Diagnose "Kreuzbandriss"

Pitcairn
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Re: Diagnose "Kreuzbandriss"

Beitrag von Pitcairn »

Der Riss

Es ist Muttertag, es ist der 08.05.1994. Nach einem gemütlichen Essen zuhause bei Mütterchen mit frischem Spargel und Schnitzel steht am Sonntag Nachmittag das Heimspiel meines Stammvereins an. Ich bin wie immer gesetzt auf der "hängenden 6", damals noch klassisch der Vorstopper genannt. Eine Position, die nicht die beste Technik bedurfte, aber den Gegner schon allein mit meiner körperlichen Präsenz die Gegner in Ehrfurcht erstarren lässt. Ich putze alles Weg - Freund & Gegner, manchmal treffe ich sogar den Ball und bin immer für die Torabstöße zuständig. Mir ist es in meinen bis dahin 10 Jahre als Aktiver seit den Schülermannschaften nur ein einzigen Mal passiert, den Ball zum Abstoß vom eigenen 5er über das komplette Spielfeld in das gegnerische Aus zu dreschen, ohne das ihn jemand berührt. Ich hatte einen Mords-Bums im Bein, ich bin stark, bin kräftiger und muskulöser als die meisten Mitspieler - ich bin topfit und mitten im Saft. Ich packe also meine Sachen, schwinge mich auf Motorrad mit Kickstarter, drehte die 400er an und fahr zum Sportplatz. Erste Halbzeit im Lokalderby zuhause auf dem besten Platz der Liga steht es 0:0 - ich halte mein Hälfte sauber. Pause. Das Spiel plätschert in der Frühjahrsonne. 60. Minute. Ich hole eine Flanke auf Höhe des 16ers technisch filigran für meine Verhältnisse herunter. Der Ball verspringt mir nicht und ich dribbel durch meine Hälfte raus auf halblinks und ziehe zwei gegnerische Mitspieler an, um Räume zu schaffen. Einen lasse ich stehe und schlage eine Haken und trete in die leichte Versenkung der Bewässerungsanlage, die abgesenkten Rasensprengen..... ist es möglich, daß gerade jemand ein Blatt Papier neben mir in der Mitte schnell durchgerissen hat?.........AUS...SCHMERZEN...ich höre meinen eigenen Schmerzschrei und liege da, das rechte Bein unnatürlich nach außen gedreht....

alles ist heute bis in die Details noch immer präsent - wie beim 1. Mal.

(to be continued)
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Re: Diagnose "Kreuzbandriss"

Beitrag von icedtea »

Vielleicht in diesem Zusammenhang von Interesse:

https://www.merkur.de/sport/wintersport ... 10368.html
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Re: Diagnose "Kreuzbandriss"

Beitrag von Pitcairn »

icedtea hat geschrieben: 02.02.2024, 19:33 Vielleicht in diesem Zusammenhang von Interesse:

https://www.merkur.de/sport/wintersport ... 10368.html
In der Tat, besonders folgende Aussage, die ich gern zitiere aus eigener Erfahrung:

"....Für viele unvorstellbar: Es ist bereits der vierte Kreuzbandriss, den Hählen erleidet. Nach dem letzten Riss im linken Knie 2018 verzichtete sie auch schon auf eine Operation und bezeichnete diesen Schritt als „die vielleicht beste Entscheidung meines Lebens“. Denn die anfänglichen Schmerzen durch Überbelastungen konnte sie schließlich durch gezieltes Training überwinden. Auf ein ähnliches Szenario wird Hählen auch in diesem Fall hoffen. „Ich habe gute Knie, aber ich muss sie pflegen – man wird ja nicht jünger“, sagte sie noch im Herbst vor dem Saisonstart. Ihr rechtes Knie wird sie nun besonders gut schonen und pflegen müssen. Gelingt dies, ist tatsächlich eine Rückkehr auf die Piste in der laufenden Saison möglich...."
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Re: Diagnose "Kreuzbandriss"

Beitrag von Pitcairn »

Das Unheil

Heute sitze ich hier im Hotel auf Geschäftsreise, wie schon letzte Woche, und hab auf der Fahrt auf der A9 (Phyrn) immer mal hochgeschaut, ob "was geht". Wie schon auch letzte Woche hat sich die Situation auch entlang der Skigebiete hier in OÖ oder STMK nicht wesentlich gebessert. Zwar gab es z.B. in Hinterstoder minimal Schneefall, aber wie mir berichtet wurde, war es letzte Woche einfach mies. Es hat reingeschifft und der letzte nennenswerte Schneefall ist Wochen her. Dann fahr ich auch nicht; letzte Woche hatte ich im Grazer Becken schon 19 Grad, heute waren es auf der Alpensüdseite immerhin "nur" 14. Ski zu Hause gelassen, too risky für mein Knie.

Neulich hatte ich ja berichtet, wie es zur 1. VKB gekommen ist. Ich war damals froh, überhaupt ärztlich versorgt zu werden und wurde vom Fussballplatz gleich in das nächste, zuständige Kreiskrankenhaus gebracht. Ich mache denen keinen Vorwurf, ich wähnte mich in guten Händen. Die Informationsmöglichkeiten, die Vernetzung, war 1994 einfach anders oder nicht vorhanden und so habe ich mich auf das ärztliche Personal und die Techniken verlassen. Auch die OP-Technik war eine andere, die Arthroskopie am Anfang ihrer technischen Möglichkeiten und ein solches Gerät, hatte der damalig Chirurg bekommen und ich vertraute seinen Worten. Was blieb mir auch anderes übrig. Ich hatte ihn nie gefragt, wieviele Knie er schon repariert hatte. Als ich jedoch nach der OP aufwachte, war ich erstaunt, daß mein ganzes rechtes Bein von der Sohle bis zum Oberschenkel eingegipst war und ich dieses Monstrum 2 Wochen zur Ruhigstellung dranbehalten musste. Bis heute (!) habe ich an diesem Bein nie wieder eine gleichmäßige Muskelmasse aufgebaut, auch bedingt durch die unterbewusste Schonhaltung und ich wurde vom Rechtsfüsser zum Linksfüsser. Bei den weiteren OP´s zum VKB in den Folgejahren bei einem ausgewiesenen Spezialisten in der weiteren Umgebung wurde bereits am Tag nach der OP mit der Mobilisierung begonnen und einen Orthese als ausreichend erachtet. Mei - es ist wie es war. Ich kann mich gut erinnern, daß damals in den 90ern die Fussballprofis alle zum Dr. Steadman nach Colorado geflogen wurden, andernfalls drohte das Ende ihrer Karriere. Ich war aber kein Profi, nur ein Kreisliga-Bolzer und musste zurück in den Job. Hier war der Unfall aber wahrscheinlich eine große Wende in meinem Leben. Ich trat 4 Wochen vor dem Unfall meinen Zivildienst an; am Ende war ich wochenlang krank geschrieben und schließlich nach einigen Monaten als komplett dienstuntauglich entlassen; ich kann dem Vaterland gar nichts mehr. Der Zufall wollte aber, daß durch diese unfreiwillige Dienstverkürzung ein slot bei meinem damaligen Arbeitgeber frei wurde und alles hat sich so entwickelt, wie es heute ist, mit allen Wendungen.

Was nach der 1. OP nicht funktioniert hat, kann ich nicht mehr sagen. Vielleicht war es der Vollbein-Gips und der nahezu vollständige Schwund der Beinmuskulatur. Natürlich mit wochenlanger Physio, Einblutungen und auch Schmerzen. Damals wurde die Patella-Sehne als Ersatz verwendet und die Beugung mit der Donjoy-Schiene stufenweise über Wochen erweitert. Nach Monaten stellte sich im Bein aber nie eine vollständige Streckung ein, die 180 Grad habe ich nie geschafft, es ging mechanisch einfach nicht weiter als so um die 170-175 Grad, also wahrscheinlich so um die 95% der möglichen Streckung. Shit, sagte mein behandelnder Arzt damals (Chirurg, Unfallarzt und Orthopäde), das Ding ist zu kurz gesetzt. Und schnipp, fast mit Jahresfrist ist es wieder gerissen, als ich beim Mopedfahren das Bein abgesetzt habe, um die Balance beim Stop zu halten. Den 3. und 4. Riss weiss ich gar nicht mehr, wo und wie die passiert sind.

Ich habs aber hinbekommen, über 25 Jahre das Knie weitgehend stabil zu halten und auch mit einsetzenden Arthrose zu leben. Was noch kommt, kann ich nicht sagen, aber es geht für mich eher um Mitigation der Risiken, um den Zustand as is so lange wie möglich zu halten - wie schon gesagt: es muss für den "Hausgebrauch" reichen....
Zuletzt geändert von Pitcairn am 13.02.2024, 22:50, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Diagnose "Kreuzbandriss"

Beitrag von Pitcairn »

Drahtesel

...in den Jahren nach 2001 und damit den letzten OP´s ist einiges passiert. Neben der beruflichen Veränderung bin ich Rad gefahren, viel Rad. Fahrrad musst ich aufwachsend auf einem Kaff in der Provinz schon immer und als Kind. Schon während der Physio hab ich aufgerüstet und nach und nach nach oben angepasst. Jede freie Minute war ich auf dem Rad und mit Vorzug auf dem MTB. Mir macht es immer irgendwie mehr Spass auf dem Uphill und ich wurde immer stärker. Das hat mir gut getan und begann sogar das ein oder andere Amateur-Rennen mitzufahren und landet sogar immer in einem guten Platz im Top20-Bereich. Ich tummelte ich tlw. sogar im Bereich der Lizenzfahrer (UCI). Das war meine Rettung und die Bewegung war Balsam auf das Bein - ich merkte es gar nimmer und so begab es sich, daß ich mich 2007 erstmals wieder auf Skiern wagte. Ich fühlte mich stark genau, hatte Kraft und konnte sie konservieren. Falls das Radfahren nicht ging, nahm ich jeden Spinning-Termin war, den ich schaffte. Geil - ich war unschlagbar, ich war stark, das Bein fühlte sich an, als wäre nie etwas gewesen...

im Jahr schaffte ich zigtausend KM, bin oft in und über die Alpen gefahren, hier und da ein Rennen, an allen Ecken und Enden in Europa als das Wort Bike-Backing noch kein SocialMedia-Event war oder BBS für was anderes Stand. Das biken war das wichtigste für mich.
alpinfans1.jpg
auf obigen Bild (irgendein Rennen) ist die Muskulatur etwas zu erahnen, wie eben das rechte Bein ein dürrer Spargel ist, während die Kraft aus dem linken kommt (gesund), auch wenn hier natürlich die Kontraktion besteht.
alpinfans2.jpg
mir fällt auf, daß ich auf diesen Aufnahmen sogar das Finisher-Trikot des Ischgl Iron Bike trage, ich bin den zwei mal mitgefahren und weiss gar nicht, ob es den heute noch gibt.

Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen: fahrt Fahrrad! Was besseres konnte ich meinen Beinen gar nicht antuen.
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Pitcairn
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Re: Diagnose "Kreuzbandriss"

Beitrag von Pitcairn »

Gegenwart & meine "biolgische Geheimwaffe"

Werte Freunde,
ich komme so langsam zum Ende meiner Geschichte, die ich auch recht kurz halten möchte.

Beruflich bin ich in stabilen Bahnen, familiär gefestigt und seit 10 Jahren stolzer Papa von zweien. Hierfür übernehme ich volle Verantwortung, was auch dazu führte, daß ich nicht mehr ganz so viel biken gehen oder spontan man über das Wochenende auf die Piste. Einen längeren Ausfall kann und will ich mir gesundheitlich nicht mehr zumuten und jünger wird man auch nicht. Was das radeln angeht, bin ich vor ein paar Jahren vollständig aufs eBike (MTB Fully 29er von Scott) umgestiegen und komme so im Jahr auf < 5.000 km, meist nur auf meinen Hausrunden durch die Wälder und Trails eines deutschen Mittelgebirges. Das reicht mir, um nicht zu viel Zeit zu verbrennen und nutze sie oft lieber mit Family, daneben mache ich meine Übungen und gelegentlich Krafttraining fürs Bein auf meinen Geräten. Es funktioniert alles im regulären Hausgebrauch. Seit vor Corona war ich nicht mehr richtig auf Ski gestanden, weil es a.) nicht ging, b.) der Schnee in den letzten 2 Jahren einfach Mist war und c.) ich nicht mehr bereit bin, die Preisspirale im Skizirkus in dieser Form mitzumachen. Ein kompletter Familienurlaub im Winter/Ski fällt vollständig aus, das mache ich auch kostentechnisch nicht mehr mit, anderes Thema aber. Was das Knie angeht, es hält und wie schon mal geschrieben, bin ich "wetterfühlig".

Es kommt aber auch schon vor, daß ich überbelaste, daß ich mich verdrehe, oder daß einfach tiefer Gelenkschmerz besteht (was auch durch die Arthrose kommt), dann hilft für mich nur mein persönliches Wundermittel, meine biologische Geheimwaffe: Beinwellwurzelessenz! Kleiner Hinweis auf den https://de.wikipedia.org/wiki/Beinwell-Artikel hierzu sei mir erlaubt. Vor Jahren bin ich in einem Artikel auf Beinwell gestoßen, wo ein Leidensgenosse davon erzählt hat, daß er damit sie Beine behandelt nach einem anstrengenden (Ski)Tag und die Essenz bei einer Kräuterhexe (heute würde man sagen Pop-up-Store) im Süden Kärntens direkt kauft. Ich habe die Adresse herausgefunden uns sie angerufen und nett gebeten, ob sie mir was schicken möchte. Das Mütterchen kennt sich aber nicht damit aus und mir war der Weg mit 8 Stunden Fahrt zu weit, ohne zu wissen, ob es hilft. Nach weiterer Recherche bin ich dann auf einen privaten Store aus einer Klosterschule in Niederbayern gestoßen und das nutze ich seitdem. Nur die reine Essenz direkt aus der Wurzel und gelegentlich auch das Beinwell-Balsam und nur von diesem Hersteller, es ist meiner Erfahrung nach das absolut reinste Zeug. Wer den Link wissen will, kann mir gern eine DM senden, da es immer wieder einmal ausverkauft ist und ich selbst Bedarf habe. Ich bekomme nichts dafür. Die Wirkung auf mich und das Knie ist phänomenal: absolut schmerzlindernd, abschwellend und eingerieben zur Nacht stehe ich am nächsten Tag (oft) auf und glaube, daß eigentlich gar nichts geschehen war. Probiert es aus, vielleicht ist es auch nur der Placebo-Effekt aber wenn selbst der mir hilft, dann es ist gut. Ich bin ja kein Chemiker und kein Heilpflanzenexperte, aber schaut einfach über den o.g. Wiki-Artikel weiter in die Materie rein, es könnte wirklich etwas an den Effekten dran sein, irgendwoher muss ja auch der Name "Beinwell" kommen.

Aus dem Wiki nehme ich mal ein Zitat raus und hoffe, daß dies ok ist (wenn nicht, können die Mods das auch gerne wieder löschen):

Die Beinwell-Arten wurden schon in alter Zeit als Heilkraut verwendet.[12] Der antike griechische Arzt Dioskurides etwa beschreibt das von ihm bereits so genannte Symphyton állo (σύμφυτον ἄλλο) ausführlich.[13] Ob allerdings die in der lateinischen Antike als alum Gallicum bekannte Heilpflanze dem Beinwell entspricht, ist unklar.[14] Jedenfalls leitet sich sowohl der altgriechische als auch der deutsche Name der Pflanze von ihrer Anwendung bei Knochenbrüchen und offenen Wunden ab. Auch bei Verletzungen von Bändern und Sehnen wurde den Pflanzen Heilwirkung zugeschrieben. Sowohl der heute anerkannte Gattungsname Symphytum als auch der in früheren Werken gebräuchliche Name Consolida (übersetzt „wachse zusammen“, von lateinisch consolidare; griechisch symphýein) beziehen sich auf das „Zusammenwachsen“.

In diesem Sinne wünsche ich allen Leidensgenossen gute Genesung, fahrt Rad und denkt daran: es geht immer weiter. Einen KBR kann man nicht verhindern, es trifft bekanntlich die austrainiertesten Profisportler, es kommt wie es kommt oder "nolens volens", und nur zuhause auf dem Sofa herumsitzen und sich in Watte einpacken ist ja auch keine Lösung. Ich freue mich auf eine spannende Diskussion und stehe für Fragen gerne zur Verfügung. Ski Heil, Hals- und Beinbruch, und allen noch viel Spass diese und kommende Saisons auf den Pisten dieser Welt und wo ihr euch sonst so rumtreibt.
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