Und der nächste Dominostein fällt auf Ausweichroute Nr. 2:
In Leithen bei Seefeld soll "endlich" die Ortsumfahrung realisiert werden, wird jetzt versprochen
https://www.tt.com/go/30874932
Am Ende des Artikels zeigt sich LH Mattle "enttäuscht" ausgerechnet von der grünen Verkehrsministerin Gewessler, dass der Fernpass-Bahntunnel nicht im Zielnetz 2040 enthalten ist. Dass das (dank der Politik seiner Partei) einfach nur unrealistisch ist, sollte er selbst wissen, und mitbeschlossen hat er diese Entscheidung (lt. Fritz Gurgiser in den Kommentaren) auch.
Man merkt, dass in Innbruck heuer drei Wahlen zu schlagen sind.
Grundsätzlich weiß ich auch nicht was ich von dem ganzen Vorschlag halten soll. Eigentlich ist das erklärte Ziel ja die Reduktion von Verkehrsbelastung und Stau, aber halt auch die Verbesserung der Anbindung für das Außerfern. Also die Straße verbessern?
Der Scheiteltunnel ist ja schon lange in Diskussion, macht die Strecke natürlich ein bisschen schneller und angenehmer. Das macht die Strecke als Ganzes aber eher mehr als weniger belastet, verschärft das Stauproblem eher noch und entlastet auch keine Ortschaft direkt vom Lärm.
Jetzt kommt die Maut dazu, die dem wieder entgegenwirken soll, also die Strecke künstlich unattraktiv macht. Leider nimmt sie dem Tunnel fast den ganzen Zeitvorteil, den man an der Zahlstelle oder sogar im Stau davor verbringen darf. Also in Summe ist dann der Tunnel nur eine extrem teure Mautstelle...
Beim Lermooser Tunnel ist die 2. Röhre wohl wirklich nötig, wenn man ihn nicht lange für eine Sanierung sperren oder noch länger halbseitig sperren will. Aber wieso wird so etwas nicht aus dem Landesbudget gezahlt, wie beim ursprünglichen Neubau des Tunnels auch? Der Tunnel selbst wird dann ja nicht bemautet. Aber so kann man eben eine "Verbesserung" argumentieren um die Maut zu rechtfertigen. Außer für die Verkehrssicherheit verbessert sich aber nichts, denn nach dem Tunnel wird es ja wieder einspurig. Entweder gibt es dann im Endzustand nur eine Spur pro Röhre, oder wir haben den nächsten Blockabfertigungs-Hotspot, um Stau vor dem Tunnelende zu vermeiden.
Jetzt will man also die Maut und muss schon wieder an einem Haufen Folgeproblemen rumdoktorn: Maut-Ausweichverkehr und finanzielle Belastung für die eigene Bevölkerung. Dafür gibts dann einerseits noch mehr Maut (Hahntennjoch) und Streckenausbau (Leithen-wie war das mit dem indizierten Verkehr?) und andererseits Gutscheine, Ausländermaut reloaded quasi. Aber wirklich nur für Außerferner und sie waren auch schlau genug, nicht so deutsch zu sein, es als Problem anzusehen, dass jemand der zwei Autos hat (is ja schon ein hartes Schicksal wenn man zwei Autos hat) dann nicht die Maut auf den Cent abgegolten bekommt. Imster, Landecker, Innsbrucker etc müssen aber genauso die Maut zahlen wie die Deutschen! Fast schon mutig von der ÖVP.
Ja, die Deutschen sind natürlich die Leidtragenden. Für die 160 km Füssen-Sterzing (oder genau gleich Flensburg-Calabria) muss der gemeine Urlauber sich dann mit 4 komplett getrennten Mautsystemen rumschlagen, davon 3 in Tirol. Erst Fernpass, dann A12 Vignette, A13 Sondermaut und Italien Streckenmaut. Das dürfte aber aus Tiroler Sicht das kleinste Problem in dieser schwer lösbaren Gleichung sein. Dass man alle 4 einzeln umfahren kann (z.B. über das Innsbrucker Stadtgebiet) dann schon eher. Und natürlich sind die Deutschen auch in Garmisch die Leidtragenden, wo die wichtigste Mautumfahrung quer durch führt.
"Zum Glück" war auch in Garmisch die ÖVP-Schwesterpartei nicht untätig und baut viele Tunnel. Wanktunnel in Planung, Kramertunnel und Auerbergtunnel im Bau und Tunnel Oberau im Mai 2022 eröffnet. Nur 7 Tage danach sah man dann 5 km südlich des brandneuen Tunnels, was denn in Bayern nicht so wichtige Verkehrsinfrastruktur ist und ein Doppelstockzug kippte aus dem Gleis - 5 Menschen starben. Seitdem folgten immer wieder Sperrungen auf allen Werdenfels-Bahnstrecken und der Außerfernbahn über viele Monate - am schlimmsten auf der Strecke Garmisch-Mittenwald. Die soll morgen am 1. Februar tatsächlich endlich wieder aufgehen, nachdem sie jetzt seit dem Unglück entspannte 20 Monate fast durchgehend gesperrt war.
Auf die Bahn konnte man die Außerferner also in letzter Zeit wirklich nicht verweisen, um nach Innsbruck zu kommen, und das liegt eben leider maßgeblich auch an Deutschland. Ein Trauerspiel auch am Brenner-Nordzulauf, und die Verbindung München - Innsbruck gibt es auch nur alle zwei Stunden. So bringt man die Touristen auch nicht von der Straße.
Ein anderes Projekt, von dem man aktuell kaum was hört, ist der Tschirganttunnel. Das wäre tatsächlich eine ordentliche Zeitersparnis und Entlastung für die Dörfer, v.a. Obsteig und Tarrenz. Aber das wäre dann ein Neubau einer Fernstraße, was mit der Alpenkonvention in Konflikt kommen könnte, die das für den alpenquerenden Verkehr zum Glück verbietet. Der Super-Gau wäre, wenn durch die EU die LKW-Sperre gekippt wird. Und auch sonst macht der Tunnel die Strecke wieder so viel attraktiver, dass es an anderen Stellen nur noch mehr hakt. Das gilt auch für die FPÖ-favorisierte Großtunnellösung, hört sich wohl verführerisch an, aber diese "Großlösung" ist eben auch nicht zu Ende gedacht. Und eine durchgehende Autobahn will hoffentlich keiner? "One more lane" immer wieder löst keine Verkehrsprobleme, sogar auf amerikanischen Highways mit unzählbaren Spuren gibt es immernoch Stau.
Und jetzt? Es ist schwierig. Verkehrsbremsende Maßnahmen sind sinnvoll aber machen andere Probleme, Ausbau ist kontraproduktiv, Bahnausbau wäre gut, man kann aber froh sein wenn die bestehende Bahn erhalten wird. Das alles unter einen Hut zu bringen in der komplizierten Lage an der deutschen Grenze wird noch lange ein politischer Spießrutenlauf bleiben.