

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In Dduallt selber geht es einstweilen im wahrsten Sinne des Wortes drunter und drüber (etwas, wofür dieser Bahnhof bei Insidern wohlbekannt ist und was man eben erst seit der Zeit des Tourismusbetriebes erleben kann. Während Taliesin ihren Zug umfahren hat, drückt Palmerston seinen Güterzug durch die Dduallt Spiral in den Bahnhof.

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Nachdem Taliesin ihren Zug aus dem Bahnhof geschoben hat, beginnt es bei der Durchfahrt von Palmerston nun endlich zu regnen. Dduallt ist wie Rhyd Ddu jener Ort, an welchem ich am Öftesten eingewassert wurde bis dato. Warum sollte ich also mit dieser Tradition brechen?

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Nachdem Palmerston am Nebengleis ist, wird Prince für ein paar Scheinanfahrten herangezogen. Damit hat man hier nun zwei Small Englands nebeneinander. Solche Fotogelegenheiten gibt es nur zu Fotoveranstaltungen oder Spezialevents. Normalerweise ist in Dduallt tote Hose und man erwischt hier nur die Planzüge. Nur als Warnheinweis, falls hier jemand wandern gehen will und große Action erwartet.

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Und nun geht es wieder hinunter Richtung Porthmadog. Nicht aber, ohne in Minffordd noch einen Fotohalt einzulegen.

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Prince posiert vor dem schön restaurierten Wartehäuschen von Minffordd, während sich wieder die letzten Regentropfen langsam nach norden verziehen und die Sonne leicht herauskommt.

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Palmerston hat sich schon nach Boston Lodge zurückgezogen und wird von seiner Crew umsorgt, während Prince uns nach Porthmadog bringt, von wo wir wieder ins Hotel zurückmarschieren

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Prince setzt einstweilen um und wartet auf die Streckenfreigabe für die Fahrt über den Cob nach Boston Lodge. Damit geht ein durchaus brauchbarer Tag auch schon wieder zu Ende. Es folgt das altbekannte und altbewährte Abendritual – zuerst die Kameras versorgen, dann Frischmachen. Auch heute werden wir im Royal Sportsman einen Vortrag genießen, davor hat David einen Tisch im Restaurant des gleichen Hotels reserviert, wo wir gemeinsam Abendessen. Heute gibt es einen Steak and Ale Pie, ein klassisches britisches Gericht und ein lokales Bier.

Interessant ist, dass der vortragende Fotograf mit uns am Tisch sitzt und aus seiner Zeit als junger Eisenbahnfotograf berichtet. Wenn man so hört, mit welchen Kameras man damals so unterwegs war und welche Kosten hier aufliefen, so ist es um so bewundernswerter, wie viele gute Fotos aus der damaligen Zeit existieren. Das höchste der Gefühle damals in der Nachkriegszeit dürfte eine Schraub-Leica oder eine Contax gewesen sein, viele mussten sich mit der Agfa Box begnügen, welche weder für schnelle Züge noch für schnelles Fotografieren geeignet war... Irgendwann kam dann mal die Leica M3, Nikon S Serie und die Canon 7 (Sucherkameras). Die schon eine große Erleichterung mit sich brachten – wenn man sich diese denn auch leisten konnte. Erst danach wurde die Spiegelreflex „in“ - und Nikon lieferte mit der F und Canon mit der F1 ihre Meisterstücke ab, die den Status dieser Firmen im Profimarkt begründeten. Und heute? Da liegen schon Galaxien dazwischen...

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Ja wie hat man damals nun eigentlich wirklich Züge fotografiert? Wen das interessiert, dem sei folgendes Büchlein empfohlen: „How to photograph trains“, Fountain Press aus dem Jahre 1957. Ich habe mein Exemplar auf einem Flohmarkt erstanden und hat heiße 4 Pfund gekostet und bietet um kleines Geld eine Reise zurück in das Mittelalter der Eisenbahnfotografie. Und so mancher Tipp, insbesondere was Fotostandorte und Perspektivenwahl anbelangt, ist immer noch gültig, wenngleich sich die Grenzen des Machbaren deutlich verschoben haben.

Auch gut am Royal Sportsman: das Hotel liegt vis à vis vom Tesco Superstore, welcher bis 23 Uhr geöffnet hat. Sowohl Bananen als auch Kekse sind mittlerweile aufgegessen und Nachschub wird benötigt. Shoppen bis 23 Uhr ist in Österreich nahezu undenkbar, und hier halten überschlagene 10 Angestellte bis spät in die Nacht alles offen – und das in der walisischen Provinz....

Zu Fuß geht es nun zurück ins Hotel am anderen Ende des Ortes, was etwa 500m Fußmarsch bedeutet. Die Highstreet wirkt an diesem nasskalten Novemberabend schon etwas ausgestorben, wenngleich noch ein vergleichsweise reger Busverkehr herrscht. Das Hotel ist schnell erreicht und wir verabschieden uns nun ins Bett. Morgen wird wieder ein anstrengender und langer Tag....
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Re: Fairlie Welsh

Beitrag von Dachstein »

Tag 13, 11. November 2025, Tag 11 der Photocharter: Ffestiniog Railway – Fairly Fairlie

Wieder wache ich viel zu früh auf, wieder habe ich massig Zeit, um die wenigen Dinge vorzubereiten. Der Tradition folgend treffen Georg und ich beim Frühstück aufeinander, wieder besprechen wir bei Kaffee, Orangensaft Fruchtsalat und Croissant den Wetterbericht. Der ewige Tost mit Salzbutter hängt einem nach fast zwei Wochen schon etwas zum Hals raus. Da hilft auch dann die Orangenmarmelade nicht mehr zum Geschmacksverbessern – ich habe mich ja schon gut an die britische Küche gewöhnt, aber wer bitte kam auf die Idee der Geschmacksverwirrung der Kombination von Tost, alternativ Croissant mit Salzbutter und Orangenmarmelade? Das ist für mich die kulinarische Kombination aus der Hölle und wohl der kulinarischen Sahelzone entsprungen... Asterix kommt hier nicht von ungefähr, wenn man an das Klischee zartgekochte Wildschwein in einer Pfefferminzsauce denkt. Fakt ist aber auch, auch wir in Österreich haben so manche Geschmacksverwirrung und sonst ist das britische Essen durchaus gut essbar, wenngleich nicht das gesündeste. Wetter? Laut App und BBC wieder eine solala Sache. Na mal schauen.

Zum heutigen Programm: das liest sich wieder ausgezeichnet und heute wird es fairly Fairlie. Beide betriebsfähige Double-Fairlies werden heute je einen Personenzug und einen Güterzug bespannen. Der totale Fairlie Tag sozusagen. Mit der Aussage ist es aber auch klar, dass wir die zwei jüngsten Double-Fairlies vorgesetzt bekommen, da die Merddin Emrys ja gerade eine Hauptuntersuchung bekommt und somit nicht verfügbar ist und voraussichtlich ab Herbst 2026 wieder in Betrieb gehen wird. Daher werden wir die weinrote David Lloyd George mit einem Güterzug und die kastanienbraune James Spooner mit dem 1870er Jahre Wagen auf der Fahrt in die Moelwyns fotografisch begleiten.

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Wir begeben uns zum Bahnhof, und da kommt auch schon James Spooner mit der 1870er Garnitur von Boston Lodge kommend in Porthmadog Harbour Station an. So schön die Garnitur bei Sonnenschein ist, so schwierig ist die Farbgebung der Fahrzeuge bei wenig Licht. Daran hatte 1870 jedoch keiner gedacht, dass es mal Fotografen geben wird, die 150 Jahre später genau deswegen in die Region kommen werden.

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Kurz darauf kommt auch schon David Lloyd George mit seinem vergleichsweise farbenfrohen Güterzug aus verschiedenen Güterwagen daher und gesellt sich neben den Personenzug.

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Und weil wir heute ein längeres Vormittagsprogramm auf der unteren Streckenhälfte bis Tan-Y Bwlch haben werden, beschließt das Lokpersonal in Porthmadog die Loks nochmal mit Wasser und Kohle zu versorgen. James Spooner hat das Wassernehmen und das Bekohlen soeben absolviert und fährt nun von den Lokbehandlungsanlagen (links außerhalb des Bildes) wieder zurück zu seinem Personenzug. Und weil es mal wieder leicht regnet, habe ich mich in den Windfang der Signalbox zurückgezogen und versuche von hier, halbwegs brauchbare Bilder zu machen. Gleich am Morgen eingewassert zu werden muss nicht unbedingt sein.

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Dann geht es auch schon los. Zum ersten Fotohalt in Penrhyn(deudraeth) ist es trocken und wir beschließen, hier einen kurzen Fotostop einzulegen. James Spooner präsentiert hier die Heizerseite den Fotografen. Die Haltestelle gibt das typisch walisische Flair der Gegenwart wieder – typische Reihenhäuser, die Bahn eng zwischen Straße und Wohnsiedlung, die schon bessere Tage gesehen hat – man merkt, der Brexit hat auch hier (vergleichsweise milde) Spuren hinterlassen, wenn man sich die Situation in Blackpool oder Jaywick denkt... In gewisser Weise ist es ein sehr harter Kontrast – hier eine mustergültig neu gebaute Dampflok auf einer der schönsten Museumsbahnen in GB mit Fotografen, die Kameras im Gegenwert von mehreren 10000 Euro herumschleppen, auf der anderen Seite Orte, in denen Menschen sich das Nötigste nicht mehr leisten können. Geht bei uns die Schere zwischen den Gesellschaftsschichten schon gefühlt weit auf, so klafft sie in Großbritannien noch weiter auseinander. Ich muss nicht anmerken, dass nahezu alle Versprechen der Brexitbefürworter nicht eingetreten sind...

Nungut – es ist wie es ist und es ist für den einzelnen momentan auch nicht möglich, dies in irgendeiner Form zu ändern – die Wiederannäherung an die Europäische Union ist zwar langsam im Laufen, jedoch wird es Jahrzehnte dauern, um diesen Schaden zu reparieren. Mittlerweile ist übrigens Stand 2026 wieder eine Mehrheit für die Rückkehr von Großbritannien in die EU....
Also wieder zurück zu den Eisenbahnen. Nachdem es nun trocken ist und sich auch einige Sonnenfenster abzeichnen, beginnen die Überlegungen, welchen Fotohalt wir als nächstes angehen sollten. David überlegt die „Whistling Curve“. Ich checke kurz den möglichen Sonnenstand und nochmal das Wetter – dann sage ich nur noch: „Don't aks, just go for it!“. Mach ein Deutscher schaut mich nun etwas komisch an, liegt die Whistling Curve ja in einer Waldlichtung und ist bei schlechtem Licht etwas schwierig zu Fotografieren. Gewissermaßen habe ich gerade ein klein wenig zu hasardieren begonnen, ich kenne die Fotostelle aber schon von unseren Wanderungen aus den Vorjahren und sie ist eine der schönsten in Streckenteil zwischen Rhiw Goch und Tan-Y-Bwlch. Man braucht nur etwas Licht, und das könnten wir beim Blick auf den langsam auflockernden Himmel durchaus bekommen. Mit etwas Glück bekommen wir einen der Züge bei Sonnenschein, mit etwas mehr Glück beide. Und manchmal muss man auch etwas wagen, um es zu bekommen. Wer es nicht probiert, bekommt es gewiss nicht.

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Um zur Whistling Curve zu kommen sind von der nächst möglichen Ausstiegstelle auf einem Bahnübergang eines Fußweges ein kurzer Fußmarsch nötig, und dann geht es ab ins Gemüse. Im Herbst ist die Vegetation zwar schon deutlich niedriger als im Sommer, die Briten fangen aber gleich mal mit der „Gartenarbeit“ an, teilweise führen sie Sägen und kleine Buschmesser mit. Was nicht passt, wird passend gemacht. Denn, noch lässt uns hier die Sonne im Stich, was schade ist, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Einstweilen posiert David Lloyd George auf dem niedrigen Embankment aus aufgeschlichteten Steinen in der Whistling Curve, die ein Bogen von 180 Grad darstellt.

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Vielfach wird die Position gewechselt, sodass auch leichte Telefotos möglich werden. Die Telegrafenleitung vervollständigt das Bild einer Schmalspurbahn in den Bergen von Snowdonia vollkommen. Es fehlt nur gerade wieder mal das Licht.

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Und Licht haben wir auch bei der dritten Scheinanfahrt mit David Lloyd George nicht wirklich, zumindest etwas leichte Sonne kam kurz mal raus. Aber dennoch hat es sich bis jetzt ausgezahlt. Es ist immerhin trocken und windgeschützt (auch ein Punkt, auf den ich auch spekuliert hatte).

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Als nächstes ist James Spooner mit dem Personenzug dran. David Lloyd George hat bereits gut Durst und das Lokpersonal muss nach TanY-Bwlch zum Wasserfassen. Die Garnitur von James Spooner ist phantastisch, aber wo zum Teufel ist die Sonne, wenn man sie mal braucht? Jedenfalls bis jetzt mal nicht da, sondern wo anders...

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Nächster Versuch. Aber die Sonne zeigt sich nur kurz. Zu kurz, als dass der durchfahrende Zug sie noch erreicht. Vielleicht 5 Sekunden haben gefehlt. Aber auch ein „near miss“ ist ein „miss“ - Frustration macht sich breit. David (der Organisator frag via Funk – er ist mit den Lokpersonalen und mit den Zugsführern so verbunden) mal, ob sich noch einige Anfahrten ausgehen – was prompt von der Lokmannschaft von James Spooner bejaht wird. Genug Wasser in den Wasserkästen! Also gut, noch ein Versuch.

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Und wieder ein Miss. Aber diesmal nicht mal mehr ein knapper. Mehr Frust.... Der Zug setzt nochmal zurück, nun beschließen wir, alle Richtung Sonne zu schauen. James Spooner wartet einstweilen am Bogenanfang auf den Funkspruch von David. Dann schiebt sich tatsächlich ein Sonnenfenster langsam herein. Funksprich: „Come as quickly as possible and give the exhaust as much texture as you can!“. Lokführer und Heizer sind nun also gefragt - „We'll be right there“ quakt es aus dem Lautsprecher zurück.

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Ein langer Pfiff („Achtung“), gefolgt von harten Auspuffschläge einer in der Steigung anfahrenden Dampflok hallen durch den herbstlichen Wald, der Heizer legt nochmal Kohle in beide Feuerbüchsen nach, um in der Abdampffahren die gewünschte Textur zu bringen. Dann ist der Zug am Damm – Sonnenlicht! Perfekte Abdampffahnen (die im vergleichsweise dunklen Himmel und Wald gerne ausfrisst, daher eine EV unterbelichtet und dann am Rechner nachbearbeitet)! Wie Maschinengewehrsalven rattern die Verschlüsse der Kameras, mein AF-C zieht brav den Focus auf James Spooner's Rauchkammer mit. Gotcha! Volltreffer! Kalenderfoto für den Bürokalender by the way. Und eine Horde Fotografen steht laut jubilierend im Wald bei Tan-Y-Bwlch... Mein insgeheimes Kalkül ging auf, auch wenn es bei David Lloyd George nicht geklappt hat – James Spooner mit dem Personenzug haben wir aber bei bestem Seitenlicht erwischt – und genau für solche Fotos tut man sich so was auch an. Und lustigerweise waren alle Sonnenbilder einer Double-Fairlie immer mit James Spooner. „The Sunny Engine“ ist nun unser Spitzname für die Lok.
Besser wird es nicht mehr, folglich beschließen wir, wieder zum Sammelpunkt zu gehen und uns vom Personenzug nach Tan-Y-Bwlch bringen zu lassen. Auch James Spooner muss nun wieder mit Wasser versorgt werden. Und auch ein WC ist in Tan-Y-Bwlch vorhanden. Wunderbar. Leider hat aber das Cafe hier nicht mehr offen. Schade, aber verständlich.

In Tan-Y-Bwlch wird gleichzeitig der Personenzug den Güterzug überholen, sodass von nun an der Personenzug zuerst fotografiert werden kann. Unseren nächsten Stopp legen wir in Coed y Bleiddiau, dem Cottage hoch über dem Tal ohne Straßen- aber mit Bahnanschluss ein.

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Zuerst setzt uns der Personenzug am kurzen Bahnsteig des Cottages ab, was bei den Urlaubenden, die gerade das Cottage eine Woche gemietet haben, für Verwunderung sorgt. Es fahren ja keine Züge nach Fahrplan und Züge halten hier eigentlich nur für die Mieter des Cottages. Und plötzlich gehst ein historischer Zug mit 30 Fotografen am Bahnsteig. Dann setzt James Spooner zurück und donnert mit lautem Auspuffschlag durch den Bogen in der Steigung.

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Die Bäume und Äste machen zwar das Fotografieren etwas schwierig, ermöglichen mit den Lücken dazwischen einen guten Focus auf James Spooner. Hier ist wieder das Auge für den Ausschnitt gefragt – und damit auch fürs Ausschnitt suchen. Was anfangs vielversprechend ausschaut, wird bei näherer Betrachtung unbrauchbar, so mancher unbrauchbar und schwierig wirkende Winkel passt dafür vorzüglich.

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Und wenn man den Wanderweg etwas hinunter geht, sieht man auch schön die Steinbrücke, über die die Strecke hier führt. Es ist faszinierend, wie schön sich die Bauwerke der FR in die Landschaft einfügen.

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Im Frühling oder Sommer dürfte die Strecke hier schwer zu Fotografieren sein – denn dann ist hier ein Blätterwald und es ist vermutlich sehr dunkel, auch wenn die Sonne scheint. Vielleicht mal bei einer Wanderung hier im Sommer anschauen...

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Ein Versuch mit dem Ultraweitwinkel? Naja, so ganz ideal ist das nicht, da müsste ich wohl 3 Meter höher. Dohne? Bei den ganzen Bäume hier leider zu vergessen. Also doch Ultraweitwinkel und dann via EBV gerade richten. Tatsächlich nicht ideal, aber immerhin brauchbar.

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Während James Spooner nun die Bühne verlässt, um die David Lloyd George zu überlassen, finde ich doch noch den Ausschnitt für meinen Ultraweitwinkel. Das Cottage rechts eingerahmt, links der Zug. Passt, nehmen wir genau so! Wiederum fragen sich so manche andere Fotografen, was der irre Österreicher hier tut. Na anders fotografieren als wie ihr. ;-)

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Wiederum eine Etage höher – David Lloyd George legt sich bei der Bogenfahrt elegant in die Bogenüberhöhung und fährt in gemächlichem Tempo an uns vorbei. Herrliche Szenen hier im Herbst in den Moelwyns.

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Es würde ja nur noch der Streckenposten fehlen, der in der Tür des Cottages steht um die Vorbeifahrt des Zuges wie in der Betriebsvorschrift vorgesehen zu beobachten. Man fühlt sich, so ganz ohne Autos in der Umgebung um 100 Jahre zurückversetzt. Nur die modernen Kameras erinnern uns daran, welches Datum wir haben. Insgeheim ärgert es mich etwas, meine Bronica zuhause gelassen zu haben – denn so manches Motiv hätte ich gerne auf Mittelformatdia. Das nächste Mal dann vielleicht – wenn ich mir endlich eine Frachtmaschine leiste, um meinen ganzen Krempel mitnehmen zu können (und Sherpas würde ich dann wohl auch brauchen). ;-)

Gefühlt hat der Tag eigentlich gerade erst angefangen, ist es auch schon wieder knapp nach 3 am Nachmittag. Zeit, wieder die Rückreise nach Porthmadog anzutreten. Nicht aber, ohne in Minffordd noch einen kurzen Fotohalt bei schwindendem Licht mit den beiden Double-Fairlies durchzuführen.

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Um die Zugkreuzung zu simulieren, muss David Lloyd George in Minffordd noch umsetzen. Da er mit seinem Zug sowieso und voraus ist, geht das ohne Komplikationen und so, dass das Rangiermanöver schon ausgeführt ist, bevor der Personenzug mit uns eintrifft. Dafür geht sich aber ein Einfahrtsbild mit David Lloyd George und seinem Güterzug in Minffordd aus – bei Regen leider.

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Und natürlich stellt das Personal die Lokomotiven so ab, dass man die beiden Double-Fairlies Rauchkammer an Rauchkammer ablichten kann.
Und selbst über die mächtige Eiche, die Minffordd Oak, kann hier noch ein bisschen was erzählt werden. Hier ist man sich tatsächlich uneins, wie alt der Baum ist. Manche meinen, sie wäre älter als 300 Jahre, andere meine, sie wäre mit dem Bau der Bahn erst gepflanzt worden. Fotos aus den 1880er zeigen den Baum jedenfalls bereits mit einer moderaten Größe. Und ganz ehrlich – die Eiche hier am Bahnsteig gehört zur Bahn wie auch die Double-Fairlies.

Damit geht der vorletzte Tag der Photochater auch schon wieder zu Ende. Morgen ist nach der Rückkunft in Porthmadog Abreise, folglich muss ich heute noch das Gepäck flugtauglich zusammenpacken, bevor wir Essen gehen und den letzten der Diavorträge genießen. Wo ist eigentlich schon wieder die Zeit hin? Ich bin doch gerade erst angekommen und nun ist der Spaß schon wieder fast vorbei?! Und das was ich am Urlaub am meisten hasse ist packen. Und war mein Gepäck schon voll beim herkommen, ist es nun, weil wir ja bis jetzt bei vier Bahnen vorbeigeschaut haben, und aus den Shops bin ich nun auch nicht mit leeren Händen herausgekommen.... Und wie immer habe ich den Platz in meiner Reisetasche etwas optimistisch eingeschätzt.... Und auch wenn es sich nach Tetris nun anfühlt, die vollen Reihen verschwinden leider nicht. Nach gut einer Stunde ist die Reisetasche flugtauglich gemacht. Die Fotoausrüstung brauche ich hingegen morgen ja noch einmal. Dann klopft es auch schon an der Türe – Zeit für das Essen und den letzten Diavortrag im Royal Sportsman.
Dort entwickelt sich zwischen dem Vortagenden und mir im Anschluss an den Vortrag ein Gespräch über die Literatur, die es zu den ganzen Bahnen hier so gibt. Ich hab ja eine einigermaßen große Eisenbahnbibliothek, und auch einiges über die Bahnen in Wales. Allerdings gab es bereits in der Vergangenheit interessante Bücher. Und hier wird mir ein Autor genannt – James Ian Craig Boyd welcher sich unter anderem mit den Schmalspurbahnen in Wales intensiv auseinandergesetzt hat, Ergebnis sind mehrere Bücher über das Thema. Zuhause werde ich dann mal das Internet und Ebay konsultieren (müssen). ;-) Mittlerweile kann ich sagen, der gute Boyd geht verdammt tief in die Tiefe der Materie...
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Re: Fairlie Welsh

Beitrag von Dachstein »

Platzhalter Tag 13, 12.November 2025 – Doing the Ddualt Spiral

Damit bricht nun auch der letzte eisenbahnlastige Tag der Reise an. Während ich wie immer zu früh aufstehe (Wecker habe ich bis jetzt keinen gebraucht), packe ich meine letzten Habseligkeiten und gehe etwas eher zum Frühstück. Georg kommt kurz nach mir und unser vorerst letztes gemeinsames Frühstück bricht an. Während das Übliche verzehrt wird, sagen die Wetterapps einen einigermaßen brauchbaren Tag mit von allem Etwas (ausgenommen Schnee) voraus.
Auch David ist sich bewusst, dass der letzte Tag noch eines krönenden Abschlusses bedarf, und so hat er heute die Single-Fairlie Taliesin und die Double-Fairlie David Lloyd George für eine Fahrt in den oberen Streckenteil der Ffestiniog Railway gebucht. Wir werden uns heute also im Bereich Dduallt streckenaufwärts aufhalten.
Nach dem Frühstück packe ich meine verbleibenden Sachen nach der Morgenhygiene und deponiere alles, was nicht in den Zug mit muss im Auto. Freundlicherweise darf mein Auto noch den Tag über beim Hotel parken, sonst hätte ich das Auto auf den Bahnhofsparkplatz umparken müssen. Georg bleibt noch eine Nacht länger – er wird frühmorgens mit seinem Auto zur Fähre nach Dover aufbrechen, ich fahre am Abend noch nach Manchester zum Flughafen.

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Am Bahnhof selbst herrscht bereits geschäftiges Treiben, David Lloyd George ist mit seinem Zug bereits am Einfahren, Taliesin wird mit dem Fotogüterzug gleich in Boston Lodge starten, um möglichst wenig zeit heute zu verlieren.
Entsprechend des Zeitdrucks sind alle Fotografen schnell im Zug verschwunden, während DLG selbigen umfährt, um die Fahrt nach Blaenau Ffestiniog antreten zu können. Das Signal gibt die Ausfahrt frei und wir sind dahin. In flotter Fahrt geht es über den Cob und vorbei an den Boston Lodge Works. Minffordd ist mit einem kurzen Halt zum Tokenwechsel ebenso schnell passiert und schon dampfen wir die Strecke Richtung Rhiw Goch und Tan-Y Bwlch hinauf. Dort wird nochmal Wasser gefasst, dann geht es weiter nach Dduallt.

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David Lloyd George bei der Durchfahrt in Dduallt. Gleich kommt er die Dduallt Spiral herauf und an uns Fotografen vorbei.

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Und nachdem wir in Dduallt ausgestiegen sind, geht es auch gleich mit dem dem üblichen Fotopunkt in der oberen Ebene der Dduallt Spiral los. Der Bogen ist einfach prädestiniert für Eisenbahnfotografie.

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Logischerweise werden hier gleich mehrere Scheinanfahrten durchgeführt. Jedoch ist das Wetter in diesem Moment nicht auf unserer Seite. Stärker und stärker beginnt es zu regnen, dann zu schütten. Dduallt ist auch eo ein Punkt, an dem ich immer noch eingewassert wurde. In jedem Urlaub. Was Rhyd Ddu auf der WHR ist, ist Dduallt auf der FR.

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Als Taliesin die Bühne mit dem Fotogüterzug betritt, ist der regen einem anhaltenden Wolkenbruch gewichen. An einen Drohnenflug brauche ich gar nicht denken und guter Rat ist jetzt teuer. Diesen teuren Rat liefern wiederum die Wetterapps. Noch gut eine Stunde, dann ist das Regenband durch, danach soll es eine Zeit einigermaßen trocken bleiben. Also beschließen wir, die Mittagspause vorzuziehen.

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Taliesin ranguert seinen Güterzug auf das Nebengleis in Dduallt und wird als Schiebelok für den Personenzug dienen. Damit ist die Raumabschnittsregel nicht verletzt und beide Loks können in Blaenau Ffestiniog Wasser nehmen.

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Während die meisten Fotografen in Tanygrisiau das bereits bekannte Cafe besuchen, entschließen sich Georg und ich im Zug zu bleiben, um mit nach Blaenau Ffestiniog zu fahren. Man weiß ja nie, welche Fotogelegenheit sich bietet. In Blaenau Ffestiniog werden beide Maschinen mit Wasser versorgt und ordentlich abgeschmiert. Seite an Seite präsentiert sich das ungleiche Paar am Wasserturm.

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Während des Kuppelns beschließe ich, aus dem Break Van ein Foto von dem Verschubvorgang zu machen. Die Personale, die in diesen Wagen saßen, beneide ich nicht. Selbst ich, der nicht besonders groß ist, steht mit dem Kopf an der Decke hier an.

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In Dduallt muss nun wieder Taliesin an den Güterzug. Daher erfolgt ein rasches Verschubmanöver. Das personal handelt das schnell, effizient und fotografenfreundlich ab.

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Nachdem nun die Züge wieder in der richtigen Reihenfolge zusammengesetzt sind, ist es Zeit für das Highlight des Tages - das Obendrüberuntendurchfoto in Dduallt. Dazu müssen beide Maschinen synchron fahren. Mit Funkt und viel Fingerspitzengefühl brauchen wir dennoch drei Anläufe, bis das Bild im Kasten ist. Taliesin überquert gerade die Rhoslyn Bridge, während David Lloyd George in den Bahnhof Dduallt einfährt.

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Und weils so schön ist, gerne nochmal. Und trocken wäre es ja nun auch. Drohne? Klar, Drohne!

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So schaut das dann aus 30m Höhe aus. Links das bekannte ehemalige AKW. Danach beschließen wir, wieder in den bekannten Bogen oberhalb von Ddallt zu wechseln. Als Taliesin soll hier ein Laufstegfoto bekommen.

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Während DLG unten am Einfahren ist, Donnert Taliesin durch die obere Ebene der Spiral. Geht kaum besser! Was stellen wir nun mit dem Personenzug an? Wie wäre es wieder mit einer Luftfahrteinlage? Im Moment ist es trocken, sodass ich die Drohne mal auspacke und startklar mache. Sicherheitshalber decke ich das startbereite Gerät mit meiner Jacke ab. Man weis ja nie, was das Wetter hier in einer Minute macht. Es bleibt aber trocken; das bedeutet Startfreigabe.

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Und so begleite ich die Durchfahrt von David Lloyd George mit der Drohne. Hier bei der Einfahrt in Dduallt.

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Dann wechsle ich die Position, um die gesamte Dduallt Spiral auf ein Drohnenfoto zu bekommen. Zwar ist das Wetter eher grau, aber das Bild ist im Kasten.

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Nochmals schwenke ich die Drohne etwas nach Norden, und komme nochmals zum Schuss. Dann beginnt es auch schon wieder leicht zu tröpfeln, sodass ich die Drohne vom Himmel hole und sicher am Landepad lande. Schnell werfe ich die Jacke wieder drüber und kopiere die Bilder auf den Controller. danach packen wir zusammen und gehen zum Bahnhof Dduallt. Aufsitzen, wir haben noch vor! Taliesin wird indes nach Minffordd entlassen.

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Leider auch der Regen mit uns. Hinter dem Moelwyn Tunnel gießt es so richtig und viele Fotografen beschließen, hier nicht auszusteigen. Auch Georg, der dafür von mir, dem begossenen Pudel mit Kamera in der Hand ein Foto am Überstieg über den Zaun macht. Währenddessen drückt DLG den Zug zurück in den nördlichen Voreinschnitt vom Moelwyn Tunnel. Bei der folgenden Scheinanfahrt passiert der Zug nun eine weitere historische Besonderheit, den Archer's Dam. Dieser Damm wurde zur Wasserrückhaltung für die Antriebsanlagen der alten Moelwyn Inclines gebaut worden, und lag beim Bau der Deviation nun im Weg. Die Deviationists mussten sich also auch durch dieses Bauwerk einen Weg bahnen - und waren mit ihrem Breakthru um Jahre früher dran als wie Queen mit ihrem.

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Auch wenn es wie aus Kübeln schüttet, die OM1 liefert. Und wider erwarten soll noch eine Scheinanfahrt folgen.

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Und hier gibt das Lokpersonal nochmal alles, was möglich ist. Der Lokführer öffnet beim Passieren des Dammes nochmal beide Regler voll, der Heizer legt nochmal nach, um etwas Textur in den Abdampf zu bekommen. David Loyd George indes liefert, was das Lokpersonal will - die perfekte Scheinanfahrt. Die Auspuffschläge beider Triebwerke hallen aus den Felswänden der Moelwyns zu uns zurück, während DLG die Bühne verlässt. Intensiv! Genial! was für ein Abschluss der Fotoreise.

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In Blaenau Ffestiniog muss DLG nochmals Wasser fassen. Während der Anfahrt auf Blaenau Ffestiniog hatte ich indes die Homepage Realtime Trains aufgerufen und geschaut, ob es nicht noch einen Lucky Punch mit einem Transport for Wales Triebwagen geben könnte - Doppelausfahrt? Ich frage David, der das Lokpersonal. Das wird knapp, aber es könnte gehen. Fink wird der Zug umgedreht, die Lok versorgt. DLD ist gerade wieder am Zug, da kommt der DMU auf der Normalspurstrecke an.

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Und jetzt brauchen wir Glück, und wir haben genau eine Chance. Der Triebwagenlokführer kennt unseren Plan nicht und der Zug hat nur wenige Minuten Wendezeit. Was uns aber helfen wird, ist das Türgepiepse des modernen Triebwagens. Und als das ertönt, ertönt auch das "right away" von unserem Zugbegleiter - der Achtungspfiff vom Lokführer folgt. Unser Lokführer schaut zum DMU, die Hand an den Reglern von DLG. Der Triebwagenlokführer hat nun auch den Braten gerochen und beschleunigt nicht voll raus - und während der die Motoren vom DMU aufheulen, öffnet unser Lokführer die Regler - synchron verlassen beide Züge den Bahnhof - der Lucky Punch ist voll geglückt, ohne Planung! Die perfekte Draufgabe nach dem Ende der Fotoveranstaltung.

In rascher Fahrt geht es nun die 20 km hinunter nach Porthmadog, wo wir eine Stunde später ankommen. Taliesin rangiert einstweilen die Güterwagen in die Halle von Minffordd, und fährt dann als Lokzug nach Boston Lodge.
Für mich ist nun Zeit, aufzubrechen. Ich verabschiede mich von der Crew, David und den Fotokollegen und gehe im strömenden Regen zum Auto - ich brauche aber noch einen Kaffee. Darum fahre ich die wenigen Meter hinüber zum Bahnhof und gehe nochmals ins Spooner's Cafe, wo ich einen Americano ordere. Beim Hinausgehen merke ich erst, an einem der Tische sitzt Sam, jene Dame, die uns letztes Jahr mit dem "hold on" nochmals zurückgerufen hatte und somit ein wichtiger Bestandteil der ganzen Sache wurde. Gerne wechsel ich noch ein paar Worte mit ihr und sie bestätigt mit einem Grinsen: "I know who you are". Den Eartag habe ich also auch hier schon. Leider gehen sich nicht mehr als einige Worte aus, ich habe noch 2 Stunden Fahrt vor mir, bei starkem Regen und britischen Straßen.

Bereits nach Porthmadog grüßt mich auf der Straße nach Caernarfon mein Lieblingsschild - Road liable to flooding. Und so zieht sich die Fahrt bis Caernarfon schon ziemlich. Bei Bangor komme ich auf den Northwales Expressway, welcher mich nach Osten Richtung Chester führt und bei Deeside mich auf die M56 Richtung Osten bringt. Von dort aus geht es weiter bis Manchester, teilweise wieder im Schritttempo und Stau. bei dem Wetter waren mehr als 50 Meilen in der Stunde eh nie drinnen, zu schlecht die Sicht und zu hoch das Verkehrsaufkommen auf dieser wichtigen Ost-West Verbindung.

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Bei der Autobahnabfahrt am Flughafen staune ich dann auch nicht schlecht. Hier steht das Wasser und statt einer Kreuzung habe ich den Manchester Airport junction lake vor mir. Der Autofahrer vor mir weis auch nicht, wie ihm geschieht und er tastet sich langsam durch das Gewässer. ich lasse ihn fahren, bevor ich mich durch wage. Offene Kanaldeckel sind jetzt nicht so schön.... Er wie ich kommen aber gut durch und der Ceed erweist sich als recht wasserfest. Bei der nächsten Tankstelle tanke ich das Auto noch voll und kaufe mir noch eine Kleinigkeit zu Essen. gerne wäre ich heute nochmals mit Georg auf ein Abendessen gegangen....

Der Checkin verläuft wieder problemlos und kurz darauf bin ich auf meinem Zimmer. fertig bin ich, und so tut die heiße Dusche wieder sehr gut. Gegessen ist auch schnell und im bett klicke ich noch die Fotos am Kameramonitor durch. Die Ausbeute schaut schon nicht so schlecht aus... Dann schlafe ich erschöpft ein.
Zuletzt geändert von Dachstein am 23.02.2026, 12:48, insgesamt 7-mal geändert.
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Re: Fairlie Welsh

Beitrag von Dachstein »

Tag 14, 13. November 2025, Tag 1 nach dem Photocharterevent: Going home

Nachdem ich zur Abwechslung etwas länger geschlafen und soweit alles fertig gemacht hatte, ging es zum letzte, britischen Frühstück für eine nun längere Zeit. Und nein, es geht mir nicht ab. Was mag ich frisches Brot vom Bäcker, ein gutes Müsli, guten Aufschnitt oder verschiedenen Käse – das sucht man in Großbritannien vergebens. Nur zweimal hatten wir in Irland und in Oxfordshire das Glück, in einem B&B von deren Eigentümern entsprechend bewirtet zu werden – die einen hatte Deutschlandbezug und die anderen waren Köche.

Nun packe ich zum letzten Mal meine letzten Sachen zusammen, checke nochmal, dass keine Flüssigkeiten im Handgepäck, aber alle Akkus ebendort sind und fahre die wenigen hundert Meter rüber zu Hertz, wo ich das Auto in der Rückgabezone einem freundlichen Mitarbeiter übergebe – bei herrlichstem Sonnenschein, wohlgemerkt! Ein kurzer Check, alles in Ordnung, wenig später ist auch schon das Mail mit der Bestätigung der Rückerstattung de Kaution am Handy.

Der Busshuttle zum Terminal fährt beim Hoteleingang weg, also muss ich mein Gepäck gut 250 Meter dorthin mal scheppen. Das ist hier irgendwie suboptimal gelöst... Nach kurzer Wartezeit kommt auch schon der Fahrer vom Kleinbus und fragt, wo wer hin muss – Manchester hat drei Terminals – die nach der Reihe angefahren werden. Dazu muss aber eben auch das Gepäck in der richtigen Reihenfolge in den Kofferraum des Fahrzeuges.

Ich brauche den Star Alliance Terminal, also T2. Das Gepäck ist schnell aufgegeben und wider erwarten kratze ich nur ganz leicht am Übergepäck. Gut dass ich so manchen Lesestoff noch in meinem Fotorucksack untergebracht habe. Er baumelt locker lässig an nur einem Riemen über der Schulter und suggeriert die „pure Leichtigkeit des Seins“. Der Schalterbediensteten ist der Rucksack jedenfalls egal, obwohl ich nicht mit der LH, sondern mit Eurowings (zu LH Preisen wohlgemerkt) zurückfliege und so gehe ich zur Security, auf die ich schon gespannt bin. Beim letzten Heimflug von hier sind wir mal eine guten Stunde angestanden, sodass der Weg zum Flieger zu einem Langstreckensprint mutiert ist. Heute habe ich aber viel Zeit und bin auch schnell durch die Security. Denen ist meine Fotoausrüstung völlig egal.

Einen Task habe ich nun noch zu erledigen: wie jedes mal bringe ich das aktuelle Hornby Magazine und den Railwaymodeller mit heim. Nur – heute scheint das eine ziemlich verzwickte Sache zu sein. Vor der Security hatte kein Newsagent die Zeitschriften. Beim WH Smith hinter der Security schaut es auch schlecht aus. Das ist doch einigermaßen seltsam, da üblicherweise selbst kleine Zeitungsläden beide Zeitschriften, weil sehr beliebt, immer im Sortiment haben. Der letzte WH Smith, ein sehr kleiner, der knapp vor meinem Gate liegt, hat sie aber dann doch. Also ist auch dieser Task erledigt.

Der Rückflug startet pünktlich, ebenso lande ich pünktlich in Düsseldorf, wo ich gut eineinhalb Stunden Zeit für die Einreise in die EU sowie das Umsteigen in den Flug nach Salzburg habe. Düsseldorf ist schon mal nicht ganz so groß wie Frankfurt, die Einreise geht schnell und unkompliziert von statten und so habe ich knapp eine Stunde Zeit, die ich am Gate verbringe. Die letzten 14 Tage haben ordentlich geschlaucht und ich bin ehrlich gesagt froh, mir von meinem Kollegen noch den Freitag als zusätzlichen Urlaubstag aufschwatzen zu lassen. Sonst müsste ich ja morgen schon wieder in den Zug steigen und ab auf die Baustelle düsen. Wäsche will aber gewaschen werden, Fotos gebackupt, etwas im eigenen Bett ausschlafen...

Wieder ist das Boarden pünktlich, wieder ein pünktlicher Abflug. Obwohl die Maschine gut voll ist, bringe ich die Fotoausrüstung zum vierten Mal locker in den Gepäckfächern über mir unter. Diesbezüglich also kein Stress mehr.
Von Düsseldorf geht es südwestwärts, über München sind wir schon im Sinkflug, die Alianz Arena und der Flughafen sind deutlich in der Abenddämmerung zu sehen. Dann vorbei an Burghausen, Oberndorf, Freilassing, noch über die Westautobahn und die Maschine klatscht von Norden kommend wohl ziemlich genau auf den Aufsetzpunkt der Piste. Während die Maschine die letzten Meter zum Vorfeld rollt, beginnen die üblichen Verdächtigen wieder mit dem Abschnallen... Auch das ändert sich wohl nie.
Und weil wir wieder am Vorfels stehen, Salzburg immer noch keine Fluggastbrücken hat, dafür mobile Treppen, geht das Aussteigen schneller als das Aussteigen in Düsseldorf – denn man kann bei uns auch hinten aussteigen. Anschließend gehe ich die wenigen Schritte in das Terminal, um mein Gepäck aufzusammeln. Und das geht in Salzburg immer schnell, wenn wenig los ist. Bereits 10 Minuten nachdem ich die Maschine verlassen hatte, kommen die ersten Koffer und Taschen am Band heraus. Meine dauert noch etwas, aber nach 20 Minuten ab Aussteigen aus dem Flugzeug habe ich meine Tasche und gehe Richtung Bus – genau darum mag ich unseren kleinen Flughafen so gerne – kurze Wege, schnelles Handling. Die Busfahrt heim dauert wieder mal länger...

Gut 30 Minuten später steige ich mit dem ganzen Krempel aus dem Bus und gehe die wenigen Schritte zu unserer Wohnung. Gottseidank haben wir einen Lift denke ich mir. Aufsperren, Zeug rein räumen, ausziehen und gleich mal alles in die Schmutzwäsche. Als letzte Tat des Tages räume ich noch die Waschmaschine ein und programmiere sie auf den nächsten Morgen. Mehr ist nicht mehr.
Bad – Badewanne guuuuuuuuuut! Runterkommen ist angesagt, alles ist gut gegangen, ich bin wieder daheim, habe alleine den Linksverkehr gemeistert und mich auch als Guide durchs walisische Outback geschlagen.
Auch die bessere Hälfte ist nun aus der Arbeit heimgekommen. Der Donnerstag Abend wird im Bett verbracht, die Waschmaschine ist auf den nächsten Morgen programmiert. Und ehrlich gesagt, ich bin so hin, dass ich ohne groß zu Überlegen einfach einschlafe... Im eigenen Bett immer am Besten, wohlgemerkt.

Tag 15, 14. November 2025, Tag 2 nach dem Photocharterevent: Freizeitstress

Zu unchristlicher Uhrzeit weckt mich das durchdringende Gepiepse der eben fertig gewordenen Waschmaschine wie ein Hammer am Kopf. Es ist 9:30. Welcher Idiot hat mich eigentlich auf die Idee gebracht, heute schon in die Arbeit fahren zu wollen? Danke an meine Urlaubsvertretung, die das verhindert hat!
Während ich die Waschmaschine ausschalte, plätschert schon der Kaffee aus der Maschine in die Tasse. Der Spiegel verrät wunderbare Augenringe.... So fühlt sich also ein gediegener
„Railway Hangover“ an. Ich beneide gerade jeden, der schon in Pension ist, uns der sich nun erholen kann. Ich habe genau bis morgen Zeit, und bis dahin muss noch so manches organisiert sein. Dann heißt es wieder Baustelle und Tunnel.
Während ich meinen Kaffee trinke, glühen auch schon Laptop und Festplatten. Wir reden fast von einem halben Terabyte Bildmaterial, welches nun gesichert sein will. Und das dauert. Also habe ich in den Pausen hier Zeit, die Wäsche in den Keller zu hängen und meine Reisetasche für die paar Tage auf der Baustelle bis zu meinem nächsten Abgang wieder zu bestücken. Zwischenzeitlich trudelt eine Whatsapp Nachricht ein – Georg ist wohlbehalten mit seinem Auto in Deutschland zuhause angekommen, die Fahrt von Wales nach Dover war nicht so schlimm wie befürchtet, dafür dann die letzten paarhundert Kilometer in Deutschland...
Um Drei am Nachmittag ist das gesamte Bildmaterial auf den externen Festplatten kopiert und gespiegelt, die Kameras sind wieder gereinigt und in den Taschen verpackt, die Drohne bekommt noch das letzte Update, welches einige Tage vorher herauskam. Eigentlich könnte ich ja gleich wieder losschlagen, wenn ich mir das so überlege... ;-)

Tag 16, 15. November 2025, Tag 3 nach dem Photocharterevent: Schichtwechsel

War gestern die Waschmaschine unchristlich, so ist es heute der Wecker. Denn, ich muss ja wieder auf die Baustelle und spätestens zu Mittag meinen Kollegen ablösen. Also aufstehen, Kaffee, Morgentoilette und ab zum Bahnhof, rein in den Zug nach Westen, nach Innsbruck. Dort weiter mit dem Bus.
Wie geplant schlage ich zu Mittag im Hotel auf, ich räume meinen Proviant in den Kühlschrank und die Regale, mein Kollege holt mich danach gleich ab. Zuerst in die Kantine Essen (Hausmannskost!), dann die Übergabe: Vortriebsstände, Zustand der Tunnelbohrmaschine, wann ist Bandverlängerung, Bergwassersituation, Radonsituation, Stand der Dokumentation, Stand Quartalsbericht, was gibt es von der ÖBA, was sagt der AN, irgendwelche Probleme mit dem Fuhrpark? Irgendwas, was Baustellensicherheit betrifft? Und gaaanz wichtig: funktionieren die Kaffeemaschinen?

AutoCad Lizent hab ich auch wieder eine, die Listen und das Tunnelband sind alle brav geführt worden – ein paar Kleinigkeiten, die die Urlaubsvertretung nicht wissen konnte (mea culpa, das stand auch nicht im Memo, welches ich vor dem Urlaub geschrieben hatte) korrigiere ich gleich. Der Maschinenmonitor unserer Tunnelbohrmaschine (TBM) funktioniert auch, ich schaue mir schnell die üblichen Kennwerte an: also Vorschubskraft, Vorschubsgeschwindigkeit, Penetration, Drehzahl usw... Alleine hier kann man schon einiges ableiten, wie das Gebirge so ist und ob es Probleme geben könnte. Nur läutet da eher das Telefon und der Maschinenpolier sagt mir eher Bescheid als dass ich die Werte interpretiert habe. Helmlampe und Handlampe sowie das Funkgerät sind voll geladen, meine Gelbe liegt bereit – die Stiefel stehen auf Marsch.

Erfreulicherweise war mein Kollege aber am Vormittag schon im Tunnel und auf der TBM, damit bleibt mir heute noch das Einpflegen seiner Dokumentation auf die Server sowie das Weiterzeichnen des Tunnelbandes. Ich bringe meinen Kollegen hinauf zum Hotel, er fährt heute noch heim nach Wien, ich bleibe nun bis Dienstag auf der Baustelle, dann löst mich meine Gegenschicht ab – diese hat wie sich wie sich herausstellt, meine Stati auf Whatsapp die ganze Zeit mitverfogt. Da kommt die ganze Übergabe dann in die Gegenrichtung. Bis dahin ist aber noch einiges zu erledigen.

Also noch schnell zur Schichtbauleitung, und mit denen kurz Unterreden. Auch von dieser Seite alles im grünen Bereich. Auch von der öBA (örtliche Bauaufsicht) und vom Vermesser kommen ein Daumen hoch.

Nach drei Stunden bin ich also wieder aufgegleist, voll im Geschäft und zurück im Alltagstrott. Das Auto will noch getankt, das Fahrtenbuch geschrieben werden. Also rauf zum Magazin und Tankchip an die Säule und vollmachen. Damit ist alles auf Schiene und der Tag hat um 8 am Abend in den Scheinwerferkegeln der Baustellenbeleuchtung wieder sein Ende gefunden.

Das Abendessen schmeckt heute besonders gut – der Bäcker daheim um die Ecke hat mir noch einen Laib frisches Schwarzbrot verkauft. Traumhaft – frischer Aufschnitt, frischer Käse. Hausmannskulinatik pur – das hat mir in GB doch gefehlt.

Nebenbei klicke ich die ersten Ordner der Bilder durch. SVR... erste Gedanken, was mit EBV da alles geht. Ui, das schmeiße ich gleich weg, das ist ja grausam – schön, ein Bildschirmhintergrund. Wenn das so weiter geht kann ich gleich einen Kalender mit 365 Blättern machen. Wie in Wales vergeht die Zeit beim Bildaussortieren wie im Flug, und schon ist es halb eins in der Nacht. Der Wecker wird grausam...

Tag 17, 16. November 2025, Tag 4 nach dem Photocharterevent: Tunnelblick

Wie erwartet ist der Wecker wie ein Hammer, der auf meinen Schädel einschlägt. Nützt nichts, ich muss. Kurz Morgenhygiene, und dann ab die paar Meter auf die Baustelle. Erster Weg ins Büro, Rechner hochfahren, dann zur Kaffeemaschine. Hier erwartet mich die heilige Dreifaltigkeit (Wasser leer, Absatzschale voll und Kaffeauswurf voll) – da sinkt gleich mal die Laune. Währen der Kaffee nun seinen Weg in die Tasse findet, scrolle ich am Handy die Schichtdiagramme von gestern und von der Nachtschicht durch. Vortriebssstand 5:00 Uhr morgens 21037m, Vorschrubskraft bei um die 6000 kN, Hubzeiten konstant bei um eineinhalb Stunden. Die Werte sagen harte, stabile geologisch-geotechnische Verhältnisse. Wohlfühlgebirge für unsere TBM also. Alles im grünen Bereich soweit. Um 8:30 noch die kurze Sicherheitsbesprechung mit AN und ÖBA, auch hier nichts Relevantes, außer eine Straßensperre aufgrund eines Transportes, was mich aber nicht tangiert, ich habe so weit wie möglich freie Bahn.

Um 9 Uhr sitze ich mit PSA und Tunnelausrüstung im Auto und es geht zuerst mal 200 Höhenmeter höher in die Rangierstrecke. Dort sattle ich um auf eines unserer Tunnelautos. Und jetzt geht es 21037m in den Berg. Während ich in flotter Fahrt Richtung TBM fahre, dämmert es mir – 200 Höhenmeter und 21 km, das ist nicht nur die Entfernung zwischen Baubüro und TBM, sondern auch die Entfernung zwischen Porthmadog und Blaenau Ffestiniog...

In der Ausweiche 7 muss ich warten. Von der TBM kommend ist ein leerer ASV (automated service vehicle) auswärts unterwegs, den ich schon von weitem sehe und am markanten Blinklicht sowie den tiefliegenden Scheinwerfern erkenne – die Fahrzeugzüge haben aufgrund ihrer Länge Vorrang. Also ran an die linke Laibung in Vortriebsrichtung gequetscht, viel Platz haben wir hier nicht im Stollen. Im ASV sitzt Ralph, einer der Logistiker. Er bleibt stehen, steigt aus, kommt zu mir: „Ich hab deinen Status auf Whatsapp verfolgt – bitte, was war das?!“ Gut, man muss wissen, Ralph und ich teilen uns ein Hobby – Eisenbahn und er ist ein ziemlich guter Modellbauer – seine Gartenbahn ist auch auf Youtube zu finden. Also gut, die ganze Geschichte in Kurzform.... Und während Ralph mit dem ASV nun weiter auswärts in die Rangierstrecke fährt, fahre ich weiter. Bis zur TBM. Auch dort wieder so manche Frage. Rüdiger, unser Maschinenpolier hat mich bereits vermisst und auch der Fräsenfahrer freut sich, ein bekanntes Gesicht wieder zu sehen. Vorbei bei Werner am Tübbingkran geht es vor in den A1 Bereich, jener Bereich, der direkt hinter dem Bohrkopf und dem Schild liegt. Hier sieht man das frisch aufgefahrene Gebirge am besten. Gebirgsansprache, Gebirgsart, Trennflächenabstand und GVT Ausweisung sind fällig. Schuttergutprobe brauche ich auch noch – die fische ich mir vom Förderband. Knapp drei Tage nach meiner Rückkunft bin ich also wieder voll im Alltagstrott angekommen – Zeit, wieder durchs Gestein zu gehen, um dort hin zu gelangen, wo noch kein Mensch vor uns war – einen Meter weiter. ;-)

17. November 2025, Tag 6 nach dem Photocharterevent: Schiefe Blicke

Meine Schicht ist auch schon wieder vorbei – kurzweilig und auch stressig. Am Vormittag gibt es wieder eine Schichtübergabe; zu Mittag haue ich wieder ab, habe aber am Abend noch einen Termin – die erste Weihnachtsfeier steht am Programm, und zwar jene von unserer Museumsbahn. Logischerweise haben auch hier viele Kollegen meine Whatsapp Stati gesehen – und schon kommen auch die ersten Fragen, die mich schnell in Erklärungsnot bringen – Bilder sind ja noch nicht mal ansatzweise fertig bearbeitet... Gut, wird mal ein Vortrag an einem Abend, aber davor müssen noch ein halbes Terabyte Bilder durchgeackert werden – und das wird dauern....


26. November 2025, Tag 13 nach dem Photocharterevent: Der verhängnisvolle Post

Nach 4 anstrengenden Tagen auf der Baustelle und Bildbearbeiten am Abend bin ich, wie angesprochen, am 18.11 wieder heimgefahren. Die nächsten Tage mache ich außer dem Nötigsten – NICHTS. Na gut, Bildbearbeiten vielleicht. Wäsche waschen...Alltagstrott im Abgang halt und Beine hochlegen. Nicht spannend, aber erholsam – und die letzten dreieinhalb Wochen hatten es ja durchaus in sich. Am Dienstag, dem 25.11. muss ich wieder ran. Wieder der ganze Schichtwechsel, wieder die volle Übergabe. Das Procedere, das wir seit mehreren Jahren und mehr als 21 km Vortrieb mit unserer TBM exerzieren.
Am 26.11. läuft aber irgendwie nichts wie geplant. Einerseits komme ich nur unter erschwerten Bedingungen in den Stollen, und andererseits auch nur unter erschwerten Bedingungen raus. Das gibt es, mit dem muss man rechnen. Erfreulicherweise haben wir ja W-Lan im Tunnel, sodass man sich hier die Zeit, wenn man einfach nur auf der Strecke wartet, mit Surfen totschlagen kann, was anderes kann man schlicht nicht tun, es sei denn, man muss mal wieder Wassermessen, was aber zu diesem Zeitpunkt bereits erledigt ist da ich derartige Routinetätigkeiten eher schnell erledigt wissen will, denn wenn etwas ungeplantes passiert, kommt man sonst schnell in Zeitnot.
Und es soll ja so ein Forum namens Alpinfans geben, bei dem ich hie und da mal reinschaue und meinen Senf dazu gebe. Viel zum Berichtschreiben komme ich sowieso nicht, dafür fehlt die Zeit. Allerdings gebe ich beim Thema „Freundin gesucht“ von User LOL um 15:59 in der Ausweiche 9 leider meinen Senf dazu und erwähne mit folgendem Satz:

„...aber die letzte Eisenbahnfotoreise habe ich beispielsweise dann auch alleine gemacht (sonst erleidet jemand einen Eisenbahnoverkill; und ja, die Tour war wirklich extrem, in jederlei Hinsicht).“

das Wochen davor Geschehene. Einfach um auszudrücken, dass man manche extremen Dinge besser mit Gleichgesinnten macht; denn diese Reise wäre für Uninteressierte spätestens am zweiten Tag zum Overkill geworden. Da habe ich also etwas Erfahrung und weiß, was der Beziehung zuträglich ist und was nicht. Letzteres gilt für diese Reise.

Wider Erwarten und zeitlich etwas ungelegen (aus Zeitgründen) kommt mir dann die Replik von User Wetterstein:

„Freue mich auf Deinen Bericht“

Mein Warnhinweis verhallt leider völlig ungehört, denn User ski-chrigl bekräftigt mit einem lauten ICH das Interesse an Walisischen Schmalspurbahnen.... Also wenn sich jetzt hier wer aufregt – die haben das hier eingebrockt. ;-)

Ich hatte ja noch nicht mal alle Bilder fertig bearbeitet und hatte gerader mal eine kleine Auswahl für eine schnelle Diashow bei der Verwandtschaft zusammengestellt... Na was soll es, legen wir halt los – Bilder sollte ich ja eh genug haben und die Geschichten drumherum sind mir ja eh wohlbekannt; und so beginne ich am 11.12.2025 mit dem Schreiben des Berichtes, dessen Umfang mir noch völlig im Verborgenen liegt. Einfach nach Schema F einen Tag nach dem anderen runterschreiben? Nein, geht hier gar nicht. Bilder einfach nach dem Motto Friss und Stirb posten? Nein, geht schon gar nicht. Zu viel Geschichten und Ereignisse im Vorfeld zwingen, hier etwas weiter auszuholen. Wie weit retour? Beginnen wir das ganze Ding doch bei meinen ersten Englandurlauben, um die nötige Kohärenz hineinzubekommen. Die Sprachreisen – Bilder? Nein, Digital habe ich da nichts, das habe ich ja noch alles mit der Olympus OM4 fotografiert. Die Negative und Dias liegen wohl noch bei meinen Eltern. Da muss ich wohl mal Nachschau halten....
Immer wieder in den Abendstunden verbringe ich Zeit am Laptop, tippe meine Gedanken zu der ganzen Sache nieder. Schaue meine Festplatten durch und finde hier noch ein Puzzlestück, da ein Detail. Formuliere um, lösche nochmal, durchlebe die ganze Reise tageweise damit nochmal. Manches fühlt sich schon wieder sehr fern an, anderes ganz nahe. Die Bilder werden im Weihnachtsurlaub auch endlich fertig bearbeitet sein. Ein interessantes Gefühl, welches ich Anfang Februar 2026 habe. Die Reise ist gezwungenermaßen ein zweites Mal abgeschlossen – und ich habe das Schreiben genossen. Und nun?

30.01.2026, Tag 78 nach dem Photocharterevent: Nachbetrachtung von intensiven 14 Tagen Eisenbahn Total und nun um die 57000 Worte...

Funfact: ja, dieses Schriftstück ist in der Tat das längste, welches ich je verfasst habe – selbst meine Diplomarbeit ist kürzer.

Wales, insbesondere Snowdonia hat bei mir eingeschlagen wie eine Bombe. Es wird für mich sehr schwer, überhaupt noch um Wales herumzukommen. Es ist wie das eine Skigebiet, in das man sich verliebt hat. Man muss hin, und immer wieder hin, und je öfters man hinkommt, desto inniger wird die Beziehung mit der Region, ihren Bahnen und den Menschen dort – wenn ich hinkomme, ist es eine Art heimzukommen. Was als „one night stand“ gedacht war, so auch angefangen hat und auch als solcher enden hätte sollen, ist zu einem meiner Lebensinhalte geworden. Eine dauerhafte Beziehung sozusagen. Ist das „heilbar“? Gewiss nicht. Ist es schön? Sicher! Was hat der Bericht für eine Auswirkung? Eine noch intensivere Auseinandersetzung mit der Region, den Bahnen und den Menschen dort – vertiefende Studien sozusagen. Habe ich dort schon viel gesehen? Ja, aber ich habe auch noch vieles zu entdecken dort. Beispielsweise die ganzen Schieferbrüche, die sich teilweise gut erwandern lassen. Ich habe also noch was vor.

Was macht man aber nun, wenn man hier nicht um die Ecke wohnt? Na immer wieder hinfahren, bis ich irgendwann nicht mehr kann. Aber das reicht nun bei weitem nicht aus. Ich brauche die Region eigentlich immer vor der Nase. Was kann man da tun, außer Bildschirmhintergrund einer Garrat im Bogen vor Rhyd Ddu und einem Kalender der „Fairlie Welsh“ ist und sich die Besucher in meinem Büro erkundigen, wo man den Kalender eigentlich bekommt?

Fatalerweise kennen Bachmann und Peco diese Form der Krankheit und bieten geeignete Medizin an, die jedoch bislang leider keine Krankenkasse zahlt...

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Von Links nach Rechts: die beiden wunderschönen Double Fairlies Merddin Emrys und David Lloyd George, in der Mitte die Small England (The) Princess, dann die Mainline Hunslet Linda (the cute litte lady of an engine) und ganz rechts die Quarry Hunselt Britomart (the baby blue), mit welcher die Welsh narrow gauge Sammlung anfing.
Palmerston ist auch noch vorhanden, aber aus Platzgründen nicht am Foto, genau so wie die Bowsider Personenwagen, die Bug Boxes und die beiden Vans und die ganzen Schieferwagen... Bestellt sind noch die Quarry Hunslet Alice (The little red engine, die 2026 ausgeliefert werden soll und die im Original auf der Bala Lake Railway erhalten und eingesetzt wird) und irgendwann wird sich auch Blanche, die Schwesterlok von Linda bei mir ein Stelldichein geben, damit die beiden hübschen Penrhyn Ladies der FR auch vollständig sind. Und wann kommen endlich die NGG 16 raus? In der Schublade daheim warten noch die Bausätze des Bahnhofes Tan-Y-Bwlch sowie weitere Gebäude auf den Einsatz auf einer Anlage.
Und so dampfen, wenn ich mal Zeit habe, die Hunslets, die Double Fairlies und die Small Englands am Küchentisch herum. Und irgendwann wird es dann mal einen Anlagenteil mit einem hohen Steindamm, einer Kreiskehre, einer Umgehungsstrecke geben... Denn die Schönheiten wollen nicht nur Auslauf haben, er muss auch standesgemäß sein – so wie in Snowdonia eben üblich. Und irgendwo an der Strecke wird dann auch eine wild gewordene Horde Fotografen im Outback an der Strecke stehen.
Zuletzt geändert von Dachstein am 23.02.2026, 01:27, insgesamt 6-mal geändert.
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Re: Fairlie Welsh

Beitrag von Dachstein »

Literatur

Bliebe noch die Frage nach der Literatur (die auch zur Erstellung des Berichtes zumindest teilweise genutzt wurde). Generell ist anzumerken: es gibt viel Literatur zu dem Thema und auch meine Bibliothek ist nur eine kleine Auswahl dessen, was es alles gibt. Und jedes mal wenn ich irgendwo in einen Bahnhofsshop oder Buchgeschäft gehe, finde ich ein neues Buch, welches ich noch nicht habe, jedoch (leider) in mein Interessensgebiet fällt. Und leider sind die Briten, was Eisenbahn- und Technikliteratur anbelangt, uns Galaxien voraus. Und auch in Antiquariaten wird man schnell fündig, manche versenden auch nach Europa.

Die wichtigsten Bücher sind zu aller erst hier vor allem jene von Boyd, die mir die beiden Davids wärmstens empfohlen haben und die auch mittlerweile in meine Bibliothek Einzug gehalten haben – zum Leidwesen des Bücherregales:

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Narrow Gauge Railways in North Caernarvonshire, Volume 1: The West.

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Narrow Gauge Railways in North Caernarvonshire, The Penrhyn Quarry Railways. Vol. 2.

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Narrow Gauge Railways in North Caernarvonshire, The Dinorwic Quarry and Railways, Great Orme Tramway and other rail systems. Vol. 3.

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Narrow Gauge Railways in South Caernarvonshire – Vol. 1.

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Narrow Gauge Railways in South Caernarvonshire - Vol 2: The Welsh Highland Railway.

Mit diesen Büchern hat man bereits einen guten Überblick, der aber auch in die Tiefe geht. Klar klammern die Bücher die neuere Geschichte aus, dennoch sind 75% des Zeitraumes bis heute de facto abgedeckt – und viele der behandelten Bahnen sind ja schon lange nicht mehr existent. Von Gleisplänen bis Fahrzeuge, alles ist hier enthalten. Auch die beiden Bergbahnen (Snowdon Mountain Railway und die Great Orme Tramway werden in je einem der fünf Bände behandelt) Die Bücher sind nur mehr antiquarisch zu bekommen, und entsprechend teuer; die Investition ist bei entsprechendem Interesse aber vertretbar. Ich hoffe auf eine überarbeitete Neuauflage.

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Über den Wiederaufbau der Welsh Highland Railway gibt der knapp 450 Seiten Wälzer von Gordon Rushton (General Manager der FR zwischen 1991 und 1996 und damit aus der Sichtweise dieser) Auskunft: Welsh Highland Railway Renaissance. Das Buch hatte meine „bessere Hälfte“ im Zuge unseres ersten Walesurlaubes als Geburtstagsgeschenk mitgenommen und begründete somit in gewisser Weise meine Wales-Abteilung in meiner Eisenbahnbibliothek. Leider ist es wohl auch schon vergriffen und dementsprechend antiquarisch und teuer (Und teuer war es schon damals!). Allerdings muss man schon ein bisschen ein Freak sein, um dieses doch einigermaßen technische Buch zu schätzen zu wissen.

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Gordon Rushton schrieb über seine Zeit bei der FR selber ein Buch, welches so manches in der Geschichte erklärt, jedoch halt aus der Sichtweise der FR. 252 Seiten stark mit doch einiger Information

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Auch widmete sich Gordon Rushton mit diesem Buch dem Fuhrpark der WHR und FR. Über 300 Seiten dick beantwortet diese Buch wohl jede Frage zu den Fahrzeugen der Welsh Highland und Ffestiniog Railway. Wer nicht lesen will, es sind auch genügend Bilder drinnen.

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Wiederum etwas älteres Semester beschäftigt sich das Buch mit der Geschichte der FR auf knapp 200 Seiten. Hat mich heiße 3 Pfund gekostet.

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Gibt es wider Erwarten noch Fragen zu den Fairlies? Dieses Buch beantwortet alle auf mehr als 300 Seiten.

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Sollte es wider Erwarten immer noch Fragen zu den alten Lokomotiven der FR geben: wer diesen 592 Seiten Wälzer durch hat, hat keine Fragen mehr (oder will keine mehr haben!).

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Ein Bisschen was über Schiefer gefällig? Knapp 300 Seiten Info über Schiefer, Bergbau, Bahnen und Menschen, bekommt man in nahezu jeder Buchhandlung der Region bzw. dem National Slate Museum in Llanberis. Aber aufpassen, welches Buch man hier kauft. Erwischt man die falsche Auflage, darf man Walisisch lernen. Meines ist jedenfalls Englisch.

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Speziell über die Situation in Blaenau Ffestiniog ist dieses Buch verfasst. Auf knapp 200 Seiten liefert der Autor eine Vielzahl von Information und alte Bilder. Traumhaft und eine faszinierende Reise in die vergangenen Tage „of the town, that roofed the world“. Gleichzeitig natürlich die Steilvorlage mit Details en masse für jeden Modellbauer, der sich für Schieferbrüche und deren Bahnen interessiert.

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Die 462 Seiten im Hardcover bedeuteten vor einigen Jahre Übergepäck. Dafür bleiben was die Vale of Rheidol Railway betrifft, keine Fragen mehr offen, selbst die verschiedenen Lackierungsvarianten der Bahn werden je nach Epoche dargestellt. Wer also die VoR bauen will, hier wird man fündig und bekommt über viele Details Auskunft, die einem sonst im Verborgenen geblieben wären.

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Um dieses Buch kam ich logischerweise bei meiner Reise nicht herum. Mehr als 400 Seiten beleuchten die Sammlung von Peter Rampton und deren Geschichte vollinhaltlich. Wir werden sehen, wie es in der Zukunft mit den Loks weitergeht und welche die erste Lok der Sammlung sein wird, die wir unter Dampf erleben. Auf der VoR kann man ja schon zwischen den Zeilen lesen, dass es wahrscheinlich eine der 1C2 Schlepptenderlok s wird, die wir wohl bald in die Werkstatt einrücken sehen werden.

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Viele historische Bilder die Lust auf mehr machen – vielleicht die Einstiegsdroge in die Thematik Schmalspur auf der Insel. Nicht zu teuer, aber informativ und mittlerweile wohl auch in einer neuen Auflage zu haben. Denn die britischen Schmalspurbahnen sind hierzulande deutlich weniger bekannt, als die Sächsischen Schmalspurbahnen, jene im Harz oder die österreichischen, jedoch mindestens genau so abwechslungsreich und interessant, besonders, was die Lokomotiven angeht.

Für die weniger Interessierten an Technik und Geschichte empfiehlt sich ein Blick in die Guidebooks der einzelnen Bahnen. Nahezu jede Bahn hat kleine Softcover Hefte mit um die 50 Seiten, welche die jeweilige Bahn und die Regionen, in denen die Bahnen verkehren in den Grundzügen vorstellen. Diese sind um wenige Pfund zu haben und geben einen kurzen Überblick über Geschichte, Strecke und Fahrzeuge. Gleichzeitig liefern sie auch die Schlagworte, die man für eine Suche im Internet braucht. Dazu unterstützen die Einnahmen auch die jeweiligen Eisenbahnen, womit sowohl Gast als auch Bahn war davon haben. Tatsächlich nahe ich von nahezu jeder besuchten Eisenbahn eines dieser Guidebooks. Und vom Gewicht her sind sie auch deutlich leichter als wie die ganzen Wälzer oben. Also auch flugtauglich.


Acknowledgments

Last but not least – the most important thing now – the acknowlagements:

A great thank you to:

My girlfriend and her and my family, who addicted me more and more to Great Britain and let me do this spectacular journey and who provide instant railway medicine when necessary.

Sam at the booking office at Porthmadog Harbour Station, who called us back for telling us, that there were two tickets returned for the Snowdonian autumn 2024 - Without these tickets no meeting with Paul...

Paul, who gave me the contact details of David and Bob

Andrew, who helped me to get in touch with David

David, who accepted me as an enthusiastic guy from Austria in his group of railway photoghraphers from all over the world. I can't wait for the next emails with information about the next charter events provided, expecially when sent at 3 o'clock in the morning. ;-)

Owen, David and Georg, with who I had great fun to chat with; this made the yourney very adorable – and I am still in contact with those guys.

David with his talks about the interesting narrow gauge railways of Snowdonia and for the hint with the Boyd books. Yes David, I bought them emediately.

All the staff of the BMR, VoR, WHR and FR, who offerd perfect organized days out on the lines and tried to make impossible things possible, even in the most horrible weather conditions! Well done folks!

In fact, all of the mentioned people did more in international understanding than most politicians. I am glad to have met you all and hopefully we will meet on those or other railway lines again soon.

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See you on the line – next time!
Zuletzt geändert von Dachstein am 24.02.2026, 21:15, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: Fairlie Welsh

Beitrag von Ski-Bird »

Oha!
Die Berichte verdienen den „Ehren-Starli“…

Wahnsinn, dieser Umfang und die Details!

Vielen Dank!
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Re: Fairlie Welsh

Beitrag von ski-chrigel »

Ufff. 😅 Waaaaahnsinns-Bericht. Danke. Aber ich muss gestehen, dass ich die langen Textblöcke zunehmends nur noch überflogen habe resp. immer dann gelesen habe, wenn mich ein Bild interessierte.
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Re: Fairlie Welsh

Beitrag von Dachstein »

ski-chrigel hat geschrieben: 24.02.2026, 12:10 Aber ich muss gestehen, dass ich die langen Textblöcke zunehmends nur noch überflogen habe resp. immer dann gelesen habe, wenn mich ein Bild interessierte.
Was auch durchaus der Sinn des Berichtes ist - die, die Bilder schauen wollen, können. Die, die die ganze Geschichte vom Anfang bis jetzt (das Ende dieser Sache ist wohl erst dann erreicht, wenn ich tot bin 😅 ) wissen wollen, können, bzw. müssen lesen. Und für die, die noch mehr wissen wollen, für die gibt es die ganzen Links und die Literaturliste.

Fragen, so ich sie beantworten kann, dürfen logischerweise auch gerne kommen.

Glück Auf!
Dachstein
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Re: Fairlie Welsh

Beitrag von Turms »

Man… Aberystwyth! Von 1997 bis 1999 habe ich dort zwei Jahre verbracht – Penglais Campus. Ich habe so viele Pints im Pier Pressure getrunken, dass es locker für zwei Leben gereicht hätte… Pooo, danke fürs Mitnehmen in die Erinnerung! Ich hoffe, du hast dort auch mal ein „typical English Breakfast“ probiert.
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Re: Fairlie Welsh

Beitrag von Dachstein »

Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich am Pier in Aber noch nie war. Ich bin immer am Bahnhof der Vale of Rheidol Railway oder bei der Cliff Rail hängen geblieben. 😅
Full cooked in allen möglichen und unmöglichen Variationen hatte(n) ich bzw. wir allerdings quer über die Insel schon oft.

Warst du in Aber sozusagen auf der Uni als Student?

Deine Signatur passt bei mir übrigens recht gut zu meinem Verhältnis zu Wales.

Glück Auf!
Dachstein
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