Doganaccia | Zwischen Birkenwäldern und Meerblick
Verfasst: 13.04.2026, 14:59
Dezember 2024
Es gibt diese Orte im Apennin, die man nicht zufällig mitnimmt. Man fährt nicht einfach vorbei, man plant sie ein. Nicht weil sie gross wären oder besonders bekannt, sondern weil irgendwo ein Detail lockt, das man sehen will. In diesem Fall war es dieser eine Punkt ganz oben. Ein Skilift, der auf eine offene Fläche führt, darüber nichts mehr als Himmel und irgendwo am Horizont das Meer.
Der Weg dorthin beginnt in Cutigliano. Ein Ort, der ganz überschaubar wirkt, mit einer Pendelbahn, die sich über drei Kilometer den Hang hinaufzieht. 45 Personen pro Kabine, technisch durchaus eindrücklich, im Betrieb dann aber eher mühsam. Die Bahn fährt, wenn sie fährt. Wer auf Nummer sicher gehen will, spart sich das Warten und fährt gleich selbst hoch. Parkplätze gibt es unten ohnehin kaum, oben dafür umso mehr. In Doganaccia angekommen steht man auf einer grossen Fläche, ein paar Häuser, viel Ruhe und ein Skigebiet, das auf den ersten Blick fast zu schlicht wirkt.
Das Skigebiet selbst besteht aus dem fixen Dreiersessellift Campo Scuola und dem etwas längeren Tellerlift Faggio di Maria. Die unteren Pisten verlaufen sanft durch herrlich geneigte Birkenwälder, während im hinteren Bereich rote und schwarze Abfahrten locken. Besonders reizvoll ist der oberste Abschnitt des Skilifts, der oberhalb der Baumgrenze auf einer offenen Fläche endet. Irgendwo dort oben soll er sein, dieser Blick über die Apenninen bis hin zum Mittelmeer. Sollte...
Genau deswegen war man hier, eigentlich. Die Ernüchterung folgte prompt. Die Bergfahrt endet bereits auf halber Strecke, Ausstiegspflicht. Weiter gehe es heute nicht, hiess es. Auf Nachfrage wurde erklärt, der obere Abschnitt sei noch nicht bereit. Die Trasse war feinsäuberlich präpariert. Beim nächsten Nachhaken kam eine neue Begründung mit Schneemangel. Man staunt. Die Region tief verschneit wie selten, bestes Wetter, perfekte Bedingungen, aber oben angeblich zu wenig Schnee. Auch die Direktabfahrten weiter oben wirkten durchaus passabel, auch wenn sie sichtbar noch nicht fertig präpariert waren. Die lange blaue Ziehwegabfahrt von ganz oben wäre sicher machbar gewesen, blieb von unten jedoch verborgen.
Da man nun schon mal da war, das Wetter mitspielte und die Enttäuschung nicht in Frust kippen sollte, reifte der Entschluss, bei der letzten Fahrt wie gewünscht in der Mittelstation auszusteigen, die Ski zu schultern und zu Fuss aufzusteigen. Entlang der linken Piste ging es hinauf Richtung Bergstation. Was sich hinter der grossen Kuppe ergab, dort wo die Trasse des Tellerlifts nicht mehr einsehbar ist, fügte der Aktion schliesslich noch ein kleines, stilles Erfolgserlebnis hinzu, eines von jener Sorte, über die man vor Ort nur kurz schmunzelt und die später lieber zwischen den Zeilen stehen bleibt. Oben angekommen dann die Belohnung und dieses Gefühl, dass es sich gelohnt hat. Die totale Ruhe, nur zwei Spaziergänger mit Hund, keinerlei andere Skifahrer. Dafür eine bereits tief stehende Sonne über dem Meer, wie man es kaum beschreiben kann. Die blaue Piste Panoramica zeigt zahlreiche Schuhabdrücke im Schnee und wäre an diesem Tag auch für Skifahrer problemlos fahrbar gewesen.
Man hätte dort oben noch Stunden verbringen und den Ausblick geniessen können. Skifahren mit Meerblick ist etwas, das die Alpen kaum bieten. Hier, mitten im Apennin, ist es plötzlich Realität. Die letzte Abfahrt des Tages wird damit zum Höhepunkt und zu den Fussabdrücken gesellen sich schliesslich doch noch wenige Skispuren in Richtung Tal. Wenn der Skilift bis ganz oben geöffnet ist, ist Doganaccia ein echtes Highlight der Region. Aber auch so hält man es hier gut ein paar Stunden aus. Die Pisten sind hervorragend präpariert, das Gelände abwechslungsreich und wenn am Horizont das Meer glitzert, bekommt dieser Ort eine Note, die man so schnell nicht vergisst.
Pistenplan Doganaccia
Wenn der Bericht gefällt würde ich mich über eine Danksagung oder einen Kommentar freuen!
Es gibt diese Orte im Apennin, die man nicht zufällig mitnimmt. Man fährt nicht einfach vorbei, man plant sie ein. Nicht weil sie gross wären oder besonders bekannt, sondern weil irgendwo ein Detail lockt, das man sehen will. In diesem Fall war es dieser eine Punkt ganz oben. Ein Skilift, der auf eine offene Fläche führt, darüber nichts mehr als Himmel und irgendwo am Horizont das Meer.
Der Weg dorthin beginnt in Cutigliano. Ein Ort, der ganz überschaubar wirkt, mit einer Pendelbahn, die sich über drei Kilometer den Hang hinaufzieht. 45 Personen pro Kabine, technisch durchaus eindrücklich, im Betrieb dann aber eher mühsam. Die Bahn fährt, wenn sie fährt. Wer auf Nummer sicher gehen will, spart sich das Warten und fährt gleich selbst hoch. Parkplätze gibt es unten ohnehin kaum, oben dafür umso mehr. In Doganaccia angekommen steht man auf einer grossen Fläche, ein paar Häuser, viel Ruhe und ein Skigebiet, das auf den ersten Blick fast zu schlicht wirkt.
Das Skigebiet selbst besteht aus dem fixen Dreiersessellift Campo Scuola und dem etwas längeren Tellerlift Faggio di Maria. Die unteren Pisten verlaufen sanft durch herrlich geneigte Birkenwälder, während im hinteren Bereich rote und schwarze Abfahrten locken. Besonders reizvoll ist der oberste Abschnitt des Skilifts, der oberhalb der Baumgrenze auf einer offenen Fläche endet. Irgendwo dort oben soll er sein, dieser Blick über die Apenninen bis hin zum Mittelmeer. Sollte...
Genau deswegen war man hier, eigentlich. Die Ernüchterung folgte prompt. Die Bergfahrt endet bereits auf halber Strecke, Ausstiegspflicht. Weiter gehe es heute nicht, hiess es. Auf Nachfrage wurde erklärt, der obere Abschnitt sei noch nicht bereit. Die Trasse war feinsäuberlich präpariert. Beim nächsten Nachhaken kam eine neue Begründung mit Schneemangel. Man staunt. Die Region tief verschneit wie selten, bestes Wetter, perfekte Bedingungen, aber oben angeblich zu wenig Schnee. Auch die Direktabfahrten weiter oben wirkten durchaus passabel, auch wenn sie sichtbar noch nicht fertig präpariert waren. Die lange blaue Ziehwegabfahrt von ganz oben wäre sicher machbar gewesen, blieb von unten jedoch verborgen.
Da man nun schon mal da war, das Wetter mitspielte und die Enttäuschung nicht in Frust kippen sollte, reifte der Entschluss, bei der letzten Fahrt wie gewünscht in der Mittelstation auszusteigen, die Ski zu schultern und zu Fuss aufzusteigen. Entlang der linken Piste ging es hinauf Richtung Bergstation. Was sich hinter der grossen Kuppe ergab, dort wo die Trasse des Tellerlifts nicht mehr einsehbar ist, fügte der Aktion schliesslich noch ein kleines, stilles Erfolgserlebnis hinzu, eines von jener Sorte, über die man vor Ort nur kurz schmunzelt und die später lieber zwischen den Zeilen stehen bleibt. Oben angekommen dann die Belohnung und dieses Gefühl, dass es sich gelohnt hat. Die totale Ruhe, nur zwei Spaziergänger mit Hund, keinerlei andere Skifahrer. Dafür eine bereits tief stehende Sonne über dem Meer, wie man es kaum beschreiben kann. Die blaue Piste Panoramica zeigt zahlreiche Schuhabdrücke im Schnee und wäre an diesem Tag auch für Skifahrer problemlos fahrbar gewesen.
Man hätte dort oben noch Stunden verbringen und den Ausblick geniessen können. Skifahren mit Meerblick ist etwas, das die Alpen kaum bieten. Hier, mitten im Apennin, ist es plötzlich Realität. Die letzte Abfahrt des Tages wird damit zum Höhepunkt und zu den Fussabdrücken gesellen sich schliesslich doch noch wenige Skispuren in Richtung Tal. Wenn der Skilift bis ganz oben geöffnet ist, ist Doganaccia ein echtes Highlight der Region. Aber auch so hält man es hier gut ein paar Stunden aus. Die Pisten sind hervorragend präpariert, das Gelände abwechslungsreich und wenn am Horizont das Meer glitzert, bekommt dieser Ort eine Note, die man so schnell nicht vergisst.
Pistenplan Doganaccia
Wenn der Bericht gefällt würde ich mich über eine Danksagung oder einen Kommentar freuen!