Kleines Update der letzten Wochen
Am 24. April habe ich die ärztliche Freigabe bekommen, mein Bein schmerzabhängig wieder zunehmend zu belasten. Seitdem geben meine Physio- und Ergotherapeuten im Rehazenter ziemlich Vollgas. Auch wenn ich nicht direkt mit voller Belastung gestartet bin (immerhin kommt in dem Moment, in dem das linke Bein den Boden verlässt, das ganze Gewicht aufs rechte Bein), haben wir von Anfang an beim Stehen versucht, eine 50:50-Gewichtsverteilung herzustellen.
Da das gut geklappt hat, sind wir beim Gehen auch ziemlich schnell Richtung Vollbelastung gegangen. Ich habe dabei eine Technik gelernt, bei der die Krücken abwechselnd wie Walking-Sticks eingesetzt werden, statt beide parallel zum rechten Bein zu setzen. So nehmen die Krücken kaum noch Gewicht auf (wenn überhaupt vielleicht 10–15 kg) und dienen eher nur noch zur Balance. Parallel dazu habe ich dann auch recht schnell versucht, nur noch mit der linken Krücke zu gehen. Beides war für mich anfangs mental ziemlich schwierig – bis es plötzlich Klick gemacht hat. Von einem Moment auf den anderen war es kein Problem mehr.
Dann kam allerdings das Thema Dosierung. Nach diesem „Klick“-Moment war ich total happy, dass ich einen Spaziergang von einem Kilometer mit abwechselnder Krückentechnik (also fast Vollbelastung) geschafft habe – das lief richtig gut. Am nächsten Tag war’s schon etwas zäher, und am dritten Tag hat’s dann beim Gehen doch deutlich wehgetan. (Zum Glück nur beim Gehen – ausruhen und schlafen konnte ich weiterhin schmerzfrei.) Das war der Moment, in dem ich gemerkt habe: Ich muss die Belastung dosieren. Wenn ich jetzt z. B. einen Kilometer gehe, versuche ich etwa ein Viertel davon mit Belastung zu laufen, den Rest wieder mit Entlastung (also mit parallelen Krücken). Frei nach dem Motto: So oft wie möglich belasten, um den Körper daran zu gewöhnen – aber nicht übertreiben, um Rückschläge zu vermeiden. Die richtige Balance zu finden, ist nicht ganz einfach. Mittlerweile gehe ich kurze Strecken auch komplett ohne Krücken – in der Wohnung brauche ich sie fast gar nicht mehr.
Ein weiteres Highlight: Ich fahre wieder Auto! Das gibt mir ein großes Stück Freiheit und Unabhängigkeit zurück. Ich fahre Automatik – was in meinem Fall mit dem rechten Bein nicht unbedingt viel hilft – aber beim Pedaldrücken braucht man nicht so viel Gewicht. Selbst bei einer Vollbremsung ist im Sitzen deutlich weniger Kraft nötig als im Stehen. Das Fahren an sich ging von Anfang an erstaunlich gut – das Anstrengendste ist tatsächlich das Aussteigen. Auf der Fahrerseite ist der Winkel fürs rechte Bein ungünstiger, und man muss auch noch ums Lenkrad rum. Aber auch das klappt mittlerweile.
Im Rehazenter (
https://www.rehazenter.lu/) bin ich sehr zufrieden mit der Therapie. Auch wenn ich ambulant natürlich nicht mehr so viele Stunden wie während meines stationären Aufenthalts im Februar/März habe, ist es mit drei Vormittagen pro Woche trotzdem recht intensiv. In der Physiotherapie wird ordentlich am Bein gearbeitet – sowohl passiv (ziemlich schmerzhaft

) als auch aktiv (ziemlich anstrengend

). Es ist zwar oft hart, aber ich glaube, es bringt wirklich viel.
Auch die Ergotherapie ist abwechslungsreich. Früher habe ich dort viel Treppen geübt – die sind inzwischen kein großes Problem mehr. Jetzt gehen wir auch mal raus auf einen kleinen Hindernis-Parcours mit geklebten Baumstämmen, Sand, größeren und kleineren Kieselsteinen usw. Drinnen trage ich Gewichte von A nach B. Und besonders Spaß machen mir die Übungen am Computer: z. B. spielerisch durch Gewichtsverlagerung Punkte auf dem Bildschirm einsammeln und dabei Bomben ausweichen. Es gibt sogar Pong, komplett gesteuert über die Verlagerung des Körpergewichts – ziemlich cool!
Seit letzter Woche habe ich außerdem Hydrotherapie im Schwimmbad des Rehazentrums. Dort machen wir z. B. Gehübungen, Sprünge, seitwärts und rückwärts gehen usw. Im Wasser fühlt sich alles viel leichter an. Wenn ich nur weniger wiegen würde, wär’s vielleicht immer so!
Vor zehn Tagen wurde mein Antrag auf Teilzeitarbeit an die Krankenkasse geschickt. Bisher warte ich noch auf die Genehmigung. Ich hoffe, dass sie noch kommt, bevor mein Krankenschein voraussichtlich Ende Juni sowieso ausläuft.
Fazit:
Insgesamt bin ich mit den letzten Wochen ziemlich zufrieden. Klar, ich muss noch aufpassen und darf es nicht übertreiben. Mein Bein ist noch geschwollen, und beim Gehen spüre ich es natürlich auch. Aber ich finde, ich habe riesige Fortschritte gemacht. Allein schon, dass ich in der Wohnung ohne Krücken gehen kann (was auch das Tragen von Sachen viel einfacher macht) und wieder Auto fahre, ist ein riesiger Gewinn. Im Alltag bin ich selbst (und auch meine Therapeuten) schon deutlich zufriedener, als die Ärzte es mit den Röntgenbildern sind. Aber ehrlich gesagt: lieber so als umgekehrt!
