Die Professorin Cindy Heo mit ihren Empehlungen zum Dynamic Pricing im Interview bei der Nidwaldner Zeitung:
https://www.nidwaldnerzeitung.ch/zentra ... ld.2748514
Zusammenfassung:
Daten statt Bauchgefühl: Wie Skigebiete mit Revenue Management effizienter und kundenfreundlicher werden können
Überfüllte Pisten an Feiertagen, lange Warteschlangen an Liften – und gleichzeitig leere Sessel an ruhigeren Tagen: Viele Skigebiete kämpfen mit einer unausgeglichenen Auslastung. Ursache dafür ist unter anderem die bisher wenig flexible Preisgestaltung. Professorin
Cindy Heo, Expertin für strategisches Hotel- und Tourismusmanagement an der
EHL Hospitality Business School in Lausanne, sieht im sogenannten
Revenue Management einen grossen Hebel für eine zukunftsfähige Entwicklung. Im Gespräch erklärt sie, warum traditionelle Preismodelle nicht mehr zeitgemäss sind, wie Skigebiete dynamische Preisstrategien sinnvoll einsetzen können – und was es dabei zu beachten gilt.
Fixe Preise sind bequem – aber nicht mehr zeitgemäss
In der Schweiz arbeiten die meisten Skigebiete traditionell mit festen Preismodellen. Unabhängig von Wochentag, Nachfrage oder Wetter gelten die gleichen Preise – meist aufgeteilt in einfache Kategorien wie Erwachsene, Kinder, Senioren oder Familien. Diese Struktur bietet Vorteile: Sie ist leicht verständlich, kalkulierbar und verursacht kaum zusätzlichen administrativen Aufwand. Auch die Gäste wissen, woran sie sind. Doch genau hier liegt das Problem.
Denn: Feste Preise ignorieren saisonale und tagesaktuelle Nachfrageschwankungen. Skigebiete vergeben somit wertvolle Umsatzpotenziale an Spitzentagen, wenn die Nachfrage besonders hoch ist – und verlieren gleichzeitig Gäste in schwachen Zeiten, in denen günstigere Preise Anreize schaffen könnten.
Was ist Revenue Management – und wie funktioniert es?
Revenue Management ist ein datenbasierter Ansatz zur Optimierung von Verfügbarkeit und Preisgestaltung. Ziel ist es, den Umsatz zu maximieren, Kapazitäten effizient zu nutzen und gleichzeitig das Kundenerlebnis zu verbessern. Dabei werden historische Daten, Buchungsverhalten, Preiselastizität, Wetterprognosen und andere externe Faktoren analysiert, um Ticketpreise flexibel und nachfrageorientiert anzupassen.
Ein Beispiel: An einem sonnigen Samstag mit idealen Schneebedingungen kann ein höherer Preis verlangt werden. An einem bewölkten Mittwoch hingegen könnte ein reduzierter Tarif mehr Gäste auf die Pisten locken.
Andermatt-Sedrun: Noch nicht ganz dynamisch
Einige Skigebiete experimentieren bereits mit ersten Ansätzen. In Andermatt-Sedrun etwa gibt es gestaffelte Preise je nach Kaufzeitpunkt und Wochentag. Für Cindy Heo ist das jedoch noch kein echtes Revenue Management: „Die Preisstruktur ist zwar differenziert, aber nicht dynamisch. Die Preise reagieren nicht in Echtzeit auf die tatsächliche Nachfrage.“
Dadurch bleiben viele Vorteile ungenutzt. Denn echte Dynamik bedeutet: Preise werden fortlaufend angepasst, basierend auf aktuellen Buchungszahlen und anderen Faktoren – nicht nur im Voraus auf Basis von Prognosen.
Datenanalyse als Grundvoraussetzung
Zentrale Grundlage jeder erfolgreichen Revenue-Management-Strategie ist eine fundierte Datenbasis. Historische Besucherzahlen allein reichen nicht. Entscheidend sind:
- Buchungsverhalten (z. B. wann und wie gebucht wird),
- Preiselastizität der Nachfrage (wie sensibel reagieren Gäste auf Preisveränderungen),
- Demografische Daten und Ausgabeverhalten der Gäste,
- Externe Faktoren wie Wetter, Ferienzeiten, Events oder Wettbewerberpreise.
KI-gestützte Systeme können diese Daten in Echtzeit verarbeiten und präzise Nachfrageprognosen erstellen. Doch noch erfassen viele Skigebiete nicht genügend Informationen, um diese Möglichkeiten vollständig auszuschöpfen.
Segmentierung statt Einheitsmodell
Ein weiterer zentraler Aspekt: Nicht alle Gäste sind gleich – und ihre Bedürfnisse unterscheiden sich stark. Während manche auf möglichst günstige Preise achten und dafür auch unflexible Konditionen akzeptieren, sind andere bereit, für zusätzliche Leistungen wie einen Express-Liftzugang oder Premium-Services mehr zu bezahlen.
Revenue Management ermöglicht es, diese unterschiedlichen Zielgruppen gezielt anzusprechen – mit individuell passenden Angeboten. Eine präzise Segmentierung der Gästetypen ist dafür essenziell.
Beispiel: Dynamische Buchungssysteme mit Mehrwert
Heo plädiert für sogenannte verschachtelte Buchungsmodelle: Dabei werden Kontingente in verschiedenen Preiskategorien angeboten. Günstige Tickets stehen bei geringer Nachfrage zur Verfügung, doch je voller es wird, desto mehr steigen die Preise. Frühbucher profitieren von Rabatten, Spätentschlossene zahlen mehr – kennen dafür aber auch die Wetterbedingungen.
Wichtig sei jedoch, diese Preisunterschiede auch mit
klaren Zusatzleistungen zu verbinden. Wer mehr zahlt, sollte auch mehr bekommen – etwa in Form von Mitgliedschaftspunkten, einem Gratisgetränk oder bevorzugtem Zugang. Damit vermeiden Skigebiete negative Reaktionen auf rein preisgesteuerte Unterschiede und schaffen stattdessen
Wertschätzung und Transparenz.
Skigebiete auf dem Weg in die Zukunft
Beispiele wie
Titlis oder
Klewenalp zeigen bereits erste Schritte in Richtung dynamischer Preisgestaltung. Auf dem Titlis fliessen Nachfrage, Kaufzeitpunkt und Wetter in die Preisfindung ein. Auf der Klewenalp berücksichtigt ein Algorithmus unter anderem Saisonzeit und Wochentag. Laut Heo ist das ein vielversprechender Anfang – aber noch nicht das Ende der Entwicklung.
Die Zukunft liegt in intelligenten Systemen, die Nachfrage nicht nur vorhersagen, sondern in Echtzeit auf sie reagieren. Und in einem Umdenken in der Kommunikation: Dynamische Preise sind nicht automatisch unsozial – wenn sie fair, transparent und mehrwertorientiert umgesetzt werden.
Fazit: Mehr Umsatz, bessere Planung, zufriedene Gäste
Revenue Management kann Skigebieten nicht nur helfen, wirtschaftlich effizienter zu arbeiten – sondern auch die Besucherlenkung zu verbessern, Stosszeiten zu entzerren und das Gesamterlebnis für die Gäste zu optimieren. Dafür braucht es aber Mut zur Veränderung, Investitionen in Dateninfrastruktur – und ein klares Verständnis dafür, was die eigenen Gäste wirklich wollen.
Die Tools sind vorhanden. Jetzt ist es an den Skigebieten, sie auch zu nutzen.