Dolomiti Superski, Januar 2024: die 'Kleinen'

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Miki
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Dolomiti Superski, Januar 2024: die 'Kleinen'

Beitrag von Miki »

In der vergangenen Wintersaison bin ich aus verschiedenen (grossteils finanziellen) Gründen für meine Verhältnisse sehr wenig herumgereist ... 25 Skitage habe ich am Pohorje verbracht, 7 als Tagesausflug in verschiedenen slowenischen Skigebieten, und weitere 5 - ebenfalls als Tagesausflug - auf relativ nahen steirischen und kärntner Skibergen. Krvavec und die Gerlitzen waren dabei meine maximale Reichweite, also alles ziemlich nahe.

Mit einer Ausnahme, von der ich weder hier noch in irgendeinem anderen deutschsprachigen Forum berichtet habe, nur im slowenischen smucisca - Forum. Ohne Hitparade, der mir freundlich geholfen hat meine aktuellen Berichte und die von 2023/2024 in der Challenge zu verlinken, würde ich diesen Bericht wahrscheinlich niemals schreiben - weil ich es einfach vergessen habe :oops: . Aber besser spät als überhaupt nicht.

Die ganze Woche vom 26. 1. bis 2. 2. habe ich mir Urlaub genommen: das Semester war zu Ende, ich hatte keine Prüfungstermine auf der Uni, und noch gibt es keine Schulferien. Ich hatte zwar vor, irgendwohin zu verreisen, hatte mehrere Ideen, aber keinen fixen Plan. Am Freitag war ich noch am Pohorje, Tagesfazit damals:
... sonnig, noch genug Schnee (ich bin ausschliesslich die beiden Talabfahrten gefahren), keine Wartezeiten. Aber bereits ab 10 Uhr leider arg knollig, der Spass hielt sich in Grenzen.
Nein, ich brauche dringend Abwechslung. Die Wetterprognosen waren alle OK, also wohin? Irgendwohin wo sie es schaffen die Pisten besser zu beschneien und präparieren. Und zwar nicht etwas besser (= die meisten österreichischen Skigebiete), sondern wesentlich besser zu präparieren als am Pohorje. Und wo gibts sowas wenn nicht in den Dolomiten? Also habe ich zu Mittag den Skitag beendet und eine Stunde in der Suche einer halbwegs günstigen Unterkunft irgendwo im Pustertal bzw. in einem der Seitentäler verbracht. Als ich auf Booking ein Sonderangebot in der Pension Moarhof entdeckt habe (280 € für 4 x HP), habe ich schnell gebucht, meine Sachen ins Auto geworfen und losgefahren, rechtzeitig dass ich genau zum Abendessen angekommen bin :P .

27. 1. 2024

Am ersten Tag ging es ins nahegelegene Skigebiet Gitschberg - Jochtal, für mich eine Premiere. Vorbeigefahren sind wir dort öfters, in allen Jahreszeiten auf der Pustertalstrasse, aber niemals bei Mühlbach nach Norden abgebogen. Also schauen wir mal :D :

Pistenplan: https://www.bergfex.it/gitschberg-jochtal/panorama/

Falls man zwei Tage in den kleineren Skigebieten verbringt, macht es keinen Sinn den teuren Dolomitisuperski - Pass zu kaufen. Die 2-Tageskarte für Gitschberg - Jochtal und die Plose kostete recht günstige 114 €, das finde ich angemessen. 5 min vor Betriebsbeginn habe ich mich in die recht überschaubare 'Warteschlange' angestellt. Sympatisch einfache, minimalistische Talstation, krasser Kontrast zu den dreistöckigen Betonbunkern die man heutzutage unbedingt rund um Talstationen der Zubringerbahnen bauen muss:
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Der Ort Meransen liegt sehr schön auf einer ca. 1400 m hohen Terasse hoch über dem Pustertal, und auch die Pisten liegen alle mehr oder weniger südseitig. Im März wahrscheinlich nicht so ideal, im Hochwinter suche ich gerade solche Skiberge:
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Mittelstation, leider mit Umsteigen. Und beide Bahnen leider ohne Köcher :x :
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Die Hauptanlage ist definitiv die 10EUB Ski Express. MIT Köchern :P und, noch wichtiger, mit drei perfekt gewalzten dunkelroten Pisten. Yess, das habe ich gesucht:
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Zwischenstation; oberhalb ist die Piste eher blau:
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Ganz oben, zwischen 2200 und 2500 m, tront noch die fixe 4SB Gitschberg mit extrem breiter Piste. Selbst eine 8KSB könnte diesen superbreiten Hang nicht überlasten. Die Präparation war leider nicht ganz so gut wie unten, leicht knollig, tlw. auch dem starken Wind verschuldet der in der Nacht (und auch noch am Morgen) den weichen Schnee verweht hat und tlw. alten Betonschnee freigelegt hat, anderswo kleinen Verwehungen gebildet hat:
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Trotzdem schön:
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Nun gehts mit der Verbindungsgondel zu den Nachbarn:
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Dolomitentypische Autobahn nach Vals:
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Anderer Betreiber, andere Farbe der Kanonen - blau in Meransen, gelb in Vals:
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Runter nach Vals ... :
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Und auf der anderen Seite mit der 8EUB wieder auf 2000 m hinauf:
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Die 6KSB Hinterberg bedient insgesamt 4 blaue bis hellrote Pisten. Nur hier musste ich manchmal 1 - 2 min anstehen:
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Die 4SB Steinermandl mit einer flachen blauen und zwei ordentlich schwarzen Pisten. Aktuell wird sie bekanntlich durch eine 6KSB ersetzt. BTW, die Vorgängeranlage der 4SB war eine DSB, die nun 'Ročka' heisst und in Slowenien auf dem Golte steht:
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Schwarze Talabfahrt nach Vals: richtig steil, schattig und Betonschnee:
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Weiter unten ist die Piste rot, aber ebenfalls betonhart:
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Irgendwie haben mit die Pisten und der Schnee in Meransen besser gefallen als in Vals, deshalb bin ich bald wieder zurückgefahren. Die Nesselwiese war (Ende Januar !) noch um halb fünf sonnig:
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Talabfahrt: überbreit und sehr flach:
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SL Mitterwiese, leider ausser Betrieb und nicht mal aufgebügelt. Schade dass es mit der EUB auf den Kleingitsch und den geplanten neuen Pisten nicht geklappt hat (BTW., ist das Projekt nun komplett begraben oder wird es, ewtl. ein wenig abgespeckt, wieder duch die Hintertür eingereicht :mrgreen: )?
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Noch jeweils ein nostalgischer (und leerer) SL; Brunner in Meransen:
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... mit einer bescheidenen Unterkunft :P direkt neben der Piste:
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Tasa in Vals, Retro - Feeling und perfekter Firn:
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PB von Mühlbach nach Meransen, m. W. auch bereits auf der 'Abschussliste':
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Eindruck: sehr gut, Meransen sogar perfekt. In Vals war mir der Schnee tlw. etwas zu hart, was bestimmt auch am starken Wind lag der alles weiche verblasen hat. Lange Betriebszeiten (8:30 - 16:30), Pisten ganztags in der Sonne, so gut wie keine Wartezeiten, halbwegs günstige Preise = viel Skifahren für relativ wenig Geld. Auch ziemlich relaxte Stimmung und eines der seltenen Skigebeite in den Dolomiten wo man mehr Einheimische als Touristen (die meisten Italiener, Deutsche und Niederländer) auf der Piste sieht bzw. hört.
Zuletzt geändert von Miki am 20.10.2024, 20:25, insgesamt 1-mal geändert.
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Miki
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Re: Dolomiti Superski Januar 2024: die 'Kleinen'

Beitrag von Miki »

28. 1. 2024

Am zweiten Tag meines Dolomiten - Kurzurlaubes habe ich die Plose oberhalb von Brixen besucht, auch hier war es für mich das erste Mal.

Pistenplan: https://www.bergfex.si/plose-brixen/panorama/

Nach einer etwa halbstündigen Anfahrt stand ich bereits ein paar Minuten vor halb neun vor dem Eingang zur neuen 10EUB, die zu diesem Zeitpunkt bereits in Betrieb war und Bedienstete / Skiclubs / Skilehrer etc. nach oben beförderte, genau um 8:30 wurde dann die Schanke auch für Normalos geöffnet. Die anschliessende 4KSB Schönboden war bereits vor 9 Uhr sonnig 8-) :
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Es folgen perfekte 1300 HM zurück ins Tal:
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Dass die schwarze westseitige Piste so früh am Morgen im Schatten liegt, war mit bewusst. Trotzdem wollte ich sie fahren, solange sie noch frich war, und es war 'Liebe auf den ersten Schwung': breit, steil, mit perfektem Schnee und vorbildlicher Präparation. Um eine Klasse besser als am Tag zuvor in Vals. Die Sicht war hier im Wald trotz Schatten in Ordung, ausserdem - wer braucht schon Sicht, eine solche Piste könnte man ja auch blind fahren:
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Und weil es so gut geht, wird die Runde (Schönboden Gipflel - Tal) noch einmal wiederholt:
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Jetzt aber wieder in die Sonne, zur 3SB Rifugio CAI ... :
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... und 6KSB Rossalm:
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Für die Pisten entlang der beiden vorher genannten Bahnen gilt: perfekt, nett trassiert, nicht zu steil, sonnig, mit perfektem griffigen Schnee:
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Am östlichen Ende des Skibiets folgt dann noch die 10EUB Pfannspitz mit drei extrem breiten sonnigen Pisten, die sich ganz unten vereinen. In diesem kurzen gemeinsamen Abschnitt war es zuerst gut, am späteren Vormittag ziemlich hart - abgefahren, am frühen Nachmittag dann leicht firnig un wieder sehr gut zu fahren:
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Dieses Foto habe ich für einen Kollegen aus dem slow. Forum mit dem Nick lenko gemacht ;) :
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Nostalgische DSB Palmschloss (BJ. 1973 !) mit ebenfalls nostalgischer, schmaler und kurviger (aber perfekt beschneiter und gewalzen) Piste:
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Nettes Erlebnis an der genannten DSB: ein bereits grauhaariger Skilehrer ist mit einer Gruppe von 6 oder 7 Kinder im Vorschulalter unten angekommen. Wie kommen denn die hoch? Nun, er und der Liftwart haben die Erwachsenen (oder wenigstens solchen in Teenagerjahren) gebeten, oder eher angewiesen, dass jeder ein Kind im Sessel mitnehmen soll. Überraschenderweise haben es alle auch getan, keiner hat genörgelt dass es unbedingt meit seiner besseren / schlechteren Hälfte bergauffahren muss. Der Skilehrer hat dann die Skier abgeschnallt und zusammen mit dem Liftwart den Kindern beim Einsteigen geholfen, vorbildhaft. Auch ich bekam eine vierjährige, sehr gesprächige Mitfahrerin, natürlich Einheimische aus Brixen, die offensichtlich viel Spass bei der Liftfahrt hatte. Ja, diese Kinder werden einmal richtig skifahren können, und Hut ab für den Skilehrer der den Mut hatte, mit so kleinen Kids eine DSB zu benutzen. Anderswo brauchen sie ja unbedingt 10EUBs auf der Übungswiese ... :
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Generell war das Skigebiet an jenem Sonntag fest in der Hand der Einheimischen, und das bedeutet: gute bis sehr gute Skifahrer, hohe Durschschnitssgeschwindigkeit, gute Befüllung von Sesseln und Kabinen. Nur so viel sei verraten: die Seiseralm am folgenden Tag war diesbezüglich das totale Gegenteil :evil: . Auffallend freundliche Leute, in der Kabine kommt man schnell ins Gespräch und als ich bei der Einkehr auf der Terasse keinen freien Tisch mehr finden konnte, hat mit ein Paar aus Brixen angeboten, mich hinzuzusetzten, das passiert auch sehr selten. Detail am Rand: während der Pause ist mit aufgefallen, dass viele der Gäste auf ihre Handys schauen und irgendein Tennismatch verfolgen. Ich muss zugeben dass ich diesen Sport in den letzten 20 Jahren kaum noch verfolge: das letzte Mal dass ich mir ein ganzes Match im Fernsehen angeschaut habe, standen noch Steffi Graf, Monika Seleš, Boris Becker und Andre Agassi auf dem Court :oops: . Dass es später einen Nadal und Federer gab, und heutzutage ein gewisser Djoković und Medvedev exixstieren, habe ich ganz am Rande mitgektiegt. Nun, mein Tischnachbar - der das Spiel abwechselnd auf deutsch mit dem Nachbar am linken und auf italienisch mit dem Nachbar am rechten Tisch kommentierte (bester Beweis dass Sport Leute vereinigt) - hat meine Wissenslücke beseitigt und mir beigebracht, dass an jenem Tag ganz Südtirol mit einem gewissen Jannik Sinner mitfiebert, der gerade zu diesem Zeitpunkt sein erstes Finale in Australien gespielt (und gewonnen) hat. Wieder was dazugelernt ;) .

B2T: noch ein paar nicht eingeordnete Eindrücke von der oberen Etage ... :
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... sowie von der Talabfahrten am Nachmittag, da war die Piste wenigstens tlw. sonnig und immer noch in sehr ordentlichem Zustand:
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Fazit: war es am Votrag in Meransen ein sehr guter Tag mit ein paar Abzügen, war es auf der Plose einfach perfekt :beer: !
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Re: Dolomiti Superski, Januar 2024: die 'Kleinen'

Beitrag von Miki »

29. 1. 2024

Am dritten der 4 Urlaubstage bin ich auf die Seiser Alm gefahren, von meinem Hotel waren es (ohne Autobahnbenutzung, die lohnt auf dieser Strecke m. M. n. nicht) knapp 50 min bis zum Grossparkplatz an der Talstation der ZUB in Seis. Die Überschrift 'die Kleinen' in meinem Breicht trifft auf die Seiser Alm zwar nicht ganz zu, mit ± 20 Liften ist es eher ein mittelgrosses Skigebiet, aber wegen der kurzen Lifte und kleinen HU der meisten Abfahrten lasse ich es doch so stehen. Auch hier war es für mich das erste Mal. Dabei haben wir einmal in den 90ern sogar eine Woche Urlaub in St. Ulrich gemacht, undere FeWo lag nahe an der Talstation der (damaligen) PB auf die Seiser Alm, aber wir sind lieber jeden Tag mit dem Skibus ins Hauptskigebiet nach St. Christina gefahren btw. einmal auf die Seceda. Beim Blick auf die Karte bzw. den Pistenplan der Seiser Alm mit vielen kurzen Liften, verbunden durch ziehwegartige Skiwege, war die Alm selbst für micht nicht attraktiv genug und für meine Maus das reinste Horrorszenario ;) . Bei den späteren Dolomitenurlauben mit Ausgangspunkt in Val di Fassa haben wir natürlich immer nur die Ecke Grödens mitgenommen, die zur Ronda gehört.

Nun, fast 30 Jahre später beginnt sich mein Geschmack langsam zu ändern, es müssen nicht jeden Tag > 10000 HM gefahren werden. Und inzwischen gibt es auch auf der Seiser Alm eine attraktive lange Talabfahrt, die Pilat nach St. Ulrich, die war für mich der entscheindende Punkt für den Besuch - nur mit den kurzen Pisten oben wäre die Seiser Alm immer noch ein weisser Fleck auf Mikis Skigebietskarte :idea: . Pistenplan:
https://www.bergfex.si/groeden-seiser-alm/

An jenem Tag war ich durch die längere Abfahrt zwar nicht bereits vor Betriebsbeginn in der Talstation, aber um 9. war ich trotzdem am Berg:
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Ich bitte um Verständnis dass ich nicht jeden einzelnen kurzen Lift und jede Piste mit 100 m HU abgelichtet habe, sondern nur jene die mir auf die eine oder andere Art im Gedächtnis geblieben sind. Diese ist schon eine davon, Kombibahn Puflatsch wo ich mit ein paar Wiederholungsabfahrten den Tag begonnen habe:
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Die relativ kurze Kombibahn erschliesst 3 - 4 nette, und mit 300 HM nach den Masstäben der Seiser Alm recht steile Pisten. Die Pistenfarben muss man auf der Alm mit Reserve nehmen: die 'schwarzen' wären vielerorts rot und die 'roten' anderswo blau, wenn nicht in F sogar grün :twisted: . Aber egal: perfekt gewalzt, guter Schnee und herrliches Panorama:
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4KSB Monte Piz mit westseitiger Piste und gewohnter Dolomiten - Präparation:
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6KSB Bamby (mit Bubble und sogar Sitzheizung) in ihrer vollen stolzen Länge:
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Der zweite Skigebietsteil, wo ich gerne ein paar Wiederholungsfahrten eingelegt habe, waren die ebenfalls südseitigen Pisten an der 6KSB Mezdi, mit etwa 250 HM ebenfalls ein eher kurzer Spass:
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Bei diesem Foto (vergleicht es auch mit dem vorherigen) fällt es auf: kaum einer fährt den direkten Hang - offiziell schwarz, IMO eher (dunkel)rot, allen nehmen die blauen Umfahrungen. Und bei dieser Gelegenheit muss ich es loswerden: im Vergleich zur Plose am Vortag war das Niveau der Wintersportler auf der Seiser Alm unterirdisch schlecht. Eine Zeit lang macht es ja noch Spass Leuten zuzuschauen, die kreuz und quer über die Alm laufen und ihre Skier aus mir unbekannter Ursache mit beiden Armen vor dem Körper tragen (siehe auch 'The Offering' in diesem Beitrag, nur dass die Skier dabei noch in der Form eines flachen 'X' kreuzförmig getragen werden). Skifahrer die am Anfang einer blauen 'Abfahrt' mit 5% Gefälle losfahren und dabei bereits nach 10 m eine so groteske Körperhaltung einnehmen dass es selbst für einen Odermatt schwierig wäre, sich aus dieser Position zu retten, und nach weiten 20 m hinfallen ... oder eher zusammensacken. Boarder die gelangweilt die Boards bergauf - und bergab hinter sich ziehen. Usw. Es is mir schon klar dass nicht jeder für den Wintersport begabt ist (ich schaue z. B. auf einem SUP auch unglaublich lächerlich aus), aber bei einigen habe ich mich manchmal schon gefragt, ob sie an schwerer Gleichgewichtsstörung leiden bzw. ob sie überhaupt im Stande sind aufrecht zu gehen :shock: . Wenn aber Sesselbahnen (auch kuppelbare!) immer wieder angehalten werden mssen, weil wieder einmal jemand nicht im Stande war den Sessel mit dem A*sch zu treffen, und dann im Schnee liegend wartet, bis ihm der Liftler zu Hilfe kommt um ihm beim Aufstehen zu helfen, dann ist Schluss mit lustig. Kurz gefasst: am Sonntag habe ich mich zwischen den Einheimischen auf der Plose eher als 'untere Mittelklasse' gefühlt, am Tag danach auf der Seiser Am als 'Top 5%' :lol: :
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Und nun in eine ganz andere Dimension, zur Talabfahrt Pilat. Angeblich gab es hier in den Geburtsjahren des Skitourismus bereits eine urige und nicht ungefährliche Talabfahrt, welche aber bereits bei unserem Besuch in den 90ern geschlossen war. Vor wenigen Jahren waren aber TNT und Caterpillar zwei Bausaisonen fleissig am Werk, und dabei ist eine nette rote serpentinenartige Piste entstanden:
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... und im Mittelteil die 'Diretissima' (ofizielle Angabe: 60% Gefälle), die man natürlich auch auf der roten Piste umfahren kann. Was ich aber nicht gemacht habe, zu attraktiv war der Steilhang, vor allem dank dem perfektem griffigen Schnee. Bei eisigen Verhältnissen würde ich nicht gerne hier fahren, so habe ich sie aber gleich dreimal wiederholt. Schon eine coole Abfahrt:
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Die meisten nordseitigen Pisten auf der Seiser Alm waren mir hingegen viel zu betonartig hart. Wobei es, wenn man sich das folgende Bild anschaut, auf den ersten Blick gar nicht danach aussieht: es waren keine klassischen glänzenden Eisplatten, sondern 'nur' schöne weisse Schneeunterlage und sogar etwas Puderzucker obendrauf der sich unten den Skiern staubt. Aber dieser Zucker war extrem schlecht mit dem darunterliegendem Beton verbunden um hat den Kanten kaum Halt geboten. Besonders auffallend war die kontraintuitive Tatsache, dass der Schnee auf Nordhängen auf der Alm wesentlich betonartiger war als auf der Talabfahrt nach St. Ulrich oder auf den südseitigen Pisten. Man würde es ja andersrum meinen: die südlichen Pisten firnten nachmittags auf und froren in der Nacht, also sollte man eigentlich hier den härteren Schnee erwarten. Aber wider Erwarten war gerade dort (auch am Morgen) der bessere Schnee, zwar hart und etwas grobkörnig, aber nirgens betonartig oder gar eisig. Selbst nach 50 Jahren auf Ski, nach vielen, vielen gefahrenen HM mit grossem Anteil an Maschinenschnee, ist man immer wieder aufs neue überrascht ... :
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Ein paar Einrücke von da und dort: alte Graffer DSB Steger Dellai:
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4KSB Florian mit recht sympatischen Pisten, die fast 400 m HU erreichen, und im Vergleich zu anderen nordseitigen Pisten etwas weniger betonartigem Schnee:
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Geschwindigkeitsmesstrecke am Goldknopf; bei dem Betonschnee am Nachmittag war es wirklich noch am besten, geradeaus zu fahren ... :
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Park am Laurin:
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Die Pisten an der schönen neuen 6KSB Spitzbühl habe ich zu spät erreicht, als bereits Schatten auf die Piste fiel:
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Den Tag habe ich dort beendet, wo in ihn begonnen habe: am Puflatsch waren die Pisten bereits etwas mitgenommen, die flachen Abfahrten am alten SL Hexe etwas oberhalb waren hingegen noch um halb fünf perfekt zu fahren und dazu noch bis Betriebsschluss (um 17:00 im Januar !) sonnig. Die langen Betriebszeiten (btw., die 2S nach Seis, die man ja mangels Talabfahrt dringend braucht um zm Auto zu kommen, fährt sogar bis 18:00) und die herrliche Umgebung machen vieles wieder wett. Die Seiser Alm mag wirklich nicht das beste Skigebiet der Alpen sein, dafür aber eines der schönsten:
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Re: Dolomiti Superski, Januar 2024: die 'Kleinen'

Beitrag von Miki »

30. 1. 2024

Am letzten Urlaubstag wollte in ein Skigebiet aufsuchen, welches von meinem Hotel wenigstens ein kleines Stück in Richtung nach Hause liegt, dito kamen nur der Kronplatz oder die 3 Zinnen in Frage. Anders als die 3 Skigebiete in den vergangenen 3 Tagen, die für mich alle Neuland waren, habe ich beide bereits mehrmals besucht, den Kronplatz wesentlich öfters als die 3 Zinnen. Ich bin früh genug vom Hotel losgefahren dass ich um 8:45 den Parkplatz in Vierschach erreicht habe, schnell den Skipass gekauft und los gehts. Bereits beim Blick auf den Parkpatz, und auch später in denn Kabinen / Sesseln habe ich schnell gemerkt, dass das Publikum hier wesentlich internationaler ist als in den drei Skigebeiten der Vortage: waren es in den ersten beiden Skigebiete in erster Linie Einheimische, und auf der Seiser Alm deutsche und italienische Touristen, waren die 3 Zinnen vor allem in der ersten Stunde ausgesprochen mittel/osteuropäisch: CZ, SK, PL, SLO, CRO. In der ersten Stunde habe ich gefühlt nur slawische Sprachen in den Kabinen gehört, und noch ein wenig Deutsch und sogar Englisch; irgendwann nach 10. Uhr kamen gemütlich auch Italiener auf die Pisten :D .

Pistenplan:
https://www.bergfex.si/drei-zinnen-dolomiten/panorama/

Erste Abfahrt des Tages auf der rot/schwarzen 11/11a nach Sexten:
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Pefekter Schnee und schöne Umgebung:
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Dank Inversion liefen ganz unten ein paar Schneekanonen, sonst habe ich aber in den 4 Urlaubstagen keine Kanonen 'in Action' gesehen - am ersten Tag war es wohl zu windig, danach in der Höhe zu mild:
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Auf den Berg gehts mit der schönen neuen 10EUB, die war für mich neu - das letzte Mal stand hier noch die PB. Zwar ohne Aussenköcher, aber doch relativ bequem mit Schlitzen im Boden für 12 (!) Paar Ski und sehr viel Platz in der Kabine, dass von den abgestellten Skiern keinem das Schmelzwasser auf die Hose tröpfelt:
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Die breite Piste unter der 8KSB Hasenköpfl liegt am Morgen noch tlw. im Schatten ... :
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Dafür aber ganztags Sonne und wenig los am SL Hahnspiel, da muss man ein Paar Wiederholungsfahrten einlegen:
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Perfekte schwarze Piste am Stiergarten, die liegt 'entgegen dem Strom' der Masse, die am Vormittag vom Helm zur Rotwand (und evtl. noch weiter zum Kreuzberg) fährt, deshalb ist sie vormittags herrlich leer, eine solche Gelegenheit darf man nicht ungenutzt lassen ;) :
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Die erste Piste des Tages, die ich nur als 'gut' und nicht als 'perfekt' beurteile: rote 41 zur EUB Drei Zinnen. Ziemlich hart und abgefahren, evtl. war es um 11. Uhr auch der schlechteste Zeitpunkt - die Rillen waren bereits abgefahren, aufgefirnt hat es trotz Südlage noch nicht:
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Blaue 3 nach Bad Moos:
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Sympatische Ecke am kurzen, aber steilen SL Rotwandwiese. Trotz Nordlage mittags sonnig und noch um 12. Uhr frische Rillen:
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Der längere der beiden SL in diesem Skigebitsteil, genannt Porzen - inzwischen bekanntlich durch eine 6KSB ersetzt. Lift und Piste leider im Schatten und kalt. Einmal war genug, ich brauche Sonne. Im März ist es hier wahrscheinlich wunderschön:
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Bereits vom ersten Besuch hatte ich die beiden schwarzen Pisten Holzriese 1 und 2 (im Plan 3a und 3b) in bester Erinnerung, und auch diesmal haben sie mich nicht enttäuscht: steil und bester griffiger Schnee':
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Unter der 8EUB Signaue, hinten die baugleiche EUB Drei Zinnen:
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Rote 41 zum zweiten, um 13. Uhr leicht frühlingshafter Schnee und für meinen Geschmack besser als zwei Stunden zuvor:
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Für die Rückkehr zum Helm muss man jetzt - anders als in den ersten Jahren nach dem Bau der Skischaukel - nicht mehr zwingend mit der unteren Sektion der EUB Stiergarten 'über den Graben' fahren, man kann alternativ die blaue 41c nehmen ... :
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Zum Sl Bruger mit schöner firniger und kaum befahrener Piste ... :
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Selbes Modell wie der SL der 2023 am Kope gebaut wurde:
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Zur Abwechslung :P mal was süsses :
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Nach der Pause fahre ich noch die beiden Talabfahrten nach Vierschach und vor allem das Labyrinth der Pisten unter der 8KSB:
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6KSB, 4SB, 6EUB, 8KSB. Nicht schlecht, und die 6EUB ist ja bekanntlich bereits auf der Abschussliste:
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Ganz kleiner Abzug: die Betriebszeiten sind eine Spur kürzer als anderswo in den Dolomiten, die Lifte schliessen um 16:15 (schlechter Einfluss vom naheliegenden Österreich? :twisted: ), aber ich hatte trotzdem genug:
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Fazit: was die Schneequalität, Präparation und Gesamteindruck betrifft, teilen sich die 3 Zinnen Platz 1 mit der Plose. Mit dem Untersched dass die Plose eher den Charakter eines regionalen Skiberges für Locals hat, die 3 Zinnen gehen eher in Richtung internationale Skidestination (für das Wort Grosskigebeit sind die mir noch zu klein). Wenn ich schon unbedingt was zu beanspruchen habe, stehen mir in den 3 Zinnen ein paar EUBs zu viel und ein paar Sesselbahnen zu wenig, obwohl ab heuer mit dem Ersatz der Porze das Verhältniss KSB : EUB wieder etwas besser wird.

Noch zwei Schneekanonenbilder: TA Special edition in goldener Farbe 8) :
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Und etwas überraschend noch ein Oldtimer, sowas würde ich eher auf einem Salzstiegl oder in Heiligenblut erwarten als in den Dolmiten. Der Schneequalität war es aber offensichtlch nicht abträglich :D :
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Re: Dolomiti Superski, Januar 2024: die 'Kleinen'

Beitrag von ski-chrigel »

Vielen Dank für die spannenden Berichte aus vier mir bestens bekannten Gebieten. Lässt die Vorfreude auf meinen nächsten Dolomitenbesuch grad wieder steigern. Sehr oft nickte ich dabei. Plose und Drei Zinnen gefallen mir auch supergut. Die Talabfahrten in Vals scheinen es Dir nicht ganz so angetan zu haben, wie mir. Dafür kann ich der Seiser Alm kaum was abgewinnen.
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