10.08.2025 - Mit dem Bike durch das Skigebiet von Laax
Verfasst: 15.08.2025, 22:54
Nach längerer Zeit habe ich es am Sonntag endlich wieder einmal aufs Bike geschafft. Als Ziel habe ich mir dabei den Vorab oberhalb von Laax gesetzt.
Der Vorab hat für mich eine ganz spezielle Bedeutung. Die Idee den Vorab mit dem Bike zu erklimmen ist bereits vor gut 10 Jahren entstanden. In meiner Kindheit und Jugend verbrachte ich mit meiner Familie Jahr für Jahr mindestens zwei Wochen Ferien in Flims (eine im Sommer und eine im Winter, teilweise auch mehr). Im Jahr 2015 (damals war ich 16) nahmen wir dann zum ersten Mal auch die Bikes mit, sodass ich mit meinem Vater einige Bike-Touren im Gebiet unternahm. Gewissermassen war das dann auch der Start meiner persönlichen Bike-Karriere. Einerseits haben wir ab da regelmässig im Sommer Bike-Ferien gemacht, andererseits war ich dadurch auch deutlich motovierter zumindest halbwegs regelmässig biken zu gehen.
Im besagen Sommer 2015 sind wir dann an einem Tag auch von Laax hoch zur Nagens gefahren. Es hätte mich schon da gereizt noch weiter bis hoch zum Vorab zu fahren, dafür waren aber sowohl ich als auch mein Vater damals einfach zu wenig trainiert. So sind wir dann von der Nagens via Grauberg wieder nach Flims zurückgekehrt. Der Traum den Vorab mit dem Bike zu erklimmen war damit aber entstanden, auch wenn, oder wahrscheinlich gerade weil mir das zu dieser Zeit noch als eine kaum zu meisternde Gewaltstour vorkam. In den kommenden Jahren sind wir dann nie mehr mit den Bikes nach Flims, sodass ich das Vorhaben vorerst vertagen musste. Auch sonst hat sich nie eine gute Gelegenheit dazu ergeben. Erst als ich letzten Sommer begonnen habe mit dem Bike Tagesausflüge in die Alpen zu machen, kam die Idee wieder auf. Am vergangenen Sonntag war es nun soweit. Im Gegensatz zu damals im Sommer 2015 ist meine Fitness heute bedeutend besser. Das gab mir die Möglichkeit die Tour gegenüber der Ursprungsidee noch etwas auszudehnen. Da ich wenig Lust hatte, das Bike auf das Postauto zu verladen, habe ich mir einen mit der RhB erreichbaren Startpunkt gesucht. Am besten eignet sich dazu der Bahnhof Valendas-Sagogn in der Rheinschlucht.
Los geht es wie üblich bei solchen grossen Vorhaben früh am Morgen mit dem Zug um 6:21 ab Thalwil. Der Passagier-Mix im Zug ist dabei doch ziemlich interessant. Etwa die Hälfte des Zuges besteht aus Ausflüglern, welche zum Wandern oder Biken in die Berge wollen. Die andere Hälfte besteht aus Party-Gängern, welche von der Street-Parade in Zürich zurückkehren. Darunter gibt es auch ein paar sehr spezielle Kandidaten, welche mindestens sehr gut alkoholisiert sind, wenn da nicht noch andere Substanzen im Spiel sind. Entsprechend ist dann das Verhalten auch nicht sehr rücksichtsvoll (lautes Hören von Musik via Handy-Lautsprecher, Platzieren der Schuhe auf den Sitzpostern). Besonders überrascht bin ich dann, als die Person im Abteil gegenüber auf die Idee kommt mitten im Zug zu vapen.
Es gibt sicherlich angenehmere Zugfahren, allzu sehr stört mich das am Ende aber auch wieder nicht. So erreiche ich dennoch mehr oder weniger entspannt um 8:22 den Bahnhof Valendas-Sagogn.
Vom Bahnhof fahre ich hoch ins Dorf Sagogn und dann weiter via Laax nach Falera. Die Steigungen sind grösstenteils angenehm zu fahren, sodass ich mit frischen Beinen gut vorankomme. Nach gut 50 Minuten erreiche ich so bereits das Dorf von Falera.
In Falera angekommen, nehme ich den Aufstieg zum Crap Sogn Gion in Angriff. Die ersten Höhenmeter komme ich gut voran. Dann beginnt sich aber langsam die Hitze bemerkbar zu machen. Obwohl es erst kurz vor 10 ist und ich bald auf 1500 m bin, ist es ausgesprochen warm. Der Aufstieg von Falera in Richtung Curnius ist halt auch ein absoluter Sonnenhang, sodass die Sonne ordentlich herunterbrennt. Zudem ist es heute weitgehend windstill. Die Steigung auf diesem Strässchen ausserdem extrem ungleichmässig und ändert sich gefühlt alle paar Meter, sodass man kaum in einen gescheiten Rhythmus kommt. Bis kurz unterhalb vom Curnius komme ich dennoch relativ gut voran, dann bekunde ich aber mehr und mehr Mühe mit dem Aufstieg. Ich schleppe mich noch einige Höhenmeter im Wald hoch, bis ich dann beschliesse auf rund 1800 m eine Pause einzulegen, etwas zu essen und den Körper etwas runterkühlen zu lassen. Letzteres will jedoch nicht so richtig klappen. Da die einzige gescheite Sitzmöglichkeit an der prallen Sonne liegt, schwitze ich auch im Sitzen weiter
.
Die Pause nützt leider nur bedingt etwas. Die Strasse wird nach dem Pausenort schlagartig steiler, was natürlich auch nicht hilft. Die verbleibenden gut 400 Höhenmeter hoch zum Crap Sogn Gion geht es oft mit über 15%, teilweise auch mal mit über 20% hoch. Kombiniert mit der Sonne, die gnadenlos herunterbrennt, komme ich nur sehr schleppend voran.
Gegen 12 Uhr erreiche ich dann doch noch den Crap Sogn Gion. Im Sommer ist zumindest die unmittelbare Umgebung um die Station mit den zahlreichen Liften und Materialdepots des Snowparks aber keine Augenweide, das Panorama ist aber dennoch durchaus nett.
So fahre ich noch einige Meter weiter, bis ich dann etwas oberhalb des Crap Sogn Gions nochmals eine ausgedehnte Pause mache, in der Hoffnung danach wieder etwas mehr Energie zu haben.
Die Pause kostet zwar nochmals einiges an Zeit, zahlt sich aber schliesslich aus. Nach der Pause fühle ich mich tatsächlich deutlich fitter, und komme wieder deutlich besser voran in Richtung Crap Masegn.
Vom Crap Masegn folge ich dann der Mountainbike-Route, welche vorbei am eigentlichen Spitz des Crap Masegn zur Fuorcla da Sagogn führt. Auch letztere liegt deutlich unter der gleichnamigen Bergstation der von Lavadinas kommenden Sesselbahn. Der Trail ist durchaus spassig, einige Male zwingt mich die mangelnde Fahrtechnik bzw. meist wohl eher der mangelnde Mut zum absteigen.
Angekommen auf der Fuorcla da Sagogn geht es wieder leicht bergauf. Kurz nach der Fuorcla da Sagogn zweige ich vom ausgeschilderten Trail ab und nehme den Wanderweg in Richtung Vorab. Hier schiebe ich zuerst einige Meter das Bike den Berg hoch. Die Haarnadelkurven sind einfach zu eng, als dass ich sie bergauf gescheit fahren könnte. Danach geht es geht es mal bergauf mal bergab dem Hang entlang.
Kurz darauf treffe ich wieder auf eine von der Bergstation der Sesselbahn Lavadinas kommende Kiesstrasse. Auf dieser sind nun noch die fehlenden knapp 200 Höhenmeter zum Vorab zu überwinden, welche dann aber doch recht zügig geschafft sind.
Der Aufstieg hier hoch hat sich dann doch ziemlich in die Länge gezogen. Ab dem Bahnhof von Valendas-Sagogn sind es dann doch rund 2000 Höhenmeter hier hoch, welche (bis auf eine kurze Abfahrt zwischen Crap Masegn und Fuorcla da Sagogn) alle an einem Stück bewältigt werden müssen. Entsprechend viel Zeit hat mich der Aufstieg gekostet. Das habe ich doch etwas unterschätzt. Ich habe zwar schon diverse Runden in ähnlicher Grösse gemacht, jedoch nicht mit so vielen Höhenmetern an einem Stück. Zwei Aufstiege à 1000 Höhenmetern mit einer längeren Abfahrt dazwischen sind dann doch deutlich leichter zu fahren als die ganzen 2000 Höhemeter an einem Stück zu bewältigen.
Ich überlege mir noch kurz, ob ich noch weiter bis hoch zur Bergstation der La Siala Bahn fahren soll. Reizen würde es mich schon, zumal die Beine das auch noch schaffen sollten. Schliesslich entscheide ich mich aber dagegen. Es ist bereits kurz vor 15:00. Wenn ich noch zu einer halbwegs vernünftigen Zeit zu Hause sein will, sollte ich mich langsam an die Abfahrt machen. Ich möchte noch bis zum Bahnhof von Trin fahren, und bis dahin ist es dann doch noch ein gutes Stück. Auch wenn es bis nach La Siala nur noch rund 250 Höhenmeter sind, werden diese wohl aufgrund der doch langsam etwas müden Beine und aufgrund der dünnen Luft hier oben doch noch einiges an Zeit in Anspruch nehmen.
So mache ich mich an den Abstieg. Von Vorab könnte man über einen Trail runter zur Alp Sogn Martin fahren. Da ich jedoch für den Ausblick zu den Tschingelhörner via Grauberg nach Films abfahren möchte, entscheide ich mich insbesondere auch aufgrund der fortgeschrittenen Uhrzeit für die Strasse in Richtung Nagens. So bleibt mir einerseits der Aufstieg von Scansinas zur Nagens erspart, und andererseits komme ich auf der Strasse einfach deutlich schneller voran als auf den Trails. Unterhalb der Bergstation der Sesselbahn Mutta-Rodunda entdecke ich eine Strasse, welche grob entlang der Piste 23 zu eben dieser hoch führt: So entscheide ich mich spontan dort hoch zu fahren. Der Anstieg entpuppt sich dann aber doch als ziemlich mühsam. Teilweise liegen auf der Strasse grosse Mengen an losem Schotter, sodass sich in Kombination mit der Steilheit das Hinterrad immer wieder eingräbt. So bin ich mehrfach gezwungen abzusteigen und einige Meter zu schieben. Zum Glück ist es jedoch nicht allzu weit, sodass ich bald die Bergstation erreiche. Von der Bergstation Mutta Rodunda fahre ich entlang der Piste 12 nach Grauberg. Beim Grauberg angekommen lege ich einen kurzen Stopp ein und geniesse den fabehlaften Blick über den Segnesboden zu den Tschingelhörner. Auch wenn ich schon zig Male im Sommer in dieser Gegend unterwegs war, ist die Landschaft jedes Mal aufs neue beeindruckend. Durchaus nachvollziehbar, dass das zum Unesco Weltnaturerbe erklärt wurde. Danach fahre runter zur Segneshütte, wo momentan nach wie vor eine ziemlich grosse Baustelle ist: Von der Segneshütte geht es dann weiter zum Punt Desch. Das erste Stück nach der Segneshütte fahre ich auf der Strasse ab. Der Bike Trail erscheint mir an dieser Stelle für meinen Geschmack etwas steil zu sein. Weiter unten biege ich dann aber auf den Trail ein. Dieser ist zwar gut angelegt, die Kombination aus mangelnder Fahrpraxis auf solchen Trails, und andererseits langsam aufkommendem Zeitdruck mindern aber den Spass doch deutlich. So entscheide ich mich beim Punt Desch den Trail wieder zu verlassen und stattdessen auf der Strasse nach Foppa abzufahren, hauptsächlich um Zeit zu sparen. Auf der Foppa angekommen, fahre ich über die Strasse nach Flims ab. Dort lege ich beim Stenna einen kurzen Stopp ein, um die Wasservorräte wieder nachzufüllen. Nun muss ich mich aber doch etwas beeilen. Ich möchte eigentlich noch via Waldhaus, Caumasee und Conn zum Bahnhof Trin fahren, der angestrebte Zug fährt dort aber bereits in einer knappen Stunde. So trete ich auf dem Weg zum Waldhaus etwas stärker in die Pedalen. Beim Waldhaus angekommen, treffe ich auf die Massen welche vom Caumasee hochkommen. Zudem ist hier ein Fahrverbot signalisiert. Bei wenig Volk würde ich das ja vielleicht noch gekonnt "übersehen" bei einem derart grossen Gästeaufkommen entschliesse ich mich aber die Hauptrouten zum Caumasee über die Via Selva zu umfahren. So bleibt mir leider der direkte Blick auf den See heute verwehrt und ich kann ihn nur durch den Wald erspähen: Das ist jedoch nicht weiter tragisch, ich habe den Caumasee in den vielen Sommer-Urlauben in Flims schon etliche Male in seiner vollen Pracht geniessen können.
Die nachfolgende Strecke nach Conn ist dann erstaunlich schnell zurückgelegt. Zu Fuss zieht sich das jeweils doch ordentlich in die Länge, mit dem Bike ist man aber, da es hauptsächlich abwärts geht, ziemlich rasch in Conn. So geht sich ein kurzer Besuch auf der Aussichtsplattform "Il Spir" gerade noch aus. Der Ausblick von hier in die Rheinschlucht ist einfach jedes Mal aufs neue wieder beeindruckend. Ab Conn fahre ich durch den Wald via Pintrun nach Trin Digg. Von Trin Digg fahre ich schliesslich noch runter zum Bahnhof Trin, von wo es mit dem Zug wieder zurück nach Hause geht. Am Ende wird es zeitlich dann doch noch ziemlich eng. Ich erreiche den Bahnhof gerade mal gut 5 Minuten bevor der Zug kommt. Nochmals Glück gehabt.
Fazit: Nun ist der Traum den Vorab mit dem Bike zu erklimmen endlich in Erfüllung gegangen. Ich habe mir jetzt aber in den Kopf gesetzt auch noch den Aufstieg bis nach La Siala und zu Fuss bis aufs Laaxerstöckli zu schaffen. Ich hoffe, dass es nicht wieder 10 Jahre geht, bis ich auch dieses Ziel abhaken kann
. Dafür ist aber wohl ein etwas weniger heisser Tag sowie ein etwas besseres Energie-Management erforderlich.
Ansonsten ist es aber eine wirklich schöne Bike-Runde. Insbesondere die Abwechslung innerhalb dieses doch eher kleinen Perimeters ist beeindruckend. Zuerst startet man im dichten Nadelwald der Rheinschlucht. Bald geht es hoch in die sanften Wiesen um Falera mit dem Blick in die weitläufige Surselva. Beim Crap Sogn Gion wird die Landschaft alpiner, mit dem Blick auf die 3000er Vorab, Piz Segnes und Piz Dolf und dann später auch die Gipfel rund um den Tödi. Nach und nach wird es hochalpiner, bis man am Vorab schliesslich beinahe schon in einer Steinwüste angelangt. Auf dem Weg in Richtung Grauberg wird es dann wieder zunehmend grüner. Nach passieren der Bergstation Mutta Rodunda befindet man sich dann wiederum in einer völlig neuen Landschaft mit den beeindruckenden Felsen der Tschingelhörner und des Flimsersteins und den malerischen Segnesböden. Und selbst wenn man in Flims angelangt, sind die Highlights noch nicht vorbei, warten doch noch der Caumasee und die Rheinschlucht. Einfach traumhaft.
Zum Schluss noch die Eckdaten:
- Strecke: 57.7 km
- Aufstieg: 2480 m
- Fahrzeit: 5h 40 min
Der Vorab hat für mich eine ganz spezielle Bedeutung. Die Idee den Vorab mit dem Bike zu erklimmen ist bereits vor gut 10 Jahren entstanden. In meiner Kindheit und Jugend verbrachte ich mit meiner Familie Jahr für Jahr mindestens zwei Wochen Ferien in Flims (eine im Sommer und eine im Winter, teilweise auch mehr). Im Jahr 2015 (damals war ich 16) nahmen wir dann zum ersten Mal auch die Bikes mit, sodass ich mit meinem Vater einige Bike-Touren im Gebiet unternahm. Gewissermassen war das dann auch der Start meiner persönlichen Bike-Karriere. Einerseits haben wir ab da regelmässig im Sommer Bike-Ferien gemacht, andererseits war ich dadurch auch deutlich motovierter zumindest halbwegs regelmässig biken zu gehen.
Im besagen Sommer 2015 sind wir dann an einem Tag auch von Laax hoch zur Nagens gefahren. Es hätte mich schon da gereizt noch weiter bis hoch zum Vorab zu fahren, dafür waren aber sowohl ich als auch mein Vater damals einfach zu wenig trainiert. So sind wir dann von der Nagens via Grauberg wieder nach Flims zurückgekehrt. Der Traum den Vorab mit dem Bike zu erklimmen war damit aber entstanden, auch wenn, oder wahrscheinlich gerade weil mir das zu dieser Zeit noch als eine kaum zu meisternde Gewaltstour vorkam. In den kommenden Jahren sind wir dann nie mehr mit den Bikes nach Flims, sodass ich das Vorhaben vorerst vertagen musste. Auch sonst hat sich nie eine gute Gelegenheit dazu ergeben. Erst als ich letzten Sommer begonnen habe mit dem Bike Tagesausflüge in die Alpen zu machen, kam die Idee wieder auf. Am vergangenen Sonntag war es nun soweit. Im Gegensatz zu damals im Sommer 2015 ist meine Fitness heute bedeutend besser. Das gab mir die Möglichkeit die Tour gegenüber der Ursprungsidee noch etwas auszudehnen. Da ich wenig Lust hatte, das Bike auf das Postauto zu verladen, habe ich mir einen mit der RhB erreichbaren Startpunkt gesucht. Am besten eignet sich dazu der Bahnhof Valendas-Sagogn in der Rheinschlucht.
Los geht es wie üblich bei solchen grossen Vorhaben früh am Morgen mit dem Zug um 6:21 ab Thalwil. Der Passagier-Mix im Zug ist dabei doch ziemlich interessant. Etwa die Hälfte des Zuges besteht aus Ausflüglern, welche zum Wandern oder Biken in die Berge wollen. Die andere Hälfte besteht aus Party-Gängern, welche von der Street-Parade in Zürich zurückkehren. Darunter gibt es auch ein paar sehr spezielle Kandidaten, welche mindestens sehr gut alkoholisiert sind, wenn da nicht noch andere Substanzen im Spiel sind. Entsprechend ist dann das Verhalten auch nicht sehr rücksichtsvoll (lautes Hören von Musik via Handy-Lautsprecher, Platzieren der Schuhe auf den Sitzpostern). Besonders überrascht bin ich dann, als die Person im Abteil gegenüber auf die Idee kommt mitten im Zug zu vapen.
Ich überlege mir noch kurz, ob ich noch weiter bis hoch zur Bergstation der La Siala Bahn fahren soll. Reizen würde es mich schon, zumal die Beine das auch noch schaffen sollten. Schliesslich entscheide ich mich aber dagegen. Es ist bereits kurz vor 15:00. Wenn ich noch zu einer halbwegs vernünftigen Zeit zu Hause sein will, sollte ich mich langsam an die Abfahrt machen. Ich möchte noch bis zum Bahnhof von Trin fahren, und bis dahin ist es dann doch noch ein gutes Stück. Auch wenn es bis nach La Siala nur noch rund 250 Höhenmeter sind, werden diese wohl aufgrund der doch langsam etwas müden Beine und aufgrund der dünnen Luft hier oben doch noch einiges an Zeit in Anspruch nehmen.
So mache ich mich an den Abstieg. Von Vorab könnte man über einen Trail runter zur Alp Sogn Martin fahren. Da ich jedoch für den Ausblick zu den Tschingelhörner via Grauberg nach Films abfahren möchte, entscheide ich mich insbesondere auch aufgrund der fortgeschrittenen Uhrzeit für die Strasse in Richtung Nagens. So bleibt mir einerseits der Aufstieg von Scansinas zur Nagens erspart, und andererseits komme ich auf der Strasse einfach deutlich schneller voran als auf den Trails. Unterhalb der Bergstation der Sesselbahn Mutta-Rodunda entdecke ich eine Strasse, welche grob entlang der Piste 23 zu eben dieser hoch führt: So entscheide ich mich spontan dort hoch zu fahren. Der Anstieg entpuppt sich dann aber doch als ziemlich mühsam. Teilweise liegen auf der Strasse grosse Mengen an losem Schotter, sodass sich in Kombination mit der Steilheit das Hinterrad immer wieder eingräbt. So bin ich mehrfach gezwungen abzusteigen und einige Meter zu schieben. Zum Glück ist es jedoch nicht allzu weit, sodass ich bald die Bergstation erreiche. Von der Bergstation Mutta Rodunda fahre ich entlang der Piste 12 nach Grauberg. Beim Grauberg angekommen lege ich einen kurzen Stopp ein und geniesse den fabehlaften Blick über den Segnesboden zu den Tschingelhörner. Auch wenn ich schon zig Male im Sommer in dieser Gegend unterwegs war, ist die Landschaft jedes Mal aufs neue beeindruckend. Durchaus nachvollziehbar, dass das zum Unesco Weltnaturerbe erklärt wurde. Danach fahre runter zur Segneshütte, wo momentan nach wie vor eine ziemlich grosse Baustelle ist: Von der Segneshütte geht es dann weiter zum Punt Desch. Das erste Stück nach der Segneshütte fahre ich auf der Strasse ab. Der Bike Trail erscheint mir an dieser Stelle für meinen Geschmack etwas steil zu sein. Weiter unten biege ich dann aber auf den Trail ein. Dieser ist zwar gut angelegt, die Kombination aus mangelnder Fahrpraxis auf solchen Trails, und andererseits langsam aufkommendem Zeitdruck mindern aber den Spass doch deutlich. So entscheide ich mich beim Punt Desch den Trail wieder zu verlassen und stattdessen auf der Strasse nach Foppa abzufahren, hauptsächlich um Zeit zu sparen. Auf der Foppa angekommen, fahre ich über die Strasse nach Flims ab. Dort lege ich beim Stenna einen kurzen Stopp ein, um die Wasservorräte wieder nachzufüllen. Nun muss ich mich aber doch etwas beeilen. Ich möchte eigentlich noch via Waldhaus, Caumasee und Conn zum Bahnhof Trin fahren, der angestrebte Zug fährt dort aber bereits in einer knappen Stunde. So trete ich auf dem Weg zum Waldhaus etwas stärker in die Pedalen. Beim Waldhaus angekommen, treffe ich auf die Massen welche vom Caumasee hochkommen. Zudem ist hier ein Fahrverbot signalisiert. Bei wenig Volk würde ich das ja vielleicht noch gekonnt "übersehen" bei einem derart grossen Gästeaufkommen entschliesse ich mich aber die Hauptrouten zum Caumasee über die Via Selva zu umfahren. So bleibt mir leider der direkte Blick auf den See heute verwehrt und ich kann ihn nur durch den Wald erspähen: Das ist jedoch nicht weiter tragisch, ich habe den Caumasee in den vielen Sommer-Urlauben in Flims schon etliche Male in seiner vollen Pracht geniessen können.
Die nachfolgende Strecke nach Conn ist dann erstaunlich schnell zurückgelegt. Zu Fuss zieht sich das jeweils doch ordentlich in die Länge, mit dem Bike ist man aber, da es hauptsächlich abwärts geht, ziemlich rasch in Conn. So geht sich ein kurzer Besuch auf der Aussichtsplattform "Il Spir" gerade noch aus. Der Ausblick von hier in die Rheinschlucht ist einfach jedes Mal aufs neue wieder beeindruckend. Ab Conn fahre ich durch den Wald via Pintrun nach Trin Digg. Von Trin Digg fahre ich schliesslich noch runter zum Bahnhof Trin, von wo es mit dem Zug wieder zurück nach Hause geht. Am Ende wird es zeitlich dann doch noch ziemlich eng. Ich erreiche den Bahnhof gerade mal gut 5 Minuten bevor der Zug kommt. Nochmals Glück gehabt.
Fazit: Nun ist der Traum den Vorab mit dem Bike zu erklimmen endlich in Erfüllung gegangen. Ich habe mir jetzt aber in den Kopf gesetzt auch noch den Aufstieg bis nach La Siala und zu Fuss bis aufs Laaxerstöckli zu schaffen. Ich hoffe, dass es nicht wieder 10 Jahre geht, bis ich auch dieses Ziel abhaken kann
Ansonsten ist es aber eine wirklich schöne Bike-Runde. Insbesondere die Abwechslung innerhalb dieses doch eher kleinen Perimeters ist beeindruckend. Zuerst startet man im dichten Nadelwald der Rheinschlucht. Bald geht es hoch in die sanften Wiesen um Falera mit dem Blick in die weitläufige Surselva. Beim Crap Sogn Gion wird die Landschaft alpiner, mit dem Blick auf die 3000er Vorab, Piz Segnes und Piz Dolf und dann später auch die Gipfel rund um den Tödi. Nach und nach wird es hochalpiner, bis man am Vorab schliesslich beinahe schon in einer Steinwüste angelangt. Auf dem Weg in Richtung Grauberg wird es dann wieder zunehmend grüner. Nach passieren der Bergstation Mutta Rodunda befindet man sich dann wiederum in einer völlig neuen Landschaft mit den beeindruckenden Felsen der Tschingelhörner und des Flimsersteins und den malerischen Segnesböden. Und selbst wenn man in Flims angelangt, sind die Highlights noch nicht vorbei, warten doch noch der Caumasee und die Rheinschlucht. Einfach traumhaft.
Zum Schluss noch die Eckdaten:
- Strecke: 57.7 km
- Aufstieg: 2480 m
- Fahrzeit: 5h 40 min