März 2025
DiggaTwigga: Im November war ich voller Motivation, dank Challenge und Ticketcorner einige kleinere Schweizer Skigebiete zu entdecken. Doch wie so oft vergeht die Zeit viel schneller als gedacht – plötzlich steht fest, dass mir Bergün beinahe durch die Lappen geht, da dort bereits am 15. März Saisonende ist. Die Uhr tickt unerbittlich, und meine Frau hat leider keine Zeit, mich zu begleiten. Soll ich nun tatsächlich alleine fahren? Findet sich womöglich doch noch jemand, der mich vor dem schrecklichen Schicksal bewahrt, gleich zwei kostbare Challenge-Punkte zu verlieren – ganz abgesehen davon, die wunderschöne Region im Winter zu verpassen?
Zum Glück springt in letzter Minute Graubündenfan ein, der mich zu meinem Erstbesuch in Bergün begleitet und damit nicht nur meine Challenge-Punkte rettet, sondern mich auch vor einer einsamen Fahrt im Sessellift bewahrt.
Graubündenfan: Zugegeben, die Anfrage kam ziemlich kurzfristig – wirklich viel Vorlaufzeit war da nicht. Aber die Aussicht auf einen weiteren Skitag in Bergün und ein Wiedersehen mit DiggaTwigga auf der Piste war dann doch überzeugend genug. Also habe ich den Freitag kurzerhand möglich gemacht und spontane Entscheidungen sind ja bekanntlich oft die besten.
Mein erster Besuch in Bergün liegt schon einige Jahre zurück, genauer gesagt im Winter 2018. Erst vor ein paar Wochen war ich dann wieder mit trainrunner hier unterwegs und dachte noch: Eigentlich sollte ich viel öfter herkommen. Dass es dann tatsächlich so schnell wieder klappt, hätte ich selbst nicht gedacht. Aber Bergün schafft es einfach immer wieder, mich zu begeistern. So viel sei an dieser Stelle schon verraten.
DiggaTwigga: Bergün liegt im Albulatal und am Albulapass, beide sehr bekannt auch für den Glacier Express und die Rodelbahn auf der gesperrten Passstrasse. Als Deutscher outet man sich hier natürlich schnell durch die Aussprache von „Albula“. Zum Skigebiet kann eigentlich nicht so viel gesagt werden, zwei lange fixgeklemmte Sesselbahnen bringen einen von 1388 m auf 2284 m. Oben kann man sich dann hoffentlich (wie ich bei anderen Berichten schon gesehen habe) auf geniale Pisten am Schlepplift freuen. Maximal werden übrigens 2569 m erreicht, das kann sich schon sehen lassen.
Graubündenfan: Vielleicht solltest du an dieser Stelle noch erwähnen, wie du die Anfahrt empfunden hast, hmm?
DiggaTwigga: Zugegeben, bei der Anfahrt kamen mir tatsächlich leichte Zweifel auf, ob ich mir das Ganze ein zweites Mal antun würde. Spätestens nach der Autobahnausfahrt Thusis machte sich das Gefühl breit, dass wir irgendwo ins Nirgendwo unterwegs waren.
Graubündenfan: In Bergün angekommen erwartete uns ein gähnend leerer Parkplatz direkt an der Talstation. Die beiden Tickets waren ja schon vorab gekauft und auf die Datenträger geladen – also ging’s direkt vom Auto auf den Sessellift. Kein Anstehen, kein Stress, einfach einsteigen und los.
DiggaTwigga: Die Sesselbahn entschleunigt einen direkt.
Graubündenfan: Total! Allein das gemächliche Tempo zwingt einen schon zum Geduld üben. Sicherlich nicht jedermanns Sache…
DiggaTwigga: Herrlich! Graubündenfan erklärt den Streckenverlauf der Rodelbahn im Skigebiet. Die Schweizer Affinität zum Schlitteln finde ich ja schon faszinierend, aus meiner Sicht ist das schon ein sehr gefährlicher Sport.
Graubündenfan: Genau, hier bekommt man wohl eine der spektakulärsten Schlittelpisten der Schweiz geboten. Der unterste Abschnitt wurde allerdings vor einiger Zeit entschärft, weshalb sich Skifahrer und Schlittler nun im unteren Bereich die Talabfahrt teilen müssen. Die ursprüngliche Schlussstrecke war wohl etwas zu ambitioniert, wie ein anderer Forenkollege hier schon am eigenen Leib erfahren durfte.
DiggaTwigga: Wow! Graubündenfan hat nicht zu viel versprochen, es eröffnet sich ein geniales Panorama aus dem Sessel.
Graubündenfan: Hab ich doch gesagt! Und je weiter man sich gemütlich den Berg hochschweben lässt, desto mehr weitet sich der Blick, bis man irgendwann gar nicht mehr weiss, ob man zuerst zur Kamera oder einfach nur zum Schwärmen greifen soll.
Graubündenfan: Es folgt eine zweite, etwas kürzere Sesselbahn. Sie stand ursprünglich bis 1990 in Crans-Montana und wurde drei Jahre später von VonRotz hier wieder aufgebaut - als Ersatz für den alten Skilift, der auf leicht versetzter Trasse diesen ausgesprochen steilen und im oberen Bereich stark sonnenexponierten Hang erschloss.
DiggaTwigga: Interessant! Von Rotz habe ich übrigens noch nie gehört, habe zwei Mal hinhören müssen, ob es nicht doch Von Roll war. Der Hang der zweiten Sektion wirkt wirklich extrem exponiert – hat die schwarze Direktabfahrt denn überhaupt je geöffnet? Bei unserem Besuch konnte man sich kaum vorstellen, dass dort tatsächlich eine reguläre Piste verlaufen soll.
Graubündenfan: So, da wären wir am obersten Lift angekommen. Schau dir diesen Hang an… besser geht’s doch kaum, oder?
DiggaTwigga: Definitiv geht es nicht besser! Gibt es hier oben am Schlepplift eigentlich noch andere Besucher ausser uns? Vor lauter Begeisterung schneide ich wohl gerade den Himmel aus dem Bild…
Graubündenfan: Stimmt – viel los ist hier wirklich nicht. Aber genau das macht den Reiz aus: Weite, Ruhe und ein Hang, der einfach einlädt, seine Spuren zu ziehen.
DiggaTwigga: Mit etwas mehr Weitwinkel ist nun alles drauf. Der Piz Darlux SL sieht wirklich genial aus!
DiggaTwigga: So muss ein Skitag eigentlich immer aussehen: kein Andrang, perfekte Pisten, traumhaftes Panorama und ein perfekter Begleiter.
Graubündenfan: Da kann ich dir nur beipflichten und das Kompliment gebe ich gern zurück! Dein breites Grinsen nach der ersten Abfahrt da oben war jedenfalls unbezahlbar.
DiggaTwigga: Das war wirklich ein besonderer Moment. Ich hatte fast einen kleinen Gewissenskonflikt mit mir selbst: Soll ich die Abfahrt für ein Foto unterbrechen oder einfach durchziehen? Aber die Bilder mussten natürlich sein und bei so wenig Betrieb war kaum zu befürchten, dass die frischen Rillen gleich wieder verschwinden würden.
Graubündenfan: Wenn ich mir dieses Bild im Nachhinein wieder anschaue, muss ich sagen, dass allein dieser oberste Sektor schon vollends überzeugt. Wenn wie bei unserem Besuch alle vier Abfahrtvarianten geöffnet sind, dann lässt es sich hier wirklich prima aushalten.
DiggaTwigga: Dem kann ich nur beipflichten, dort oben kann man sich richtig gut austoben!
DiggaTwigga: Das sieht mehr als genial aus! Das Skigebiet gefällt mir richtig gut, so langsam muss ich meine Meinung bei der Anfahrt revidieren, dass ich das sicherlich nur einmal im Leben mache.
Graubündenfan: Ich wusste es! Schön zu sehen, dass du die gleichen Erfahrungen machst wie ich damals. Ehrlich gesagt war’s bei meinem ersten Besuch nicht anders – während der ewigen Anfahrt habe ich mein Vorhaben durchaus mit ein paar Zweifeln hinterfragt und wurde am Ende doch positiv überrascht.
DiggaTwigga: Was für eine geniale Piste! Unendlich breit und kein Mensch ausser uns beiden unterwegs.
Graubündenfan: Natürlich triffst du mit der Kamera genau den einzigen Fleck, der nicht perfekt präpariert war. Aber gut, ehrliche Dokumentation gehört eben auch dazu.
DiggaTwigga: Die von unten gesehen Links aussenrum Variante ist auch sehr schön!
DiggaTwigga: Nachdem wir zahlreiche Runden am SL gedreht haben, geht es nun erstmal ins Tal. Die Mittlere Sektion ist offiziell gesperrt. Das wird sich aber schon irgendwie ausgehen, denken wir uns
DiggaTwigga: So langsam zeigt sich auch, warum die Piste nicht mehr geöffnet ist. Graubündenfan ist schon über jegliche Engstelle hinweg, verdammt hoffentlich verkratze ich nicht meinen guten Ski. Damit habe ich heute irgendwie nicht geplant!
Graubündenfan: Elegant und gekonnt schwingt sich DiggaTwigga durch die Engstelle. Ich hatte die Passage bereits von der Sesselbahn aus im Blick und sie deshalb als knapp machbar eingestuft. Insgesamt war die Piste durchaus fahrbar – aber mit solchen Abschnitten natürlich weit entfernt von einer regulären Öffnung.
Graubündenfan: Auf geht’s zur Talabfahrt – für mich persönlich das zweite Highlight des Gebiets. Sie bietet eine abwechslungsreiche Strecke mit teils breiteren und teils sehr schmalen Passagen, insbesondere weiter unten, wo man die Eisenbahnlinie gleich mehrfach über- und unterquert. Das hat definitiv ein gewisses Alleinstellungsmerkmal.
DiggaTwigga: Die Talabfahrt ist wirklich genial! Vor allem die Serpentinen im Wald machen richtig Spass!
DiggaTwigga: Im Vergleich zur zweiten Sektion gibt es hier unten nirgends Schneeprobleme.
DiggaTwigga: Wieder oben angekommen drehen wir noch ein paar Runden und können uns fast nicht trennen, wir möchten aber noch in das gegenüberliegende Gebiet Tèct/Zinols wechseln.
Graubündenfan: Bei jedem Besuch hier schwingt ja immer auch die Hoffnung mit, einen vorbeifahrenden Zug auf der Albulalinie zu erspähen und ihn im besten Fall passend für ein Foto in Szene zu setzen. Bei der letzten Abfahrt hat es dann tatsächlich zufällig geklappt. Auch wenn es diesmal "nur" ein Güterzug war und nicht der erhoffte Glacier Express, war der Moment trotzdem ein kleines Highlight.
DiggaTwigga: Als vorausfahrender „Nicht-Experte“ habe ich dieses sensationelle Highlight natürlich völlig verpasst. Unten angekommen, wartete ich erst einmal verdutzt und fragte mich, wo denn mein Forenkollege bleibt. Als dann das Rattern eines Zuges an mein Ohr drang, dämmerte mir langsam: Graubündenfan nutzt die Gelegenheit, um das Motiv einzufangen, das dieses Skigebiet wohl einzigartig macht. Und ich darf mir derweil gemütlich die Beine in den Bauch stehen.
DiggaTwigga: Unter diesem beeindruckenden Viadukt verläuft offiziell bei ausreichend Schnee die Talabfahrt. Heute wäre die Piste eigentlich aussen herum gegangen – aber selbstverständlich wählen wir die „traditionelle“ Route mitten hindurch. Schon auf den ersten Metern wird allerdings klar: Mit Skifahren hat diese Eisbahn ungefähr so viel zu tun wie Curling mit Eiskunstlauf. Mit ratternden Ski, rapide steigendem Puls und ungefähr zweihundert hektischen Minischwüngen gelingt es mir am Ende irgendwie doch, diese lebensgefährliche Mutprobe zu meistern. Kurz zusammengefasst: absolut nichts für schwache Nerven – und für Skifahrer eigentlich auch nicht. Beim zweiten Mal war es dann doch gar nicht mehr so aufregend.
Graubündenfan: Klingt in der Tat ziemlich spektakulär. Die eigentliche Herausforderung stelle ich mir eher im Hochwinter vor, wenn deutlich mehr Schnee liegt. Viel Platz bleibt unter dem kleinen Viadukt selbst jetzt nicht und mit zusätzlicher Schneeauflage dürfte es dort richtig eng werden.
Graubündenfan: Auf der gegenüberliegenden Seite von Bergün finden sich separat die beiden Skilifte Tèct & Zinols. Während bei meinem letzten Besuch ein Wechsel durch den Wald und durch das Dorf noch gänzlich auf Ski möglich war, mussten wir diesmal motorisiert wechseln und legten hier noch einige Abfahrten am Nachmittag auf dem Heimweg ein.
DiggaTwigga: Forenkollege Graubündenfan lässt sich glücklicherweise von mir breitschlagen, auch noch zu den beiden Skiliften zu fahren – denn für mich bedeutet das immerhin einen dringend nötigen Extrapunkt in der Challenge. Schon beim Einparken werden wir mit einem Postkartenblick auf das schöne Dorf Bergün belohnt, was die zusätzliche Mühe sofort rechtfertigt. Beim Umparken demonstrieren wir natürlich absolute Profi-Ein-Skischuh-Fahrtechnik.
Graubündenfan: Ehrensache, dass ich hier nochmal mitkomme, auch wenn ich persönlich sagen würde, dass ein einmaliger Besuch an diesem Hang eigentlich genügt. Aber da mich vor ein paar Wochen auch trainrunner bei meinem Abstecher auf diese Seite begleitet hat, ist es selbstverständlich, dass ich diesen Abstecher nun auch für dich mitmache. Der Community-Gedanke des Forums zählt!
Graubündenfan: Die beiden Abfahrten am Tellerlift sind wunderbar griffig und haben eine perfekte gleichmässige Hangneigung, um die Kanten richtig in die noch frische Piste zu drücken.
Graubündenfan: Am Skilift Zinols hiess es dann zusammenrücken, wenn man zu zweit am Bügel auf der noch verbliebenen Spur mitfahren wollte. Wir hatten wohl einen der letzten Betriebstage erwischt.
DiggaTwigga: Ehrlich gesagt musste man nicht nur am Skilift selbst aufmerksam den Schnee suchen. Auch wenn es auf den Bildern vielleicht nicht sofort auffällt, hatten die Pisten rund um Zinols unter den frühlingshaften Temperaturen deutlich gelitten. Vor allem auf den Kuppen waren sie von aperen Stellen so durchzogen, dass von einer durchgehenden Schneedecke kaum noch die Rede sein konnte.
Graubündenfan: Während wir mit Blick ins Dorf die letzten Schwünge zogen, wurde uns einmal mehr bewusst, wie viel Charme dieses kleine, aber feine Skigebiet hat. Insbesondere der Beriech Darlux überzeugte einmal mehr. Eigentlich wäre Bergün der ideale Ort für ein richtig entspanntes Winterwochenende mit gemütlicher Anreise, guter Verpflegung, Übernachtung vor Ort und am nächsten Morgen direkt wieder auf die Ski oder auf den Schlitten. Der Gedanke ist jedenfalls schonmal vorgemerkt für ein anderes Mal.
DiggaTwigga: Für mich war es definitiv ein Highlight und ich muss meine anfängliche Skepsis zur langen Anfahrt revidieren. Das war sicher nicht mein letzter Besuch in Bergün. Auch wenn das Terrain wohl nicht bei jedem Forenkollegen Begeisterung auslöst – vor allem nicht bei jenen, die ohne kuppelbare Sesselbahn nicht warm werden – hat mich dieses Gebiet mit seiner ruhigen, liebevoll wirkenden Atmosphäre voll überzeugt. Vor allem der Schlepplift Piz Darlux bietet ein einmaliges hochalpines Gefühl, welches ich zusammen mit Graubündenfan perfekt zelebrieren konnte. Vielen Dank für den tollen Tag!
Graubündenfan: Einen lieben Dank zurück! Es war mir eine Freude, diesen Tag mit dir auf der Piste zu Verbringen und gemeinsam mit dir diesen Bericht zu erstellen.
Falls euch dieses Format als Bericht gefällt, dann lasst gerne ein Like und einen Kommentar hier! Wir freuen uns über Rückmeldungen und vielleicht ergibt sich bald wieder ein solcher Bericht aus irgendeiner ruhigen und ursprünglichen Ecke.
DiggaTwigga & Graubündenfan
